NaNoWriMo – Die lange Orknacht #10: Erinnerungen & Grenzenlose Liebe

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

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Ich schau mir die ganze Gegend mal an. Wahrscheinlich hat sich Tibor, der stärkste und kritikempfindlichste Ork, sich mit dem grauhaarigen älteren Menschen angelegt, der aus der Zunft der Schmieden kommt. Breite Schultern und die grauen Haare zu einem Zopf nach hinten gebunden, hat er sich auf seinem Stuhl ein wenig zu Tibor gedreht. Er signalisiert damit, dass er einem Kampf nicht aus dem Weg gehen würde. Tibor drehte in seinen braunen starken Fingern ein kleines Teiglingmesser und schnitt mit der Spitze kleine Striemen in den Tisch, aber ohne dass die Wächter des Ladens etwas mir bekommen. Denn mit denen wollte man sich nicht anlegen.  Seine getreuen Ordnungskräfte waren aus den Anfangsjahren des Trainings von General Kabosch entstanden und perfekte Kriegsmaschinen. Nork’ti und Grall’ti hatten zugunsten der Zweigesichtigen Kneipe ihre Namen abgelegt und waren zwei der versiertesten Krieger Garo´tars. Aber es war nicht bekannt was sie dazu gebracht hat, den Krieg für Garo’tar hinter sich zu lassen, aber bekanntlich hat jeder sein Geheimnis. Aber beide waren interessante Erscheinungen.

Sie waren an die 2,20 groß und wirkten fast wie Zwillinge im Gesicht. Nork hat bedingt durch eine Augenverletzung eine Klappe, viele gehen davon aus, dass seine Augapfel gänzlich zerstört wurde. Sein übriges Auge hat eine feuerrote Pupille, darüber eine große buschige Augenbraue, während die andere Gesichtshälte von haar frei war. Wieder jemand der gut zur zweigesichtigen Kneipe passt. Gralls hervorstechendste Merkmal war ein leichter Überbiss, so dass seine unteren Schneidezähne, die wie Spitze einer Klauen wirkten und seine Augen waren schmale Schlitze. Sein orkisch geflochtener Zopf hing ihm bis zum Po und in diesen Haaren waren zumeist kleinere Messer reingesteckt, die im Notfall ihre Verwendung fanden. Was so widersprüchlich wirkte, ist dass Sie, wenn Sie nicht die Gäste in ihre Grenzen verweisen mussten, bewirteten Sie sie und wuschen die Holzkelche, um wieder nachzuschenken.

Beide standen, wenn die Kneipenmannschaft in voller Besetzung hinter dem Tresen stand links und rechts von der merkwürdigsten Gestalt, die Garo´tar / Garotan* zu bieten hat.

* Orks nennen die Gesamtheit der bekannten Welt Garo’tar und Menschen nennen sie Garotan. In ihrer Grundgesamtheit, neutral, heisst die Welt Garo. Diese wird von Personen genannt, die nicht eindeutig zu einer bestimmten Rasse einordbar sind.

Randal wurde durch den Brand seines Elternhauses und von den Überresten begraben. Sein Gesicht wurde zur Hälfte abgebrannt und die andere Hälfte so veranstaltet, dass man keine Anzeichen von rassentypischen Merkmalen finden kann. Er ist nicht sonderlich groß, aber trotz seiner groben Verunstaltung des Körpers ist er, außer es kommt zu Kämpfen herzensgut und ein vorzüglicher Gastgeber. Und vor allem durch seine Reisen sehr erfahren, das konnte ich bestätigen, die vielen Male, die ich hier war. Und diese Schlauheit nutzte ich aus.

Ich ging auf Randal zu. Ich zwinkerte ihm zu und flüsterte ihm kurz was zu. Ich bemerkte wie seine zwei Orks sich weiter in Richtung Gastraum vor den Tresen bewegten, denn die Konfliktparteien zischelten sich jetzt ihren Hass entgegen in Form von orkischen Plattitüden oder menschlichen Spitzfindigkeiten.

„Liebe Gäste des zweigesichtigen, danke Randal für eine tolle Möglichkeit, denn wir hatten uns gefragt, ob diese Orks“ Dabei zeige ich auf den Tross von Kabosch“ stark genug für einen Kampf mit diesen Getränken“Grall und Nork hatten die Getränke in die Hand gedrückt bekommen und gaben sie jetzt den Orks und den Menschen in die Hand.“ Und ob, die Menschen klug genug bleiben, um ihre Rückkehr noch in Holonia an die Ohren der anderen weiterzutragen.“

Beide Seiten hatte ich mit ihren Schwächen angesprochen. Die Menschen waren zögerlicher, als die Orks Kampf hörten, waren sie kurz in ihre Gruppe zurückgekehrt und hörte wie Tibor mit den anderen absprach, dass er den Kampf annehmen würde. Die anderen beiden aus Kaboschs Tross hatten aber auch Lust und verlangten jetzt noch mehr Getränke.

Der Grauschopf zögerte immer noch und schaute mir skeptisch in die Augen. Ich wusste ganz genau, was einem Menschen durch den Kopf ging. Warum sollte ich mich auf so ein Niveau begeben? Muss man jeden Kampf mitnehmen? Ich ging leisen Schrittes auf ihn zu und flüsterte ihm; dass es natürlich nicht ein Wettbewerb seines Formats ist, aber ein Sieg egal in welcher Disziplin, ein Sieg sei und dementsprechend weiter Früchte trägt. In dem nämlich die Geschichte von diesem Wettbewerb weiter fortgetragen wird.

Die Menschen musste man bei Ruhm und Ehre packen, den Ork bei seinen Händen, die kämpfen wollten. Der Mensch lächelte und sprach etwas lauter in den Gastraum, dass er es alleine mit dem Ork-Trio aufnehmen könnte. Die Bedingung sei, stehenzubleiben. Wer zuerst umfällt, hat verloren.

Um den Wettbewerb zu beginnen zeigte ich natürlich, dass das Getränk nicht vergiftet war. Menschen waren misstrauisch und darum trank ich zum Start einen Holzkelch aus.

Ich hatte zwar nicht andere Stoffe den Wettbewerbsteilnehmern in die Getränke gemischt, aber auch die Menge macht es. Ich hatte eine leichte Variante des Riels getrunken und den anderen wurde eine dreifache Menge der Kräutermischung hinzugefügt. Wohl bekomms!

Während der Trinkwettbewerb weiter von statten, machte ich meinem Gefolge klar, dass wir den Rückzug antreten werden. Zuvor wollte ich aber nochmal etwas nachschauen.

Ein unbestimmtes Gefühl hatte mich nochmal in das Hinterland der Zweigesichtigen gehen lassen. Ich erreichte die Regentonne und natürlich war dahinter niemand. Irgendwie musste ich über diese seltsame Konstellation nachdenken. Ein schwächlicher Ork, eine zierliche Frau hinter der Bar eines Wesens, das weder Ork noch Mensch war. In dem gerade eine neue Art von Kampf tobte, die nicht mit dem Tod endete, sondern wahrscheinlich mit dem typischen Frogi*.

* Eine Art post-trinker-Wachkoma, bei zuviel Konsum von Riel, der am nächsten und bei übermäßigen Konsum sogar den Tag danach beeinflusst. Orks verzogen sich nach übermäßigem Verzehr gerne mal zwei Tage in eine Höhle zurück und wärmten sich gerne am Feuer, denn eine Nachwirkung war das Empfinden von Kälte

Ein Ork und ein Mensch in dieser Welt zusammen, wenn sie sich nicht verletzen. Ich weiß nicht, ob das funktioniert.

Tarok’ti‘Kendar

Die letzte Nacht, woran kann ich mich erinnern? Mein Kopf dröhnte, die Präsenz von Arka in meinen Erinnerungen, der nie wirklich bei meinem Hosenkampf dabei war. Der war unterwegs, das wusste ich, denn Heri war damals gerne auch ohne ihn aufgetaucht. Ich hoffte damals, dass sie diesen Vorfall nicht mitbekommen hatte.

DIE FÄHRTE, schießt es mir scharf durch den Kopf. Ich sah in meiner Nähe Spuren, die aussahen als wären zwei Pflüge nebeneinander dauernd parallel gezogen wurden. Dazwischen fanden sich Hufeisenabdrücke. Pferde. Menschen benutzten Pferde. War ich hinter diesen Spuren hinterher? Menschen? In mir blitzte das Gesicht eines großer Mann mit einer großen Harkennase auf, mit durchdringenden schwarzen Pupillen. Ich sah selten Menschen, aber wenn kamen sie mir immer wie glitschige pinke Aale vor, die sich mit Technik schützen mussten, weil ihre Haut viel zu dünn war. ABER GUT FÜR UNS ZUM SCHNELLEN DURCHSTECHEN.

Irgendetwas stimmte in meinem Kopf nicht. Aber die Schemen dieses Gesichts ließen mich zusammenzucken. Denn dahinter sehe ich eine auf dem Boden liegende Heri, die alleine in unserem Lager schlief. Nein, nicht schlief, sondern bewusstlos war. Der Lärm um sie herum und das Feuer weckte sie nicht auf und sie war normalerweise sehr feinfühlig bei Lärm oder Feuer. Musste man mit Marna als Tochter auch.

Doch in meinem Kopf war meine NI‘JI…ehm…Frau wie ein Stein. Ihre Gesichtszüge waren wie eingefroren als unsere Höhle fast in Brand geriet. In ein seltsam einschläferndes Feuer. Schlafen wollte ich auch, aber dieser Mensch hindert mich. Aber vorher habe ich es selbst verhindert.

Während ich das beklemmende Gefühl nicht los werde, dass ich nicht alleine bin, renne ich zurück, den Blick auf den Wächter um nach Hause zu kommen. Irgendetwas stimmte nicht, ich musste zu Heri zurück. Und dann konnte sie mir sagen, was mit mir nicht stimmt, denn niemand kennt mich besser als sie. Bei ihr fühle ich mich voll, in ihren Armen.

Und gestern wollte ich zusammen mit ihr in ihren Armen einschlafen und noch mehr. Langsam scheint die Erinnerung zurückzukehren, währen ich zurück in die Daro-Ebene renne. Auf beiden Seiten sind hohe Gräser und ich eile über den steinernen Weg.

Während der Weg an mir vorbeizieht, kehrt der Moment zu mir zurück, bei dem ich an Arkas Stamm stehe und mich die Wut und die Scham über ihn und mich selbst ereilt und ich das Fallumikraut einnehme.

Ab dann fühlte sich alles wie ein Rausch an. Ich hatte das Kraut zu mir genommen und war aus der geheimen Höhle getapst. Da ich selber nur aus Büchern wusste wie lange es dauerte bis das Fallumikraut wirken sollte, hatte ich noch bisschen Zeit. Ich wollte für Heri endlich einmal ein Ork sein, den sie brauchte: stark und mächtig. Ich passierte die äußere Hauptkammer von Ti’Falun & Ta`Gelan, um wieder auf den Weg Richtung unserer Familienhöhle einzubiegen, als ich wieder an den beiden Wächtern der Höhle der Entweichten vorbeiging.

„Na, fertig mit dem Sammeln, hast du dein Weidenkörbchen nicht mitgenommen?“

Hier passierte das allererste Mal, dass ich dieses Dröhnen im Kopf bekam. Dieser dumpfe Ton, ein langgezogenes UUUUUU blockierte mein Gedächtnis. In dem Moment als ich reagierte, sprang mein Kopf ein Schritt weiter und ich befand mich weiter auf dem Weg. Ich drehte mich zurück und konnte aus der Ferne sehen, dass beide Wächter einigermaßen verdutzt dort standen. Kril kratzte sich den Kopf und Naval hatte seine Axt mit dem Haltestock voran in den Boden gesteckt. Warum fühlte ich mich bloß so gut und befriedigt? Hatte die Wirkung des Krauts schon begonnen?

Ich bog wieder zurück auf den leicht angelegten Weg, der verschiedene Höhlen und den zentralen Platz der Daro’Ebene, die Kriegsschmieden und ein kleine Lebensmittelallee und dem Aufstieg zum Trainingsplatz. Diesem verhassten Platz meiner Goi-Zeit. Gesäumt wurden diese Wege von doppel-mannshohen Eichen, die tagsüber im herbstlichen Rot erstrahlten. Aufgrund der Dämmerung, die mittlerweile schon die Nacht dringend ankündigte, waren die Eichen stille Beobachter meines geschwinden Gangs nach Hause.

Ich erinnere mich noch, dass es in mir kribbelte, laut der Beschreibung, dauert es bei Fallumikraut eine Stunde bis es seine Wirkung zeigt. Aber ich fühlte Das Kribbeln nicht im unteren Bereich meines Körpers, wo es seine Wirkung am ehesten durchziehen sollte, sondern auch in meiner Schläfe. Es pochte dort und rumorte. Einen kurzen Moment schaute ich mich um und dachte die Eichen wären eine Armee aus den kriegerischsten Orks, die sich zu einer Jagd aufmachten. Sie salutierten mir und standen stramm. Sie zeigten Ehrfurcht vor mir, so ein Gefühl hatte ich noch nie gehabt. Ist das die Wirkung des Liebeskratus? Vielleicht schmeichelte das den kriegsverliebten Orks so sehr, dass sie dadurch sich stärker fühlten.

Ich musste zugeben, dass ich dieses Gefühl noch nie so verspürte und es etwas Inneres in mir ansprach, was mich glücklich stimmte. Aber auch aggressiv.

Auf dem Weg nach Hause sah ich ein paar Männer und Frauen-Orks, die ebenfalls nach einer Jagd oder Übungen nach Hause wollten. Ich grüßte nicht, wie es für sich begegnende Orks gehört, aber ich wollte schnell nach Hause. Ich wollte doch noch eine neue Art von pflanzlichen Eintopf einsetzen und Heri in den Arm nehmen.

Heri hatte bestimmt schon ein Feuer angesetzt und das lager nett vorbereitet. Aus der Ferne sah ich die steinerne Mauer, die es Fremden unmöglich machte, von weitem in den Eingang unserer Höhle zu sehen.

Lichtschein tanzte aus dem Inneren der Höhle herüber. War da was passiert? Ich schlich langsam an die Vorhöhle, da ertönte schon ihre Stimme „Tarok’ti’Kendar, ti nomo Garo ta!“*

*“Tarok, du bist meins in Garo’tar, meine Liebe!“ der Satz „ti nomo Garo ta“ ist die Formel, wenn sich zwei Liebende, die den Familienverbund eingegangen sind und sich liebevoll begrüßen wollen. Wenn beide zusammen sind, ohne Kinder zu haben, begrüßen sich beide mit dem Spruch „Ti folto Garo, ta folte Garo“ was so viel bedeutet wie „Du und ich schaffen Gutes für Garo’tar“. Mit Gutes sind natürlich hier die Kinder gemeint, denn jede Beziehung in Garo’tar dient nur dem Zweck der Fortpflanzung. Jedwede Beziehung ohne Kinder wird im Durchschnitt nach zwei Umrundungen getrennt, da die Gesellschaft es wenig toleriert.

Heri’ti’Arka umarmt mich. Sie ist eine tolle Frau. Sie hat blonde Zöpfe, die hinten gestriegelt anliegen. Sie hat die blauen Augen ihres Vaters mit dem durchdringenden Blick geerbt und die Statur ihrer Mutter mitbekommen. Ihre Mutter ist etwas voluminöser, was Heri versucht nicht ebenso zu erreichen, weswegen sie öfters alleine im Wald trainieren geht, denn Frauen bi den Orks sollen eigentlich nicht kämpfen. Frauen sind für die Fortpflanzung in Garo’tar zuständig, ausser bei den Rot-Orks da sind die Frauen federführend. Aber auch in Daro wollen Frauen langsam auch gleichberechtigt an allen Aufgaben beteiligt werden. Aber in der orkischen Armee  von Daro gibt es noch keine Frau, soweit ist es noch nicht gekommen. Auch wenn Heri gerne etwas daran ändern würde. Insgeheim trainiert sie glaube ich Marna, die großes Interesse an Kämpfen und Rangeln hat.

Heute hat sie einen grünen leichten Mantel an der hinten eine kleine Kapuze hat, der vor Regen schützen soll. Im rechten Ohr hat sie einen Ring aus Etai, bei die Namen unserer Kinder und unserer beiden Namen mit einem kleinen Lagerfeuersymbol, das für Familie steht. Sie hat diesen betörenden Duft aufgelegt, den ich seit unserem ersten nahen Treffen nicht mehr aus der Nase bekomme und der an ihrem Körper an manchen Stellen noch  intensiver vorkommt. Der Duft ist eine Mischung aus Lavendel und Zimthölzern, die eine klitzekleine Note von Rauch mit sich zieht, der das ganz herber macht. Immer wenn ich das rieche erinnere ich mich vor allem an ihren ersten Blick bei den Trainings. Den ersten, den sie mir zuwarf, in der eine Mischung aus Faszination, aber auch leichtem Unglauben dabei war. Die Faszination kann ich bis heute eigentlich nicht genau erklären, aber der leichte Eindruck von Unglaube kam aus dem Grund, dass ich im nächsten Moment ordentlich von einem schwächer aussehenden Ork eins auf die Mütze bekommen habe. Beide Erinnerungen habe ich gut gespeichert. In schweren Zeiten kommt dieses Bild wieder hoch und ich frage mich, was sie an mir findet.

An unserem Röstfeuer liegt ein erlegter Ganji. Ein schwer zu fangender Großvogel. Sein großer Schnabel lächelt mich an, während sein Wanst nackt über dem Feuer gart. Er lächelt so zufrieden als wäre sein unvermeidlicher Tod eine Erfüllung gewesen. NUR EIN TOTER GANJI, IST DER RICHTIGE GANJI. Kurzes Dröhnen in meiner Erinnerung. Gerade fragte ich Heri noch, woher der Vogel kam, da lächelte sie mich an und schmiegte sich an mich. Dabei flüsterte sie mir ins Ohr, dass sie den Vogel mitgebracht hätte. Doch mit ihrem Blick verschwimmt ihr Bild und ein tiefes Seufzen macht sich in mir breit. Wie konnte ich sie zum Jagen losschicken? WIE KONNTEST DU SIE ZUM JAGEN LOSSCHICKEN?

Ruhe. Ich…merke wie in meiner Erinnerung wieder ein Zeitsprung sich vollzieht. Ihr Blick auf mich verblasst und ihr helles Gesicht verwandelt sich in das Feuer, das jetzt ohne Ganji dort steht. Die zwei Stöcke liegen ein wenig kokelnd vor sich hinbrennend im Raum, aber ohne das unsere Höhle in Gefahr wäre. Ich schaue mich um und bemerke, dass ich im Lager der Kinder liege und nicht in unserem gemeinsamen Lager. Heri liegt von mir abgewendet mit Fell bedeckt in unserem Lager und schläft wohl mit Gesicht zur höhlen Wand. Ich fühle unbändige Wut. Hatte ich kurz zuvor nur einen kleinen Stich in meiner Brust gehabt wegen des röstenden Vogels hatte ich das Gefühl mein Herz wäre vor kurzem geplatzt.

Und noch etwas fühlte ich. Meine Nervenenden kribbelten und in meiner Lendengegend reckten sich meine Genitalien in die Höhe. Ich tastete mich ab. Das Fallumikraut hatte angefangen zu wirken und zwar viel stärker als ich dachte. Ich musste zu ihr ins Lager, aber ich hatte das Gefühl ,das wäre keine gute Idee mehr. Ich hatte irgendwie den Abend zerstört. War es wegen des Vogels?

Ich rannte mittlerweile auf dem Weg, weil ich ein immer schlimmer werdendes Gefühl von Verzweiflung in mir aufkam, aber gleichzeitig wollte ich etwas anderem folgen, wie ein Mularpa seiner Beute.  Aber ich rannte nicht in die Richtung, die mein innerer Mularpa folgen wollte. Ich war in die falsche Richtung unterwegs. Ich versuchte etwas zu erreichen, als mich wieder die Erinnerung ergriffen.

Wieder lächelte mich Heri an. Diesmal aber hatte ich aber das Gefühl, dass ich selbst in einem kleinem Raum saß und durch einen Sichtschlitz mich selbst beobachten konnte. Ich war in dem Moment nicht mehr ich selbst. War das die Wirkung des Fallumikrauts? In diesen kleinen Raum gesperrt, war ich selbst nur Zuseher meines eigenen Treibens. Und was sich mir da als ein Schauspiel bot, war in höchstem Maße unangenehm.

Heri schaut mich an und ich entzog mich ihrer Umarmung. „Was soll das denn?“ fragte ich Heri mit einem strengen Blick. Sie selbst verwundert wich etwas zurück und fragte nach, was ich meine.

„Natürlich den Vogel, der auf dem Röststab über unserem Feuer schwebt. Hast du ihn gefangen?“

Heri atmete kurz unsicher ein und antwortete, dass das Ganze nur als Geschenk geholt hatte. Sie war heute, während ich im Geschäft war im Wald und ein Ganji war zufällig in ihrer Gegend. Da dachte sie es wäre ein tolles Geschenk.

Ich sprach in ruhiger Stimme „Aber Heri’ti’Arka, ich hatte vor selbst etwas zu kochen mit einer Mischung aus Kräutern…“

„Das kannst du gerne noch dazu machen, ich dachte ein bisschen Fleisch noch dazu und zwar nur für uns zwei kann…“

Ich war bis dahin ruhig, aber in diesem Moment sah ich zum ersten Mal einen ganz andere version meiner selbst vor Heri stehen. Ich baute mich mehr auf, was aus meinem kleinem Raum mit den Sichtschlitz irgendwie fremdartig wirke, denn ich war nie muskulös. Meine Augen starrten Heri nun unablässig an, als wollte ich ihr mit meinem Blick drohen. Ich erhob die Stimme.

„Eine Frau hat nicht zu jagen, das mache ich, Ni‘‘ji*! Ich hätte den Ganji den Hals umgedreht und vorher den Speer durch sein Hinterteil gejagt.“

* Ni’ji sagt ein Mann in der Daro-Ebene, wenn er seine Frau verniedlichen, aber auch in ihre Schranken verweisen will. Ni’ji heisst dabei herabsetzend, dass die Frau an das Lagerfeuer gehöre und ihr Wirkungskreis nicht größer sein sollte. Der mann habe das Sagen.

Heri beugte sich nach vorne, ich hatte nicht auf sie geachtet. WAS DACHTE SIE SICH? War ich zu harsch? WENN WAR ICH ZU WEICH!

Sie guckte wieder hoch und ihre Mundwinkel waren weit geöffnet, denn sie lachte herzig über meinen Satz. „Oh Tarok, wie lustig. Du klangst fast wie.“

Jedes Lachen, jeder ihrer Gluckser fühlte sich wie ein Stich in mein Herz an. Ich fühlte mich mehr als gekränkt. Besser ich sah wie ich gekränkt war, denn immer noch erstickte mich dieser gedankliche Raum ,in dem ich nur durch einen schmalen Schlitz und wie durch einen nebel die Szenerie mitansehen konnte. Jetzt wurde es grotesk. Es mutete wie ein Theater an, so nannten das Menschen in ihrer Welt, hatte ich gelesen. Dort stellten sich Menschen auf erhöhte Podeste und taten so als wären sie andere. So empfand ich das was ich da sah. Ich machte Theater.

Und jetzt kam das bittere Finale. Ich redete nicht mehr. Durch ihr Lachen brannte ich vor Wut, denn anders konnte ich es mir nicht erklären, dass ich versuchte den heißen Vogel vom Feuer hochzuheben. Dieser plumpste ein Stück  neben das Lagerfeuer. Heri stand an die Höhlenwand gedrückt und hatte schlagartig aufgehört zu lachen. Sie verfolgte mein Handeln.

Ich zog jetzt mit schleifenden Geräuschen den Vogel über den Boden und hinterließ eine Schleimspur vom nackten Fleisch des Ganjis. Am Höhleneingang stieß ich den Vogel wutentbrannt die Böschung neben der Höhle herunter. Der Vogel lachte in meiner Erinnerung nicht mehr, der Hals war nun mehrgebrochen, das Knacksen hatte man mehrmals gehört. Im dunklen Mondschein erkannte man nur den großen Schnabel, wie er aus dem Gestrüpp rausschaute und aussah als würde er gleich „Rettung“ rufen.

Ich stand und sah kurz dem Vogel beim Runterfallen nach und es machte mir großen Spaß wie dieses tote Tier unsere Höhle verließ. Es war ein Zeichen, dass sich meine Frau mit Dingen beschäftigte, die mir zustanden. Das ging durch meinen Kopf als wären es nicht meine Gedanken. Natürlich wollte ich ihr ein guter beschützender Mann sein, aber diese Rohheit meiner Aktionen verstand ich nicht. Der Sichtschlitz meines gedanklichen Gefängnisses wurde nur noch kleiner. Ich hatte in meiner Erinnerung gar keine Kontrolle mehr über mich selbst. Ich erspähte nur noch wie ich zurückstapfte und wie ein Gefühl der Stärke, nenne wir es ganz plump Geilheit übermannte. Unter meinem Lederschurz stieg das Blut in meine Leistengegend, mir wurde warm. Statt der entfachten Wut durch ihre Anmaßung war ich jetzt einfach nur noch eine Ausgeburt des Fortpflanzungstriebes. Ich ging auf Heri zu, mit dem Gedanken ihr den grünen Mantel vom Leib zu reißen.

Ich sah nicht mehr viel, nur noch wie ich an den grünen Mantel griff und versuchte zu zerren und dann spürte ich wie ihre harte Faust in mein Gesicht fuhr. Es war dunkel um mich herum. Nach einem kurzen Sturz ins Schwarze war ich wieder im Lager der beiden Kinder und Heri lag abgewandt von mir.

Das Gefühl, dass ich zuviel Fallumikraut genommen hatte, stieg in mir auf. Als ich aufwachte hatte ich neben des Gefühl einer tanzenden Libido in meinem Körper, ein Gefühl von Schuld. Was hatte ich nur getan? Ich konnte mich in dem Moment nicht daran erinnern, was passiert war, wie ich es jetzt tat. Doch immer noch, während ich den Weg durch die Grassavanne zurücklegte, fühlte es sich nicht so an als wären es meine Erinnerungen.

Ich versuche aufzustehen aus dem Kinderlager, aber ich kann nicht. Ich fühle mich zu schwach. Mein Glied schmerzt so vollgepumpt mit Blei ist es, dass ich nach nur wenigen Augenblicken fast wieder einschlafe. Doch es ist nicht nur das Gefühl in meiner Lende, nein, auch die Atmosphäre in der Höhle lädt zum Einschlafen ein. Erst jetzt fiel mir auf, dass die Höhle grün leuchtet. Das Feuer es ist so grün als brennt Heris Mantel. Hatte ich ihn etwa ins Feuer geschmissen?

Als ich das Feuer erblicke, sehe ich ihn plötzlich. Einen in dunklen Leinen gehüllten Menschen. Nur seine große Nase und seine durchdringenden schwarzen Pupillen sind im Licht des grünen Feuers erkennbar. Er hat seine untere Gesichtshälfte vermummt, ebenfalls in schwarzen Leinen. Er beobachtet mich. Er schleicht zu Heri herüber. Ich muss ihr helfen.

Er geht zu ihr, sie liegt immer noch abgewendet. Ich kann ihren Kopf kurz aufrichten sehen, doch er bläst ihr ein Pulver ins gesicht. Es schimmert kurz grün wie ein Lichtstrahl und Heri sinkt zurück. Diesmal sehe ich ihr Gesicht. Sie sieht aus wie der Ganji vor dem Höhleneingang, den ich weggeschmissen habe.

Ich muss zu ihr. Der Mensch schleicht zu ihr und packt sie an den Armen. Kurz erkenne ich wie eine weitere person reinkommt. Sie wollen sie wegnehmen. Ich kann nicht weiter zusehen, ich richte mich schnell auf. Jedenfalls versuche ich das. Dieser grüne Dunst hat mich so schläfrig gemacht und das Fallumi sowie Heris Schlag haben mir zugesetzt.

Torkelnd stehe ich auf und bin mehr schlecht als recht auf den Beinen. Der Schwarzgehüllte hat Heri immer noch an den Armen, sie ist ihm zu schwer. Als er mich aufrecht stehend sieht, zuckt er keinen Moment. Er kann aber kein Pulver in meine Richtung sprühen, trotzdem scheint er kurz abgelenkt zu sein. Er schaut zu meinem Lederschurz aus dem mein Genital heraussticht. Das scheint ihn für einen kurzen Moment zu verwirren. Sein Helfer kommt zurück, auch der ist in Leinen verhüllt. Er trägt einen Speer und hält mich auf Abstand, indem er ihn in meine Richtung hält.

Nötig ist es nicht, denn mir schwirrt der Kopf und ich kippe seitlich um mit Blick zum Höhlenausgang. Beide schleifen Heri heraus, sie stoppen irgendwie ganz kurz. Bevor ich zu Boden gehe, sehe ich noch wie der kleinere schwarzverhüllte Mensch ein Pulver in Richtung des Größeren. Heri hängt in der Mitte in den Armen und wird an etwas befestigt. Zum Schluß macht es ein lautes Poff in meinen Augen und ich sehe bevor meine Erinnerungen mich verlassen, wie die beiden schwarzen Gestalten einfach immer größer werden.

Die Schwärze verlässt mich relativ schnell. Heri ist weg. HOL SIE ZURÜCK! Ich muss sie zurückholen. Ich erwache. Das Lager ist durcheinander, an dem Lager liegt irgendetwas. Ein Block, den Menschen benutzen. KEINE ZEIT ZUM LESEN, LAUF! Ich sehe nur kurz, was für ein Blödsinn darauf steht, warum sollten die Menschen einen Block hierhin werfen. Egal. Und ich dämmere weg. ich wurde wieder in den kleinen Raum gesperrt, Sehschlitze. Nicht ich erwache, ein anderes ich wie bei meinem Streit mit Heri. Es war kein Streit mit mir.

Er erwacht. Er taxiert die Umgebung. Die Fährte wird aufgenommen. Ich muss los, denn die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag, Heri wurde von Menschen entführt. NIEMAND NIMMT MI TA WEG! Heri ist meine Frau. TA. Ich sprinte, mein Körper sprintet, die Spuren sind noch da. Zwei Pflüge parallel haben den Weg leicht gepfrecht aber nicht auf dem hauptweg. Durch Gräser geht es weiter. Die Dunkelheit zieht an mir vorüber. An ihm. Und schließlich renne ich an zwei Orks an Daros Ortsausgang zu. Ich renne sie fast um, diese WÜRMER! Ich renne immer weiter, ich weiß nicht wieviel Zeit Abstand mittlerweile zwischen mir und den Entführern ist.

Ich kann nicht mehr, aber SIE IST meine Frau, ich muss sie wiederholen. NIEMAND KRÜMMT MEINEM HERZ EIN STÜCK! ICH WERDE SIE ALLE TÖTEN!

Mein Körper kommt nicht mehr mit, diese Art zu rennen, ich bin nie im Training gewesen. Mir flimmert die Umgebung vor den Augen, ich bin da angekommen, wo ich vorhin aufgewacht bin. Und jetzt weiß ich warum ich hier gelandet bin und nicht weitergegangen bin. Ich rannte auf jemanden zu, der im Grasland in der Ferne stand.

Sein blutroter Helm aus dem seine Hörner hervorstechen, seine Etai-Schulterpolster und die prächtig geschmückte Kriegsrüstung erkannte ich sofort wieder. Sein Kopf darunter hatte kein Fleisch, sein Skelettkopf bewegte seinen Unterkiefer und entließ mit dem dröhnen brachialen Ton, den nur er drauf hatte einen Satz: LAUF WEITER, DU WURM! Und in dem Moment brach ich zusammen und mein Kopf dröhnte wie ein Nebelhornkonzert.

Gerak’ti’Karan

Ich stand mit den beiden Kindern im Vorraum der Höhle. In der nahenden Dämmerung des Tages erkannte ich eine ganz dezente Schleimspur, die vom Hauptraum nach draußen führte. Sie roch nach Vogel, vielleicht Ganji. Aber nur sehr schwach. Die Spur führte draußen links zur tieferliegenden Böschung. Ich lugte vorsichtig heraus und fand nichts. Im Gebüsch selber gab es eine Einbuchtung als hätte dort etwas gelegen. Hatte der Eindringling einen Ganji die Böschung runtergeworfen? Warum sollte er das tun?

Aber ich hatte Romis Frage nicht beantwortet. Die Kleine stellte eine wichtige Frage in den Raum, die ich wahrscheinlich am einfachsten mit „Reflex“ beantworten konnte, aber das verstehen die zwei nicht.

Romi starrt mich dabei so fragend an, ich kann mir vorstellen, was ihr durch den Kopf geht. Denselben Gesichtsausdruck hatte ich vor sehr vielen Jahren bestimmt auch in meinem Gesicht.

NaNoWriMo Die lange Orknacht #9: Dieser Ork, hinter der Kneipe

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

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Da ich im Schleichen ziemlich geübt war, bog ich erst kurz vor dem hölzernen Eingang der zweigeisichtigen Bar nach rechts ab, folgt der steinernen Außenverkleidung bis ich auf eine Regentonne stieß. Doch dahinter versteckt, stand ein junger Goi, der eigentlich beim Training sein sollte. Aber bei General Kaboschs Training kann ich gut nachvollziehen, dass das Ausland eine gute Alternative sein kann. Es war ein schmächtiger Goi, eine Mischung aus Stein-Orks und den Daro-Orks der Zentralebene. Eine gräulich-blaue Hautfarbe machte ihn relativ unauffällig. Ich denke in der Masse der starken braunen Orks geht dieser kleinere Ork wahrscheinlich unter. Natürlich kann auch er über ein Talent verfügen, was ich nicht sehe. Wer konnte das besser beurteilen als ich. Mit ängstlicher Miene taxiert mich der der Grauhäutige und versucht in meinem Blick etwas zu lesen. An seinem Kopf sind Prellungen. Er hat durch seine kleine Nase einen silbrigen Ring uns seine Haare sind hinten zu einem Zopf gebunden.

Ich schaue kurz nach hinten und bemerke wie dort noch das ein Meter hohe Gras raschelt.

„Na,…wie heisst du?“ frage ich den Grauhäuter und schiele dabei kurz in die Richtung des Grases.

„Ich b…bin Karon’ti’Marter und…“

Ich gehe ein wenig um ihn herum, um dann, während ich seinen Satz noch vervollständige, dass er gerne hinter Kneipen rumlungert, ins Gras reinspringe und zu meinem Erstaunen eine menschliche Frau erblickte. Sie hatte lockiges rotes Haar in einer metallenen Etai-Spange etwas strenger nach hinten gekämmt. Sie schreckte so sehr auf, dass sie weglief, hinein in das wilde Gras. Ich ging zu Karon zurück und , ganz ehrlich, ich wusste nicht was ich sagen sollte.

Ich hatte schon geschrieben, dass Orks nicht sehr viele Worte über Liebe untereinander finden. Das Geschlechts des Anderen, das nächtliche Treiben, am frivolsten ist wohl der Ausdruck „Nor ti rektar gol ta ninja.“ Das bedeutete ungefähr, dass der Bulle zum Weiden aufs Gras geführt wird. Wenn Orks das in einer Runde sagten, ging aber nicht das grosse Gegröhle los, sondern die Runde schwieg kurz und der Aussprechende entfernte sich. Über diesen wird dann auch nicht mehr geredet. Wenn es aber über das Reden außerhalb der Rasse geht, herrscht sofort eisiges Schweigen. Es gibt unter den Orks natürlich auch die Radaubrüder, die wenn die einen Artgenossen entdeckten, die sich mit dem Erzfeind der Menschen in anderer Form als Krieg näherten, dann sofort anfingen diesen zu drangsalieren. Und in meinem erweiterten Tross gab es darunter mindestens drei Kandidaten, die nicht weniger als ein Kradell fordern würden.

„Was habt ihr hier gemacht?“ versuchte ihn zu fragen, aber bemerkte, wie sich von hinten ein Schatten näherte. Ich drückte das Menschenmädchen unsanft zurück ins Gras, so dass Sie auf den Po fiel. Ich schmiss Maron, den Speer zu und gab mich in Verteidigungsstellung.

Dab bog um die Ecke und suchte mich. Er schaute sich kurz um, sah wie Maron wacklig mit dem Speer im Arm stand und ihn halbherzig in meine Richtung zeigte. Ich brüllte ihn an „Nach unten richten. Energischer!“

Dab blieb neben uns stehen, ich tue so als wäre ich im Übungsmodus mit ihm. Maron hatte den Speer sowieso kraftlos nach unten zeigend in der Hand, darum passte meinen Befehl einigermaßen zur Situation. Ein wenig zeigte Maron mit dem Speer in Richtung meiner Beine, er hatte endlich begriffen, was ich vorhatte. Trotzdem schaute er weiter in die Richtung des hohen Grases. Dieses rotlockige Mädchen hatte ihm den Kopf verdreht, das konnte man nicht anders sagen.

Mein Begleiter aus dem Tross stand erstmal kurz neben uns, um die mehr schlecht als rechte Vorführung anzusehen und sprach mich dann an: „Farfar’ti’Walla, wir haben drinnen Probleme. Kaboschs Männer…“

„Ich war doch erst eine Minute hier draussen, ich wusste mit denen gibt es Ärger. Was ist denn los?“

Aus den Augenwinkeln erkenne ich, wie das Gras leicht raschelt. Dab soll nichts mitkriegen. Der schaut sich nochmal Maron an. „Maron, ist jetzt nicht Trainingszeit?“

Maron wusste nicht so recht, was er antworten sollte, also musste ich schnell einspringen. Aber wie kann man einer fast heiligen Pflicht nicht nachkommen? Zudem sprach er den kleinen Goi abfällig ohne den Namen des Vaters an, Maron hatte wohl keinen guten Stand bei den anderen Artgenossen. Mit solchen Orks hatte ich immer Mitleid.

„Dab, Karon’ti’Marter soll mir ein paar Erkundigungen einholen. Das ist abgesprochen mit dem Gerfo*. Für unsere Reise brauche ich ein paar Infos über das Etablissement des Zweigesichtigen. Aber wichtiger ist, was ist dort drinnen los?“

Ein kurze Säuerung des Gesichtsausdrucks von Dab konnte ich ausmachen, schließlich hatte auch ich ihn jetzt abschätzig angesprochen. Wie du ihm, so ich dir. Karon machte nicht Anstalten dem zu widersprechen und war sehr nervös. Er nestelte an meinem Speer herum und schaute keinem von uns beiden in die Augen. Dab schaute skeptisch in die Richtung von Karon, ich durchbrach dieses Schweigen und ging an dem schweigsamen Ork vorbei, entriss ihm den Speer, klopfte ihm kurze auf die Schuter und däute ihn dabei leicht in die Richtung des Grases und ging zum Eingang des Zweigesichtigen…

Was Karon auch vorhatte, er sollte es lieber aufhören, denn bei Vermischung von verschiedenen Rasen kennt der Ork keinen Spaß und auch die Menschen scheinen nicht in Begeisterungsstürme auszubrechen.

Im Rückblick will ich die Ereignisse im Zweigesichtigen nicht zu sehr in die Länge atmen, denn was sich mir bot, waren die typischen Auswüchse eines Tages im Zweigesichtigen.

Im häufigsten Fall begann irgendeine Ansammlung von Personen, irgendeine wilde These über die jeweils andere zu behaupten. Die wiederum konterten mit einer mehr oder minder klugen Erwirderung und schließlich gipfelte das Ganze in einem Schlagabtausch, der nach einem ausgeführten Schlag zu Ende gebracht wird. Vom Barbesitzer Randal’ti.

Randals Spezies konnte man nicht eindeutig feststellen, er war ziemlich vernarbt im Gesicht. Legende rankten sich um die Gesichte Randals, aber wenn alle Fakten zusammengetragen werden, ergibt sich folgendes Bild:

Randal’ti hat keinen Nachnamen, denn er hat seinem Vater abgeschworen und dient nur noch einem höhere Gut, nämlich des Friedens und Spaßes durch Geselligkeit. Zudem ist Randal’ti auch kein Ork, sondern eigentlich ein Mensch, aber der Krieg hat ihn so zugerichtet, dass es nicht mehr ganz erkennbar war.

Randal, so wird gesagt, ist der Sohn eines gaunerischen Menschen gewesen, der stahl, egal welcher Rasse derjenige zugehörte. Von Friedenszeiten profitierte er dabei mehr, denn so konnte er mit unbestätigten Gerüchten den unter- oder unterschwelligen Hass des zu Bestehlenden schüren. Meistens funktionierte das auch, bis er es zu weit trieb und die beiden Seiten so reizte, dass dabei sein Haus dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Der diebische Vater liebte es seine Talente einzusetzen und irgendwann log er beiden Seiten, Menschen und Orks, etwas von einem Etai-Lager vor, dass sich an der Grenze zu  beiden Rassenreichen befinden sollte. Beide Seiten lösten aber diesen Betrug auf und verfolgten die Spur des Gauners. Eines Abends als Randal noch schlief wurde in einer Stürmung das ganze Haus Randals zerlegt und Vater und Mutter wurde von beiden Seiten getötet. Ein Feuer brannte alles nieder, die Ruinen dampften noch, als sich beide Seiten wieder verzogen. Das vom Vater angehäufte geklaute Essen wurde ganz vom Feuer sofort zerstört. Randal krabbelte nach zwei Tagen kraftlos aus den Minen und sein ganzes Gesicht wurde mehr oder minder zerkratzt. Dabei verliefen die Kratzer so, als wäre ein Teil seines Gesichtes die typisch-orkisch kriegerische Fratze und die andere Seite eher das tumbe Aussehen eines menschlichen Bauers.

Nicht nur das die beiden Seiten das Haus zerstört hatten, sondern sie hatten auch den Vater gehängt mit leeren Taschen als Beweis für seine Erfolge am Ende seines Lebens. Randal suchte noch die Mutter. Diese röchelte unter einem Stein ihren letzten Lebensatem und fragte ihren Sohn noch was mit den Vorräten des Vaters passiert sei. Randal antwortete, dass diese alle verbrannt seien. Sie meinte nur noch er müsse die Vorräte wieder auffüllen. Zeit seines Lebens hatte der Vater von allen Leuten geklaut und nicht mal viel seiner Familie gegeben, der Geiz hatte ihn zusätzlich zerfressen.

Randal dachte von dem Tag an, dass es sinnvoll ist, dass man Vorräte hat, um zu überleben, aber man statt dem Diebstahl lieber seine Vorräte teilen sollte um nachher mehr zu haben. Sein vater hatte zeit Lebens nur gebunkert und nicht mal für die Familie. Zusätzlich hatte Randal keine Lust mehr zu irgendeiner Seite dazuzugehören und gab sich die Naschsilbe ‚ti ohne den Namen des Vaters um seine wahre Rasse zu verschleiern.

So tingelte er durch die verschiedenen Städte und Dörfer als rassenloser Mann und hörte sich um, was den Menschen so gefällt. Im Gegensatz hörte er aber nur und nutzte das nicht aus. Stattdessen reiste er viele Jahre und merkte wie es ihn immer wieder zur Mitte von Garotan zog. So kam er wieder zurück zu den Ruinen seines Hauses. Dort hatten sich mittlerweile Pflanzen ihren Platz geholt. Randal merkte, dass aus den Ruinen er etwas Neues geschaffen hatte. So legte den Schutt beiseite und fand eine glänzende Oberfläche, den Spiegel der Mutter. Er sah sich das erste Mal selber an, was er vorher nicht getan hatte und empfand als hätte er zwei Gesichter.

Die Name seiner Kneipe war geboren. Und nachdem er alles alleine aufgebaut hatte,  brachte er ein hölzernes Schild an und hörte auf das was die Rassen suchten: einfach nur Spaß (mehr oder minder, für Orks war natürlich der Krieg der Spaß) und Ablenkung. So erfand er ein mit Kräutern versetztes Getränk, dass den Leuten ein wenig Frieden brachte. Das Schild hatte ein vereinfachtes Faksimile seines Gesichts als große Tafel über dem Haus angebracht und seitdem gibt es die zweigesichtige Kneipe.

Anfangs zaghaft besucht, waren die Besucher von dem Getränk so fasziniert, das gleichzeitig Orks und Menschen hier auftauchten. Durch seine Reisen hatte Randal viele Menschen und Orks kennengelernt und zwei herumwandernde Orks gesellten sich als Arbeitskräfte zu ihm. Diese kräftigen Kämpfer dienen Randal als Wachpersonal, denn in Randals Kneipe gilt nur eine Regel: keine Kämpfe.

Innendrin war es schon so weit. Einer aus Kaboschs Tross hatte sich dazu hinreißen lassen einen der anwesenden Gäste als ein Huhn zu bezeichnen und der wiederum stand in einer anderen Ecke mit einer Gruppe von fünf Leuten in der Ecke und starrte die 6er-Gruppe aus Orks an. Meine gesamte Gruppe wurde als feindselig betrachtet, genau das was ich verhindern wollte. Randal stand an seinem dunklen Holzblock, dem ihm als Tresen diente. Er polierte bis vor kurzem wahrscheinlich  noch einen Holzkelch, aber jetzt hatte er die Muskeln ein wenig angespannt.

Dab hatte mehr Gespür als wie ich gedacht hätte, denn passiert war hier noch nichts. Ich glaube ihm also auch nicht, dass er nicht verstanden hatte, dass Maron nicht mit mir trainierte. Aber das hätte wahrscheinlich selbst ein blinder Mularpa verstanden. Ich musste wissen, was Dab dachte. Später. Jetzt musste ich die Konfliktparteien auseinander bringen, denn dafür hatte man mich irgendwie losgesandt. Zeigen wir der Meute mal, was die hohe Kunst der Diplomatie bedarf.

NaNoWriMo Die lange Orknacht #8: Der Monster-Schwanz?!

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Gedanklich mache ich mich bereit irgendwelche Kampfsequenzen aus meinem Kopf herbeizuzaubern. Ich werde in links vielleicht täuschen und rechts zustechen. In der Phantasie klang das ganz gut. Ich hatte genug gezögert, die Menge um mich herum war still. Normalerweise waren Gegröhle und Stampfer an der Tagesordnung bei solchen Trainingskämpfen, während man bei Kradell still sein musste. Deswegen war ich einen kurzen Moment irritiert, als die Masse über zwanzig Gois sich in der Stille eines Kradells befand. Ich schritt auf Tiran’ti’Milor zu.

Nach meinen ersten zwei Schritten machte ich einen stechenden Schmerz im unten Rücken aus, der schnell hochzog. Nicht nur das, auch hob sich das hintere Ende meines Lederschurzes hoch. Das Seil, das den Schurz hielt ging rasch hoch. Ich war zu überrascht und meine Reflexe jeglicher Art waren zu langsam als ein leises Ratschen zu hören war und sich meine Hose gen Boden verabschiedete.

Die Menge johlte laut auf, aber zugleich gab es ein unhörbares Schlucken im Raum, weil Nacktheit in den unteren Regionen in der Öffentlichkeit Orks gar nicht liegt. Das Johlen verwandelte sich in Gelächter. Tiran’ti’Milor hatte seinen Speer in den Boden gesteckt und lehnte sich an ihn und in seinem Gesicht stand keine Gefühlsregung.

Varon hatte nach seinen Gang an mir vorbei sich umgedreht und mit seiner Speerspitze und starkem Druck mein Gürtelband zerrissen. Auch wenn meine Reflexe nicht gut waren, war mir schnell klar, dass ich mein Geschlecht verdecken musste. Ich verabschiedete mich erst langsam schleichend rückwärtsgehend vom Feld. Aus den Augenwinkeln erkannte ich nur das Gesicht des einen Tauren, der später mein Freund werden sollte, Tarok, der nachdenklich in der Menge stand. Sein Gesicht war voller Skepsis als er sich umschaute und sich der pöbelnden Masse bewusst wurde. Valor drehte seinen Speer mit der Spitze voran in den Boden, um zu zeigen, dass er diesen Kampf, der keiner war, gewonnen hatte.

Unter dem lautem Gebrüll der Menge begann ich, meinen Gürtel mit der Hose vor meinem Geschlecht hochhaltend den Platz Richtung Zuhause zu verlassen. Meine Erinnerungen verblassten langsam, der Nebel der Vergangenheit wollte sich lüften, als ich plötzlich in meinem Sprint nach Hause  kurz zur Seite schauen musste. Denn am Rand zwischen Bäumen stand eine große imposante Figur. Den Schmuck der Ork-Krieger auf Schultern, feinstes Etai, die zwei Hörner, die aus dem Helm herausragen,….es war Arka. Ich fokussierte Arka. In dem Moment erkannte ich, dass Arka nicht ganz der imposante Kriegsheld und bedrohlicher Vater war, den er zeitlebens darstellte. Ein Bruchteil von einer Sekunde sah ioch nicht sein vernarbtes Gesicht und die großen braunen Augen, mit dem roten Rand um die Iris, sondern nur seinen Schädel ohne Haut, Muskeln. Die Orte, an dem die Augen waren, waren nur noch schwarze Löcher. Die weißen Schneidezähne waren freigelegt, so auch das ganze restliche Gesicht war weiß. Es war nur noch sein leerer Schädel. Trotzdem konnte er seinen Mund kurz bewegen und ich hörte ihn sagen “Folge der Fährte…“.

Ich war aus meiner Erinnerung herausgerissen. Aber ich hatte das Gefühl,  Arkas Schädel hatte nicht zu Ende gesprochen. Es ist wie wenn man mit jemand spricht und denkt er hätte noch keinen Punkt gesetzt. Es fehlte noch der Punkt.

Der Punkt folgte: „..du, Wurm!“ Der Nachsatz hallte in meinem Kopf und die Wut, die ich vor vielen Stunden gefühlt hatte, war zurück. Die Wut, die ich am Stamm von Arka gefühlt hatte, war wieder da. Auch die Erinnerung an den letzten Abend kehrte immer mehr zurück. Die erste verschwommene Erinnerung, die ich daran bekam, konnte nur ein Scherz meines Unterbewusstseins sein. Denn, warum sollte meine Frau Heri’ti’Arka vor meinem steifen Geschlecht weglaufen, als wäre es ein Monster?

Gerak’ti‘Karan

Kaboschs Stimme ist in seinem Alter noch so durchdringend, wie es zu meinen Goi-Zeiten war. Man hat das Gefühl er beendet jeden Satz mit einem Ausrufezeichen. Ich stehe mit zum Zerbersten angespannten Nerven in dem kleinen versteckten Pflegebereich. Der eher für die Kinder gedacht war, denn ich passe hier nur mit Mühe rein. Von hinten habe ich das Gefühl, dass ein Gegenstand gegen meinen Rücken drückt. Romi fängt in meine Hand zu sprechen, sie ist hysterisch. Sie atmet schneller.

General Kabosch betritt mit einem weiteren Ork den Hauptraum mit den lodernden Holzstöcken, den chaotisch verstreuten Kräutern, sowie den durcheinandergewirbelten Lagern der Kinder. Kabosch beginnt mit vor sich hinzumurmeln, in der Art als wäre er ein Kundiger, der Situationen untersucht. „Ich wusste, Varon’ti’Xirtem, dass ich was gehört hatte. Sinne werden mit Alter getrübt, aber der Verstand bleibt scharf.“

Varon, einer der früheren Übungsleiter von Kabosch, war über ein paar Umrundungen zu einer wichtigen Kraft für ihn geworden. Er beschützte Kabosch vor Angreifern mit seiner Schnelligkeit des Speeres. Auch wenn er ein Auge im Kampfgeschehen hatte, hat das Schicksal es mit ihm nicht gut gemeint. Trotz seiner Fähigkeiten war er nie so stark und robust geworden wie es ein Arka seinerseits war, so dass Varon es nie zu Familie brachte. Nur durch seine Dienste beim General hat er überhaupt Ansehen behalten. Bei Ginja-Jagden war er stets einer der letzten, da er besser im Fernkampf gewesen war durch den Speer als in einem Eins zu Eins mit dem Jagdopfer. Wenn der General nicht wäre, wäre Varon ein vereinsamter Ork, der eigenbrötlerisch sich selbst versorgen müsste. Aber wer bin ich dass ich urteile? Mir geht es in gewisser Weise ähnlich.

Varon hatte also nur zustimmend dazu gemurmelt, während sie den Raum durchschritten. Schließlich kamen sie ganz nahe an unsere Höhle heran.

„Riecht ihr das auch, Kabosch’ti’Arwa?“

Kabosch näherte sich unserer Wand. Konnte er durch diesen ganzen Geruch meinen Schweiß erriechen? Wird er uns finden?

Hinter mir merke ich, wie sich der hängende Eimer aus seinem Haken löst und zwischen Rücken und mir festhängt. Romi musste ich fester an mich drücken, das schnelle Atmen fühlt man nur noch von ihr. Geräusche hört man nicht mehr.

„Ja, ich rieche das auch…“ Kabosch und mich trennen nur noch diese eine Wand. Aber das was als er nächstes sagte, war in seiner Tragweite auch nicht besser: „Es riecht hier nach Menschen.“ Der Block in meiner Hand wird mir nochmal schmerzlich bewusst. Der ist definitiv von Menschenhand geschrieben, wenn doch nur Farfar hier wäre, der könnte mir genau sagen was dort draufsteht. Aber meine Intuition sagt mir, das mit diesem Menschen etwas nicht stimmt. Irgendetwas riecht komisch. Etwas, das Orks, die weniger intensivere Riechorgane haben, nicht erreichen können.  Ich konzentriere mich auf den Eimer, der sich leicht bewegt.

Ich weiß nicht, ob ich mich aus der Deckung bewegen soll, um Kaboschs These seines menschlichen Überfalls zu unterstützen. Aber diesmal muss ich die Wahrheit herausfinden.

„Es ist niemand hier. Tarok und Heri’ti’Arka sowohl die Kinder sind nicht hier.“

Varon hat wohl irgendwie von unserem Arrangement mitbekommen, denn er steuert folgendes dazu: „Ich glaube, Kabosch’ti’Arwa, dass die Kinder bei Gerak’ti’Karan abgegeben wurden.“

Als mir Tarok die Kinder am hellichten Tag brachte, waren Sie so außer Rand und Band, das weiß wahrscheinlich das ganze Dorf.

„Kinder sollten nicht abgegeben werden. Und dann auch noch zu Gerak. Wer selber keine Kinder hat, sollte auch keine zum „Aufpassen“ bekommen.“

Als ob es mit seinem Kind besser läuft. Als er meinen Namen ausspricht, merke ich wie jetzt auch Marna sich langsam wieder auf meiner Schulter bewegt.

„Varon, ich denke, es gibt hier nichts mehr zu finden.“

Auch wenn er dabei wohl schnell den Raum durchsucht, denn seine Stimme höre ich immer wieder woanders im Raum. Kabosch ging umher. Der General hatte kurz angemerkt, dass eine kleine unscheinbare schleimige Spur durch den Wohnraum bis draußen ging. Aber er verfolgt diese Spur nicht weiter, es hörte sich kurz so an als wollte er raus, um dieser Spur zu verfolgen, aber das Glück hatten wir nicht.

Varon hat in der Zeit am Anfang des Hauptraumes gestanden und wie ich ihn kenne seinen Speer geschwungen. Während sich beide langsam entfernen, höre ich Gemurmel über den Rat, was augenblicklich die Alarmglocken bei mir klingeln lässt. Wenn Kabosch Rat erwähnt kann es nur um Kriegsberatungen gehen. In dem Augenblick des kleinen Schocks vergaß ich kurz den Eimer, der mit einem kurzen dumpfen Geräusch auf die Seite fällt.

Ich hielt inne. Hatte einer der beiden etwas gehört? Ich hörte leichte Schritte zurück in den Hauptraum. Es war nicht Kabosch, der hatte Schleichen selbst mit einem Ausrufezeichen versehen. Es muss Varon sein. Auch wenn er nicht gerade der Hellste war, hören konnte er. Mein Herz pochte. Die beiden Kinder selbst waren wieder ruhig, denn der runtergefallene Eimer hatte ebenfalls beide abgelenkt.

Drei Herzschläge klopften bis an unsere Hälse und ein Varon schlich nochmal durch den Hauptraum. Er setzte seinen Fuß in Richtung des kleinen Baderaumes, in dem wir in der dunklen Höhle standen. Feuerschein huschte weiterhin über die Wände. „Varon, komm her!“

Varon drehte sofort um, obwohl wenn er nur eine Sekunde weiter in die Dunkelheit geblickt hätte, uns gesehen hätte. Aber Loyalität hatte uns hier rausgeholfen. Varon war durch den Raum gezischt als dürfe er mit auf die Ganji-Jagd. Hauptsache er bekam durch Kabosch eine Aufgabe. Ich nahm die Hand von Romis Mund endlich, sie atmete schnell vor sich hin. „Warum?“ sagte sie mit gebrochener piepsiger Stimme.

Marna räkelte sich auf meinen Schultern. Langsam konnten wir uns aus der Erstarrung lösen. Leise flüstere ich beiden zu: “Kommt mit, wir schauen erstmal, ob beide weg sind.“ Marna folgte mir und Romi schlich langsam hinterher. Im Hauptraum sah es unverändert chaotisch aus. Kabosch und sein treuer Ergebener waren zwar hier durchgeschritten, aber geändert hatten sie nichts.

Wieder im Vorraum angekommen, signalisierte ich beiden wieder dort stehen zu bleiben und das es wichtig ist, das beide sich Hand vor den Mund zu halten.

Ich lugte aus dem Vorraum heraus und erspähte die beiden Orks. Kabosch redete unablässig auf Varon ein, der einfach nur nickte gelegentlich. Der General hatte jetzt schon ein Ziel. Und ich wusste, wo dieses Ziel enden würde, in einer eilig berufenen Ratsitzung. Und in dieser Ratsitzung ging es in solchen Fällen langsam voran, denn erstmal musste ausgemacht werden, was passiert war. Vielleicht denkt Kabosch, das er das schon abhaken könnte, aber Gromk’ti’Suran hatte da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Dieser war der Vorsteher der Daro-orks, der größten orkischen Bevölkerung in Garo’tar. Und mich gab es ebenfalls.

Denn ich bin der Nachkomme meines Vaters, dem ehrwürdigen Karan’tin’Volat, der zu den gemäßigten Mitgliedern gehörte. Und ich denke bei solchen Dingen wie mein Vater, erst einmal genau anschauen und dann handeln. Ein Motto, das in den orkischen Lande sehr selten anzutreffen ist. Wenn er auf dem Weg zum Rat war, dann musste ich mir überlegen, was ich jetzt tue. Romis Frage nach dem „Warum?“ war eine gute Frage. Als ich mitansah, wie der General aus meinem Sichtfeld verschwand, musste ich an das eine Mal denken, an dem er von einer Ratssitzung nachher nur noch stumm verschwand. Es war die Sitzung, die auch meine Haltung für die kommende Ratszeit festlegte.

Damals war ich als eigenständiger Vertreter der Tauren noch nicht häufig bei Ratssitzungen dabei gewesen.

Alle waren sie vollzählig, als ich der Vorfall ereignete. Außer meinem Vater, der war schon länger fort. Als ich von der Nachricht hörte, wer in die tote Zone der Etai-Mine vorgedrungen war und nun selbst tot gefunden worden ist, war ich kurz davor ein paar Tränen zu vergießen, denn er war neben meinem Vater eine wichtige Person in meinem Leben gewesen. Mit ihm hatte ich Dinge über die Orks selbst kennengelernt, die mir sehr weitergeholfen haben. Der Ork, der mit seinem Ableben fast einen Krieg auslöste und eigentlich immer nur das Gegenteil wollte, war Farfar’ti’Walla.

 

Aus dem Tagebuch Farfar’ti’Wallas, 534. Umrundung Rot I Falons

  1. Eintrag Fortsetzung

Nach Kaboschs Auftauchen waren wir nur noch zu siebt. Zu meinem Tross gehörten Holor, Dab und Krel, von Kabosch waren Tibor, Glint und Worto dabei.

Natürlich hatte die Kneipe zum Zweigesichtigen, bei den Orks auch die „Tar’nok“ genannt, nichts von unserem Kampf mitbekommen. Nur draussen war mir kurz aufgefallen, dass hinter der Kneipe sich etwas bewegt hatte. Ich hatte Holor kurz die Anweisung gegeben mit den restlichen Leuten ins Haus zu gehen, ich musste mich aber beeilen, denn wenn ich die sechs zu lange alleine lasse, würden sie alles auf den Kopf stellen. Jedenfalls die Hälfte von Ihnen.

NaNoWriMo Die lange Orknacht #7: Hangover

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Ich drehe mich zu meinem Troß, in dem die meisten von ihnen Blickkontakt mit dem Boden halten. Die Gefolgschaft Kaboschs lacht hämisch miteinander und geht vor. Ich musste sie loswerden, sonst würde es schwierig werden.

Kapitel 2

Jagd & Aufbruch

Tarok’ti’Kendar

Ein blonder Zopf und ein gütiges Lächeln. Bist du es, Heri? Ich blinzele kurz. Es ist immer noch Nacht oder etwa wieder. Ich schau mich um. Ich liege inmitten einer Wiese voll von roten Gräsern. Rote Gräser? In der Daro-Ebene gibt es sonst eher sattes Grün. Und auch steht das Gras dichter in der Daro-Ebene. Bei diesen roten Gräsern gibt es mehr Abstand zu den einzelnen dickeren Halmen. Ein Grashalm puste ich von mir weg, ich scheine zu liegen, der Grashalm weht zurück. Knick ihn um.

Was war das? Ich habe starke Kopfschmerzen. Ich richte mich leicht auf und merke, dass ich von der natürlichen Grenze der Daro-Ebene etwas entfernt war. Ich lag mitten im Gras und niemand schaute nach mir. Was hatte ich dabei? Hatte ich ein Buch oder Notizblock mitgenommen, wo ich etwas reingeschrieben habe? Tu was.

„Hallo?“ spreche ich und merke ich, dass mir niemand zuhören kann. Trotzdem bekomme ich das Gefühl, als wäre jemand in meiner Nähe. Auch wenn es immer noch Nacht ist, habe ich gelesen, dass im Osten die Ausläufer des großen Gebirges, wie eine Person, die sich in großer Entfernung mit breiten Schultern aufstellt. Man nennt ihn den Wächter der Orks, denn wenn man ihn sieht ist man sicher im Land der Orks. Ich war also immer noch in heimatlichen Gefilden, trotzdem war mir mulmig. Ich musste zurück. Ich will zu Heri und die Kinder waren noch bei Gerak. Hauptsache nach Hause.

Wenn im Osten der große Wächter über mir ruht, dann muss ich links zurück nach Daro. Während ich mich langsam in Bewegung setze, pocht mein Kopf. In ihm fliegen kleine Hummeln, die immer wieder in meinem Kopf rumschwirren. Ich befühle mich selber, was ich an mir habe. Teile meiner Kleidung riecht als wäre es angekokelt worden. Und während ich mich wacklig nach vorne bewege, sprüre ich ein Ziehen in meiner Leistengegend. Mein Trieb war noch ein wenig nach draussen sichtbar unter meiner felligen Hose. Ich erinnere mich an etwas. Eine Scham steigt in mir hoch.

Es war ein paar Rotzustände vor der Weihe. Ich war noch ein junger Goi und trainierte noch mit den andere n für die Prüfung, die einem zu einem ausgewachsenen Ork werden ließ. General Kabosch ließ uns diesmal den Speer ausprobieren, diesmal ohne seine Anwesenheit, denn es war wieder Ratsitzungszeit. Die einzige Waffe, die ich vielleicht noch annähernd gelernt habe, ist der Speer, weil sie mir Feinde vom Hals hielt und ich nicht in den Zweikampf gehen musste.

Vor mir waren drei Kandidaten dran, Kabosch hat bei seinem Trainingsstil es immer wieder auf die Spitze getrieben. Wir trainierten zuerst miteinander und dann stellten wir uns einem erfahreneren Krieger. Während des Kämpfens zwischen uns Lehrlingen, haute einer schon ab, aber das war nicht nur der General schuld, sondern auch die anderen Gois, die ihn gerne piesackten. Das Klima herrschte bei unseren Trainings und in dieser Atmosphäre des Runterdrückens der Schwächeren kämpften wir gegen einen Recken, der sich extra der Ganji*-Jagd verwehrt hat, um gegen uns anzutreten.

* Ganjis sind vor allem in sumpfigen Gebieten zu findende Großvögel. Ganjis werden bis 2,30 Meter groß und besitzen einen breiten Körper. Vom Körperbau kommt der Torso einer Kuh nahe. Der recht kleine Kopf wird von einem sehr starren steinartigen Hals mit dem stark befiederten Laib verbinden. Wenn er aber ein Feind wittert ist der Ganji ein relativ agressiver Vogel, denn sein spitzer voluminöser Schnabel hat die Schärfe einer Axt. Es gibt vom Ganji noch eine ruhiger und trägere Version, den sogenannten Ghanja. Dieser hat im Gegensatz zu seinem offen angreifenden Onkel eine innere Ausgeruhtheit und vor allem einen viel kleineren krummeren Schnabel. Diese Sorte Vogel wehrt sich weniger, darum stellt er für jagende Orks keine Herausforderung dar. Obwohl ein Ghanja als Masttier wahrscheinlich produktiver wäre, gehört für den orkischen Jäger der Nervenkitzel der Jagd dazu. Das mache das  Fleisch köstlicher.

Der dritte Goi war an der Reihe. Es war Varon’ti’Xirtem, der schon relativ behende mit dem Speer umgehen konnte. In einer der letzten Trainingsstunden hatte ich mir einen Block mitgenommen, ich hatte schon früh angefangen durch Bücher, die bei damaligen Überfällen von den Menschen gestohlen worden, die Zeichen der Menschen zu lesen und manchmal auch mit ihren Zeichen zu schreiben. Orks schrieben sehr wenig auf und wenn waren es fast eher Zeichnungen. Deswegen war mein Laden auch eine Mischung aus Büchersammlung und Kräuterverkauf, denn wem sollte ich Bücher verkaufen, wenn es keiner lesen konnte. In dem Block wollte ich mir vor allem die Speerbewegungen, die Varon ausführte, die ich mir notieren wollte, doch da wusste ich noch nicht, wie sehr ich mich damit ich mich zur Zielscheibe machte.

Ein Ork solle nicht notieren, sondern es fühlen. Einer der Kabosch-Weisheiten, die man sehr gut lernt. Varon war es damals, der mir das Niederschreiben durch eine sehr geschickte Speerbewegung verdarb. Mein Notizblock war in zwei Teile zerspalten. Kabosch ließ immer alle gewähren, wenn es um Spott von Stärkeren gegenüber anderen ging, denn das gehörte bei ihm zur Ausbildung. War ich damals noch begeistert von den Bewegungen von Varon, zeigte der Sohn des Bewegungshexers, Tiran’ti’Milor, aus welcher Familie er stammt. Bei Herausforderungen ausserhalb des Trainings begegnet man sich mit dem Kradell als nackte Kampfansage, bei Trainings geht es um Kampf mit allen Waffen und nicht um die nackte Ehre der Familie. Bei solchen Begegnungen drehen beide Kontrahenten mit Zeigefinger und Daumen an ihrem Horn, zeigen auf den jeweils anderen und brüllen den Kampfschrei der Übung „Garo’ti’tan!“.

Als beide das getan haben, braucht es nur ein Blinzeln von mir bis Varon  auf dem Boden liegend die Speerspitze am Auge sitzt. Das Zeichen für Sieg des Speerführers. Nur ein Blinzeln. Und gegen den anderen sollte ich antreten, wo Varon mit einem Blinzeln ausgeschaltet wurde.

Ich zögere kurz und sehe wie Varon an mir vorbeischlurft, für den Rest der Stunde ist sein Speer bei dem Sohn des Bewegungshexers. Bis jetzt liegen bei ihm drei Speere und es könnte sich nun ein weiterer dazugesellen. Ein leiser Atmen, wie ein Seufzer, entfleucht Varon als er meine Schulter streift. Tiran’ti’Milor hat sich breitbeinig wieder aufgestellt und er ist bereit für seinen Schrei „Garo’ti’tan!“. Ich wiederum würde weder gerne Kradell noch den Schrei „Garo’ti’tan!“ machen, sondern einfach gehen. Einfach nach Hause gehen, meine Fähigkeiten im Lesen und Schreiben erweitern. Den Buchstaben R endlich verstehen, das Wesen der Magie erforschen, stattdessen stehe ich einer großen Kampfmaschine gegenüber.

NaNoWriMo Die lange Orknacht #6: Diplomatie vs. Krieg

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Farfar’ti’Walla

Aus dem Tagebuch Farfar’ti’Wallas, 534. Umrundung Rot I Falons

  1. Eintrag Fortsetzung

Kurz vor der Abreise gesellt sich noch ein ganz reizender Geselle zu meinen Reisebegleitungen. Bei den Menschen sagt man „wenn man vom Teufel spricht“.

„Farfar’ti’Walla, ich begleite euch ein Stück, denn ich komme zur Zweigesichtigen mit.“

Kabosch stellt keine Fragen, der General kann nur Befehlsform. Wir gehen eine Stunde schweigend nebeneinander her, die Grenze von Daro liegt noch etwas entfernt. An den westlichen Hängen konnte man ein paar der Inseln einsehen, die von den Vairitianern bewohnt werden.  Der General ging mit strengem Blick voran, irgendwann räusperte er sich. „Kennt Ihr Geschichten?“ Kabosch schaut weiter stoisch, was er wohl meinte?

„Ich denke Ihr meint nicht die Geschichten aus Büchern.“

Kaboschs Miene wurde etwas verächtlicher. „Geschichten aus Büchern sind vergangene Geschichten. In der Welt der Menschen soll es sogar Bücher geben, die von Dingen erzählen, die nie stattgefunden haben. Was hat das für ein Sinn?“

Auf meiner dritten Reise hatte ich davon gehört. Sie nannten es Romane. Ein schlaksiger Jüngling hatte ein Buch rund um konkurrierende Königsanwärter, die sich gegenseitig zerfleischten und dafür solche Dinge wie Drachen verwendeten. Eine Art ausgewachsene Reptilien. Wie soll Kabosch aus so etwas reagieren, wo wir Orks Reptilien höchstens an schlechten Tagen aßen. Ich schwieg einfach, jede Argumentation hätte nur zu seinem Standpunkt zurückgeführt.

„Richtig, keinen. Aber für mich gibt es Geschichten, die wichtig sind. Mich würde man nicht als Geschichtenmenschen bezeichnen.“

Da hatte er nicht ganz Unrecht, jegliches Privates war dem General noch mehr zuwider als dem normalen Ork.

„Aber ich habe eine Sorte von Geschichte, die ich mag. Nämlich die Geschichte, die wir selber schreiben mit Axt, Hand und Blut. Diese Geschichten muss man nicht aufschreiben, man weiß sie einfach.“

Jetzt verging eine kurze Zeit. Wir passierten ein paar Hügelformationen, die von Bäumen umsäumt war. Hin und wieder grüßten uns andere Orks, wen von uns beiden mehr, konnte ich nicht ausmachen. Bei Kabosch aus Ehrfurcht, bei mir aus Sympathie.

„Was für eine Geschichte schreiben Sie, Farfar’ti’Walla?“

Ich war ein bisschen überrascht, dass er mir eine Rückfrage stellte, hatte kein Interesse von ihm erwartet.

„Wir schreiben zusammen an derselben Geschichte, General Kabosch. In meiner kommen auch Axt, Hand und Blut vor.“

Ein Anflug von Lächeln erkannte ich auf Kaboschs Gesicht um mit meinen nächsten Sätzen auch wieder schnell zu verschwinden.

„In meiner Geschichte nehmen wir die Axt in die Hand, um Gratoren zu erlegen und deren Blut für die Färbung unserer Felle benutzen zu können.“

Kabosch schnaubte kurz und redet auch nicht weiter. Er ist es wohl nicht gewohnt, dass jemand was gegen ihn sagt. Aber  wenn ich in die Ferne schaue, dann wird mir noch ein weiterer Grund klar, warum er nicht mehr redet. 30 Meter entfernt sah man einen größeren Trupp Orks angeführt von einer bei den kriegerischen Orks berüchtigsten Kämpfern, besser bekannt als Arka‘ ti’Gitar. An ihm zeigt sich der Kriegerkult in Perfektion. Seine Schultern sind beschmückt mit Schulterschützern aus dem elementaren Etai. Ebenfalls ein Helm in blutrotthront auf seinem Kopf. Der Helm ist so angelegt, dass seine großen und breiten Hörner herausschauen. Die Richtung der Hörner bei ihm ähnelt der eines Bullen, der direkt in das Herz eines Feindes zielt, wenn man ihn mit einem roten Tuch reizt. An seinen Seiten wird er von jeweils zwei weiterten bulligen Ork-Nahkämpfern flankiert, die vor allem große Äxte mit sich tragen.

In der der zweiten Reihe dahinter sind die Speerträger, die ihre Speere alle nach vorne richten. Wenn etwas nach Kriegsinszenierung schreit, dann ist es das. Kaboschs Augen beginnen zu glänzen.

Und liebe Nachwelt hier muss ich mal etwas spekulieren. Dies Vernarrtheit in Krieg und Blutrausch liegt natürlich auch mir im Blut und natürlich ist so eine Art Aufmarksch jedes Mal interessant, doch bei manchen Artgenossen bin ich mir nicht sicher, ob sie nicht lieber sich gegenseitig zärtlich an das Hinterteil fassen möchten und das in voller Kriegermontur. Stellt euch das mal vor. Eine mächtige Orkpatrouille, die tagsüber mit großen Kostümen, den Jagdtieren die Köpfe abschneidet und sich dabei mit Blut bekleckern und abends sich gegenseitig den Rücken mit Fallumikraut in einer heißen Quelle einreiben. Diese Vorstellung bringt mich im Inneren immer wieder zum Lachen. Wenn man dann noch bedenkt, dass Orks nie über ihre privaten Amusements mit ihren Frauen sprechen, könnte man fast glatt glauben in Garotan sucht jeder Krieger die Nähe eines anderen Kriegers. Das Schauspiel was sich hier einem bietet, stelle ich mir gerne einfach so vor.

Arka kommt mit seinem großem Kostüm zu uns her. General Kabosch grunzt anerkennd Arka zu. Die Männer präsentieren ihre Waffen, der General klopft der Kriegerlegende auf die Schultern, dieser zeigt ihm explizit seine kriegerische Axt.  Dann klopfen alle uns gegen Kommenden mit den Holzenden auf den Boden, das einen Rhythmus erzeugt. Arka murmelt kurz in seinen Bart, seine Enttäuschung keinen Menschenkopf am metallenen Ende eines Spießes stecken zu sehen, erkennt man an jeder Faser seines Körpers. Der Oberbefehlshaber zeigt ihm den Gruß des Krieges, zwei Fäuste, die aufeinander zurasen und signalisiert ihm, dass es irgendwann wieder etwas zu töten gibt. Aber aus einer entfernten Perspektive betrachtet, könnte es die Einladung zu einem Abendessen gewesen sein. Nur zu zweit. Ich kann mir das Lachen fast nicht verkneifen.

Aber Arka und Kabosch gehören nicht zu der Sorte, die was mit einem feinen Spaß anfangen können.  Letztlich wurde sich hier nur beklagt, dass es nicht genug zu jagen gibt, ich wurde keines Blickes gewürdigt, denn ich versuchte eine verbotene Magie, die sich Diplomatie nannte und damit ein Schwächling war. Richtige Orks reden nicht und Bücher sollte man gar nicht erst erwähnen. Dienen nur als Feuermaterial.

Wir überqueren die Brücken des Lamorrha-Flusses, der im Westen im großen Meer endete. Bald erschien aus der Ferne die Silhouette des Zweigesichtigen. Die ersten Pferde, von Menschen gesattelt schnaubten draussen und wieherten. Kabosch war nach dem Treffen einfach nur noch still und verlangsamte sich immer mehr.

„Farfar’ti’Walla, den Rest des Weges gehört euch. Ich denke in Daro gibt es noch genug, um dass sich gekümmert werden muss.“

Er versucht es immer mit diesen kleinen Spitzen gegen mich, denn ich , der Diplomat tingele nur ein bisschen draußen herum und plaudere mit Leuten. Ich war nicht mehr als ein Schwätzer für ihn.

„General Kabosch, ich bedanke mich für eure Begleitung, ich denke dort draussen können wir den Fährten des Feindes besser lauschen als in einer umschloßenen Höhle. So tut jeder sein Werk.“

Der General schaut rüber zu meinem Troß an Leuten und blickt kurz hinter sich zu seiner kleinen Gefolgschaft. Er räuspert sich und sein gegerbtes Gesicht nimmt ein verschmitztes Grinsen an.

„Ihr habt recht, Farfar’ti’Walla, ihr sollt euch auch beschützen, so gut es geht. Ich aber wandle nun zurück, um die nächsten Handlungen vorzubereiten, ich möchte euch den Komfort einer eigenen Höhle ermöglichen in Form meiner Gefolgschaft. Sie werden euch weiter begleiten. Lebet wohl mit eurer eigenen kleinen Höhle.“

Seine Gefolgschaft mir mitzugeben kann nur als Strafe gedacht sein. Diese kriegslüsternen Jungspunde wirken auf die Kunst der Diplomatie, wie eine Axt als ein Brotmesser, um sich Humus auf einen gebrannten Teigling* zu streichen.

* Bei dem gebrannten Teigling scheint es sich um das sogenannte Mimil zu handeln. Eine Mischung aus dem sogenannten Bolomir-Korn, Wasser und einem Srtraußenei werden zu großen Fladen geklöppelt. Auf diese streichen Orks gerne humus oder Quallibeeren (schmecken wie zimtige Erdbeeren mit einer Minznote zum Schluß). Vore alln ist Ihnen aber immer wichtiog scharf und fettig zu essen, so dass der Mimil-Teigling gerne mit Tierfett und scharfen Pilzen eingerieben wird, zu einer Kugel gerollt wird und dann am Feuer gebacken wird. Diese Speise wird zumeist morgens von der Frau gebacken und mittags zwischendurch verzehrt. Es ist einer der wenigen fleischlosen Speisen.

„Aber ihr benötigt für euren Rückweg einen Schutz, denn..“ Sprich niemals darauf an, dass ein Artgenosse Schutz bedarf. Dann wirst du mit dem Kradell gemaßregelt. Beim Kradell schmeißt ein Krieger sein Fell zu Boden, denn er braucht es nicht. Er schmeißt sein Gürtel nieder, denn den braucht er nicht. Die Waffe wird zu Boden gelegt oder gesteckt, der Angesprochene atmet tief ein und klopft die Fäuste mit den äußeren Handflächen zum Herausforderer, hält dabei die Armen angewinkelt lässt die Fäuste so aufeinanderprallen, dass die beiden sich auf der Seite dein kleinen Finger treffen und brüllt dann sein lautestes Kriegsgeheul.  Der Schrei des Generals ist ohrenbetäubend, ich bin ein Schritt zurückgewichen, kann von meiner Seite aber noch erkennen, dass bei der Taverne des Zweigesichtigen im hinteren schattigen Bereich zwei Personen schnell aufstehen und verschwinden und sich im vorderen sonnigen Teil die Pferde in unsere Richtung starren und auch der Lärm der Taverne kurz verstummt ist.

Ich weiß was ich tun muss, wenn ich keinen Kampf riskieren will. Ich gehe langsam auf den General mit seiner zwar älteren aber immer noch robusteren Haut zu. Ich schaue ihm in sein Gesicht, die Nase bebt und ich spüre eine Atmosphäre des Kampfes aufziehen. Ich stehe ihm gegenüber. Und schließlich kniee ich mich hin und biete ihm mein Speer an. Es gibt nur zwei Möglichkeiten einem Kradell* zu entgehen, entweder man kämpft mit den Fäusten oder man geht den kurzen Weg des Anbietens seiner eigenen Waffe. Der General flüstert mir zu, dass er es gewusst habe. Er zieht mich zu sich, meint ich könne meinen Speer behalten, aber dass ich mir nicht einbilden soll, dass meine Reisen irgendetwas bewirken würden. Die wichtigen Dinge passieren in Garotan in Daro.

*Nächste näherkommende Übersetzung aus dem Orkischen wäre: Die Herausforderung des nackten Kampfes.

Der General zieht seine Habseligkeiten an und zieht ohne sich einmal umzudrehen von dannen. Ich drehe mich zu meinem Troß, in dem die meisten von ihnen blickkontakt mit dem Boden halten. Die Gefolgschaft Kaboschs lacht hämisch miteinander und geht vor. Ich musste sie loswerden, sonst würde es schwierig werden.

NaNoWriMo Die lange Orknacht #5: Gerak’s hartes Erwachen

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

Gerak’ti’Karan

Ich glaube Marna hat endlich aufgehört zu murmeln. 10 Minuten nachdem sie schlafen ging, fing sie an wirre Worte von sich zu lassen. Währenddessen schlief Rom wie ein Stein. Ich musste sie erst ermahnen, denn sie blätterte immer noch in dem kleinen Kräuterkundeführer, als ich mich selber zum Schlafen legen wollte. Das Höhlenfeuer in der Mitte glühte wärmend vor sich hin. Mit einem Stock trockneten meine neuesten Felle vor sich hin und auch ich verschwand mit meinen Gedanken zu Boro. Und auch zu meiner Schwester. In meinen letzten wachen Momenten wisperte Marna etwas von Ta’ta, ich wusste das sie so ihren Vater nannte, was schon lustig war, denn eigentlich sagte die Kleine nichts anderes als „Tochter von, Tochter von“, aber ich wusste von Tarok, dass er versuchte ihr das abzugewöhnen. Im Gegensatz zu Marna war Romi schon dabei ein kleiner Goi zu werden. Ich entschwand in die Traumwelt Garotans, Orks nennen sie „Urit“ , den Odem der Entweichten.

In der Traumwelt sprechen die von uns Gegangenen zu uns. Da ist General Kabosch, wie er in jüngeren Jahren ein Lächeln schenkt und nun nur noch ein enttäuschtes leicht wütendes Gesicht. Es verschwimmt mit einem Stamm, der hinter unserer Familienhöhle steht. Dann ist da diese Etaimine und ein Toter sieht mir ins Gesicht. Er ist in einem Umhang gehüllt und zeigt mit seinen Skelettfingern zu mir. Plötzlich rüttelt es. Der Dunst des Traumes verfliegt, Romi rüttelt an meinen mit Fell behangenen Schultern. „Gerak!“

„Romi, was ist los?“ „Marna, sie ist weg!“  Ich schaue von meinem hinteren Schlaflager am Rest des Höhlenfeuers vorbei und sehe nur umgeklapptes Fell. Das Gesicht des Mularpa starrt mich auf dem Kopf liegend an und grinst mich an. Romi weicht zurück und ich richte mich schnell auf. „Hast du gesehen wo sie hin ist?“ Romi verneint und starrt nervös nach draußen. Ich lass die Glut vor sich hinkokeln, ziehe mir mein Gürtel an, greife mir schnell einen Speer, den ich in einer meiner hinteren Rückenschlaufen einhake und nehme Romi am Arm mit. Ich laufe mit ihr in die Nacht hinaus.

Auf dem Weg zu meiner steinigen Höhle rufe ich leise den Namen vorn Marna. Zwischendurch sage ich auch „Ta’ta“ oder „hier ist Ta’ta“. Ich weiß nicht so recht, was man macht, damit man Kinder wieder zurück anlockt. Unsere Augen haben sich leicht an die Dunkelheit gewöhnt, es ist so spät, dass es einem fast wieder dämmert, trotzdem hätte ich eine Fackel mitnehmen sollen. „Schau mal da am Brunnen, Gerak.“

An einem unserer drei Dorfbrunnen liegt ein kleiner geschnitzter Stock. Daran hängen drei verdrehte Haare zu einem stärkeren Haarbündel an einem kleineren metallhaken der an die Spitze des Stocks hängen. „Das ist Marnas!“ fällt mir sofort ein. Hatte man sie entführt und ihre kleine Waffe dort liegen gelassen? Ich schreie in den Brunnen runter aus Angst sie ist da reingekrabbelt. Marna. Marna! MARNA! Plötzlich antwortet sie, aber es schallt nicht wie man in einem Brunnen erwarten würde, sondern leiser und sich weiter entfernend. Es kommt von weiter östlich. Ichg zeige Romi, dass wir in Richtung der Antwort rennen müssen. „Ta’ta“ Das Gras raschelt. Ich stampfe hinterher. Stop. Ich muss mich stoppen, ich bin so groß ich habe Angst nachher auf sie zu treten.

Da ist ihr fast nackter rot-bräunlicher Körper. Ihr Zopf ist verschwitzt und sie krabbelt unentwegt. Die Strecke war zu lange für Sie, sie muss gestürzt seun und trotzdem krabbelt sie auf allen Vieren wir ein Hund, der bei der Jagd ein Zeil erspäht. „Bei Garotan, wohin willst du? Du kannst doch nicht einfach so weglaufen?“

Sie dreht sich zu mir. Romi ist ein starkes Mädchen, das wahrscheinlich unsere erste Kriegergenerälin werden könnte, aber jetzt hier in diesem Moment schaut sie mich mit ihren großen blauen Augen an und lässt das folgende Wort wie ein erbärmlich traurigen laut kilingen: „Ta’ta“. Sie erinnert mich so stark an Boro, in dem Moment, dass ich kurz geschockt bin. „Sie will nach Hause, oder, Romi?“ Romi geht auf ihre Schwester und hebt sie hoch. Eigentlich ist Marna mittlerweile untragbar mit ihrem Gewicht und Größe, aber es gibt Momente, wo man eine große Schwester wohl raucht. Und es gibt auch eine ganz eigene Verständigung. Romi nimmt Marna in den Arm und ich merke, wie sie beide miteinander flüstern.

„Ich glaube wir müssen nach Hause, Gerak“ Romi schaut mich mich eindringlicher als wäre es mehr als nur Heimweh. „Was hat sie gesagt?“ Romi kaut kurz auf ihrer Unterlippe und Marna tastet nach ihrer Hornkette. „Bitte, Gerak, wir möchten nach Hause.“ Irgendetwas wissen die beiden, aber das Wichtigste ist das sie beide nach Hause kommen. So schnell kann sich ein privater Abend verflüchtigen.

Ich nehme Marna an mich und Romi an die Hand. Vom Dorfbrunnen raus müssen wir einen kleinen Marsch machen. Wir passieren ein paar andere Hhlen, aber von meinem Suchgebrülle scheint keiner geweckt worden zu sein. Marna bleibt weiter nervös in meinem Arm, aber kurz bevor wir die Höhle von Tarok erreichen wird sie seltsam ruhig. Sie schaut mich durchdringend an und ist für ihr Temperament erstaunlich leise. Romi schaut sich beim Gehen immer wieder um.

Wir passieren die kleine Anhöhe hoch zu Taroks Eingangsbereich. Wenn man in der Höhle ein paar Schritte rausgeht, hat man die Möglichkeit die ankommenden Besucher zuerst sehen. Kluge Idee diese Höhle zu nehmen, lieber Tarok. Doch um die Uhrzeit steht noch keiner dort, normalerweise wartet einer von beiden auf den Besuch. Um eventuellen Überraschungen vorzubeugen, die einem auflauern könnten. Auf dem Weg dort hoch fällt mir nichts auf, die Kinder aber drücken sich stärker an mich als hätten sie eine Vorahnung.

Ich rieche etwas vor, denn Tauren haben ein sehr viel beseres Riechverständnis von Lebewesen als ein Ork auch wenn sie dauernd etwas behaupten. Meine Nüstern schnuppern und riechen süßlichen Duft. Der Duft beruhigt mich schneller als mir lieb ist. Wir nähern uns dem Eingang und Licht flackert unablässig und Schatten vibrieren unwirklich an den Wänden. Ich schaue in die Vorhöhle, bei Orkfamilien, im Gegensatz zu meiner kleinen Höhle für mich, gibt es zwei, drei Räume und die Vorhöhle ist nur eine Art Schutzmaßnahme. Ein Holzscheit brennt im hinteren Bereich des Vorraumes. Ich gehe voran und deute den Kindern etwas hinter mir zu bleiben.

Langsam tasten wir uns nach hinten durch. Kleine grüne Funken schwirren in unsere Richtung. Der süßliche Duft wird stärker und ich merke, dass mich dieses grünliche Licht und der Duft davon ruhigstellt. Als würde mich mein Vater wieder in ein Mularpafell einwickeln und ich kurz darauf einschlafe. Aber das Bild was sich mir eröffnete war weniger einschläfernd und muss für die Kinder ein Schock sein. „Bleibt da stehen.“ Beide stehen so verloren hinter mir, Hand in Hand. Ich bedecke meine Nase weil der süßliche Geruch mich nur noch mehr einschläfert. Ich muss an die Kinder denken, auch wenn deren Geruchssinn nicht so ausgeprägt ist, könnte der sie auch eingreifgen. Ich drehe mich nochmmal um.

„Haltet euch beide Mund und Nase zu. Wenn hier noch Feuer rumliegt, ist das nicht gut für euren Atem.“ Ich sehe sie dastehen. Ich muss noch was sagen. „Habt keine Angst, es ist alles gut.“

„Ta’ta?“

Ich muss die Kleine beruhigen und rausfinden was hier los ist. Auf Marna gehe ich zu und drücke sie kurz an mich: „Alles wird gut. Ich bin da, bleib ganz ruhig.“ Ich schaue zu Romi und sie versteht und bleibt bei Marna und geht an eine Ecke der Vorhöhle mit ihr. „Bleibt einfach ganz ruhig.“ Ich gehe endlich in die große Haupthöhle und ein Bild der Verwüstung bietet sich mir. Auch hier liegen weiter Holzscheite verteilt und es finden sich Brandstellen an der Wand. Das Lager von Heri und Arka ist durcheinandergewirbelt. Die Flammen der Holzscheite glühen grün. Etwas weiter rechts von der Schlafstätte von Heri und Arka liegen rote Gali-Blumen zerfleddert auf dem Boden. Bei den Betten der Kinder liegen neben den kleinen Fellen zum Zudecken auch ein größeres Fell, das eher einem Erwachsenen gehört. „Papas Decke…“

Romi konnte einen kurzen Blick reinwerfen von der Vorhöhle und sah ihr Bett, hielt aber dabei weiter Marna in den Armen. „Bleib da…“

Beim Reden habe ich kurz die Finger von meinen Nüstern genommen und da finde ich zwei weitere Düfte. Arka, Heri und noch jemand… ich kann es nicht gut genug deuten, irgendetwas was sich versteckt. Ich rieche eine Fährte. Ich folge ihr und versuche den Duft der grünen Funken zu verdrängen. Dem Schlaf entgegenzugehen. Am oberen Ende des Lagers des Paars finde ich etwas, eigentlich relativ schlecht versteckt, es ist…..

Eine sogenannte Dala-Tafel oder wie die Menschen es nennen, ein PostMorser*

* In der Welt der Menschen, vor allem Holonia hat sich ein Trend durchgesetzt, bei denen es um eine neue Art von Kommunikation geht. Da Menschen im Gegensatz zu Orks etwas technikvernarrter sind, aber auch etwas scheuer im Umgang, hat ein Bote eines Abends ein Brett mit angehefteten Zetteln erfunden, auf die nachrichten geschrieben werden können. Die Zettel können nach hinten geblättert werden, so dass alte Nachrichten von allen weitergelesen werden können. Dieses kleine Brett und der angeheftete Papyrusblock sind mobil mitnehmbar und haben in Holonia eine lebendige Ergänzung zu den sogenannten festen Brettern mit Ausrufungen des Königs erschaffen. Am Block selbst befindet sich selbst eine Gänsekielfeder, die mit einem kleinen Behältnis mit Tusche befüllt ist. Der Block wird bei den Menschen meist durch eine Etai-Klammer an ihren Mänteln befestigt, so dass für den Besitzer als auch den Schreibenden alles gut einsehbar ist. Zumeist sind diese auf Hüftgegend zu finden. Jüngere hängen es auch gerne mal auf die Höhe ihrer Herzregion.

Menschen! Das ist gar nicht gut. Aber das kann nicht sein. Ich rieche eine Art Mensch, aber irgendwie verschwommen. Warum sollte hier ein Mensch seine Dala-Tafel liegen lassen und dann…ja, was dann? Heri und Arka sind nicht hier. Ich schaue mich hektisch um und der Schweiß bricht bei mir aus. Die Kinder dürfen das nicht sehen. Ich schaue mich noch schnell um, ich sehe das die Waffen des Hauses fehlen. In diesem Fall Heris Waffen, denn Tarok hatte in seiner Ecke eher Bücher und Kräuter. Die Kräuterbeutel in seiner Ecke waren auf und die Kräuter lagen verstreut. Vor allem dieses eine sehr begehrte Kraut liegt viel herum. Ich höre drüben ein dumpfes Fallen. Die Kinder.

Ich gehe zurück in die Vorhöhle. Marna und Romi liegen zusammengesunken auf dem Boden. Sie haben den Geruch nicht mehr ausgehalten. Ich fühle mich auch schwummerig. Aber ich muss wissen, was passiert ist. Wenn es wirklich ein Mensch war, dann… dann gibt es jede Menge Ärger. Nicht nur für Arka und Heri, was immer Ihnen passiert ist, sondern für ganz Garotan. Ich musste vielleicht hier aufräumen. Aber weiter unten in der aufziehenden Dämmerung, kann ich runtersehen, dass sich zwei Orks nähern. Als ich das Gesicht von den beiden erblicke, kommt mir eines sehr bekannt vor. Es ist General Kabosch. Sein von Alter gegrämtes Gesicht erkenne ich jedes Mal. Jetzt schlägt mein Herz rasend schnell.

Ich muss etwas tun. Wenn er sieht das ein Mensch das getan hat, gibt es nur die Antwort: Krieg. Aber es stimmt hier etwas nicht. Die Schritte nähern sich. Leises Gemurmel dringt langsam an mein Ohr. Ich schnappe mir die Kinder, jede auf eine Schulter. Ich gehe in den Vorraum, bücke mich nach dem PostMorser, nehme den Block in die Hand und merke, dass er lose dort liegt. Im Vorraum beginnen die Stimmen bis zu mir in die Haupthöhle vorzudringen. Ich gehe rüber in eine der hinteren Ecken, dort geht es in einer kleinen Verzweigung runter in so eine Art Badezimmer, würden Menschen es nennen. Ein Eimer und ein Loch als Ablauf. Es ist vorrangig für die Kinder und dementsprechend sehr eng. Ich lege die halte beiden Kinder auf dem Arm und merke wie Romi sich langsam wieder räkelt. Die beiden Orks sind im Hauptraum, ich presse der älteren Schwester mit der Hand den Mund zu. Sie atmet schnell. Verdammt, sie wird hysterisch. Die beiden Orks sind jetzt in Hörweite. Sie dürfen mich nicht finden. Sie dürfen den Block nicht finden.

NaNoWriMo Die lange Orknacht #4: Tarok vs. Arka

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Gerak’ti’Karan

Ich nehme mein Wolfsfell und lege es um Marna, die langsam vor sich hinmurmelt und grunzt. Die letzten drei Stunden, in denen ich dem kleinen Heißsporn hinterhergelaufen bin, sind wie verflogen als ich sehe, wie sie vor sich hindämmert. Ihre größere Schwester Romi blättert in einem Buch von ihrem Vater. Ich hoffe die Nacht später wird ruhiger als der Tag. Als ein kleiner Speichelfaden über ihren Mund hinausläuft, erinnert mich das Boro, meinen kleinen Bruder. Und wie er trotz seines Temperaments nachts vollkommen fort war. In seiner eigenen kleinen Welt. Ich lächle und wende mich mit einem spitzen Stein einem Fell zu.

Tarok’ti’Arka

Ich habe die Faust geballt in einem meiner leeren Beutel und starre auf den Namen von Heris Vater. Seine Worte hallen in mein Ohr und trafen mich als nach dem Funkengewitter vor seinem Stamm angekommen bin.

Die Erinnerungen an Schmerz sind die klarsten im Kopf, darum erinnere ich mich an dieses eine Gespräch mit Arka’ti’Gitar. Ich hatte mich mit Heri ein paar Mal schon getroffen, mehr heimlich, denn Heri wusste nie wie ihr Vater reagieren würde. Es war eine Zeit, bei der ich langsam anfing, die Zeit nach der Weihe für das Sammeln von Texten zu nutzen, anstatt, wie es viele andere Daros tun, sich gegenseitig zu Trainingszwecken zu bekämpfen. Heris Vater war des Öfteren bei den Trainingsstunden vor der Weihe vorbeigeschaut und hatte sich für die Übungskämpfe interessiert. Mit im Schlepptau hatte er seine Tochter, die, wenn er sie aus den Augen ließ mit in die Übungsstunden eingriff.

In einen dieser Trainingseinheiten ging es darum nacheinander auf eine Strohpuppe, die einem Menschen nachempfunden wurde, einzuprügeln, bis sie abriß. Vor mir rissen Gorgo, Baran und Gerak die Puppe von ihrem herabhängenden Seil. Gerak verbog dabei sogar den Balken an den diese Strohpuppe hing, ich war fasziniert von seiner Kraft. Schließlich war ich an der Reihe.

Ich schritt schlurfend auf die Puppe zu, aus der Ferne sah ich Arka mit Heri näherkommen und sah Heri wie sie in ihrer wenig damenhaften schon fast Kampfanzug ähnlichem Anzug zum erdigen Acker ging. Sie stellte sich schon in der Reihe an, mit auf die übungspuppe einzuhauen, als Arka kurz etwas zu ihr rüberzischte. Dann begutachtete der General der Daro-Orks wieder die Reihe Kämpfer, die er schon von weitem fokussierte. Jetzt war ich dran, der aus seinem Schlurfgang in einen leichten Trab zu einem Sprint direkt auf die Puppe ansetzte. Ich nahm meine ganze Energie zusammen, hämmerte mit meinen Händen gegen den Kopf des neu aufgehangenen Trainingsobjektes. Ich schwitzte und versuchte meine spitzen Fingernägel auf das Seil zu konzentrieren, um mit Schärfe die Puppe abzubekommen. Als mir diese Idee kam, hämmerte ich weniger auf die Puppe ein und drehte mich in Richtung von Arka und seiner Tochter.

Ich erwischte ihn in dem Moment als er sich umdrehte und konnte einen kleinen Einblick in die Miene von Arka erhaschen. Seine Braue über dem Auge war leicht hochgezogen und er blickte runter auf den Boden, so als suchter er krampfhaft einen Punkt zu dem er lieber schauen würde.

Einzig seine kleine „kriegerprinzessin“ blickjte weiterhin in meine Richtung. Ich befürchtete sie würde sich ihrem Vater anschließen, aber ich sah in ihren Mundwinkeln ein kleines Lächeln.

Ein Lächeln und ein von mir weggedrehter Ork. Beide hatte ich dann noch häufig erlebt. Später trafen sich Heri und ich immer wieder heimlich, aber irgendwann musste sich das plappernde Ork-Gemauschel bis zu seinem Ohr vordringen. Als General dieser Ebene hatte man höchstwahrscheinlich mehr Möglichkeiten als wir wussten.

Ich hatte wieder einer dieser Übungsstunden hinter mir, in denen sich weiter zeigte, dass ich nicht mal bei Strohpuppen bleiben sollte, als ich auf dem Nachhauseweg zu meiner Höhle sich jemand von hinten näherte. Arka, den ich so lange von hinten und weggewendet sehen durfte. Kam jetzt mit seinem üblichen Stechschritt in meine Richtung, ich verlangsamte und grüßte mit dem förmlichen Gruß, den man einer Autoritätsperson aus dem Rat zeigen musste. Einem zeigen auf die Brust des Ratsmitgliedes und einer ausladenden Geste, die aussagt, das Alles das hier sein Land sei. Schließlich sprach er mich an und wies auf die übergroße Eiche, die auf dem Weg zu unserer Höhle als eine Art Wegweiser diente.

Wie ich hörte, war Arka nie zimperlich und das sollte ich auch damals merken. Als wir hinter der Eiche verschwanden, steckte Arka seine Kriegsaxt in dem Stamm direkt über mein Kopf. Ein paar Zentimeter weiter runter und ich wäre nun eine gespaltene Persönlichkeit bin. „Hör mir zu, ich will es kurz machen.“ Jetzt packte, nein krallte sich mit seinem riesigen Pranken in eine Seite der Schulter. „Blind bin ich nicht, du und meine Olif (daro-orkisch für kleine Frau, umgangssprachlich: Schatzkiste) sehen sich so an, dass auch ich davon etwas wissen muss.“ Nun schaute er von oben herab direkt in meine Augen, seine braune Augenfarbe pulsierte, als würden Adern im Auge anschwellen. „Und ich habe dich alleine gesehen, bei den Lektionen, die jeder von uns im Leben durchmacht. Du hast gegen die Strohpuppe gekämpft.“ Ich dachte es wäre eine Frage und nickte leicht nervös. Sprechen konnte ich nicht mehr. „ Und weißt du was? Der Sieger aus diesem Kampf mit der Puppe wäre meiner Tochter würdig ein Mann zu sein. Glaubst du zu wissen, wer mit ihr nach diesem Kampf zusammen sein müsste?“ ich versuchte mein Mund leicht zu öffnen, ein kleiner laut verließ mich, aber Arka war es egal, was ich antwortete, er hatte die Antwort schon längst.

„Heri, Tochter von mir , wäre jetzt mit einer Strohpuppe zusammen. Eine Strohpuppe zusammen mit der Tochter des Generals der Daro-orks. Dem Bezwinger der Menschen am Salbli-Fluß und dem Kriegsmeister der ganzen Orkschaft soll seiner Tochter eine Strohpuppe zuführen. Wie heißt dann diese Strohpuppe, Strohpuppe’ti’Arka, damit sie meinen Namen fortführen kann? Ist es das was du willst?“

„N-ne…“

Arka verzog den Mund zu einer wutverzerrten Fratze, die wahrscheinlich seinen Feinden sonst Angst einjagen sollte. „Nein, das kannst du nicht wollen!“ Er ließ langsam meine Schulter los, räusperte sich kurz und drehte sich mit einem unterkühlten Gesichtsausdruck zu mir zurück.

„Auch wenn eine Strohpuppe niemals würdig sein kann, würde ich sie trotzdem nehmen, denn du hast gegen sie verloren, du Wurm. Und wenn du mich nicht ganz verstanden hast…“

Er griff sich blitzschnell seine Axt, zog sie aus dem Baum heraus und schlug mit der Axt in meine Richtung, ich duckte mich, so schnell ich konnte, ein paar Zentimeter runter. Mit einem Krachen landete die Axt wieder in der Asche. Die Waffe war so tief in den Baum gehauen, dass der Steil der Axt nun auf meinem Gesicht lag, während sich über mir das Blatt der Axt befand. Die Wucht des Schlages ließ die Axt spürbar vibirieren und mein Herz pockhe so sehr, dass ich am Anfang erst ein zweimal aus Schock meine Nase gegen den Stiel der Axt drückte. Arka hatte sich, wie ich es schon kannte, einfach abgewandt und ging in die Richtung seiner Höhle. Doch ich hatte seine Worte nicht so schnell vergessen, vor allem zwei Worte nicht. Du, Wurm.

Und nun stand ich in der Halle der Entweichten, die Erinnerung war fast in diese riesige Halle projiziert worden. Die Wut, die ich damals gerne verspürt hätte, stieg in mir auf und doch hallte das Echo der Erinnerung in meinem Kopf. Du, Wurm! Heute war wieder einer dieser Tage, die man einfach konsequent aus dem Gedächtnis streichen sollte. Das zusammengebrochene Zelt, die zwei Wärter und diese unliebsame Begebenheit aus meiner Vergangenheit. Ich hatte das Gefühl in dieser Höhle redeten meine Zweifel durch Arkas Stimme in meinem Kopf. Wer bin eigentlich? Was findet Heri eigentlich an mir?

Vielleicht musste ich ihr einfach zeigen, was ich sein kann. Keine Strohpuppe, kein Wurm, sondern ein Ork. Ein männlicher Ork, der dir das geben was du brauchst. Stärke. Ich schaute mir Arkas Stamm an und auch hier wuchs überall Fallumikraut. In meiner Wut riss ich einfach ein Bündel in der Nähe heraus, ich war ja deswegen hierhergekommen. Diese kleine Tat gab mir kurzfristig einen Kick, dass ich es Arka irgendwie gezeigt hätte. Ich packte es in meinen Beutel. Ich ging durch die erleuchtete Höhle, die Funken stoben weiter in alle Richtungen und je weiter sich Tarok von dem Stamm entfernte, umso weniger hallte das Dröhnen der zwei Worte.

Ich kam an den steilen Abhang, den ich hochklettern wollte und hatte immer noch eine große Portion Wut in mir. Der Abhang war anstrengend, ich rutschte immer wieder leicht ab und hangelte mich mittlerweile mehr auf allen vieren aus der Höhle empor zu dem abgeschnittenen Fallumikraut. Ich fühlte mich einfach nur fertig. Ich keuchte und lag nun zwischen den abgeschnittenen Trieben. Bilder aus der Vergangenheit mit Arka und Heri kamen hoch, ihr süßes Lächeln und mein Kampf gegen eine Strohpuppe. Es war das erste Mal, dass ich meine Kunden verstand, die immer nach diesem speziellen Kraut verlangten. Ich fühlte mich am untersten Punkt meiner eigenen inneren Stärke und sah zu meinen Beuteln herunter. Ich entscheid mich für heute Abend für eine Abkürzung meine Laune wieder auf Trab zu bringen und nahm ein wenig Fallumi aus einem der Beutel. In dem oberen dunklen Teil dieses geheimen Zugangs sah ich kurz das Rot der Fallumipflanze, bevor ich es einnahm. Ich stand auf und ging heraus, draußen war es schon mittlerweile dunkel. Ich werde morgen dem Rat von diesem Zugang erzählen, aber jetzt wollte ich nur zu Heri und den Abend genießen. In meinem Magen gab es ein kurzes Ziehen, das wahrscheinlich von meiner Kräutereinnahme kam. Fallumi als Abkürzung für meine Laune genommen zu haben, würde ich bald schon bereuen.

Farfar’ti’Walla

Aus dem Tagebuch Farfar’ti’Wallas, 534. Umrundung Rot I Falons

  1. Eintrag

Heute war der Tag der Abreise. Und zu Anfang jeder Reise muss ich mich mit dem Rat treffen. Und der Rat besteht aus sechs Vertretern. Wer in diesen Rat kommt, macht dann jede Art Ork selbst aus, aber bei der Auswahl ähneln wir uns den Menschen mehr als uns lieb wäre. Meist sind es einfach die Söhne, bei den Rot-Orks der Kohleländer, sind es dann die Töchter. Und wie unterschiedlich wir sein können:

Gromk’ti’Suran ist Vertreter für die Daro-Orks, der zentralen von Höhlen gesäumten Ebene in der südlichen Hälfte Garotans. Zu jedem  Ehrenvollen Ratsmitglied wird ein General dazugezählt, denn jede bekannte Ork-Rasse oder Tauren hat eine Armee, die sich im Streifall mit den Menschen aufmacht als eine Einheit. General Karbosch ist Gromks General und leider auch der Vertreter mit der eingeschränktesten Wahrnehmung, zumeist ist Krieg sein Lösung für alle Konflikte.

Kilin’ta’Freya ist die Anführerin der matriacharchisch geführten Rot-orks, die sich vorwiegend in den Kohlefeldern aufhalten und vor allem für Waffen mit Feuer bekannt sind.  Generälin Burina unterstützt Sie dabei.

Marnom’ti’Ajax steht den Stein-Orks vor, die auch Tai’stons genannt werden, diese leben an den unteren Ausläufern des Golmoa-Gebirges vornehmlich auch in Höhlen.

Karan’tin’Ohan befehligt die sanfte, aber robuste Rasse der Tauren. Tauren leben vor allem auf großen grünen Wiesenflächen. Tauren sind eine Mischung auf Bulle und orkischem Blut. Sie haben die Treue den Orks geschworen, doch gibt es unter Ihnen auch verschiedene Rebellen, die vor allem durch längerfristige Beziehungen zu Menschen und anderen geprägt sind. Ein Glückj das mit Karan einer dieser „vernünftigen“ Tauren im Rat sitzt. Auch wenn wir beide einen längeren Weg zur Vernunft gehen mussten. Kiito ist ein General.

Palip’ti’Grodaz ist mit seinem Volk vor allem auf den vielen kleinen Inseln auf den riesigen Mermod beheimatet. Das Volk nennt sich Varitianer und ähnelt sich mittlerweile mehr Mischwesen aus Wassertieren und Orks. Vor allem sind sie für orkische Verhältnisse eher zurückhaltend in Kriegsführung und mehr Schleich- und Taktikexperten.  Palip hat als seine rechte Hand seine eigene Frau, die durch ihren Schuppenpanzer, den spöttischen Namen Fischfrau bekommen hat. Eigentlich heißt sie aber Myrna.

Als Letzter ist da noch Leiter der Patrono-Orks, Feli’tirin’Nibel,  die sich eher als loser Orkverband sehen und alle dörflich verstreuten Orks über ganz Garotan vertritt. Sie haben zusammen keine Armee und darum auch keinen General. Aber unter den Patrono-Orks gibt es den Betreiber der berühmten Zwei-Wege-Taverne, die auch meine erste Reisestation darstellt.

Wenn man Menschen ein bisschen davon erzählt, nicht zuviel, sonst geht einem General Kabosch direkt wegen Geheimnisverrat an die Gurgel, ist es witzig zu sehen, wie unterschiedlich wir sind, aber für menschen alle einfach nur Orks sind. Sogar zwischen Tauren und Orks wird nicht unterschieden, denn Tauren sind nur Pferde-Orks, Menschen haben es gerne so einfach.

Aber für uns gibt es auch nicht die Menschen, sondern König Wallon.

Für eine Diplomatenreise trifft man sich mit allen diesen Ratsmitgliedern, in dem Sitz des Rates in der Daro-Ebene, der Heimat mit der größten Anzahl an Orks. Es gab die üblichen Gespräche, wo die Route hergeht, wer alles mitkommt, dass von jeder Ork-Rasse eine Person dabei sein muss und so weiter und so fort. Der Einzige, der wie immer eine Unterhaltung mit mir alleine suchte und das nach dem offiziellen Boh’t’Reng (Sitzung des Rates im regelmäßigen Turnus der Rotzustände; ungefähr alle 40 Tage) war General Kabosch. Kilin’ta’Freya hatte sich gerade noch an mich rangemacht—- ich weiß das hält man wie immer für Prahlerei, aber die weiblichen harten Rot-Orks waren nicht bekannt für iurgendwelche Annäherungsversuche außerhalb ihrer Rasse, aber interessanterweise zwinkerte sie mir gerne in den Ratsitzungen ein- bis zweimal zu. Da sprach mich mit seiner tiefen röchelnden Stimme der General der Daro-Orks an. Kabosch war einer der älteren Mitglieder des Rates, aber ich kann mir vorstellen nach vielen weiteren Umrundungen, klingt seine Stimme nur noch wie dumpfes Grollen.

Er sprach mich wie immer förmlich an, Diplomat war eine neue Position und für mich wurde die Grußformel „Ehrwürdiger Weltenwandler“, in Orkisch „gori Varand“ festgesetzt, ich erwiderte mit der Grußformel für Mitglieder des Rates und machte ihm klar, dass ich gerne noch zuhörte.

„Bitte nehmt euch in Acht vor den Menschen und vor allem gebt Ihnen von uns nichts mit, was sie gegen uns verwenden könnten.“ Ich dankte Ihm für den Hinweis, nachdem er aber mich schon wieder verließ, verdrehte ich die Augen, denn selbst im Wortlaut war es haargenau dasselbe was er mir nach jeder Ratssitzung sagte. Als wäre ich ein unerfahrener Goi, der seine Weihe erst gerade hinter sich hatte.

Ich bin zwar Diplomat, aber ich weiß auch das es schwer ist zwischen Menschen und Orks. Und das sage ich als der, der zwischen diesen Welten wandeln darf. Die Menschen sind sehr vernarrt in ihre Erfindungen, Bauten, hab und Gut. Sie sind wie Vögel und bauen einfach Nester, in denen sie es sich einfach bequem machen wollen. Wir, Orks, sind wie Löwen, die einfach nur mehr Raum wollen. Orks ist der Kampf wichtig, sich beweisen zu dürfen. Eigentlich dürften Vögel und Löwen gar nichts miteinander zu tun haben, aber manchmal klettert ein Löwe gern auf einen Baum um einfach zu zeigen, dass er es kann, und schmeißt das Nest herunter. Und manchmal pickt der Vogel einfach gerne am Fell des Löwen herum, so dass der Löwe brüllen muss. Ich bin eigentlich dafür da, dass die Vögel in ihren Nestern hoch oben bleiben und die Löwen unten am Boden.

Karan hatte meinen Augendreher wohl bemerkt, denn er kam direkt nach Kabosch auf mich zu, richtete das Wort des Freundes an mich. Wir beide gingen aus dem Ratszelt und er machte sich ein wenig über Karboschs Ansprache lustig. Als wir uns meinem Zelt näherten, wurde er dann doch etwas ernster.

Er machte sich Sorgen, dass unter Kabosch, die jungen Gois noch brutaler vor der Weihe trainiert werden, man könnte sogar meinen gezüchtet. „Gerak meinte in einer der letzten Trainingsstunden wurden sogar einem jungen Goi die Hosen weggerissen. Natürlich ist Krieg wichtig, aber unter den ganzen Kindern wird es auch welche geben, die es nicht schaffen. Was soll mit denen passieren?“

Ich pflichtete ihm bei. „Aber wie können wir dem Rat beibringen, das Kabosch es zu ernst meint? Wenn ich aus Holonia zurückkomme, sollten wir uns überlegen, was wir da tun.“

„Wenn wir mit allen einzeln sprechen, aber das könnte als Schwäche angesehen werden. Wenn wir jetzt anfangen nicht nur in Frieden mit Menschen leben zu wollen, sondern auch untereinander versuchen Frieden zu praktizieren, könnte das als Schwäche ausgelegt. Du und ich wissen, es kann mehr geben, aber meinst du Orks wie zum Beispiel Kabosch verstehen sowas?“

Auch hier konnte ich ihm nicht widersprechen, vielleicht war mit meiner Stelle des Diplomaten mehr Umbruch als ich mir zugestehen wollte. Karan drehte sich von mir weg um zu gehen und noch im Gehen flüsterte er: „Und du weißt dass es mehr als Krieg geben muss…“

Ja, ich wusste das zu gut. Das würde noch eine Menge Arbeit bedeuten.

NaNoWriMo: Die lange Orknacht #3 – Taroks Entdeckung & Farfars Erklärung

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

Viel Spaß mit diesem dritten Teil!

Ich rückte das Mularpafell zurecht und zog es fester an meinen Körper. Vielleicht ist für Romi das Horn ihr Wolfsfell.

Tarok’ti’Kendar

Um eine neue Ration Fallumikraut zu besorgen musste ich in den Wald des Treden. Dort wuchsen neben großen Eichen, kleinere Walsenbüsche, die mit ihren Dörnern gerne mal kleine Tiere aufspießten, ohne jemals dafür was getan zu haben. Hin und wieder findet auch ein Mularpa-Wolf sein Weg in den Wald, aber ab einem bestimmten Punkt drehen Sie alle plötzlich um. Dieser Weg ist ein für Orks heiliger Ort, die Höhle der Entweichten, die Halle der gegangenen Söhne und der Hain der hinfortgewehten Töchter oder auf Orkisch – Ti’Falun & Ta`Gelan.

Diese Höhle waren die letzten weltlichen Überreste von Orks oder Tauren, die in der Daro´-Ebene, also der zentralen Ebene hausten. Die gefallenen Krieger und gestorbenen Töchter reihten sich hier ein. Ein Ork kennt nicht so etwas wie ein Grab, sondern setzen für jeden Gestorbenen einen kleinen Stamm in die Erde auf dem der gesamte Name stand. Der Vorname groß und der Zusatz des Vaternamens in kleinerer Form unten darunter. Der Name des Vaters wurde zumeist noch mit einem Emblem verziert, um die Wiederauffindbarkeit zu erhöhen und gleichzeitig gilt sie als Leitwappen für die nachfolgende Generation. Dieser Stamm wurde in der Glut der Hitze geräuchert, in der die Verstorbenen verbrannt worden sind. Denn jeder Ork steigt nach seinem Tod in die Luft hinauf und der Stamm erhält über den Raum die Essenz des Verstorbenen.

Mir war nie noch aufgefallen, dass es Fallumikraut in der Nähe dieser heiligen Höhle gab. Aber schon aus der Nähe fielen mir die typischen kleinen violetten Triebe auf, die sich gerne wild verzweigten und in der Mitte einen stärkeren Strang besaßen. Dieser war schneeweiß und schaute einen wie ein weißer Fleck in einer violetten Pupille an. Gerade als ich mich bücken wollte, gab es von der linken Seite ein Gelächter.

„Na, Tarok,* suchst du altes Waschweib noch Geschmack für dein Abendessen heute Abend? Oder gibt es etwas fleischlos bei dir?“

*Wenn im persönlichen Gespräch der Name des Vaters nicht genannt wird, ist das spöttisch bis erniedrigend gemeint. Da ich zumeist nur den Vornamen schreibe, werde ich bei solch Verwendung des Namens den Namen kursiv schreiben.

Na, wenigstens war das mal eine neue kreative Form der Beleidigung, denn fleischlose Ernährung kennen die vor allem die Daro´Orks nicht. Die Menschen hatten sowas neu entdeckt und probierten allerhand aus mit Pilzen und etwas das nach neuem Ton aussah. Jedenfalls kann man das in neueren Büchern der Kochkunst nachlesen, die sich in meiner kleinen Bibliothek befand. Aber für solche kleinen Dinge gab es hier kein Platz.

„Nein, ich sammele nur Nachschub an Kräutern…“

Ich hätte gerne versucht mit dem Kommentar gekontert, dass ich Kräuter sammle, damit ihr euer Weibsvolk eure Stärke zeigen könnte, aber leider standen beide nicht auf meiner Liste der Käufer. Beide waren die Wächter der Höhle der Entweichten. Für ein Ork relativ waren Sie schon erfahren im Nutzen ihrer Stärke. Der andere der beiden Wächter-Orks setze nach.

„Na dann husch husch schnell nach Hause, nicht, dass deine geschmorten Pflanzen noch anbrennen, die es zum Tevali* gibt.

*Eine Art Abendessen, die am späten Nachmittag gereicht wird und zumeist mit der ganzen Familie eingenommen wird. Traditionell gibt es vor allem ein großes Fleischstück und wenige Beilagen. Vorwiegend gerne gegrillt.

Ich wusste, dass auch das nicht gerade nett gemeint war, aber mein Problem war, es stimmte. Für heute Abend wollte ich Heri’ti’Arka und mir ein Tovuli, ein Tevoli für zwei, zubereiten. In dem Moment als mir das klar wurde, war ich etwas angesäuert, weil ich wieder ihrem Bild entsprach was sie von mir hatten: weich. Und so einer hat Heri’ti’Arka bekommen. Eine „ti’Arka“, das wusste ich manchmal selbst nicht.

Ich ging weiter und das Geplapper der beiden wurde leiser. Ich prüfte nochmal, ob ich alles dabei hatte, den Beutel, meinen Gürtel und das kleine Horn. Immer noch mit den beiden Wächtern im Kopf beschäftigt, stapfte ich etwas missmutig auf dem Weg um die Höhle herum und merkte wie ein Rest Licht der untergehenden Sonne die Baumkronen umspielte. Wie schön es hier in unserer Ebene war, ich wollte ich könnte anderen erklären, wie schön es war. Aber sie müssen immer raus, um den nächsten Tier oder Gegner nachzujagen, als ob das alles wäre. Ich schreite weiter an einem Walsenbusch vorbei, dessen Äste seltsam in eine Richtung zeigen, als wäre jemand dran vorbeigeschrappt. Es könnte ein Mularpa gewesen sein, der erst gegen den Busch gerannt ist und dann bemerkt hat, dass man sich mit manchen Pflanzen nicht anlegen sollte. Interessante Vorstellung, dass ein Mularpa wegrennt vor einer Pflanze.

An der Art, wie dieser Walsenbusch umgeknickt war, kam mir etwas wirklich sehr merkwürdig vor. Es ist als würde er den Weg weisen. Ich ging in diese Richtung und näherte mich einem moosbehangenen glitschigen Teil der heiligen Höhle. Ich tastete mich ein wenig an dem grün-braunen Pfad entlang und spürte plötzlich an einer Stelle keinen Widerstnand mehr. Und mir fiel noch mehr auf. Vor dieser Stelle gab es wieder kleinere Ästelungen von Fallumi. Wie kleine tapfere Recken versammelten sie sich vor dieser Stelle. Wie konnte einem das alles nicht auffallen? Schließlich drückte ich gegen das Moos ohne Widerstand und ehe ich mich versah fiel ich nach ohne über.

Ich landete auf meinem Kräuterbeutel, der heute zum zweiten Mal aufging. Irgendetwas wollte das ich meine Kräutersammlung mit anderen teilte.Um mich herum war es jetzt dunkel. Ich stieß mit meinen Füßen gegen eine Art Stoff und ein kleiner Lichtblitzer fiel am Boden wieder hinein. Jetzt verstand ich. Hier war ein Eingang, der von Moos eine Art Moosteppich überdeckt war. Das sah aus als wäre es mit Absicht reingehangen worden. Ich spürte in der Nähe von meinem Gesicht kleinere Kräuteransammlungen, die alle in gleicher Höhe herausragten. Nein, sie fühlten sich an, als wären Sie abgeschnitten worden. Und ich spürte die typische Beschaffenheit von Fallumi. Hatte hier jemand ein Fallumidepot angebaut? Meine Augen hatten sich langsam an die Umgebung gewöhnt, so dass ich weiter nach hinten durchsah. Es ging hier steil runter und aus der Ferne erkannte ich, dass dort unten am Ende des Tunnels etwas glühte. Ein Feuer? In der Höhle der Entweichten?

Wenn ich woanders gewesen wäre, hätte ich mich kein Stück weiter reinbewegt, aber hier in Daro kannte ich fast jeden Zentimeter. Bis auf diesen Tunnel, der wo auch immer hinführte. „H-hallo?“ flüsterte ich leise dort hinunter.

Mir war es so als käme mir ein Grunzen entgegen. Doch nirgendswo war dort ein Geräusch, es war mehr als hätte in meinen Ohren das Trommelfell einen kurzen Moment vibriert. Das Einzige, was man hier erkennen konnte, war dieses Licht. Dieses tiefe schallende Geräusch in meinen Ohren kam mir so bekannt vor, als könnte ich es wie eine Erinnerung greifen, doch irgendwo dahinten wabbert sie. Es ist wie der Name eines Tieres oder Pflanze, den man mal vor langer Zeit wusste, aber jetzt war er wie ein dumpfes Hallen im Kopf. Ich war wie hypnotisiert und hatte gar nicht bemerkt, dass ich den steilen Abhang langsam runterging. Auch wenn es sich so anfühlte als wollte mein Verstand es gar nicht, gab es in mir ein Teil, der sich angezogen fühlte. Das Dröhnen in meinem Ohr war zwar verstummt, am Ende des Tunnels war es mir egal. Denn ich musste in  Ti’Falun & Ta`Gelan sein. Mein Bewusstsein war zurück und wurde mit einem Anblick konfrontiert, der das Bild der Sonnenstrahlen auf den Baumkronen des Waldes förmlich hinwegfegte.

Die Höhle erstrahlte in einem Licht, weil die Erde immer wieder kleine Funken von sich hoch gab. Hier standen sie alle, die Stämme der Ur-Ur-Ur-Alten, die Stämme der kürzlich Gefallenen, der kleine Stamm von Mehara’ti’Urgana, dem Anführer einer kleinen Schlächter, die sich zum Schluß selbst schlachtete bis zu Grafulda’ta’Zalt, der emsigsten Häuterin unter den Tauren, alle waren sie hier. Ich war baff, als wäre vor mir ein riesiger Frostforn, eine ausgestorbene Pferderasse, deren Körpergröße an die 4 Meter reicht. Nur dass hier das alles wie eine riesige Leinwand wirkte, bei der sich Funken trafen. An einem der höchsten punkte vereinigten sich zwei Funken mit ihren Farben, aber gab kein Geräusch ab. In ein paar Metern Entfernung machte ich wieder dieses tiefe dröhnende Geräusch in meinem Kopf aus.

Dieses große kreisrunde Feld war still (totenstill), aber weiter rechts trafen sich wieder zwei Funkenpärchen und diesmal gab es wieder ein kleines Dröhnen. Als ich meinen Blick darauf lenkte, zuckte mein Bein kurz. Dieses schmerzhafte Zucken, wenn man sich zu viel bewegte, das einen Nachts aufschrien ließ und man am liebsten töten würde.

Ich ging in die Richtung der Funken. Ein weiteres Pärchen Funken traf sich, jetzt waren diese Funken rötlich schimmernd. Je nähe ich Ihnen kam, desto größer wurde das Dröhnen. Die Funken wurden röter. Sie ähnelten brennendem Blut. Dann fand ich den Stamm, von dem das ausging. Als ich den Namen las, verwandelte sich das Vibrieren des Tones, das blutrote Fünkchen, die Resonanz, die in mein Gehirn durchkam, in zwei klare Worte. Ich kannte diese Worte, ich wusste, wer sie sprach. Die Worte waren „Du, Wurm!“ und derjenige, der mir diese Worte damals entgegenschleuderte, war Arka’ti’Gitar. Der Vater von Heri’ta’Arka.

Farfar’ti’Walla

Aus dem Tagebuch Farfar’ti’Wallas, 534. Umrundung Rot I Falons*

*Zur Erklärung: Orks und ein bisschen abweichend auch die Rasse der Tauren rechnet in sogenannten Umrundungen und den sogenannten Rotzuständen. Die Sonne der Welt Garotan färbt sich in unregelmäßigen Abständen Rot. Woher diese Rotfärbung kommt weiß niemand, aber die Orks nehmen sie als Zeichen einer Wandlung. Im Durchschnitt dauert es 130 Tage bis wieder eine Rotfärbung passiert. Nach drei Rot ist für die Orks eine Umrundung, weil sie davon ausgehen, dass die Sonne Ihnen drei Seiten zeigt: die kalte, die ausgeglichene und die warme Seite. So gesehen dauert ein Ork-Jahr rund 400 Tage mit drei Abschnitten.

Ich bin der Sohn des Walla, Farfar’ti’Walla. Und ich habe mir gedacht, dass ich zu meiner fünften diplomatischen Reise nicht nur meine offiziellen Dokumente niederschreibe, sondern auch meine persönlichen Eindrücke für mich und vielleicht eines Tages die Nachwelt. Man merkt erst, wer man ist, wenn man auf andere trifft. Und manchmal sind es nicht nur Fremde, wie Menschen, die einen das vor Augen führen, sondern die Augen eines Kindes.

Heute hat mich der kleine Gerak’tin’Karan besucht. Karan hat da echt einen pfiffigen Burschen und vor allem hat er keine Angst alle Fragen zu stellen, die ihm durch den Kopf schwirren. Ich war in meinem kleinen Zeltlager, das für die Abreise nach Holonia, der Hauptstadt, vollstens ausgestattet war. Bis auf die Wachen, die hatte ich mal weggeschickt, denn auch ein sogenannter Diplomat braucht mal ein bisschen Privatsphäre. Der kleine Gerak, schon jetzt die kräftige Statur eines Tauren in Miniaturform kam in meine Zelt reingelaufen. Er hatte seine Übungsstunden hinter sich und hatte wie immer sein Wolfsfell um sich geschlungen.
Ich sagte ihm, wenn er so schnell reingestürmt komme, wäre ich wohl sein nächstes Fell für seinen Hals. Er lachte kurz grinsend und boxte mir mit seiner Pranke in die Seite. Ich tat so als wäre ich schrecklich verwundet und rief schon unseren Todesatem „Walla, ich komme!“. Da meinte der kleine Gerak, dass das doch gar nicht gehe, Walla lebe doch noch, also könne ich gar nicht zu ihm.  Schlauer Junge.

Wir hörten auf zu spielen und ich guckte Gerak fragend an. „Du kommst doch nicht nur um deinen Freund Farfar zu einem Wolfsfell zu verwandeln, oder?“

Gerak nestelte etwas an seinem Wolfsfell herum und sprach mit zu Boden geneigtem Gesicht. „Ich wollte nur wissen, ob…ob das da etwas Schlimmes ist?“

Der kleine Tauren schaute runter, aber nicht zu Boden, sondern von seiner Blickrichtung mehr in Richtung seiner Hose und zwar in die Mitte seiner Hose. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder vor Verwunderung den Kopf schütteln sollte. Aber so etwas wurden den kleinen Tauren nur verschrecken. Ich fragte ihn erstmal wie er darauf käme. Gerak erzählte mir, dass heute bei einer der Übungsstunden die Hose runtergezogen wurde und der sich panisch seinen Schritt bedeckte und schließlich die Aufseher dazwischen gingen und den Goi nach Hause schickten.

Interessanterweise war Gerak von dieser Attacke auf den Jungen unbeeindruckt, obwohl ich zwischendrin ein kleinen Funken Erkenntnis sah. Ihn beschäftigte mehr die typischen Fragen, die jeder Ork vielleicht im Kopf hatte, aber erst mit seiner Frau lernte zu beantworten: Wozu haben wir unsere Zweischwänzer? Ich klärte Gerak auf, denn ich wusste es zu schätzen, dass er mich fragte, er hielt mich wohl für einen Ork, an dem man sich bei tieferen Fragen wenden konnte. Als er dann mein Zelt verließ, bekam ich einen kleinen Lachanfall, denn mir wurde auf komische Art bewusst, wie bescheuert wir als Orks doch sein konnten. Wir sprachen so wenig über  Sex, so nennen es die Menschen, dass Kinder die Idee kriegen es sei Schande oder etwas Furchterregendes. So können wir natürlich auch aussterben, dafür braucht es dann keinen Krieg. Und wenigstens den versuche ich zu verhindern. Auch wenn Diplomat eher eine kleine Marionette ist.

Diesen sogenannten Diplomatenstatus gab es nach zahlreichen Auseinandersetzungen, Kriegen und Streitereien der Orks gegen die Menschen. Vor allem das Element Etai und eine ganz bestimmte Mine spielen da eine große Rolle. Die sogenannte Etai-Mine relativ in der Mitte zwischen der Menschen-Stadt der Schilde, Holonia, und der Daro-Ebene gibt es ein sehr großes Vorkommen des Elements Etai. Auf unserer Seite kann man da natürlich nicht die kriegerischen Künste von Arka’ti’Gitar unerwähnt lassen, der viele Menschen auf seinem Gewissen hat und dem gegenüber stand das Oberhaupt aller Menschen, König Wallon, der durch seine ebenfalls polternde Kriegsführung Verluste bei uns brachte.

Über meine Rolle damals möchte ich lieber nicht schreiben, denn ich glaube niemand hat sich zu diesen Zeiten mit Ruhm bekleckert. Jedenfalls sehe ich das so. Da es lange Zeit zu unerträglichen Gefechten überall kam, erklärte man die Etai-Mine für eine tote Zone. Und man entschied sich eine neue Strategie, die der Diplomatie. Aber manchmal habe ich eher das Gefühl nur ein Aushorcher für unsere Ratsherren zu sein.

Wir sind zwar eine kriegslüsterne Rasse, aber ich muss sagen, unsere Art zu entscheiden, hat was Beruhigenderes als die der Menschen. Dort gibt es eigentlich nur König Wallon. Ich merke gerade wie mir das alles etwas klarer wird, wenn ich es aufschreibe. Eines Tages kann ich auch über mich so schreiben, wie ich über andere, die Menschen, Orks oder Tauren schreiben kann. Ich glaube, es könnte helfen, einfach alles so zu sehen, wie es der kleine Gerak getan hat. Mit fragenden jungfräulichen Augen und einem gewissen Zweifel im Hinterkopf.

NaNoWriMo: Die lange Orknacht #2 – Gerak und die Mularpas – Mein Schreibexperiment

Ich mache beim Nanowrimo mit und veröffentliche hier meine Rohfassung des Romans. Zu Teil 1 geht es hier! Viel Spaß 🙂

Die Diskussionen in einer Ratssitzung kreisen eigentlich immer um die Frage Krieg oder keinen Krieg. Am liebsten würden sich alle gegenseitig die Köpfe einschlagen, um dann anderen die Köpfe einschlagen zu können. Die 6 Ratsmitglieder diskutierten ohne Ergebnis, nur ich konnte genug ableiten, denn General Kabosch’ti’Tedan legte sich mit Blicken und seinem ganzen Habitus mit mir an.
Obwohl ich noch nicht mal etwas gesagt hatte. Er wüsste, was ich zum Thema Krieg sagen würde. Mit uns Tauren nicht. Als Vorsteher der Tauren habe ich zwar in den Ratsitzungen nur eine kleine Stimme, weil wir nur eine kleine  Orktreuen Rasse sind. Wir haben uns damals dazu entschieden, weil wir uns gebietsweise auf demselben Terrain bewegen und Tauren relativ widerstandslos sind, was kriegerische Aktivitäten angeht. Bis es meine Familie gab. Und meine Familie hat wahrscheinlich zuviel getan um Krieg zu verhindern.

Damals hat mein Vater zusammen mit dem damaligen ersten Diplomaten von Garotan, Farfar’ti‘Walla, versucht gegenseitige friedliche Koexistenz mit den Menschen zu festigen. Und dieser Frieden besteht heute mehr oder minder. Farfar’ti’Walla sei Dank. Ruhe in Frieden.

Aber mein ganz persönlicher  Frieden hatte ein jähes Ende als Tarok auf mich zu kam. Er ist der belesenste Kerl im ganzen Orkreich, nur habe ich das Gefühl nutzt er das viel zu wenig. Stattdessen merke ich, wie er gerne mal den schwitzenden kämpferischen Daro-Orks oder Rot-orks hinterherschaut und gerne in ihre Haut schlüpfen würde. Von weitem winkt er mir, als ich den vorderen kleinen Felsen meiner Höhle erreiche.

„Garok, hey, garok.“

Ich grüße ihn zurück, umarme ihn herzlich und mache mit meinen Händen einen Streichler über mein bärtiges kinn, um ihn Freundschaft zu signalisieren. Tarok klopft sich mit zwei Fingern auf den schmalen Brustkorb und schwenkt seinen Arm aus. Kleine Unterschiede haben Orks und Tauren natürlich. Tauren streicheln ihr Kinn, um zu zeigen, dass Sie ihre Skepsis von Ihrer Haut rubbeln und jemanden als „Für gut“ befinden. Orks sind einnehmender. Der Klopfer auf die Brust, zweimal, heisst dein und mein Herz schlagen für dieses Land. Und Land ist den Orks sehr wichtig. Wahrscheinlich unterscheidet sie es damit nicht mal viel von den Menschen.

„Was kann ich für dich tun, lieber Tarok?“

Tarok stottert fast ein wenig, denn was er mich fragen will, beinhaltet etwas, was Orks gar nicht können: über Intimes sprechen. So sehr Tarok auch sich von den anderen Orks unterscheidet (Orks und lesen, haha, versteht man den Witz?), so sehr ähnelt er den anderen bei diesen Themen. Eigentlich ganz interessant, für einen Ork, der sehr viel klüger ist, als die anderen.

„…also könntest du auf die Kinder aufpassen, damit Heri..und ich….also würdest du Kinder nehmen?“

Kinder. Romi und Tara konnte man schon Groi nennen, also der Kindheit entwachsen. Auch wenn ich sie lang nicht mehr hatte, vor allem weil Romi ihre vorderen Schneidezähne bekam, nehme ich sie natürlich.

„Natürlich. Muss ich auf irgendetwas aufpassen?“

Er verneinte es, aber gab mir noch ein kleines Horn, das er morgen Romi, der Jüngeren, schenken konnte. Tarok meinte, wenn die kleine Heimweh überkommt, konnte sie das Horn nehmen und sich beruhigen.

Das erinnert mich an meinen Papa. Ich glaube Väter haben eine ganz spezielle Art ihre Kinder in Sicherheit zu wiegen. Eines Abends kam er als ich noch ein kleiner Mirto (taurisch für kleines Lebewesen / Junge) war, kam er an meinem Bett. Tagsüber war ich bei einem Ausritt einem großen Mularpa-Wolf begegnet. Mularpa-Wölfe haben vor allem rote Augen, die sie nie schließen. Und sie starren dich an, sobald Sie einen fixieren. Obwohl mein Vater mir sagte, ich solle mich in Acht nehmen, ging ich etwas Abseits des Weges, der durch den Gua-Wald führte. Während sich die hohen Eichenbäume im Flüstern des Windes absprachen, raschelte es hinter einem großen braunen Busch und die Augen eines Mularpa-Wolf erschien. Seine schneeweiße Schnauze spaltete sich auf und die drei Schneidezähne blitzten auf. Die Zunge des Wolfes schnalzte.

Und er blinzelte kein Mal. Ich wich ein wenig zurück. Der Weg war aus ein paar Metern Entfernung in Sicht, aber mein Vater war nicht zu sehen. Ein aus dem Bauch entstandenes knurren kam mir entgegen. Mularpas haben die Angewohnheit dich solange anzugucken, als würden sie mitten in dein Herz schauen, als würden sie mehr sehen. Und weil einen so sehr anstarrte konnte man nicht weg. Man erstarrte zu einer Statue.

Der Wolf stand mittlerweile mit seiner Schnauze über mir und nur noch wenig Zentimeter trennten unsere Augen. Interessanterweise dachte ich, das die Augen so rot waren, dass sie selbst Hitze ausstrahlen. Als wäre ein gleißender Lichtstrahl in meinen Körper unterwegs, der mich innerlich zum Platzen bringt. Ich kann mich nicht bewegen. Der Mularpa hebt seine Pranke, holt aus und trifft auf die graue Faust meines Vaters. Die Krallen hinterlassen drei Streifen. Der Wolf hatte sich nur auf mich als Opfer konzentriert, Papa hatte sich von angeschlichen. Trotz der zerkratzten Hand schlang er seinen Waffengürtel um den Hals des Tieres und zog sie schnell zu. Seine Augen starrten mich immer noch an, während aber jetzt ein Gefühl von Panik durchblitzte. Schließlich schloß der Wolf seine Augen.

Vater keuchte und nahm mich trotz aller Anstrengungen auf sein breites Kreuz. Zuhause häutete er den Mularpa. Er kam an mein kleines Lager aus Stroh und schaute mich an. Er hatte sich das Fell um seinen Hals gelegt und guckte mir intensiv in die Augen.

„Niemand kann dir etwas tun, kleiner Groi.“

Er legte seine Stirn an meine, das Zeichen der Tauren für Familie und in dieser Bewegung legte er mir das Wolfsfell um  meinen Hals. Bis heute trage ich dieses Fell als Erinnerung. An die Art wie er mich in Sicherheit wiegte. Und wie er vielleicht schon damals log.

Mein NaNoWriMo: Die lange Orknacht #1

Hallo zusammen,

wow, ich kann noch schreiben. Muss ich auch noch, denn ich mache wieder bei einem NaNoWriMo mit. Mehr dazu findet ihr auf nanowrimo.org.

Ich poste hier so oft wie ich es schaffe, den Teil der Geschichte, den ich bis jetzt geschrieben habe. Es ist die Erstfassung und Erstfassungen sind scheisse. Vielleicht mache ich damit anderen Schreibern Mut, dass das erste was man schreibt große Kacke ist und nicht der geniale Hirnfurz, den jeder bei Autoren vor Augen hat. Also sagen wir so, in dem Tempo, in dem ich bei diesem Schreibwettbewerb schreiben muss, ist es nicht möglich lange nachzudenken.

Ziel sind 50.000 Wörter in 30 Tagen, also im November, zu schreiben! Wer wissen will, wie es mir dabeigeht, der ist herzlich eingeladen, meinem DerCOMICer-Kanal auf YouTube zu folgen.

Und hier folgt jetzt der erste Teil meines Fantasyromans „Die lange Orknacht“. Viel Spaß!

Die lange Orknacht
Von Bastian Richelshagen

Kapitel 1

Tarok’ti’Kendar

Eigentlich ist es schon interessant wie sie mich damals wegen meiner Schwäche runtergemacht haben und heute kaufen sie bei mir Mittel um sich zu stärken. Dabei verkaufe ich nur Kräuter für die eigene Stärkung, sondern auch Bücher. Bei Büchern machen die meisten meiner Artgenossen einen fragenden fast schon hohlen Gesichtsausdruck, aber sobald sie anfangen zu flüstern, dann weiß ich das sie nur für ein bestimmtes Kraut zu Besuch gekommen sind.
Mein neuester Besuch aber windet sich erstmal. Es ist Horno’ti’Vallen, einer der Daros, der tumberen Sorte. Gerne auch mal spricht er mit Fäusten anstatt mit seinem Mund, weil er einfach nicht weiter weiß. Aber ich gebe zu  er kann wenigstens mit den Fäusten sprechen, während ich in dem Bereich der Gewalt noch nicht mal stottern kann.
Horno* geht in meinem mittelgroßen Zelt, von den anderen wird es immer nur „Frondar Gebe“ – mittelgroßer Scheiterhaufen  – genannt, umher.

*Alle Orks haben einen zusammengebauten Namen. Ihre Namen geben immer Auskunft, wer ihre Väter sind und ob sie männlich oder weiblich sind. Folgendermaßen ist ein orkischer Name aufgebaut: Wunschname des Kindes von den Eltern ausgesucht‘ ti (Sohn (männlich) des…..) oder ta(Tochter (weiblich) des……..)‘ Name des Vaters. Als Beispiel also bedeutet Tarok’ti’Kendar ist ausgeschrieben „Tarok, Sohn des Kendar“. Bei erstmaliger Erwähnung des Charakters wird hier der volle Name genannt, danach nur noch der Vorname (außer es ist wichtig zur Verdeutlichung)

Er tut so als würde er nur so herschlendern, was nicht die Art von den Daros ist, ein Rot-Ork würde sein Blick umherschweifen, aber Daros, die gehen zielstrebig auf etwas zu, nehmen es sich und gehen wortlos. Manchmal grunzen sie wenigstens. Ich warte einfach ab und warte darauf, dass er irgendetwas tut. Schließlich nervt selbst mich dieses Rumgesuche und ich frage ihn, ob er zufällig nach einem bestimmten Kraut suche.

Schlechte Idee.

Das Strohzelt bebt bei seinem Stampfer und er schnaubt verächtlich durch seine kleine Nase. „Du wagst es, den Sohn des Vallen, zu fragen, ob er ein bestimmtes Kraut wolle. Was denkst du dir?“ Das dir klingt eher wie ein langgezogenes diar. „Du willst wohl mir was unterstellen.“ Ich zucke wie immer zurück, obwohl ich das Ritual mittlerweile viel zu gut kenne. Da das Zelt eh nicht allzuviel Platz bietet, nimmt er versehentlich beim Auf-Mich-zu-Gehen ein paar Exemplare der Büchersammlung der Magiekunde mit und steht dann mit seinem 2 Meter großen muskelbepackten Körper vor mir.

Durch seinen blinden Zorn tropft ihm ein bisschen Speichel aus dem Mund, was auch gut zu seinem hohlen Gesichtsausdruck von vorhin gepasst hätte. Er beugt sich über den improvisierten Tresen und brüllt weiterhin auf mich ein. Wenn er keine Aufmerksamkeit erregen wollte, dann hat er jetzt wahrscheinlich das Gegenteil erreicht. Ich schau zu ihm auf und schlucke einmal lauf auf. Das war zu hören, denn mittlerweile wandelte sich sein Gebrülle in ein angestrengtes Starren. „Wo?“ sprach er für seine Verhältnisse leise aber immer noch erbost aus. Ich deute mit meinen Blicken auf den Tresen, er schaut kurz unter den Tresen, bei den kleine Körbe mit allerhand verschiedenen Kräutern gesammelt stehen. Ein Fest für magiefaszinierte Menschen.

Er nimmt seinen Kopf zurück und zeigt mit seinen dicken Pranken eine zwei, für zwei Beutel mit dem Fallumi-Kraut. Es ist immer Fallumi-Kraut. Er zahlt und steckt sich die zwei Beutel in einen größeren Stoffbeutel. Beim Rausgehen dreht er sich um und brüllt nochmal mit ausladenden Gesten, dass man ihn, Sohn des Vallen, nicht nach Kräutern oder Ähnlichem fragt. Er stapft raus und die Kombination von viel lautem Gebrülle und Stapfen, dass sich hier häufig abgespielt, hält die Strohhütte nicht mehr aus. Nachdem Horno raus ist, stürzt das Dach ein und ein paar Bücher und die Kräuter fallen auf den Boden.

Das Schlimme ist, hätte ich ihn nicht gefragt, wäre dieses Schauspiel trotzdem passiert, mit dem Unterschied, dass mir vorgeworfen worden wäre, dass ich nicht nach seinen Interessen gefragt hätte. Und das alles nur für Potenzkraut.

Inmitten des Chaoses sammle ich mein Hab und Gut auch wieder ein. Mein Zimbali-Horn finde ich in der Nähe des Tresens, es ist ein Minihorn und stecke es wieder ein. Schließlich muss ich die Kräuter auseinandersortieren. Dabei fällt mir auf, dass das wohl das letzte Fallumikraut war. Es finden sich noch zwei, drei kleine Kräuter auf. Die Kräuter werden für kleinere chemische und magische Experimente benutzt, die Grenze ist jedoch fließend. Mein Vorteil ist, dass ich das im Gegensatz zu den anderen Daro-Orks das weiß. Ich beschäftige mich nämlich mit allen was man an Wissen aufsaugen kann. Schon vor der Weihe habe ich mir das Lesen beigebracht und habe als ein eines meines erster Bücher, das Buch der Kräuterkunde gefunden. Es gibt soviele unterschiedliche Kräuter, dagegen sind die Orkrassen gar nichts gegen. Was Horno gekauft hat, ist vor allem für den Privatgebraucht gedacht.

In dem Kräuterkunde steht es etwas verschwurbelt, denn wir Orks lieben es über die unterschiedlichsten Gewaltfantasien zu sprechen, in vielen Details und sehr präszise, aber sobald es um private Dinge, die mit Liebe und intimeren Dingen, zu tun haben, verstummen die Gespräche. Peinliches Schweigen folgt dann zumeist. Und trotzdem gibt es sie. Die Hornos, Futus, Malleks oder Dröndas, die ihr Kraut bei mir holen. Darüber reden darf man nicht. Man sieht ja was dann passiert.

Ich merke, dass ich mir schon wieder in dem Kräuterbuch verliere und über den Hinweis, dass viele Kräuter noch unbekannt sind, nachdenke, als mir auffällt, dass der gesamte Mittelstamm der das Dach zentral hält, ebenfalls zu Boden gegangen ist. Ich fluche leise vor mich hin. Ich versuche unter den verbundenen Strohballen mich zu dem Zentralstamm zu bewegen. Der vordere Teil des Ladens müsste frei stehen, den Bereich mit autobiographischen Büchern und Geographielexikas über die Welt von Garotan. Sollte es wieder einen dieser Blutregen geben würde, würden diese beschädigt werden.

Ich krabbele zu diesem Stamm und versuche mich zusammen mit dem Stamm aufzurichten. Als ich versuche ihn mit aller Kraft hochzuheben, kommen mir wieder diese Erinnerungen hoch. Diese Erinnerungen an die Zeit vor und während der Weihe. Tage, an denen ich mich versucht habe. Tage, denen ich zeigen wollte, dass auch ich ein Ork sein kann. Stark. Wie ein kleiner Dorn im Gehirn fühlen sich diese Erinnerungen an und ich falle aufgrund des Gewichts wieder auf meinen Rücken. Ein Tragebeutel mit Kräutern fällt mir aus dem Gürtel und verteilt sich wieder auf den Boden. In der Nähe des Tresens sammle ich die letzten Reste ein, hinten liegen noch Rest des Kräuterchaoses. Ich habe keine Lust mehr und bin sauer auf den Stamm. Auf Horno. Auf mich.

Es ging nur darum ein Stamm hochzuhieven und nicht gegen andere zu kämpfen. Manchmal weiß ich nicht, was Heri´ta’Arka an mir hat. Der Gedanke würde ihrem Vater gefallen, wenn er noch da wäre. Wieder dieser Stich im Kopf. Ich krabbele unter dem zusammengeklappten Zelt heraus. Die vorderern Bücher liegen wirklich frei. Ich muss morgen Gerak’ti’Karan fragen, ob er mir beim Aufrichten hilft. Aber eigentlich will ich das nicht. Ich will es alleine schaffen. Heute Abend gibt es erstmal wichtigeres. Heri und ich haben Zeit  für uns. Die Kinder haben wir weggeben um Zeit für uns zu haben. Ich will Heri zeigen, dass ich ein Ork bin.

Ich bedecke die vorderen Bücherreihen einfach mit den Strohstreifen, die weiter hinter liegen. Wenigstens sind sie so vor dem Regen geschützt, wenn es soweit sein sollte. Ich muss nur noch Fallumikraut besorgen, um die Vorräte aufzufüllen. Und dann wird es romantisch. Mittlerweile verstehe ich die Männer hier in Daro, die Fallumikraut für sich nutzen. Wenn man Lust hat darauf zu zeigen, was Sie an einem haben und man sich fühlt als hätte ein Bär seine Pranke ins Gesicht gehauen, würde ich auch Fallumikraut nehmen. Irgendwie verspüre ich gerade Lust Fallumikraut zu nehmen.

Gerak’ti’Karan

Bis vor einen Tag war mein größtes Problem das meine Felle bei diesen feuchten Temperaturen nicht trocken werden. Jetzt sind die zwei größten Probleme Romi’ta’Tarok und Marna’ta’Tarok. Sagen wir eher Marna, denn die ist so hyperaktiv als hätte man ihr Kokakraut ins Brot gemischt. Die kleinen Kinder sind mein neuestes Projekt und zwar über Nacht. Es ist nicht meine erste Nacht mit Ihnen, aber das erste Mal seit dem sie im Alter angekommen sind, in dem  man denkt sie hätten ein Sack Hummeln im Arsch. Aber was tut man nicht Alles für den guten Tarok. Und Heri.
Aber ist schon interessant, wie die Prioritäten bei den Orks verteilt ist. Gestern ging ich nach einer Ratsitzung auf den Weg in meine Höhle.

Rezensionen frei nach Schnauze!