Gastrezension Nr.1: Hack/Slash Omnibus 1

Hack/Slash: Cover des 1. deutschen Bandes


Diese Woche präsentiere ich euch meine erste Gastrezension, diesmal den Titel: Hack/Slash 1. Oder einfach die Frage warum Hack-fleisch sexy sein kann.

Autorin dieser Rezension ist Helen Schrader, eine befreundete Blogautorin, die zum Beispiel für den Blog www.urbanfreak.de schreibt. Es muss nicht bei einer Rezension bleiben, jeder, der Interesse hat einen Comic vorzustellen, ist hier eingeladen seinen Senf abzugeben. Schreibt mir einfach an meine Emailadresse brichelshagen(at)googlemail.com, wenn ihr Lust habt. 

Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß bei der folgenden Rezension und bedanke mich bei Helen für die ausführliche Rezension.

Obligatorische Einleitung
Bevor Verwirrung entsteht, sollte ich vielleicht sagen, dass es sich im folgenden Beitrag um einen Gastbeitrag handelt. Normalerweise verfasst Bastian ja die Rezensionen. Aber da er durch Zufall erfahren hat, dass ich, Helen, ebenfalls das ein oder andere Comic besitze und dazu noch das ein oder andere Comic gelesen habe, dass er (noch) nicht gelesen hat, teilen wir uns gerade die Arbeit ein wenig. Normalerweise schreibe ich eher in einem Blog über städtische Themen, aber Abwechslung tut ja immer gut und außerdem bin ich der Meinung, dass jeder einmal Hack/Slash gelesen haben sollte. – Und das am besten noch heute statt morgen. Daher kommt hier meine Meinung zum ersten Omnibus von Hack/Slash. Sollte meine Rezension gefallen, gibt es vielleicht auch noch welche zu den folgenden vier Omnibussen. Aber fangen wir doch zunächst am Anfang an.


Die notwendige Einordnung


Um die Hack/Slash Reihe zu verstehen, sollten vorab ein paar Dinge zu der seit 2005 veröffentlichten Heftserie erwähnt werden. Hack/Slash wird seit 2008 in Omnibusform, also als Zusammenfassung mehrerer Geschichten veröffentlicht. Daher behandele ich nun den ersten Omnibus, der sich aus zwölf Einzelgeschichten zusammensetzt und der die Reihe aus insgesamt fünf Omnibussen begründete.  – Dazu aber später mehr.


Cassandra „Cassie“ Hack und Vlad


Hack/Slash basiert auf der Hauptfigur Cassandra „Cassie“ Hack und ihrem Sidekick Vlad. Cassie ist ein so genanntes Final Girl und somit im wahrsten Sinne des Wortes ein „Slasher Slasher“. Für jeden, der Scream nie gesehen hat, vielleicht zur Erklärung: Cassie wurde in jungen Jahren von dem ein oder anderem Serienkiller (Slasher) gejagt, hat es aber wie Sidney Prescott zu ihren besten Zeiten immer wieder geschafft zu entkommen. Somit ist sie das Mädchen, dass alle Übergriffe überlebt hat (Final Girl) und eben selbst mittlerweile ein Killer (eben Slasher Slasher bzw. Slasher Slayer).

Und das bedeutet genau zwei Dinge, auf die man sich bei Hack/Slash einlassen muss. Eine weibliche Heroine, die auf Baseballschläger mit Nägeln, knappe Klamotten und jede Menge Widerworte steht und eine Comicreihe, die auf jeder Seite mehr oder weniger offensichtliche Popkultur-Referenzen en Masse anbietet. Wer mit Namen und gleichzeitig Filmen bzw. Phänomenen wie Chucky, Hatchet, Re-Animator, Freddy, Jason, dem Zauberer von Oz und den Suicide Girls nichts anfangen kann, dürfte daher seine Schwierigkeiten beim Lesen bekommen. Für alle anderen, eröffnet sich eine Welt aus wundervollem Insider-Wissen, wie man es sonst nur aus Joss Whedon Serien und Filmen kennt.

Selbst Vlad, der entstellte und meistens wegen seiner Atemprobleme mit einer Gasmaske herumlaufende Riese, der sich im Laufe der ersten Geschichte an Cassies Seite stellt und mit ihr gegen das Böse kämpft, ist eine Mischung aus dem Elefantenmenschen, King Kong und Lennie Small (aus dem John Steinbeck Roman „Von Mäusen und Menschen“). Und wer bei Cassie Hack nicht an irgendeiner Stelle an eine Sidney Prescott, eine Buffy Summers oder selbst eine Prinzessin Leia denkt, hat meiner Meinung nach in seiner Jugend irgendetwas falsch gemacht. 😉 Na ja, und außerdem wird er vermutlich nur halb so oft herzhaft auflachen wie ich.


Der erste Hack/Slash Omnibus


Kommen wir nun aber zum Buch selbst. Auf gut 300 Seiten werden im ersten Omnibus zwölf Kurz-Geschichten erzählt, die ursprünglich als Einzeltitel verfügbar waren. Im Gegensatz zu den folgenden Omnibussen handelt es sich bei den Geschichten aber nicht um eine größtenteils fortlaufende Geschichte in mehreren Episoden, sondern um abgeschlossene kleinere Geschichten. In diesen bekommen es Cassie und Vlad unter anderem mit Verrückten (und einem Slasher) während des Spring Break zu tun. Tote Tiere und Kuscheltiere (allerdings nicht in derselben Episode kommen ebenfalls vor. Und wie es sich für einen guten Slasher gehört, darf natürlich auch die Episode im Sommerferienlager nicht fehlen. Überall lauern die Slasher und jeder will es natürlich, und nach Möglichkeit besonders blutig mit dem Final Girl und ihrem grenzdebilen Sidekick aufnehmen. Es steht immerhin die Street Credibility der namhaften Gegner auf dem Spiel, wenn man sich immer und immer wieder demselben Mädchen beugen muss.


Selbstironie und Kampfgeist


Was mich an der Hack/Slash Reihe seit dem ersten Omnibus begeistert sind die Sprüche (ich habe die Comics zugegebenermaßen auf Englisch gelesen und weiß daher leider nicht, ob sich der Wortwitz gänzlich ins Deutsche übertragen lässt). Wer die Comics liest, wird an einigen Stellen laut auflachen und sich an anderen Stellen seinen Teil denken können. So ist mir zum Beispiel in einer Geschichte eine Diskussion zwischen Vlad und Cassie im Gedächtnis geblieben, in der Vlad immer wieder Trüffel  (Trouffle) und Trouble im falschen Zusammenhang benutzt.

Auch das nicht-gesagte ist stellenweise äußerst unterhaltsam. Zumindest, wenn man sich auch nur ansatzweise für die Slasher der neueren Popkultur interessiert. Es ist noch nicht einmal notwendig die Filme alle gesehen zu haben, aber schaden tut es definitiv auch nicht. Wenn sich aber im Hintergrund eines Zimmers eine alte He-Man Figur findet oder die „Freundschaft“ von Ernie & Bert aus der Sesamstraße analysiert wird, trifft der Comic zumindest meinen Humor.

Ansonsten finde ich bei Hack/Slash die Beziehung zwischen Cassie und Vlad sehr cool umgesetzt. Diese kommt im ersten Omnibus zwar erst in den Grundfesten vor, aber selbst hier wird schon deutlich, dass man sich auf jede Menge Spaß einlässt, wenn man den beiden durch ihren Weg durch Amerika folgt (der wiederum sehr viele Parallelen zu Supernatural aufweist, wenn man es genau nimmt). Beide sind Außenseiter auf ihre ganz eigene Art. Und während Cassie ganz in Comic Manier immer wieder leicht Bekleidet und auf ihre äußerlichen Reize angesprochen wird, hat sie mit dem schüchternen Monster Vlad doch mehr gemeinsam, als der Außenstehende wahrnimmt. – Allerdings ohne ins kitschige abzudriften.


Genug geschwärmt, was ist nicht perfekt?


Am negativsten sind mir im ersten Omnibus die teilweise doch recht einseitigen Bösewichte aufgefallen. Viele sind eher eindimensional und schnell vergessen. – Gerade in Relation zu den später noch folgenden Bösewichten. Außerdem bin ich persönlich jemand, der eine gewisse Art von Zeichnungsstil braucht um ein Comic wirklich mögen zu können. Aufgrund der doch sehr wechselhaften Entstehungsgeschichte der Hack/Slash Reihe, ist dies jedoch nicht immer gegeben. Einige Geschichten gefallen mir persönlich daher nicht so gut, da die Optik der Zeichnungen stellenweise doch sehr gewöhnungsbedürftig ist, bzw. eher in eine Art Anime-Stil abdriftet.  Aber Geschmäcker sind verschieden und Blut fehlt garantiert nie in den Geschichten.


Wer sollte Hack/Slash eine Chance geben?


Wer sich die Mühe macht und nach den Hack/Slash Omnibussen im Internet sucht, der bekommt genau zwei Arten von Rezensionen. Die einen meinen, dass es sich bei den Comics um viel zu blutiges, zusammengeklautes Gemetzel ohne Ironie handelt, sieht es bei der anderen Hälfte genau gegenteilig aus. Für Enthusiasten ist die Reihe unterhaltsames Gemetzel mit jeder Menge Wortwitz und Situationskomik, die sich mit jeder Story mehr und mehr entfaltet.


Wer kein Blut sehen kann, sollte die Finger ebenfalls vom Comic lassen. Ich meine, abgesehen davon, dass es sich um ein Comic über eine junge Frau handelt, die es regelmäßig mit Slashern zu tun bekommt, schreckt Tim Seeley in seinen Geschichten auch nicht unbedingt vor den unappetitlichen Momenten im Leben eines Final Girls zurück. Cassie und Vlad bekommen mächtig auf die Knochen und was Lara Croft in Tomb Raider kann, dass kann Cassie schon lange.


Daher ist der Comic für alle, die mit einer (ausgesprochen attraktiven) Heldin leben können, welche den Slashern meistens mit ihrem losen Mundwerk mehr zusetzt als mit den selbstgebastelten Waffen. Denn wenn Cassie Hack eins nicht braucht, dann ist es Mitleid.  Außer natürlich, wenn sie mal wieder im 99Cent Laden Unterwäsche kaufen muss, weil das Geld knapp wird. Aber das ist nun wirklich etwas, was im zweiten Omnibus zur Sprache kommt und demnächst von mir rezensiert werden wird, wenn Bastian nochmal meine Meinung veröffentlichen möchte. Bis dahin wünsche ich viel Spaß beim ersten Teil.


Positiv:


– Bad-Ass Final Girl und ihr Sidekick

– “Entwicklung” der Charaktere

– Slasher, Popkultur und Wortwitz

– Teilweise äußerst brutal und blutig


Negativ:


– Wechselnde Zeichnungsqualität

– „Überflüssige“ Charaktere/Nebenschauplätze

– Teilweise äußerst brutal und blutig


Punkte:


8/10


Die gesamte Hack/Slash Reihe besteht aus:


Hack/Slash Omnibus 1: 10 Kurzcomics (u.a. Slashing Through the Snow, vs. Evil Ernie, vs. Chucky, Slice Hard)

Hack/Slash Omnibus 2: Hack/Slash Nr. 1-17 plus Annual

Hack/Slash Omnibus 3: Hack/Slash Nr. 18-32, Entry Wound, HACKoween, Living Corpse Annual

Hack/Slash Omnibus 4: Hack/Slash Vol.2 Nr. 1-11, Annuals 2 & 3, Zombies vs. Cheerleaders, 2011 Holiday Special

Hack/Slash Omnibus 5: (voraussichtlich Mai 2013): Hack/Slash Vol. 2 Nr. 12-25, vs. MERCY SPARX