Endgültig tot: Zombies vs. Superhelden – ein Essay

Cover von Green Lantern 11 und Cover von The Walking Dead 13

Superman ist tot. Batman ist tot. Die Menschheit ist tot. Ihre Gemeinsamkeit? Sie sind alle wieder zurückgekommen. 

Bei Superman und Batman gab es verzwickte Erklärungen, warum sie zurückgekommen sind. Bei der Menschheit in Zombiefilmen ist es simpler – du bist tot und kommst als lebender Leichnam zurück.

Und doch scheint der simple Teil, das Wiederkehren als Zombie populärer zu sein als der heroisch eingegangene Superheldentod. Auf dem Gratis-Comic-Tag  hatte ich die Gelegenheit mit meiner Begleitung das Thema „Tod im fiktionalen Kosmos“ anzuschneiden.

Ausgangspunkt meiner Überlegungen war in dem Fall die Dämonenjägerserie „Buffy – Im Bann der Dämonen“. Buffy jagt neben ihrem privaten Leben Vampire, stirbt aber in der 5.Staffel der TV-Serie. Das Buffy in der 6. Staffel wieder zurück ins Leben geholt wird, war für mich der Niedergang der Serie. Warum? Die Fallhöhe für Buffy als Hauptperson war dann relativ gering. Die Fallhöhe definiere ich als das Schlimmste was einer Figur in einem fiktionalen Universum passieren kann. Da Buffy aber schon tot war und selbst das nicht gereicht hat, um sie zu stoppen, hat der Tod als beendendes Element seinen Reiz verloren. Zusätzlich kam später noch die Information, dass Buffy nach ihrem Tod sogar im Himmel gelandet ist, was bedeuten würde, dass ihr Tod auch noch positiv besetzt ist. Lebt sie, hat sie ihre Freunde und Familie, stirbt sie, kommt sie in den „Positiven“ Himmel. Das war für mich der Killer der Dramatik von Buffy. Wenn sie selbst stirbt und dann noch zurückkommt, gibt es eigentlich keine Dramatik mehr.

Die  fehlende Dramatik bringt mich jetzt zurück zum Medium Comic. Warum sind Zombies so beliebt und warum hinken die Superhelden da hinter her? Als 1992 der amerikanisch-ste Superheld Superman starb, gab das damals eine große Medienresonanz, denn es war eine Neuheit, dass eine der großen Hauptcharaktere stirbt. (Auch wenn in Spiderman schon viel früher mal eine Normalsterbliche namens Gwen Stacy verstorben war, falls jemand von anderen Superhelden vor Superman Bescheid weiß, bitte in die Kommentaren) Das Leidige war, dass Superman natürlich zurückkam. Und mit diesem Großevent „Superman stirbt“ wurde der Startschuß für viele weitere Heldentode gegeben. Der letzte Tod, der mir in Erinnerung geblieben ist, ist Batmans Tod. 

Während aber bei Supermans Tod noch Ungläubigkeit bei den Fans herrschte, dürfte sich bei Batmans Tod mittlerweile Ernüchterung eingestellt haben. Zwischen Supermans Tod und Batmans Tod starben schon zahlreiche andere Helden und Angehörige von Helden. Kernpunkt meiner These lautet hierbei also „der Tod bei Superhelden ist nur noch ein beliebiges Element, das durch deren Wiederholung und Negierung an Dramatik verloren geht“. Umgangssprachlich heisst das „der XX-Held stirbt, ach was, der kommt ja eh wieder“.

Vergleichen wir dazu mal die Zombieseite. Von mir bevorzugt, nehme ich da gerne „TheWalkingDead“. Bei der Gelegenheit kann ich auch nur die Facebookgruppe „The Walking Dead Germany“ von TineLine, meiner Comictag-Begleiterin, für Fans der Serie empfehlen, da gibt es interessante Einsichten zu den einzelnen Charakteren der Serie und viele Gewinnspiele rund um die Fernsehserie. 
Zur Popularität von Zombies könnte man Facebook auch zum Vergleich nehmen. Wenn man in Facebook das Suchwort „Batman“ eingibt, erhält man als erstes den Film „Batman: The Dark Knight“ mit 15 Millionen Likes. Gibt man „TheWalkingDead“ ein, erhält man 17 Millionen Likes. Batman hat übrigens als Person des öffentlichen Lebens nur 8,7 Million „Gefällt mir“. Das Alles könnte man als Indikator für die Zombies nehmen. 

Bei den Fiktionen rund um Zombies ist eins gewiss: der Tod. Was Superheldenmythos und Zombiemythos gemeinsam haben, ist die Rückkehr ins Leben. Jedoch möchte man in der Zombieapokalypse nicht wiederauferstehen, denn letztlich verfällt man in den Zustand eines lebenden Leichnams. Während Superhelden den Drang haben wieder leben zu wollen, würden normale Menschen in der Zombieapokalypse am liebsten richtig sterben. Das heisst aber auch, dass Charaktere, die gestorben sind in Zombiefiktionen nur zwei Möglichkeiten haben:

1. Sterben und als Zombie zurückkehren
2. Sterben und tot bleiben

Der Tod hat in Zombiegeschichten seine düstere Seite behalten. Und nicht nur das, der Tod als beendendes Element hat eine zweite düstere, vielleicht sogar sadistische, Seite bekommen, den des Wiederaufstehens als lebender Leichnam. In den Zombiegeschichten ist die Fallhöhe nochmal erhöht wurden. Als Beispiel zur Untermalung würde ich gerne einen Serientod bei „TheWalkingDead“ aus den Comics heranzitieren, der mich sehr getroffen hat. 


Cover The Walking Dead 8

Aber dazu gebe ich hier eine 

SPOILERWARNUNG heraus, falls jemand noch nicht so weit ist. Es handelt sich hierbei um Band 8, der „The Walking Dead“-Comicreihe.

SPOILER ANFANG 

In Band 8 der Reihe überfällt der Gouvernor, ein rachsüchtiger Verrückter mit einer kleinen Truppe, das Gefängnis, in dem sich die Gruppe rund Rick verbarrikadiert hat. Als er mit einem Panzer die umgebenden Zäune niederfährt, kommt es zu einem großen Schußwechsel, in dem eine der Haupfiguren sein Leben lässt. Es handelt sich hierbei um Ricks Frau, die zudem ihr Kind in den Armen hält, das ebenso niedergeschossen wird. 

SPOILER ENDE

Wäre diese Figur aus einem Superheldenkosmos gewesen, hätte es vielleicht den Versuch gegeben, dass diese Figur nach einem Reihen-Reboot oder nach langen Erklärungen wiederauferstanden wäre. Aber innerhalb dieses Zombiekosmos weiß man, dass diese Figur nicht wiederkommen wird. Und diese Sicherheit, dass diese Person höchstens als Zombie zurückkehren kann, nimmt dem Tod als endgültiges Element nicht seine Wirkung. Und das ist letztlich meine Erklärung, warum die Superhelden nicht mehr so beliebt sind. Der Tod in Superheldencomics ist nur temporär, es fehlt dort an Dramatik. 

Also Superman ist tot. Aber er bleibt es leider nicht.