Freunde, die man sich nicht wünscht – Mein Freund Dahmer

Ausschnitt des „Mein Freund Dahmer“-Covers


Schuhe knirschen über den Asphalt. Sie knirschen immer weiter. Bis sie stoppen.
Wegen einer toten Katze. 


Das Milwaukee Monster schlägt wieder zu. Jedenfalls in unserem Gedächtnis, das mit dieser Graphic Novel aufgefrischt wird. Jeffrey Dahmer, bekannt als das Milwauke Monster tötete zwischen 1978 und 1991 um die 17 Männer. Und das hier ist seine Geschichte.

Diese Graphic Novel wird aus der Sicht eines näheren Bekannten des Massenmörders erzählt, dem Comiczeichner Derf Backderf (gleichzeitig Autor dieses Romans), der in seiner Nähe wohnt und in der High School sogar einen „Jeff Dahmer“ Fanclub gründete.

Aber von Anfang an.

Der ruhige Auftakt und das unausweichliche Ende

Die Schuhe vom Anfang gehören natürlich zu Jeff Dahmer. Er hebt die Katze auf und nimmt sie in seine Hände. Sein Gesicht ist in Schatten gehüllt, aber seine Augen stechen durch seine Brillengläser hervor. Er schleppt die Katze in den Wald und trifft dabei auf Jugendliche, denen er vorführt wie er die Katze in Säure auflöst. Er möchte sehen wie das Innere aussieht. Die Jugendlichen nennen ihn Freak und Jeff Dahmer steht alleine im Wald und symbolhaft zweigen Wege in die Dunkelheit des Waldes hinein.

Diese Prolog-Geschichte gibt die düstere Grundthematik der Graphic Novel perfekt wieder. Mit Jeff Dahmer stimmt etwas nicht und das wird in dieser ersten Szene unumstößlich klar. Jetzt könnte man, wie jedem Autor vorwerfen, die künstlerische Seite zu missbrauchen, um dieser wahren Geschichte etwas hinzuzufügen, jedoch hält sich der Autor sehr zurück. Und wo er es sich erlaubt, wird das im Anhang detailreich erklärt. 

Das Grafische an der Novel

Wie immer folge ich dem strengen Grundsatz, dass die Zeichnungen die Geschichte unterstützen müssen. Das gilt umso mehr bei einem grafischen Roman. Zu Anfang dachte ich bei dem Zeichenstil Backderfs an die alten MAD-Hefte, aber trotz dieses cartoonhaften Zeichenstils wird die Ernsthaftigkeit des Themas klar transportiert.

Natürlich fällt auf, dass sich die Figuren wie Schachfiguren in diesem Comic bewegen, deutlich erkennbar an der Szene mit der Bibliothekarin, die wütend nach dem Störer in der Bücherei sucht. Sie bewegt sich so schablonenhaft wie die Figuren aus South Park. Trotz der ewigen selben Perspektive und schablonenhaften Gestik und Mimik, ist die Geschichte so denkwürdig, dass der minimalistische Zeichenstil nicht stört. 

Der Weg in die Hölle

Jedoch wirkt der Zeichenstil an einer wichtigen Stelle sehr unterstützend: Bei Jeff Dahmers Mimik. Der wird als emotionsloser Typ beschrieben und das ist einer der Details, die sich durch die Graphic Novel zieht. Wir werden nicht in die Gedankenwelt von Jeff Dahmer hineingezogen, sondern in seine äußeren Umstände. Durch die Abwesenheit von Emotionen bei ihm, wird er uns fremd und wir können für diesen späteren Serienmörder keine Sympathie empfinden. Das ist auch ein erklärtes Ziel der Geschichte, Jeff Dahmers Weg anschauen, aber nicht in seine Gedankenwelt reingezogen werden.

Zweifel und Nachfragen

Negativ könnte man höchstens die des Öfteren verstreuten rhetorischen Fragen aus der Gedankenwelt des Autors nennen, die in Frage stellen, ob man den Abstieg des Jeff Dahmer hätte verhindern können. Letztendlich muss man die Fragen respektieren, da wahrscheinlich jeder als Bekannter eines Serienmörders sich diese Frage stellen könnte, letztlich hätte Backderf diese aber für meinen Geschmack weniger einstreuen 
können.

Ich gebe eine definitive Kaufempfehlung, da diese Graphic Novel von einer hohen Intensität lebt und die Geschichte gleichzeitig grausam und schonungslos den Abstieg eines Menschen zeigt.

Bewertung: 9/10

Positiv:
– wahre Geschichte
– intensive Schilderung mit reichlich Quellenangaben

Negativ:
– Hölzerne Mimik und Gestik der Figuren

Beschreibung zum Comic
Titel: Mein Freund Dahmer
Autor: Derf Backderf
Verlag: Metrolit
Link zur Beschreibung: http://metrolit.de/programm/walde-und-graf/mein-freund-dahmer

P.S.: Da mich Thema Graphic Novel schon seit meiner Diplomarbeit interessiert hat, werde ich nächste Woche wahrscheinlich einen Aufsatz über den Begriff Graphic Novel verfassen. Ich gebe aber noch innerhalb meines Blogs bekannt, ob ich es wirklich bis Sonntag schaffe.

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