Harter Stuhlgang: Game of Thrones Band 1 Comic-Rezension

Cover von Game-of-Thrones-Comic Band 1

Game of Thrones nervt. Egal, wo man zur Zeit sich popkulturell bewegt, gibt es eigentlich nur zwei Themen: Zombies oder Game of Thrones. Bei den Zombies ist es im Moment eigentlich auch nur eine Serie, aber das ist nicht das Thema dieser Rezension.

Ich hatte endlich genug als mich ein Bekannter wieder auf diese Fantasyreihe hinwies, mit den deutlich mahnenden Worten: „Nur die Bücher!“ Ich gebe ihm natürlich recht, aber wie schon bei DER SCHWARZE TURM, kann auch ein
Comic ein guter Einstiegspunkt für eine sehr bekannte Serie sein.

Game of Thrones nervt – im positiven Sinne

Ich bleibe aber bei meiner Aussage. Dieses gesamte Empfehlungsmarketing funktioniert bei Game of Thrones. Nachdem ich also zum x-ten Mal darauf hingewiesen worden bin, habe ich mir den ersten Band des Comics zugelegt, um im Gegensatz zum dunklen Turm erst den Comic und dann das Buch zu lesen. Das heißt letztlich hat mich das ganze Thema um diese Throngeschichte so genervt, dass ich endlich wissen wollte, worüber alle immer reden.

Bist du nicht mein Schwippschwager – Komplizierte Familienverhältnisse

Schön ist, dass bei jeder Empfehlung, meist auch noch ein Hinweis mit versteckt ist: „Die Drachen.“ „Viele Charaktere“ „Drachen, Drachen.“
Da mir vorab gesagt worden ist, dass Drachen erst später eine Rolle spielen, habe ich mich darauf eingestellt von Charakteren erschlagen zu werden.
Ungefähr diese Vorstellung kommt hin, als ich nach dem Vorwort, die Familienaufstellung gesehen habe. Es ist hilfreich, wenn einem die
Personen vorgestellt werden, was aber dem Erstleser ungemein helfen würde, wäre ein Stammbaum.

Ich glaube, ich habe einigermaßen die Familienverhältnisse des ersten Bandes aufschlüsseln können. Für diejenigen, die das nicht so interessiert,
denen empfehle ich einen Absatz weiter zu springen:

Also Eddard Stark und Catelyn Stark sind die Eltern von Robb Stark/Bran Stark/Sansa Stark/Arya Stark und dem nichtehelichen Sohn Jon Schnee.
Robert Baratheon ist der König von allen und verheiratetr mit Cersei Lennister, die einen Bruder hat namens Jamie Lennister und noch einen Zwergenbruder
namens Tyrion Lennister. Bis dahin gibt es sechs weitere Personen, die ich aber nicht einzuordnen weiß. Das klang jetzt
relativ simpel, aber da musste ich auch erstmal dahinter kommen. Trotzdem besteht noch Klärungsbedarf für mich, damit ich den Sinn aller Figuren verstehe.

Ränkespiele und Machtgefüge


Der erste Comicband spielt die ersten sechs Kapitel des Romans nach und enthält vor allem viel Erklärungen und Vorbereitungen für spätere Intrigen. Das heißt in diesem Band passiert noch nicht so viel, das Dramatischste
jedoch ist der willentliche Sturz eines Kindes aus dem Fenster. Da war ich dann doch schon überrascht wie flappsig nebenher einer der Figuren ein Kind aus dem Fenster schubst um ein Geheimnis zu bewahren. Vorgestellt werden
vor allem die Verhältnisse, Robert ist der König, der in irgendeiner Form mit der Familie Stark verbunden ist und eine Lennister geheiratet hat. Wobei hier schon klar wird, dass die Familie Lennister nicht ganz koscher ist.
Letztendlich ist der erste Band eine groß angelegte Erläuterung der Charaktere und vor allem der Verhältnisse.

Letztendlich scheitert es am Kinn


Jetzt komme ich zu meinem größten negativen Punkt, den Zeichnungen. Natürlich sieht der Band schön gezeichnet aus, gar keine
Frage, aber mir gefallen die Charaktere nicht.

Wenn man es mit so einem großen Personal an Figuren zu tun hat, sollte man etwas mehr auf die Unterscheidung der einzelnen Menschen achten. Vor allem bei den Männern fällt mir das negativ auf. Ein Phänomen, dass mich irgendwann auch bei Superheldencomics genervt hat, das kantige Kinn.Viele der Personen im Comic haben ein kantiges Kinn und zudem lange Haare, es kommt des Öfteren vor, dass ich mich dabei erwischt habe, wie ich den Comic lese und mich frage, ob ich jetzt gerade etwas vom König erfahren habe oder von irgendeinem anderen kräftigen Mann. Weniger robuste Kerle haben dann etwas spitzer zulaufende Kinnpartien und Frauen unterscheiden sich des Öfteren nur an den Haaren.(Was bei den Männern auch häufig vorkommt)

Typisch amerikanisch ist auch die Starrheit der Mimik und das Fehlen von Dynamik. Des Öfteren sind die Zeichnungen der Gesichtsausdrücke so seltsam, dass ich erst einmal gedacht habe, dass eine Frau, die gerade spöttisch versucht zu gucken, aussieht als müsste sie rülpsen (!). Alles wirkt mir von den Figuren her zu hölzern.

Ist sie sauer oder rülpst sie noch? Aus dem Game-of-Thrones.Comic Band 1

Langen Atem

Ich denke, wie es beim Epos üblich ist, dauert alles, Handlung und Action, seine Zeit. So hat man auch das Gefühl bei dem ersten Comicband.
Hier und da sind Zwistigkeiten, kleinere Ränkespiel, aber es passiert nicht so viel und hilft nur den Folgeband zu verstehen. Die Zeichnungen finde ich leider im Bezug auf Mimik und Gestik missglückt und denke ich werde aufgrund der Handlung mir trotzdem das Buch zu legen. Also letztlich ist es doch darauf hinausgelaufen, dass ich mir das Buch kaufe um Game of Thrones kennenzulernen. Nur habe ich für diese Erkenntnisse rund 20 Euro ausgeben müssen. Das muss letztlich jeder selber wissen.

Bewertung: 5 / 10

Positiv:
– komplexe Figurenkonstellation
– interessante Ansätze in der Geschichte

Negativ: 
– Zeichnungen zu hölzern
– ein Beziehungsdiagramm hätte den Comic etwas einsteigerfreundlich gemacht
– Noch zuwenig los. Hätte ruhig mehr passieren können

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