Ver-dhoom-3-t nochmal: Wie man keine Lanze für den indischen Film bricht und ich es doch tue

Hab nicht mal meine Kionokarte davon wiedergefunden. Darum dieses herrlich selbstgebastelte Werk
Dhoom ohne h bedeutet Weltuntergang. Natürlich ist Dhoom 3 kein Weltuntergang, aber leider ein Film vor dem man warnen sollte, wie Eltern vor dem Betreten von Baustellen mit Kindern. Nicht falsch verstehen, ich bin ein Fan von indischen Filmen und ja, das sind nicht allesamt Bollywoodschinken, sondern darunter sind auch ein paar Action und weitere Genres.

Was ich mir von einem Inder andrehen lassen würde


Ich bin mit einem guten indischen Freund aufgewachsen, der mir eine Welt außerhalb des schlechten deutschen und amerikanisch verödeten Filmes gezeigt hat. Den indischen Film zeichnet für mich vor allem das Gefühl aus. Liebe, Eifersucht, Verstoßung oder viele andere Gefühlsfacetten versteht das indische Kino mir herzergreifend zu transportieren. Vielleicht etwas übertrieben aber so das es einen rührt. Dementsprechend nehme ich den indischen Filmen Tanzeinlagen ab.

Ein ver-dhoom-ter Mist


Wenn es dann aber Zeit ist ein neues Genre zu besiedeln, dann haben die indische Filmemacher mit diesem Film einen Bockmist verzapft. Jai Dixit und Ex-Krimineller Ali ermitteln im dritten Teil nach einem Trickdieb, der bestimmte Banken ausraubt und dabei Clownsmasken hinterlässt.
Der Film beginnt aber mit einer Zauberstab dessen Chef um Verzögerung der Kredittilgung bittet. Diese Sequenz hat noch alles was für mich ein indischer Film bieten muss: Tanzeinlagen + Gefühlvolle Inszenierung + interessanter klarer Konflikt. Wie der kleine Junge die Bänker bittet noch etwas länger auf die Zahlungen zu warten und diese unnachgiebig verneint, da springt einem das Herz über.
Aber ab da ist es ein Weg, der nach unten führt. Vor allem im Actionbereich kommt es mehr zu einem Zirkus der Peinlichkeiten: Zeirlupensequenzen in Massen, ünereifriger Einsatz von Musik und fehlende Plausibilität und Unlogik – Loch und Löcher.

Schlimmste Unmöglichkeit


Vor allem eine Sequenz hat es mir angetan. Unser Filmbösewicht flieht vor den Polizisten bis er umzingelt ist und er nur noch ins Wasser könnte. Und was passiert zur Rettung, das Motorrad verwandelt sich in ein Wasserski. Puh. Aber als der Böse im Wasser von der Wasserpolizei umzingelt ist, na wie wird er sich da gerettet haben? Natürlich verwandelt sich das Motorboot in ein U-Boot. Warum bin ich da nicht eher drauf gekommen? Das wäre alles nicht schlimm, wenn diese überragende Transformertechnik vorher dargestellt worden wäre. So sind die ganzen Fluchtmanöver nur unfassbar blöde.


Sonstige Nichtigkeiten


Amir Khan spielt in diesem Film gleich zwei Rollen. Einer davon ist geistig behindert und Amir übertreibt in seinem Spiel den geistigen Zustand seines Charakters. In jeder Szene hat er wohl extra seinen Tick darstellen müssen. Was ein Tick-en zuviel des Guten ist. Was mich besonders Fuchs ist das Amir Khan eigentlich ein guter Schauspieler ist und sich seine Rollen weise wählt. Hier gab es aber nur den Griff ins Klo.
Überhaupt lag der Fokus mehr auf ihm als auf den beiden Ermittlern, die wir aus den vorigen recht guten Teilen in besserer Form erlebten. Jai wird als der knallharteste Typ im ganzen Universum dargestellt, so dass selbst Action-Arnie in die Röhre schauen muss. Leider ist auch das so übertrieben zeitlupig dargestellt, dass selbst mein indischer Kumpel vor Scham weiter in den Boden versank.

Die indische Lanze brechen mit anderen Filmen


Wer sich an den indischen Film rantrauen möchte, dem empfehle ich Rang de Basanti. Wer es nicht so tiefsinnig möchte, trotzdem indisch aber nicht Bollywood, ist mit Don (auch Don 2) gut versorgt. Woran der indische Film weiter erstmal krankt, ist der Mangel an gut gemachter Action. Die kam bei Dhoom 3 aus indischer Hand was man leider merkt. Vielleicht sollten sich die indischen Filmemacher an die Stärken ihrer Film halten: dem Gefühl.
Kurz gesagt: Dhoom 3 – das war ziemlich dhumm. (Tusch!)

Positiv: 
– Kinderstory ist ok

Negativ:
– Story Murks
– Action Vollmurks
– Amir Khans Darstellung eines geistig Behinderten murkst mich ab

P.S: Wer regelmäßiger Leser meines Blogs ist, darf sich freuen, der Blog wird bald umziehen und das „Nichtvorhandene“ Design ist bald Geschichte.