The Lamb of the Wall Street – Scheitern als Erfolg von David Cantolla – Comicrezension

Cover von Scheitern als Erfolg

Man ist zwar nicht tot, aber es fühlt sich trotzdem an wie einer. Die Insolvenz eines typischen Dotcom-Unternehmens ist der exotische Gegenstand dieser Graphic Novel aus dem Hause Egmont Graphic Novel.

Zurückgespult und Abgewickelt

Zu Anfang wird man in die gegenwärtige Situation des Unternehmers geschmissen, die kurz zusammengefasst mit „am Arsch“ relativ gut beschrieben wäre. Weder Kontakte noch Geld als wichtiges Mittel in einer hoch technologischen Branche besitzend, gibt der Autor David Cantolla sein allerletztes Geld aus.  Was dann in den späteren Seiten sich raus entwickelt ist eine rückwärts erzählte Geschichte vom Niedergang bis zum Erfolg und den Anfangswehen einer Firma, die irgendetwas mit Internet machte. Und das zu Zeiten der sogenannten Dotcom-Blase.

Internet und Geld weg

Rund um die Zeit der 90er bis 2000er als das Internet populärer und Mobiltelefone gängiger wurden, spekulierten ziemliche viele Börsenanleger auf einen Hype, d.h. dass die neuen Startups im neuen Technologiebereich hohe Gewinne abwerfen sollten. Die Anleger waren so verblendet, dass der Absturz nicht weit entfernt war und das wurde als Dotcomblase bezeichnet.

Seite aus Scheitern als Erfolg

The lamb of Wall Street

Natürlich ist auch der Autor dieses Comics kein eindeutiges Lämmchen, aber er ist auch nicht das, was Leonardo DiCaprio im Wolf of Wall Street darstellt. Konfrontiert mit den überbordenden Exzessen seines Unternehmens kommen David Cantolla erste Zweifel. Die Zerrissenheit in dieser Zeit, moralische Zweifel, die Freude über das Geld bestimmen neben Wut und Depression über den Verlust diesen Band. Garniert wird die Geschichte selber durch Lektionen eines Meister Yan, der Hilfe zur Selbsthilfe gibt mit interessanten Metaphern.

Eine runde Sache – graphisch und auch erzählerisch

Neben der Geschichte sind die Zeichnungen etwas individueller. Statt Realismus findet man hier eine Mischung aus vermenschlichten Tieren und einer interessanten Nasenstruktur. Zwischendurch musste ich an zweidimensionale Holzschablonen denken, die miteinander sprechen. Wenn wir bei dem Bild bleiben, dann hätten diese Holzschablonen Moos angesetzt, denn durchgängig sind neben Weiß und Schwarz ein Grünton. Trotzdem lenkt bei dieser durch und durch mit vielen Infos gespickten Geschichte der Stil nicht von den Botschaften ab und lockert die manchmal doch etwas trockene Informationswiedergabe auf.

Ein Schicksal mit guter Botschaft

David Cantolla zeigt uns in seiner Graphic Novel, dass aus einem großen Scheitern trotzdem etwas gutes Neues entstehen kann. Neben der subjektiven Geschichte werden die Parts mit Zusatzinfos schön aufgelockert und die innovative Reihenfolge das Ganze rückwärts zu erzählen ist auch eine sehr gute Idee. Kaufempfehlung im Quadrat, also nicht vor der Kasse scheitern!

Bewertung: 9 / 10

Positiv:
– innovative Erzählweise
– interessante Infos
– Emotionale Geschichte mit schöner Botschaft

Negativ:
– An manchen Stellen zu viel Infos, wirkt dann etwas trocken

Link zum Artikel: Scheitern als Erfolg: Kung-Fu für Unternehmer