In der Sekte Cover

Islam = Feind? Nee, Scientology wartet schon auf Sie: „In der Sekte“-Comic-Rezension

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An einigen Stellen in der deutschen Medienlandschaft könnte man das Gefühl bekommen, der Islam will uns allen ans Leder. Dabei sind das immer nur Splittergruppen, also depperte Moslems mit Minderwertigkeitskomplexen. Was aber passiert, wenn eine gesamte Religion nur aus solchen Menschen besteht? Dann nennt sie sich Scientology und zieht Menschen das Geld aus der Tasche. Und das ist vielleicht nicht das Schlimmste.

Auf dem Weg in die Falle

„In der Sekte „ ist ein Graphic Novel aus einem kleinen Schweizer Eigenverlag. Dieser erzählt die Geschichte von Marion, die durch Schicksalsschläge in die Arme von Scientology gelaufen ist. Es fängt an mit den typischen Einsteigerkursen, in denen erst einmal Marion per Persönlichkeitstest attestiert wird, dass sie Probleme hat. Im nächsten Schritt kommt sie zu den wichtigen Kursen, in denen das Elektrometer an Marion ausprobiert wird.

Das Elektrometer schlägt immer dann aus, wenn Marion über ihren Vater redet. Und sie freundet sich gleichzeitig mit der sogenannten Auditorin an. Marion wird  immer wieder ausgefragt. Sie schlägt sich sehr gut und fällt den anderen in der Organisation auf. Sie wird zur Zentrale nach Kopenhagen gerufen. Im Laufe des Bandes werden in aller Kürze Marions Seelenlage beschrieben. Und da liegt das Problem: in aller Kürze.

Ich mag es gern üppig – auch beim Scientology-Bashing

Ich mäkel ungern rum, bei so einem aufklärerischen Werk, aber ich habe mir mehr Ausführungen gewünscht. Für einen Preis von 14,95 sind knapp 100 Seiten mit spärlichem Informaterial etwas wenig im Preis-Leistungsverhältnis. Die Schilderungen der Erfahrungen mit Scientology sind eindringlich und interessant erzählt. Allein mehr Hintergründe hätten mich interessiert, ein bisschen mehr Einblick in eine Organisation, die es – weiß Gott – nicht gerade gut mit Menschen und deren Geldbörse umgeht.

Marion wird von den obersten Scientologen verhört
Marion wird von den obersten Scientologen verhört

Man stelle sich vor Tollkien wäre ein Prophet!

Denn Aufklärung ist wegen Scientology dringend nötig. Hinter dem durchorganisierten Seelenfang steckt eigentlich ein hanebüchener Ansatz von Pseudo-Religion, dass es einem die Nackenhaare sträuben lässt. Begründer der Quasi-Religion ist Ron L. Hubbard, der seine Ansichten und die dazugehörige Organisation fußt auf zwei Reisen von ihm in den Himmel. Beim ersten Mal hätte noch alles schön ausgesehen, Milliarden später danach sei der Himmel dem Chaos verfallen. Scientology möchte den Himmel dabei unterstützen gegen die chaosproduzierenden Xenu vorzugehen und dafür müssen die Anwärter-Scientologen viele Kurse absolvieren. Diese kosten wiederum natürlich Geld, was als das Hauptanliegen von Scientology angesehen werden kann.

Und wenn man sich den oberen Teil durchliest, klingt es wie eine Sci-Fi-Saga par excellence. Man stelle sich das nur mal für Herr der Ringe vor, wenn Gandalf, beeinflusst durch den Ring, seine treugläubigen Anhänger-Hobbits Sauron als Happa-Happa vorbeibringt. Ich finde ein nahezu passender Vergleich und ihr könntet der nächste Hobbit sein!

Sich klarmachen, dass seine Kindheit vor lauter Scientologen wimmelt

Vor allem eins macht mich fertig. Wieviel Stars, die uns sehr bekannt vorkommen, sich in dieser Sekte tummeln. Das bekannteste Beispiel ist ja wohl Tom Cruise und leider auch Will Smith. Oder Kerry aus King of Queens. John Travolta. Die Liste ist beliebig erweiterbar und tut weh. Warum fallen so sympathische Menschen auf so einen Müll rein? Unfassbar und das macht mich so ärgerlich.

„In der Sekte“ ist Stein des Anstoßes

Trotz meiner Kritik an der Kürze des Bandes, dient dieser Comic einem guten Zweck. Er lässt einen Aufhorchen gegenüber einer sich harmlos gebenden Organisation mit obskuren Absichten. Er lässt sich gut lesen, hätte aber wie gesagt, ein wenig mehr Hintergrundinfos vertragen können.

In der Sekte: Marions Verhörer fällt nichts mehr dazu ein
In der Sekte: Marions Verhörer fällt nichts mehr dazu ein

Bewertung: : 7 / 10

Positiv:

–          Interessantes Thema eindringlich geschildert

Negativ:

–          Zu kurz

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