Erotisch wie Knäckebrot: „Rote Ohren“ Rezension

Das leicht veränderte Cover der ersten Ausgabe von "Rote Ohren"
Das leicht veränderte Cover der ersten Ausgabe von „Rote Ohren“

 

„Kommt eine Frau beim Arzt!“

„Brüller, was?“

„Nee.“

 Die Erotik zwischen der Angelsport-Zeitschrift und den Börsennachrichten

Seit ein bis zwei Wochen hat es mich angelacht, die Zeitschrift mit der Frau mit dem kecken Auftreten und dem großen Ausschnitt. Reingestopft zwischen vielen anderen Pressezeitschriften, Abteilung Satire, grinste sie mich so verführerisch an, dass ich einfach mal zugreifen musste. Trotzdem passte diese sexy angehauchte Zeitschrift nicht zwischen all die Satire-Magazine, aber ich wüsste auch nicht besser wohin damit.

Der Titel „Rote Ohren – Scharfe Comics & Cartoons“  in Kombination mit dem leicht angezogenen Mädel, weckt das, höchstwahrscheinlich männliche, Publikum gewisse Erwartungen.  Hier wird die Post abgehen!

Sexy Wichs- entschuldigung Witzblättchen

Nun ja, die Post hat hier gerade mal Feierabend. Es handelt sich jeweils um einseitige Gags, zumeist zum Thema Sex. Ein zwei Episoden handeln dann mal von was ganz anderem, aber ansonsten werden Altherrenwitze in frivole Bildchen verpackt, die sich zigarrenschmauchende Chauvinisten gemütlich auf dem Weg zum nächsten Meeting auf der Toilette  durchblättern können.  Ich habe nur ein Comic für witzig gehalten, den ich jetzt auch radikal SPOILERe:

Ein Mann versucht in eine Parklücke einzuparken und macht das so schlecht, dass die nebenstehenden Autos nicht mehr wieder zu erkennen sind. Am Fenster haben das zwei Frauen beobachtet und sprechen darüber.

Frau 1: „Weißt du warum Männer immer so schlecht einparken?“

Frau 2: „Nee, warum?“

Frau 1: „Weil Männer 15 cm gerne mal für 5 Meter halten.“

Der Witz war ganz ok. Und das ist für mich schon das Highlight.

Zeichen der Zeit: Enthemmte Holländer

Eine Pointe aus der Ausgabe von Rote Ohren
Eine Pointe aus der Ausgabe von Rote Ohren

Die Zeichnungen der „Scharfen Comics“ ist am ehesten vom frankobelgischen Stil beeinflusst. Klare Farben und ein Stil, der gut zu dem „lustigen“ Inhalt der Geschichte passt.  Die Zeichnungen, sowie der gesamte Comic kommen aus Holland. Leider wirken die an manchen Stellen etwas zu steif. (Und ja, diese Gelegenheit für einen billigen Witz lasse ich verstreichen)

Humortechnisch liege ich mit diesem Band gar nicht überein. Antiquierte Rollenklischees über Frauen und Männer reihen sich aneinander, die gelegentlich mal von einem Lichtblick unterbrochen werden, sonst aber fischen wir im trüben Keller.

Bewertung: 3 / 10

Positiv:
– ein guter Gag

Negativ:
– steife Zeichnungen
– steife Storys
– leider keine steife Reaktionen auf die holländische Brachialwitzerotik

Bei wem ich dennoch das Interesse geweckt haben sollte, dem helfe ich mit einem Link zu einer anderen Ausgabe aus der Reihe: Rote Ohren 25, Heisse Köpfe 13