Basti liest Comics in den Neunzigern

Blogparade: Ach du neunte Kunst – Oder wie ich lernte Comics zu lieben

„… und als die Ente sich eine Maske überstreifte, seinen Onkel Dagobert vergaß und auch die Neffen fortschickte, da wurde ich leider erwachsen…“

Jetzt wage ich mich mal an ein neues Experiment. Das Experiment lautet Blogparade. Was ist eine Blogparade? Bei Blogparaden startet ein Artikel zu einem Thema und der Artikelschreiber kann weitere Leute animieren, ebenfalls zu dem Thema etwas zu schreiben.

In dem Start-Artikel werden dann die weiteren Artikel anderer Blogs aufgeführt. Worum soll es in meiner Blog-Parade gehen? Natürlich mein Thema sind Comics und wie man selbst den Weg zu der Leidenschaft Comics gefunden hat. Ihr könnt also bei der Blogparade mitmachen, wenn

  • ihr Lust habt einen Artikel zum Thema „Mein Weg zur Leidenschaft Comics / Graphic Novel / Manga und was mich an Comics fasziniert“
  • ihr auf diesen Artikel zurückverlinkt und ich auf euren Artikel mit einer kleinen Beschreibung verlinken darf.

Natürlich freue ich mich auch über Comicfans, die die Blogparade weiter teilen, so können Comicblogger sich viel besser vernetzen und lernen und gegenseitig auch besser kennen. Und hier folgt die Liste an Bogs, die über ihren Weg zu den Comics berichten:

1. Der Eckendenker-Artikel
Den ersten Artikel, der sich um die Geschichte seiner Comic-Leidenschaft meldet, schreibt der Eckendenker. In seinem Beitrag dreht es sich um eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen bezüglich des Comic-und Mangabereiches. Dabei spielen seine Ex-Freundin und Ebay eine kleine Rolle. Zusätzlich erzählt er auch noch über sein Interesse an Animes. Von mir bekommt er den Preis für den schnellsten Artikel, denn nur eine Stunde nach meiner Anfrage, war der Artikel da. 20-Finger-System?! Viel Spaß!

2. Der Comic-Community-Artikel von Steffen Liebschner
Steffen bringt uns den zweiten Artikel. Er erzählt uns den Weg, wie er Steinchen für Steinchen von den DDR-Digedags seinen Comic-Weg zu Green Lantern machte und wie daraus sogar ein Fan-Drehbuch für den Grünen Strahlemann dabei rum kam. Auch dir ein herzliches Dankeschön 🙂

Und hier folgt mein Beitrag zu „Mein Weg zu den Comics und warum  sie mich so faszinieren“:

Ach du neunte Kunst – oder wie ich lernte Comics zu lieben

Basti liest Comics in den Neunzigern
Ich lese Comics. Eine typische Pose meiner Jugend, versunken in einen Comic. In dem Fall Silver Surfer von Marvel.

Wie alle Geschichten fing auch diese ganz früh an. Als Kind mochte ich vor allem Geräusche. Immer wenn ich irgendetwas gemacht habe, habe ich das virtuos mit einem Geräusch unterlegt: ZAWASCHH! PSCHIUUUUUU! Und am liebsten habe ich mir immer vorgestellt, wie radioaktive Strahlen aus meinen Händen kommen. Lange vor dem Erkennen was Radioaktivität eigentlich für ein negativer Mist ist.

Aber jetzt direkt auf Superhelden zu kommen, wäre zu einfach. Denn dann hätte ich euch den klassischen Weg nicht genug geschildert, den andere auch durchgemacht haben. Und warum ich bei diesem Weg geblieben bin. Die ersten Comics, die mir unter die Nase kamen, waren natürlich nur Beilagen zu großartigen Gimmicks. Urzeitkrebse! (Bei denen das Futter eine Woche später kam) Um die Ecke-Gucker! Kaleidoskope! Wahnsinn, all das ganze Zeug, wofür die Kinder von heute Apps haben. Aber wir mussten damals mit Leim und Pappe klarkommen. (Jetzt klinge ich das erste Mal wie meine Eltern :0) Und dabei geholfen hat immer ein bisschen die Fantasie. ZOINK! WADUSCH!

Aber irgendwann wurden die kleinen Geschichten in dem Heft immer interessanter Erst das Känguru mit dem ewig gleichen Muster und dann die Ente im Matrosenanzug. Micky Maus war für mich von den Geschichten immer eher wie Superman, einfach zu perfekt und für alles immer eine Lösung.

Donald in einer typischen schnatternden Pose mit seinem Onkel Dagobert
Donald in einer typischen schnatternden Pose mit seinem Onkel Dagobert

Donald Duck ist jähzornig und hat dauernd Pech. Also eine Ente wie du und ich. Und noch interessanter war dessen Onkel, (weil es gibt ja nur Onkel und Tanten in Entenhausen) der in seiner grenzenlosen Gier Donald immer ausnutzt. Schließlich gab es im Micky Maus Heft neben den eher lockeren lustigen Geschichten, auch immer ernstere Abenteuergeschichten, zumeist mit Dagobert, die einen scönen Reflex in mir ausgelöst haben: Der Frage, wie es nächste Woche weitergeht. Die beste Geschichte für mich, kam auch von meinem Lieblings-Entenzeichner, nämlich Don Rosa. Dagobert duelliert sich in einem Wettlauf um einen Inkaschatz, der gehoben werden möchte. Soviele Details in den Zeichnungen und diese Abenteuer. Wenn nicht Donald irgendwann seinen Fetisch für Spandexunterwäsche gefunden hätte, wäre ich wahrscheinlich weiter an den Abenteuern hängen geblieben.

Spirou und Fantasio auf dem Weg durch Australien. Natürlich auf der Suche nach Graf Rummelsdorf.
Spirou und Fantasio auf dem Weg durch Australien. Natürlich auf der Suche nach Graf Rummelsdorf.

Diese Abenteuerlust habe ich kurzzeitig ausgelebt. Tjaha, wilde Zeiten mit Action und Trara, das konnte es nur in einer katholischen Bücherei geben. Die alten Damen kamen mir gleichzeitig schrecklich vor, die hinter dem Tresen auf die Rückgabe der Comic-Alben gewartet haben, und doch hatte ich auch Mitleid. Der dicke Nerd fast jeden Tag aufs Neue vor der Tür um noch mehr Alben zu lesen. Ich entdeckte Spirou und Fantasio, das Marsupilami und Pip, das Einhörnchen gab es hier. Und auch Gaston, sowie Asterix und Obelix. Es gab 5 Reihen mit Büchern und ich habe sie alle gelesen, ich hatte die Zeit, während die ??? mich mit ihren noch einfachen Fällen damals begleiteten. Da war ich der Abenteuerer. Und interessanterweise lag die Offenbarung nicht weit weg, denn in den Regalen schlummerte einer der Werke, die meine Sicht über Comics vollständig  verwandelt hat. Bei dem ich gemerkt habe, was ich eigentlich die ganze Zeit da gemacht habe.

Phantomias kehrt zurück in diesem Premiumband, der endlich mal mehr Futter für mich Phantomiasfreund bedeutet.
Phantomias kehrt zurück in diesem Premiumband, der endlich mal mehr Futter für mich Phantomiasfreund bedeutet.

Aber zuvor kam mir diese Ente dazwischen. Und ihr Freizeitanzug, den es nachts anzieht. Man muss sich das mal vorstellen. Die gleiche Ente, die sonst immer auf den Bürzel fällt, einen lustigen blauen Matrosenanzug trägt, war auf einmal anders. Ernster. Und vor allem hatte diese Ente einen Hightech-Tower mit zahlreichen Sperenzchen und einer künstlichen Intelligenz hinter sich. Ja, Donald war jetzt ein Superheld! Er wurde zu Phantomias. Er kämpfte gegen Außerirdische und einen eifrigen neugierigen Reporter. Wie kann man das den heutigen Kindern / jugendlichen beibringen? Das ist ungefähr wie Hannah Montana, auch bekannt als Miley Cirus, die in ihren Kindertagen höchstens mal an einem Lolli geleckt hat und heute lieber an Werkzeugen sich verausgabt. Nackt. Donald als ernstgemeinter Superheld. Und wie gut, das funktionierte. Es waren Bedrohungen im Spiel und Technik und viel KLAWUSCH! So muss das krachen. Und von einer Ente als dunkler Enterich bis zu einem Millionärswaisen mit Fledermausphobie ist der Weg  auch nicht soweit.

Scott McCloud erklärt in "Comics richtig lesen" die Welt der Neunten Kunst.
Scott McCloud erklärt in „Comics richtig lesen“ die Welt der Neunten Kunst.

Aber vorher pochte immer noch dieses Buch/Comic  in der Bibliothek und griff mit seiner Offenheit meine Sehnerven und mein Gehirn an. Und es war weder ein fiktionaler Comic, noch ein Manga, noch eine Graphic Novel, sondern ein Sachcomic. Ein Comic über COmics. Und ganz ehrlich hatte ich gar keine Ahnung, was ich da Wertvolles gelesen habe. Was es war? „Comics richtig lesen“ von Scott McCloud war ein einfach gezeichneter Comic, der erst im Nachgang seine Magie entfalten hat. Er erklärt warum Comics so einzigartig sind und das in einem Comic – was gibt es Nerdigeres. Ich kann diesen Comic nur jeden ans Herz legen, der immer noch glaubt, dass das alles Kinderkram.  Aber ein Comic, der behauptete Comics seien kein Kinderkram, der hat es erstmal schwierig. Da war es, vor allem in Deutschland einfacher mit einem Themenklopper zu kommen, der jeden erstmal verstummen lässt: der Holocaust.

Die beiden sehr bewegenden Maus-Bände erzählen die Geschichte eines jüdischen Schicksals zur Zeiten des zweiten Weltkriegs.
Die beiden sehr bewegenden Maus-Bände erzählen die Geschichte eines jüdischen Schicksals zur Zeiten des zweiten Weltkriegs.

In der Bibliothek entdeckte ich Maus und ich weiß noch wie ergriffen, ich von dieser Lektüre war. Die Darstellung der nationalsozialistischen Verbrechen verbunden mit einem cartoonhaften Zeichenstil hat mich wochenlang beschäftigt. Ich stand in einem inneren Zwiespalt. Ich kannte die Ansicht der Leute um mich herum, dass Comics Kinderkram sind und gleichzeitig lag der Gegenbeweis in meiner Hand. Anstatt zu kämpfen oder Leute nerdig mit meinen Comics zu missionieren, habe ich es bevorzugt alles für mich zu behalten. Irgendwann hat auch die Maus- Erleuchtung nachgelassen und ich habe mich Männern mit Strumpfhosen zugewidmet.

Eine Batman-Ausgabe aus der Niemandsland-Zeit als Gotham CIty in Schutt und Asche lag.
Eine Batman-Ausgabe aus der Niemandsland-Zeit als Gotham CIty in Schutt und Asche lag.

Und das zu einer Zeit mit einer Sorte von Comics, die auf jedenfall pubertärer Jungskram sind. Und zu dem Zeitpunkt kam auch einer meiner prägendsten Erlebnisse für meine Comic-Laufbahn zustande. Ich ging in die fünfte Klasse und meine ersten Deutschklausuren ließen Fünfen auf mich herabregnen wie saurer Regen. Und schließlich, weil es so brisant war, kam es zur Begegnung meiner Deutschlehrerin mit meinem Vater. Auf diesem Elternsprechtag meinte meine Deutschlehrerin zu den verhauenen Klausuren: „Ich denke ihr Sohn ist so schlecht, weil er Comics liest. Vielleicht gehört er deswegen auch in Behandlung!“ Damals dachte ich: „Oh nein, diese Comics gefährden meinen Platz in der neuen Schule. Heute denke ich: Deutschlehrerin: FUCK OFF! Ich hab noch lange Comics gelesen und das Erlebnis hinter mir gelassen.

Statt diesem Ratschlag meiner Lehrerin hat irgendwann meine Leidenschaft abgenommen. Zentral gebe ich sogar den Superheldencomics ein bisschen die Schuld. Irgendwann sind alle Helden mal wiederauferstanden und schon wieder gestorben. Es gab keine Fallhöhe mehr. Ich wendete mich an sogenannte höhere Literatur. Obwohl das Quatsch war, wie die Graphic Novels es heutzutage immer wieder beweisen. Schließlich wurde meine Leidenschaft wieder erweckt, durch eine Geburt!

Meine Comicsammlung in den 90er. Ein Teil davon. In verpixelter Grafik ;)
Meine Comicsammlung in den 90er. Ein Teil davon. In verpixelter Grafik 😉

 

Ja, denn ich wurde wieder geboren. Das Internet bringt soviele Persönlichkeiten, die Comics lesen zusammen und die miteinander in Kontakt treten. Eine Idee wurde geboren, Comics zu lesen und meine Meinung preiszugeben. Das gibt es zwar schon zu Hauf (denke ich) aber für mich war das etwas völlig Neues. In meiner Schulzeit habe ich verschämt Comics gelesen und keinen damit belästigt. Doch mit der Geburt des COMICers habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt. Ich zeige mich als Comicleser/nerd/fanat und bin stolz drauf. Das war etwas, was ich bis jetzt nie gezeigt hatte.

Ich lese Comics und ich bin einen weiten Weg bis zum DerCOMICer-Blog gegangen. Und ich liebe Comics, denn sie schaffen es als einziges Zeit in räumlichen Dimensionen darzustellen und haben eine Magie, die keine anderes Medium hat. Es ist persönlich und gleichzeitig für alle, es ist Kunst und gleichzeitig Literatur. Es verbindet den Tanz der Bilder mit dem Klang von Worten und das ist der Grund, warum ich Comics liebe und lieben gelernt habe.

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