Eine Hommage an die berühmte Szene aus Kubricks "Shining"

Zuviel Sonne?! „Shining“-Brand! Stephen Kings „Shining“ und „Doctor Sleep“ rezensiert

Eine Hommage an die berühmte Szene aus Kubricks "Shining"
Eine Hommage an die berühmte Szene aus Kubricks „Shining“

 

Die Axt hämmert ein großes Loch durch die Tür und durch das Loch guckt ein Typ mit irrem Blick. Er steckt sein Kopf durch die Tür und dreht sich zu der Person hinter der Tür, es ist Stanley Kubrick. „Hier ist Stevie und ich mag deine Verfilmung meines Buches nicht“!

Die Cover von Stephen Kings Doctor Sleep und Shining
Die Cover von Stephen Kings Doctor Sleep und Shining

Das Stephen King die Version von Shining nicht gefiel, ist ein offenes Geheimnis, aber woran mag es wohl liegen? Bei mir ist es Ewigkeiten her, dass ich das Buch gelesen habe und auch der Film liegt etwas zurück. Leider ist die Erinnerung des Filmes fester in meinem Kopf verankert gewesen als die des Buches. Also habe ich mir meinen Urlaubstrip mal genutzt, um das Buch wieder zu lesen und auch die Fortsetzung. Die Fortsetzung zu so einem mächtigen Buch, dass muss man erstmal hinkriegen. Schauen wir mal, ob es „Doctor Sleep“ geschafft hat.

Die Rückseite der aktuellen Shining-Ausgabe
Die Rückseite der aktuellen Shining-Ausgabe

Familienpackung-Geschnetzeltes im Overlook (Shining)

Die Handlung ist eigentlich schnell erzählt: Jack Torrance nimmt einen Winterjob in dem Hotel Overlook an und zieht für ein halbes Jahr mit der Familie in diese entlegene Bleibe. Eingeschneit in den Bergen und abgeschnitten von der Aussenwwelt beginnt Jack Torrance langsam durchzudrehen. Sein Sohn, Danny Torrance, besitzt gleichzeitig Vorahnungen über dieses Hotel, die sich im Laufe der Zeit bestätigen.

Vorsicht, hier kommen nun ein paar Spoiler zum Vergleich von Film zu Buch: SPOILERALARM

Im Buch ist die Entwicklung von Jack Torrance zum ausgeflippten Familienmörer sehr viel differenzierter dargestellt, als es in Kubricks Film der Fall war. Bei Kubrick hat man das Gefühl, bei Jack wurde nach einem Schnitt einfach eine megapissige Laune ans Bein geheftet, die sich in immer manischeren Zügen zeigt. Bei King jedoch ist vor allem der Alkoholismus ein großes Thema und die Veranlagung von dem Familienvater wird noch etwas detaillierter dargestellt. Das er zum Beispiel vor dem Hotelbesuch dem kleinen Danny den Arm gebrochen hat aus lauter Wut, macht ihn schon vorher etwas unsympathisch.

Dannys Begabungen werden ebenso viel breiter dargestellt, mit seinem unsichtbaren Freund Tony  und den Eingebungen im Hotel. Am markantesten ist natürlich der Unterschied der beiden Enden. (Nochmal SPOILER-HINWEIS) Im Film friert Jack Torrance im Labyrinth zu Tode, im Buch explodiert das ganze Anwesen mit ihm.

(SPOILERALARM ENDE)

Es SHINING-t immer noch richtig!

Wahrscheinlich hat das alles den guten King aufgeregt und ihn die große Wut-Axt auspacken lassen, die ganzen Unterschiede und Nuancen die Kubrick natürlich anders gewichtet hat. Das Buch ist nach so langer Zeit immer noch lesbar, da ich natürlich alles schon in etwa kannte,  habe ich mich nicht mehr so gegruselt wie früher, aber das beklemmende Gefühl ist an vielen Stellen immer noch da. Und das Wichtigste ist das Etikett was sich der Roman selber gibt, auf den ersten Seiten selber gibt: Thriller. Ich weiß nicht, ob das mittlerweile in dieser 53. Ausgabe irgendwann nachträglich eingefügt wurde, aber das ist wichtig zu wissen. Bei King existiert immer der Horror, aber wichtig sind Charaktere und die Spannungen untereinander. Und das ist das, was Shining so groß macht. Ich kann es zwar nicht mehr nachvollziehen, aber ich habe das Gefühl, dass dem Werk ein paar Seiten abhanden gekommen sind, denn Jacks Stück auf der Schreibmaschine wurde in dieser Ausgabe nicht näher erläutert. Aber im Rückblick ist ja alles immer viel glorreicher oder viel schlimmer als es wirklich war.

Shining gehört immer noch zu einem meiner Kings Lieblingswerken. Beim Film gilt ähnliches wie bei Buch, in der Rückblick viel erschreckender als er wirklich war, aber der Film ist auch von 1980. Trotzdem ebenfalls ein Meisterwerk durch weite Kamerafahrten, aber letztlich vernachlässigt er viel von Kings Charakterzeichnung.

Die Rückseite des Hardcover-Bandes von Doctor Sleep
Die Rückseite des Hardcover-Bandes von Doctor Sleep

Leuten den Tod bringen auf nette Art: „Doctor Sleep“ alias Danny Torrance

Wer beide Bücher lesen will, sollte gar nicht weiterlesen, denn „Doctor Sleep“ ist die Weiterführung von „Shining“, sprich SPOILER sind logischerweise vorprogrammiert.

Doctor Sleep macht dort weiter, wo Shining aufgehört hat, es erzählt das Schicksal von Danny Torrance nach der Explosion des Overlook Hotels. Zuallererst wird sein Werdegang geschildert, zahlreiche Eskapaden, auch Alkoholismus spielt wieder eine große Rolle, bis Dan von einer weiteren Person mit Shining kontaktiert wird. Sie informiert Dan über den wahren Knoten, die Leute mit „Shining“ aussaugen und es nun auf sie,  „Abra“, abgesehen hat. Dan versucht ihr zu helfen und versucht gleichzeitig mit seinen alten Dämonen fertigzuwerden.

Überraschung: Doctor ungleich Shining = It´s Danny Time

Shining war größtenteils ein Kammerspiel im verdorbenen Overlook Hotel und die langsame Verrücktwerdung von Jack Torrance. In „Doctor Sleep“ schauen wir, wie sich Danny Torrance mit seiner Vergangenheit quält und sich davor bewahrt in die besoffenen Fußstapfen seines Vaters zu treten.  Und dieser zweite Teil ist nicht dafür da, nochmal ein Kammerspiel abzuliefern, sondern die Frage zu beantworten was mit Danny Torrance danach passiert. Und das schreibt King selbst im Nachwort, ich hätte schöner gefunden, wenn das am Anfang gestanden hätte. Damit wird einem noch klarer, dass es hier nicht darum geht, eine Fortsetzung zu machen, in dem ein neues Overlook mit neuen Bewohnern da ist und diese sich wieder mit den Gespenstern des Hotels auseinandersetzt.

Indirekt tut das Dan Torrance natürlich trotzdem und die Ruine des Overlooks hat auch noch eine Rolle in diesem Buch. Aber es liest sich mehr wie ein Road-Trip und spielt in dem Fall mit der Weite und nicht mit der Enge eines einzigen Ortes (wie das Overlook im ersten Teil). Wenn man sich darauf einstellt und nicht einen Nachahmer des ersten Teil erwartet, dem kann ich auch dieses Buch empfehlen. Vor allem weil hier der Kampf mit dem Alkohol noch mehr im Vordergrund steht. Man lernt viel über AA-Treffen (Anonyme Alkoholiker) und die Weisheiten, an die sich diese AAs klammern.

Muss ich Doctor Sleep lesen?

Nein. Nur wenn euch wirklich interessiert was mit dem kleinen Danny passiert, dann empfehle ich euch den Band zusätzlich zu „Shining“. Aber muss ich Shining vorher gelesen haben? Ja, das sollte man King referenziert immer wieder Geschehnisse aus dem ersten Teil, die man ohne Lektüre nicht verstehen kann. Sprich, wer Doctor Sleep lesen möchte, kommt an Shining nicht vorbei. Alleine funktionert s nicht. Dementsprechend spricht dieses Buch die Neugierigen an, die das Schicksal des Jungen aus dem Overlook interessiert.

Für beide zusammen gebe ich eine Kaufempfehlung raus, unterstreiche aber das „Doctor Sleep“ ohne Shining nicht funktioniert. Also solltet ihr vorher „Shining“ lesen. Es sind zwei unterschiedliche Thriller, bei „Shining“ sind die Horrorelemente größer als in „Doctor Sleep“. Dort fehlen diese Elemente leider und auch die Bedrohung ist an vielen Stellen nicht so stark wie in Shining. Das ist einer dergrößten Mankos von Doctor Sleep. Wen das nicht stört, der sollte das Doppelpack nehmen.

Wer sich vorrangig gruseln will, empfehle ich natürlich „Shining“ als einen absoluten Klassiker von King.

Bewertung (Shining): 9 / 10

Bei Amazon kaufen: Shining

Bei Ebay kaufen:Shining

Bewertung: (Doctor Sleep): 7 / 10

Bei Amazon kaufen:Doctor Sleep: Roman

Bei Ebay kaufen:Doctor Sleep

Bewertung beider im Doppelpack: 8 / 10 (Überraschung, was?)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *