„Huch, vorher kommen die nackten Männer? – In these words – Mangarezension

 

Cover des Mangas "In these words"
Cover des Mangas „In these words“

Diese Rezension erzählt wie dumm ich bin. Ja, manchmal muss man sich das einfach eingestehen.

Lesen ohne großartige Erwartung von "In these words"
Lesen ohne großartige Erwartung von „In these words“

Einen kleinen Comic-Einkauf mit mir

Da stehe ich also in einer meiner Lieblingsbuchhandlungen und schaue mal locker über die Manga-Abteilung. Dragon Ball, BTOOMM usw. kennen wir ja alles. Und dieser eine Manga in der vorderen Abteilung bei dem ein Kerl einen Totenschädel in die leeren Augenhöhlen blickt. Cool, das ist bestimmt ein verrückter Manga mit Shakesspeare-Ansatz oder noch geiler: Zombies. Im besten Fall bedient es vielleicht einer Kerl, der im Mittelalter gestrandet ist und jetzt auch diesen unsäglichen eisernen Thron besteigen will.

Aber in dem Manga besteigen die Menschen was ganz anderes.

Und dann die große Überraschung bei "In these words"
Und dann die große Überraschung bei „In these words“

Leseerlebnis mit Aha-Effekt

Und es ist wirklich ein reines Leseerlebnis. Zuerst wird man in einen Roman geworfen, in dem keine Bilder vorkommen und ich wurde an eine Sache erinnert, die mir vor langer Zeit passiert ist. Da hatte ich nämlich von Death Note, einer überragenden Anime/Mangaserie, einen Zusatztitel gekauft. Leider war das Ding zugeschweißt und ich kaufte es mir ohne näher anzuschauen. Zuhause gab es dann das blanke Entsetzen, denn es gab keine Bilder. Es war ein Roman im Mangaformat. Mich holte dieses Gefühl wieder ein, ich blätterte durch aber ich sah, dass zum Glück irgendwann Bilder kamen.

Ich überflog schnell den Romanteil ohne mich wirklich reinzu-investieren und dann landete ich mitten im Geschehen. Auch als ich die ersten Seiten des Comicteils schnell durchblätterte, fiel mir lustigerweise nichts auf, obwohl es schon zu Anfang direkt explizit bestimmte Sachen zu sah.

Aber als ich dann mal intensiver mich in die Story reinlas, fiel mir zuallererst auf, dass es keine Frauen in dem Roman gab. Befremdlich für einen Mangakäufer, in dem schonmal Frauen vorkommen (manchmal sogar bekleidet ;)) Wir lernen den Psychiater Katsuya kennen, der von wilden Träumen verfolgt wird und von der Polizei gebeten wird, einen Serienmörder zu analysieren.

Und dann der Schock: Wo steckt da der Daumen?

Ich blättere also schön locker weiter, und dann kommt auch schon der zweite Traum von Katsuya.  Er liegt mit Bauch über den Stuhl gelehnt und hinter ihm ist ein Bedroher. (besser: Angreifer) Irgendetwas wird im Hintergrund wird gehämmert und schließlich bewegt sich der Geiselnehmer hinter Katsuya, zieht ihm die Hosen runter und zieht die Hand nach hinten und rammt mit dem Daumen voran direkt in den….

Blumen…..lalalalala…….süße Hunde……..lalala

Also ihr ahnt wo das endet oder der Daumen (muahaha) und dann habe ich den Manga auf den Rücken gedreht und folgendes Etikett prangt auf der Rückseite:

Etikett "Boys Love" auf Rückseite von "In these words"
Etikett „Boys Love“ auf Rückseite von „In these words“

So und ja, original, ich habe es zuerst dann bemerkt. Schliesslich gibt es dann noch ein paar explizite Szenen und man benutzt nicht nur Daumen, man kann auch ganz andere Sachen wo reinstecken.

Boys Love Manga – in these words

Ich komme eigentlich mit schwulen Comics / Mangas gut klar, aber bis jetzt lese ich größtenteils Ralf König, wo es die Knollennasen bunt miteinander treiben. Das ist aber in bunter Cartoon-Optik, der Manga „In these words“ ist aber in trister Schwarz-Weiß Optik mit größtem Verzicht auf cartoonhafte Emotionen, da ist das nochmal eine ganz andere Hausnummer.  Ich muss sagen erstmal gewöhnungsbedürftig, aber ich finds nicht schlimm. Ich musste nicht es weglegen. Bevor ich ein Comic/Manga wegschmeisse, da muss schon einiges passieren. Und selbst erotische Comics (LINK) schmeisse ich mal weg.

Ausschnitt aus "in these words"
Ausschnitt aus „in these words“

Geschichte geht über Firlefanz

Und jetzt mal ganz ehrlich die Gegenüberstellung von Katsuya und Keiji Shinohara, dem gefassten Serienmörder und deren Dominanz/devot-Verhalten ist sehr interessant. Der Serienmörder versucht Spielchen mit Katsuya zu spielen und Katsuya wehrt sich dagegen, die Lage spitzt sich später noch zu. Und jetzt die Frage, ob ich diesen Manga trotz der falschen Erwartung noch weiter lese: Ja! Denn mir ist eine interessante Geschichte mit guten Charakteren immer noch wichtiger als das Rumgebumse nebenher. Außer es ist ein Sex-Manga, dann solltet es schon passen. Die Charaktere sind so interessant gestaltet, dass, und jetzt kommt mein höchstes Lob, ich mir schon die zweite Ausgabe geholt habe. Trotz meiner anderen Erwartungen.

Farbiges Beispiel aus dem Manga
Farbiges Beispiel aus dem Manga

Negativ an der ersten Ausgabe ist nur dieser abschreckende Romanteil, dessen Sinn ich auch nicht verstanden habe. Das hätte man alles auch in Comicbildern darstellen können. Dafür ziehe ich leider ein bisschen was ab. Scheint in dem üblichen Boys-Love Hühnerbrüstchen-Gequarke eine härtere Geschichte zu sein, aber ich lasse mich gerne von Boys-Love-Leserinnen eines Besseren belehren.

Bewertung: 8 / 10

Positiv: 
– interessante Charaktere
– schöne erwachsene Optik

Negativ:
– Irritierender Anfang mit einem Roman

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