NaNoWriMo: Die lange Orknacht #2 – Gerak und die Mularpas – Mein Schreibexperiment

Ich mache beim Nanowrimo mit und veröffentliche hier meine Rohfassung des Romans. Zu Teil 1 geht es hier! Viel Spaß 🙂

Die Diskussionen in einer Ratssitzung kreisen eigentlich immer um die Frage Krieg oder keinen Krieg. Am liebsten würden sich alle gegenseitig die Köpfe einschlagen, um dann anderen die Köpfe einschlagen zu können. Die 6 Ratsmitglieder diskutierten ohne Ergebnis, nur ich konnte genug ableiten, denn General Kabosch’ti’Tedan legte sich mit Blicken und seinem ganzen Habitus mit mir an.
Obwohl ich noch nicht mal etwas gesagt hatte. Er wüsste, was ich zum Thema Krieg sagen würde. Mit uns Tauren nicht. Als Vorsteher der Tauren habe ich zwar in den Ratsitzungen nur eine kleine Stimme, weil wir nur eine kleine  Orktreuen Rasse sind. Wir haben uns damals dazu entschieden, weil wir uns gebietsweise auf demselben Terrain bewegen und Tauren relativ widerstandslos sind, was kriegerische Aktivitäten angeht. Bis es meine Familie gab. Und meine Familie hat wahrscheinlich zuviel getan um Krieg zu verhindern.

Damals hat mein Vater zusammen mit dem damaligen ersten Diplomaten von Garotan, Farfar’ti‘Walla, versucht gegenseitige friedliche Koexistenz mit den Menschen zu festigen. Und dieser Frieden besteht heute mehr oder minder. Farfar’ti’Walla sei Dank. Ruhe in Frieden.

Aber mein ganz persönlicher  Frieden hatte ein jähes Ende als Tarok auf mich zu kam. Er ist der belesenste Kerl im ganzen Orkreich, nur habe ich das Gefühl nutzt er das viel zu wenig. Stattdessen merke ich, wie er gerne mal den schwitzenden kämpferischen Daro-Orks oder Rot-orks hinterherschaut und gerne in ihre Haut schlüpfen würde. Von weitem winkt er mir, als ich den vorderen kleinen Felsen meiner Höhle erreiche.

„Garok, hey, garok.“

Ich grüße ihn zurück, umarme ihn herzlich und mache mit meinen Händen einen Streichler über mein bärtiges kinn, um ihn Freundschaft zu signalisieren. Tarok klopft sich mit zwei Fingern auf den schmalen Brustkorb und schwenkt seinen Arm aus. Kleine Unterschiede haben Orks und Tauren natürlich. Tauren streicheln ihr Kinn, um zu zeigen, dass Sie ihre Skepsis von Ihrer Haut rubbeln und jemanden als „Für gut“ befinden. Orks sind einnehmender. Der Klopfer auf die Brust, zweimal, heisst dein und mein Herz schlagen für dieses Land. Und Land ist den Orks sehr wichtig. Wahrscheinlich unterscheidet sie es damit nicht mal viel von den Menschen.

„Was kann ich für dich tun, lieber Tarok?“

Tarok stottert fast ein wenig, denn was er mich fragen will, beinhaltet etwas, was Orks gar nicht können: über Intimes sprechen. So sehr Tarok auch sich von den anderen Orks unterscheidet (Orks und lesen, haha, versteht man den Witz?), so sehr ähnelt er den anderen bei diesen Themen. Eigentlich ganz interessant, für einen Ork, der sehr viel klüger ist, als die anderen.

„…also könntest du auf die Kinder aufpassen, damit Heri..und ich….also würdest du Kinder nehmen?“

Kinder. Romi und Tara konnte man schon Groi nennen, also der Kindheit entwachsen. Auch wenn ich sie lang nicht mehr hatte, vor allem weil Romi ihre vorderen Schneidezähne bekam, nehme ich sie natürlich.

„Natürlich. Muss ich auf irgendetwas aufpassen?“

Er verneinte es, aber gab mir noch ein kleines Horn, das er morgen Romi, der Jüngeren, schenken konnte. Tarok meinte, wenn die kleine Heimweh überkommt, konnte sie das Horn nehmen und sich beruhigen.

Das erinnert mich an meinen Papa. Ich glaube Väter haben eine ganz spezielle Art ihre Kinder in Sicherheit zu wiegen. Eines Abends kam er als ich noch ein kleiner Mirto (taurisch für kleines Lebewesen / Junge) war, kam er an meinem Bett. Tagsüber war ich bei einem Ausritt einem großen Mularpa-Wolf begegnet. Mularpa-Wölfe haben vor allem rote Augen, die sie nie schließen. Und sie starren dich an, sobald Sie einen fixieren. Obwohl mein Vater mir sagte, ich solle mich in Acht nehmen, ging ich etwas Abseits des Weges, der durch den Gua-Wald führte. Während sich die hohen Eichenbäume im Flüstern des Windes absprachen, raschelte es hinter einem großen braunen Busch und die Augen eines Mularpa-Wolf erschien. Seine schneeweiße Schnauze spaltete sich auf und die drei Schneidezähne blitzten auf. Die Zunge des Wolfes schnalzte.

Und er blinzelte kein Mal. Ich wich ein wenig zurück. Der Weg war aus ein paar Metern Entfernung in Sicht, aber mein Vater war nicht zu sehen. Ein aus dem Bauch entstandenes knurren kam mir entgegen. Mularpas haben die Angewohnheit dich solange anzugucken, als würden sie mitten in dein Herz schauen, als würden sie mehr sehen. Und weil einen so sehr anstarrte konnte man nicht weg. Man erstarrte zu einer Statue.

Der Wolf stand mittlerweile mit seiner Schnauze über mir und nur noch wenig Zentimeter trennten unsere Augen. Interessanterweise dachte ich, das die Augen so rot waren, dass sie selbst Hitze ausstrahlen. Als wäre ein gleißender Lichtstrahl in meinen Körper unterwegs, der mich innerlich zum Platzen bringt. Ich kann mich nicht bewegen. Der Mularpa hebt seine Pranke, holt aus und trifft auf die graue Faust meines Vaters. Die Krallen hinterlassen drei Streifen. Der Wolf hatte sich nur auf mich als Opfer konzentriert, Papa hatte sich von angeschlichen. Trotz der zerkratzten Hand schlang er seinen Waffengürtel um den Hals des Tieres und zog sie schnell zu. Seine Augen starrten mich immer noch an, während aber jetzt ein Gefühl von Panik durchblitzte. Schließlich schloß der Wolf seine Augen.

Vater keuchte und nahm mich trotz aller Anstrengungen auf sein breites Kreuz. Zuhause häutete er den Mularpa. Er kam an mein kleines Lager aus Stroh und schaute mich an. Er hatte sich das Fell um seinen Hals gelegt und guckte mir intensiv in die Augen.

„Niemand kann dir etwas tun, kleiner Groi.“

Er legte seine Stirn an meine, das Zeichen der Tauren für Familie und in dieser Bewegung legte er mir das Wolfsfell um  meinen Hals. Bis heute trage ich dieses Fell als Erinnerung. An die Art wie er mich in Sicherheit wiegte. Und wie er vielleicht schon damals log.