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NaNoWriMo: Die lange Orknacht #3 – Taroks Entdeckung & Farfars Erklärung

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

Viel Spaß mit diesem dritten Teil!

Ich rückte das Mularpafell zurecht und zog es fester an meinen Körper. Vielleicht ist für Romi das Horn ihr Wolfsfell.

Tarok’ti’Kendar

Um eine neue Ration Fallumikraut zu besorgen musste ich in den Wald des Treden. Dort wuchsen neben großen Eichen, kleinere Walsenbüsche, die mit ihren Dörnern gerne mal kleine Tiere aufspießten, ohne jemals dafür was getan zu haben. Hin und wieder findet auch ein Mularpa-Wolf sein Weg in den Wald, aber ab einem bestimmten Punkt drehen Sie alle plötzlich um. Dieser Weg ist ein für Orks heiliger Ort, die Höhle der Entweichten, die Halle der gegangenen Söhne und der Hain der hinfortgewehten Töchter oder auf Orkisch – Ti’Falun & Ta`Gelan.

Diese Höhle waren die letzten weltlichen Überreste von Orks oder Tauren, die in der Daro´-Ebene, also der zentralen Ebene hausten. Die gefallenen Krieger und gestorbenen Töchter reihten sich hier ein. Ein Ork kennt nicht so etwas wie ein Grab, sondern setzen für jeden Gestorbenen einen kleinen Stamm in die Erde auf dem der gesamte Name stand. Der Vorname groß und der Zusatz des Vaternamens in kleinerer Form unten darunter. Der Name des Vaters wurde zumeist noch mit einem Emblem verziert, um die Wiederauffindbarkeit zu erhöhen und gleichzeitig gilt sie als Leitwappen für die nachfolgende Generation. Dieser Stamm wurde in der Glut der Hitze geräuchert, in der die Verstorbenen verbrannt worden sind. Denn jeder Ork steigt nach seinem Tod in die Luft hinauf und der Stamm erhält über den Raum die Essenz des Verstorbenen.

Mir war nie noch aufgefallen, dass es Fallumikraut in der Nähe dieser heiligen Höhle gab. Aber schon aus der Nähe fielen mir die typischen kleinen violetten Triebe auf, die sich gerne wild verzweigten und in der Mitte einen stärkeren Strang besaßen. Dieser war schneeweiß und schaute einen wie ein weißer Fleck in einer violetten Pupille an. Gerade als ich mich bücken wollte, gab es von der linken Seite ein Gelächter.

„Na, Tarok,* suchst du altes Waschweib noch Geschmack für dein Abendessen heute Abend? Oder gibt es etwas fleischlos bei dir?“

*Wenn im persönlichen Gespräch der Name des Vaters nicht genannt wird, ist das spöttisch bis erniedrigend gemeint. Da ich zumeist nur den Vornamen schreibe, werde ich bei solch Verwendung des Namens den Namen kursiv schreiben.

Na, wenigstens war das mal eine neue kreative Form der Beleidigung, denn fleischlose Ernährung kennen die vor allem die Daro´Orks nicht. Die Menschen hatten sowas neu entdeckt und probierten allerhand aus mit Pilzen und etwas das nach neuem Ton aussah. Jedenfalls kann man das in neueren Büchern der Kochkunst nachlesen, die sich in meiner kleinen Bibliothek befand. Aber für solche kleinen Dinge gab es hier kein Platz.

„Nein, ich sammele nur Nachschub an Kräutern…“

Ich hätte gerne versucht mit dem Kommentar gekontert, dass ich Kräuter sammle, damit ihr euer Weibsvolk eure Stärke zeigen könnte, aber leider standen beide nicht auf meiner Liste der Käufer. Beide waren die Wächter der Höhle der Entweichten. Für ein Ork relativ waren Sie schon erfahren im Nutzen ihrer Stärke. Der andere der beiden Wächter-Orks setze nach.

„Na dann husch husch schnell nach Hause, nicht, dass deine geschmorten Pflanzen noch anbrennen, die es zum Tevali* gibt.

*Eine Art Abendessen, die am späten Nachmittag gereicht wird und zumeist mit der ganzen Familie eingenommen wird. Traditionell gibt es vor allem ein großes Fleischstück und wenige Beilagen. Vorwiegend gerne gegrillt.

Ich wusste, dass auch das nicht gerade nett gemeint war, aber mein Problem war, es stimmte. Für heute Abend wollte ich Heri’ti’Arka und mir ein Tovuli, ein Tevoli für zwei, zubereiten. In dem Moment als mir das klar wurde, war ich etwas angesäuert, weil ich wieder ihrem Bild entsprach was sie von mir hatten: weich. Und so einer hat Heri’ti’Arka bekommen. Eine „ti’Arka“, das wusste ich manchmal selbst nicht.

Ich ging weiter und das Geplapper der beiden wurde leiser. Ich prüfte nochmal, ob ich alles dabei hatte, den Beutel, meinen Gürtel und das kleine Horn. Immer noch mit den beiden Wächtern im Kopf beschäftigt, stapfte ich etwas missmutig auf dem Weg um die Höhle herum und merkte wie ein Rest Licht der untergehenden Sonne die Baumkronen umspielte. Wie schön es hier in unserer Ebene war, ich wollte ich könnte anderen erklären, wie schön es war. Aber sie müssen immer raus, um den nächsten Tier oder Gegner nachzujagen, als ob das alles wäre. Ich schreite weiter an einem Walsenbusch vorbei, dessen Äste seltsam in eine Richtung zeigen, als wäre jemand dran vorbeigeschrappt. Es könnte ein Mularpa gewesen sein, der erst gegen den Busch gerannt ist und dann bemerkt hat, dass man sich mit manchen Pflanzen nicht anlegen sollte. Interessante Vorstellung, dass ein Mularpa wegrennt vor einer Pflanze.

An der Art, wie dieser Walsenbusch umgeknickt war, kam mir etwas wirklich sehr merkwürdig vor. Es ist als würde er den Weg weisen. Ich ging in diese Richtung und näherte mich einem moosbehangenen glitschigen Teil der heiligen Höhle. Ich tastete mich ein wenig an dem grün-braunen Pfad entlang und spürte plötzlich an einer Stelle keinen Widerstnand mehr. Und mir fiel noch mehr auf. Vor dieser Stelle gab es wieder kleinere Ästelungen von Fallumi. Wie kleine tapfere Recken versammelten sie sich vor dieser Stelle. Wie konnte einem das alles nicht auffallen? Schließlich drückte ich gegen das Moos ohne Widerstand und ehe ich mich versah fiel ich nach ohne über.

Ich landete auf meinem Kräuterbeutel, der heute zum zweiten Mal aufging. Irgendetwas wollte das ich meine Kräutersammlung mit anderen teilte.Um mich herum war es jetzt dunkel. Ich stieß mit meinen Füßen gegen eine Art Stoff und ein kleiner Lichtblitzer fiel am Boden wieder hinein. Jetzt verstand ich. Hier war ein Eingang, der von Moos eine Art Moosteppich überdeckt war. Das sah aus als wäre es mit Absicht reingehangen worden. Ich spürte in der Nähe von meinem Gesicht kleinere Kräuteransammlungen, die alle in gleicher Höhe herausragten. Nein, sie fühlten sich an, als wären Sie abgeschnitten worden. Und ich spürte die typische Beschaffenheit von Fallumi. Hatte hier jemand ein Fallumidepot angebaut? Meine Augen hatten sich langsam an die Umgebung gewöhnt, so dass ich weiter nach hinten durchsah. Es ging hier steil runter und aus der Ferne erkannte ich, dass dort unten am Ende des Tunnels etwas glühte. Ein Feuer? In der Höhle der Entweichten?

Wenn ich woanders gewesen wäre, hätte ich mich kein Stück weiter reinbewegt, aber hier in Daro kannte ich fast jeden Zentimeter. Bis auf diesen Tunnel, der wo auch immer hinführte. „H-hallo?“ flüsterte ich leise dort hinunter.

Mir war es so als käme mir ein Grunzen entgegen. Doch nirgendswo war dort ein Geräusch, es war mehr als hätte in meinen Ohren das Trommelfell einen kurzen Moment vibriert. Das Einzige, was man hier erkennen konnte, war dieses Licht. Dieses tiefe schallende Geräusch in meinen Ohren kam mir so bekannt vor, als könnte ich es wie eine Erinnerung greifen, doch irgendwo dahinten wabbert sie. Es ist wie der Name eines Tieres oder Pflanze, den man mal vor langer Zeit wusste, aber jetzt war er wie ein dumpfes Hallen im Kopf. Ich war wie hypnotisiert und hatte gar nicht bemerkt, dass ich den steilen Abhang langsam runterging. Auch wenn es sich so anfühlte als wollte mein Verstand es gar nicht, gab es in mir ein Teil, der sich angezogen fühlte. Das Dröhnen in meinem Ohr war zwar verstummt, am Ende des Tunnels war es mir egal. Denn ich musste in  Ti’Falun & Ta`Gelan sein. Mein Bewusstsein war zurück und wurde mit einem Anblick konfrontiert, der das Bild der Sonnenstrahlen auf den Baumkronen des Waldes förmlich hinwegfegte.

Die Höhle erstrahlte in einem Licht, weil die Erde immer wieder kleine Funken von sich hoch gab. Hier standen sie alle, die Stämme der Ur-Ur-Ur-Alten, die Stämme der kürzlich Gefallenen, der kleine Stamm von Mehara’ti’Urgana, dem Anführer einer kleinen Schlächter, die sich zum Schluß selbst schlachtete bis zu Grafulda’ta’Zalt, der emsigsten Häuterin unter den Tauren, alle waren sie hier. Ich war baff, als wäre vor mir ein riesiger Frostforn, eine ausgestorbene Pferderasse, deren Körpergröße an die 4 Meter reicht. Nur dass hier das alles wie eine riesige Leinwand wirkte, bei der sich Funken trafen. An einem der höchsten punkte vereinigten sich zwei Funken mit ihren Farben, aber gab kein Geräusch ab. In ein paar Metern Entfernung machte ich wieder dieses tiefe dröhnende Geräusch in meinem Kopf aus.

Dieses große kreisrunde Feld war still (totenstill), aber weiter rechts trafen sich wieder zwei Funkenpärchen und diesmal gab es wieder ein kleines Dröhnen. Als ich meinen Blick darauf lenkte, zuckte mein Bein kurz. Dieses schmerzhafte Zucken, wenn man sich zu viel bewegte, das einen Nachts aufschrien ließ und man am liebsten töten würde.

Ich ging in die Richtung der Funken. Ein weiteres Pärchen Funken traf sich, jetzt waren diese Funken rötlich schimmernd. Je nähe ich Ihnen kam, desto größer wurde das Dröhnen. Die Funken wurden röter. Sie ähnelten brennendem Blut. Dann fand ich den Stamm, von dem das ausging. Als ich den Namen las, verwandelte sich das Vibrieren des Tones, das blutrote Fünkchen, die Resonanz, die in mein Gehirn durchkam, in zwei klare Worte. Ich kannte diese Worte, ich wusste, wer sie sprach. Die Worte waren „Du, Wurm!“ und derjenige, der mir diese Worte damals entgegenschleuderte, war Arka’ti’Gitar. Der Vater von Heri’ta’Arka.

Farfar’ti’Walla

Aus dem Tagebuch Farfar’ti’Wallas, 534. Umrundung Rot I Falons*

*Zur Erklärung: Orks und ein bisschen abweichend auch die Rasse der Tauren rechnet in sogenannten Umrundungen und den sogenannten Rotzuständen. Die Sonne der Welt Garotan färbt sich in unregelmäßigen Abständen Rot. Woher diese Rotfärbung kommt weiß niemand, aber die Orks nehmen sie als Zeichen einer Wandlung. Im Durchschnitt dauert es 130 Tage bis wieder eine Rotfärbung passiert. Nach drei Rot ist für die Orks eine Umrundung, weil sie davon ausgehen, dass die Sonne Ihnen drei Seiten zeigt: die kalte, die ausgeglichene und die warme Seite. So gesehen dauert ein Ork-Jahr rund 400 Tage mit drei Abschnitten.

Ich bin der Sohn des Walla, Farfar’ti’Walla. Und ich habe mir gedacht, dass ich zu meiner fünften diplomatischen Reise nicht nur meine offiziellen Dokumente niederschreibe, sondern auch meine persönlichen Eindrücke für mich und vielleicht eines Tages die Nachwelt. Man merkt erst, wer man ist, wenn man auf andere trifft. Und manchmal sind es nicht nur Fremde, wie Menschen, die einen das vor Augen führen, sondern die Augen eines Kindes.

Heute hat mich der kleine Gerak’tin’Karan besucht. Karan hat da echt einen pfiffigen Burschen und vor allem hat er keine Angst alle Fragen zu stellen, die ihm durch den Kopf schwirren. Ich war in meinem kleinen Zeltlager, das für die Abreise nach Holonia, der Hauptstadt, vollstens ausgestattet war. Bis auf die Wachen, die hatte ich mal weggeschickt, denn auch ein sogenannter Diplomat braucht mal ein bisschen Privatsphäre. Der kleine Gerak, schon jetzt die kräftige Statur eines Tauren in Miniaturform kam in meine Zelt reingelaufen. Er hatte seine Übungsstunden hinter sich und hatte wie immer sein Wolfsfell um sich geschlungen.
Ich sagte ihm, wenn er so schnell reingestürmt komme, wäre ich wohl sein nächstes Fell für seinen Hals. Er lachte kurz grinsend und boxte mir mit seiner Pranke in die Seite. Ich tat so als wäre ich schrecklich verwundet und rief schon unseren Todesatem „Walla, ich komme!“. Da meinte der kleine Gerak, dass das doch gar nicht gehe, Walla lebe doch noch, also könne ich gar nicht zu ihm.  Schlauer Junge.

Wir hörten auf zu spielen und ich guckte Gerak fragend an. „Du kommst doch nicht nur um deinen Freund Farfar zu einem Wolfsfell zu verwandeln, oder?“

Gerak nestelte etwas an seinem Wolfsfell herum und sprach mit zu Boden geneigtem Gesicht. „Ich wollte nur wissen, ob…ob das da etwas Schlimmes ist?“

Der kleine Tauren schaute runter, aber nicht zu Boden, sondern von seiner Blickrichtung mehr in Richtung seiner Hose und zwar in die Mitte seiner Hose. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder vor Verwunderung den Kopf schütteln sollte. Aber so etwas wurden den kleinen Tauren nur verschrecken. Ich fragte ihn erstmal wie er darauf käme. Gerak erzählte mir, dass heute bei einer der Übungsstunden die Hose runtergezogen wurde und der sich panisch seinen Schritt bedeckte und schließlich die Aufseher dazwischen gingen und den Goi nach Hause schickten.

Interessanterweise war Gerak von dieser Attacke auf den Jungen unbeeindruckt, obwohl ich zwischendrin ein kleinen Funken Erkenntnis sah. Ihn beschäftigte mehr die typischen Fragen, die jeder Ork vielleicht im Kopf hatte, aber erst mit seiner Frau lernte zu beantworten: Wozu haben wir unsere Zweischwänzer? Ich klärte Gerak auf, denn ich wusste es zu schätzen, dass er mich fragte, er hielt mich wohl für einen Ork, an dem man sich bei tieferen Fragen wenden konnte. Als er dann mein Zelt verließ, bekam ich einen kleinen Lachanfall, denn mir wurde auf komische Art bewusst, wie bescheuert wir als Orks doch sein konnten. Wir sprachen so wenig über  Sex, so nennen es die Menschen, dass Kinder die Idee kriegen es sei Schande oder etwas Furchterregendes. So können wir natürlich auch aussterben, dafür braucht es dann keinen Krieg. Und wenigstens den versuche ich zu verhindern. Auch wenn Diplomat eher eine kleine Marionette ist.

Diesen sogenannten Diplomatenstatus gab es nach zahlreichen Auseinandersetzungen, Kriegen und Streitereien der Orks gegen die Menschen. Vor allem das Element Etai und eine ganz bestimmte Mine spielen da eine große Rolle. Die sogenannte Etai-Mine relativ in der Mitte zwischen der Menschen-Stadt der Schilde, Holonia, und der Daro-Ebene gibt es ein sehr großes Vorkommen des Elements Etai. Auf unserer Seite kann man da natürlich nicht die kriegerischen Künste von Arka’ti’Gitar unerwähnt lassen, der viele Menschen auf seinem Gewissen hat und dem gegenüber stand das Oberhaupt aller Menschen, König Wallon, der durch seine ebenfalls polternde Kriegsführung Verluste bei uns brachte.

Über meine Rolle damals möchte ich lieber nicht schreiben, denn ich glaube niemand hat sich zu diesen Zeiten mit Ruhm bekleckert. Jedenfalls sehe ich das so. Da es lange Zeit zu unerträglichen Gefechten überall kam, erklärte man die Etai-Mine für eine tote Zone. Und man entschied sich eine neue Strategie, die der Diplomatie. Aber manchmal habe ich eher das Gefühl nur ein Aushorcher für unsere Ratsherren zu sein.

Wir sind zwar eine kriegslüsterne Rasse, aber ich muss sagen, unsere Art zu entscheiden, hat was Beruhigenderes als die der Menschen. Dort gibt es eigentlich nur König Wallon. Ich merke gerade wie mir das alles etwas klarer wird, wenn ich es aufschreibe. Eines Tages kann ich auch über mich so schreiben, wie ich über andere, die Menschen, Orks oder Tauren schreiben kann. Ich glaube, es könnte helfen, einfach alles so zu sehen, wie es der kleine Gerak getan hat. Mit fragenden jungfräulichen Augen und einem gewissen Zweifel im Hinterkopf.

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