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NaNoWriMo Die lange Orknacht #5: Gerak’s hartes Erwachen

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

Gerak’ti’Karan

Ich glaube Marna hat endlich aufgehört zu murmeln. 10 Minuten nachdem sie schlafen ging, fing sie an wirre Worte von sich zu lassen. Währenddessen schlief Rom wie ein Stein. Ich musste sie erst ermahnen, denn sie blätterte immer noch in dem kleinen Kräuterkundeführer, als ich mich selber zum Schlafen legen wollte. Das Höhlenfeuer in der Mitte glühte wärmend vor sich hin. Mit einem Stock trockneten meine neuesten Felle vor sich hin und auch ich verschwand mit meinen Gedanken zu Boro. Und auch zu meiner Schwester. In meinen letzten wachen Momenten wisperte Marna etwas von Ta’ta, ich wusste das sie so ihren Vater nannte, was schon lustig war, denn eigentlich sagte die Kleine nichts anderes als „Tochter von, Tochter von“, aber ich wusste von Tarok, dass er versuchte ihr das abzugewöhnen. Im Gegensatz zu Marna war Romi schon dabei ein kleiner Goi zu werden. Ich entschwand in die Traumwelt Garotans, Orks nennen sie „Urit“ , den Odem der Entweichten.

In der Traumwelt sprechen die von uns Gegangenen zu uns. Da ist General Kabosch, wie er in jüngeren Jahren ein Lächeln schenkt und nun nur noch ein enttäuschtes leicht wütendes Gesicht. Es verschwimmt mit einem Stamm, der hinter unserer Familienhöhle steht. Dann ist da diese Etaimine und ein Toter sieht mir ins Gesicht. Er ist in einem Umhang gehüllt und zeigt mit seinen Skelettfingern zu mir. Plötzlich rüttelt es. Der Dunst des Traumes verfliegt, Romi rüttelt an meinen mit Fell behangenen Schultern. „Gerak!“

„Romi, was ist los?“ „Marna, sie ist weg!“  Ich schaue von meinem hinteren Schlaflager am Rest des Höhlenfeuers vorbei und sehe nur umgeklapptes Fell. Das Gesicht des Mularpa starrt mich auf dem Kopf liegend an und grinst mich an. Romi weicht zurück und ich richte mich schnell auf. „Hast du gesehen wo sie hin ist?“ Romi verneint und starrt nervös nach draußen. Ich lass die Glut vor sich hinkokeln, ziehe mir mein Gürtel an, greife mir schnell einen Speer, den ich in einer meiner hinteren Rückenschlaufen einhake und nehme Romi am Arm mit. Ich laufe mit ihr in die Nacht hinaus.

Auf dem Weg zu meiner steinigen Höhle rufe ich leise den Namen vorn Marna. Zwischendurch sage ich auch „Ta’ta“ oder „hier ist Ta’ta“. Ich weiß nicht so recht, was man macht, damit man Kinder wieder zurück anlockt. Unsere Augen haben sich leicht an die Dunkelheit gewöhnt, es ist so spät, dass es einem fast wieder dämmert, trotzdem hätte ich eine Fackel mitnehmen sollen. „Schau mal da am Brunnen, Gerak.“

An einem unserer drei Dorfbrunnen liegt ein kleiner geschnitzter Stock. Daran hängen drei verdrehte Haare zu einem stärkeren Haarbündel an einem kleineren metallhaken der an die Spitze des Stocks hängen. „Das ist Marnas!“ fällt mir sofort ein. Hatte man sie entführt und ihre kleine Waffe dort liegen gelassen? Ich schreie in den Brunnen runter aus Angst sie ist da reingekrabbelt. Marna. Marna! MARNA! Plötzlich antwortet sie, aber es schallt nicht wie man in einem Brunnen erwarten würde, sondern leiser und sich weiter entfernend. Es kommt von weiter östlich. Ichg zeige Romi, dass wir in Richtung der Antwort rennen müssen. „Ta’ta“ Das Gras raschelt. Ich stampfe hinterher. Stop. Ich muss mich stoppen, ich bin so groß ich habe Angst nachher auf sie zu treten.

Da ist ihr fast nackter rot-bräunlicher Körper. Ihr Zopf ist verschwitzt und sie krabbelt unentwegt. Die Strecke war zu lange für Sie, sie muss gestürzt seun und trotzdem krabbelt sie auf allen Vieren wir ein Hund, der bei der Jagd ein Zeil erspäht. „Bei Garotan, wohin willst du? Du kannst doch nicht einfach so weglaufen?“

Sie dreht sich zu mir. Romi ist ein starkes Mädchen, das wahrscheinlich unsere erste Kriegergenerälin werden könnte, aber jetzt hier in diesem Moment schaut sie mich mit ihren großen blauen Augen an und lässt das folgende Wort wie ein erbärmlich traurigen laut kilingen: „Ta’ta“. Sie erinnert mich so stark an Boro, in dem Moment, dass ich kurz geschockt bin. „Sie will nach Hause, oder, Romi?“ Romi geht auf ihre Schwester und hebt sie hoch. Eigentlich ist Marna mittlerweile untragbar mit ihrem Gewicht und Größe, aber es gibt Momente, wo man eine große Schwester wohl raucht. Und es gibt auch eine ganz eigene Verständigung. Romi nimmt Marna in den Arm und ich merke, wie sie beide miteinander flüstern.

„Ich glaube wir müssen nach Hause, Gerak“ Romi schaut mich mich eindringlicher als wäre es mehr als nur Heimweh. „Was hat sie gesagt?“ Romi kaut kurz auf ihrer Unterlippe und Marna tastet nach ihrer Hornkette. „Bitte, Gerak, wir möchten nach Hause.“ Irgendetwas wissen die beiden, aber das Wichtigste ist das sie beide nach Hause kommen. So schnell kann sich ein privater Abend verflüchtigen.

Ich nehme Marna an mich und Romi an die Hand. Vom Dorfbrunnen raus müssen wir einen kleinen Marsch machen. Wir passieren ein paar andere Hhlen, aber von meinem Suchgebrülle scheint keiner geweckt worden zu sein. Marna bleibt weiter nervös in meinem Arm, aber kurz bevor wir die Höhle von Tarok erreichen wird sie seltsam ruhig. Sie schaut mich durchdringend an und ist für ihr Temperament erstaunlich leise. Romi schaut sich beim Gehen immer wieder um.

Wir passieren die kleine Anhöhe hoch zu Taroks Eingangsbereich. Wenn man in der Höhle ein paar Schritte rausgeht, hat man die Möglichkeit die ankommenden Besucher zuerst sehen. Kluge Idee diese Höhle zu nehmen, lieber Tarok. Doch um die Uhrzeit steht noch keiner dort, normalerweise wartet einer von beiden auf den Besuch. Um eventuellen Überraschungen vorzubeugen, die einem auflauern könnten. Auf dem Weg dort hoch fällt mir nichts auf, die Kinder aber drücken sich stärker an mich als hätten sie eine Vorahnung.

Ich rieche etwas vor, denn Tauren haben ein sehr viel beseres Riechverständnis von Lebewesen als ein Ork auch wenn sie dauernd etwas behaupten. Meine Nüstern schnuppern und riechen süßlichen Duft. Der Duft beruhigt mich schneller als mir lieb ist. Wir nähern uns dem Eingang und Licht flackert unablässig und Schatten vibrieren unwirklich an den Wänden. Ich schaue in die Vorhöhle, bei Orkfamilien, im Gegensatz zu meiner kleinen Höhle für mich, gibt es zwei, drei Räume und die Vorhöhle ist nur eine Art Schutzmaßnahme. Ein Holzscheit brennt im hinteren Bereich des Vorraumes. Ich gehe voran und deute den Kindern etwas hinter mir zu bleiben.

Langsam tasten wir uns nach hinten durch. Kleine grüne Funken schwirren in unsere Richtung. Der süßliche Duft wird stärker und ich merke, dass mich dieses grünliche Licht und der Duft davon ruhigstellt. Als würde mich mein Vater wieder in ein Mularpafell einwickeln und ich kurz darauf einschlafe. Aber das Bild was sich mir eröffnete war weniger einschläfernd und muss für die Kinder ein Schock sein. „Bleibt da stehen.“ Beide stehen so verloren hinter mir, Hand in Hand. Ich bedecke meine Nase weil der süßliche Geruch mich nur noch mehr einschläfert. Ich muss an die Kinder denken, auch wenn deren Geruchssinn nicht so ausgeprägt ist, könnte der sie auch eingreifgen. Ich drehe mich nochmmal um.

„Haltet euch beide Mund und Nase zu. Wenn hier noch Feuer rumliegt, ist das nicht gut für euren Atem.“ Ich sehe sie dastehen. Ich muss noch was sagen. „Habt keine Angst, es ist alles gut.“

„Ta’ta?“

Ich muss die Kleine beruhigen und rausfinden was hier los ist. Auf Marna gehe ich zu und drücke sie kurz an mich: „Alles wird gut. Ich bin da, bleib ganz ruhig.“ Ich schaue zu Romi und sie versteht und bleibt bei Marna und geht an eine Ecke der Vorhöhle mit ihr. „Bleibt einfach ganz ruhig.“ Ich gehe endlich in die große Haupthöhle und ein Bild der Verwüstung bietet sich mir. Auch hier liegen weiter Holzscheite verteilt und es finden sich Brandstellen an der Wand. Das Lager von Heri und Arka ist durcheinandergewirbelt. Die Flammen der Holzscheite glühen grün. Etwas weiter rechts von der Schlafstätte von Heri und Arka liegen rote Gali-Blumen zerfleddert auf dem Boden. Bei den Betten der Kinder liegen neben den kleinen Fellen zum Zudecken auch ein größeres Fell, das eher einem Erwachsenen gehört. „Papas Decke…“

Romi konnte einen kurzen Blick reinwerfen von der Vorhöhle und sah ihr Bett, hielt aber dabei weiter Marna in den Armen. „Bleib da…“

Beim Reden habe ich kurz die Finger von meinen Nüstern genommen und da finde ich zwei weitere Düfte. Arka, Heri und noch jemand… ich kann es nicht gut genug deuten, irgendetwas was sich versteckt. Ich rieche eine Fährte. Ich folge ihr und versuche den Duft der grünen Funken zu verdrängen. Dem Schlaf entgegenzugehen. Am oberen Ende des Lagers des Paars finde ich etwas, eigentlich relativ schlecht versteckt, es ist…..

Eine sogenannte Dala-Tafel oder wie die Menschen es nennen, ein PostMorser*

* In der Welt der Menschen, vor allem Holonia hat sich ein Trend durchgesetzt, bei denen es um eine neue Art von Kommunikation geht. Da Menschen im Gegensatz zu Orks etwas technikvernarrter sind, aber auch etwas scheuer im Umgang, hat ein Bote eines Abends ein Brett mit angehefteten Zetteln erfunden, auf die nachrichten geschrieben werden können. Die Zettel können nach hinten geblättert werden, so dass alte Nachrichten von allen weitergelesen werden können. Dieses kleine Brett und der angeheftete Papyrusblock sind mobil mitnehmbar und haben in Holonia eine lebendige Ergänzung zu den sogenannten festen Brettern mit Ausrufungen des Königs erschaffen. Am Block selbst befindet sich selbst eine Gänsekielfeder, die mit einem kleinen Behältnis mit Tusche befüllt ist. Der Block wird bei den Menschen meist durch eine Etai-Klammer an ihren Mänteln befestigt, so dass für den Besitzer als auch den Schreibenden alles gut einsehbar ist. Zumeist sind diese auf Hüftgegend zu finden. Jüngere hängen es auch gerne mal auf die Höhe ihrer Herzregion.

Menschen! Das ist gar nicht gut. Aber das kann nicht sein. Ich rieche eine Art Mensch, aber irgendwie verschwommen. Warum sollte hier ein Mensch seine Dala-Tafel liegen lassen und dann…ja, was dann? Heri und Arka sind nicht hier. Ich schaue mich hektisch um und der Schweiß bricht bei mir aus. Die Kinder dürfen das nicht sehen. Ich schaue mich noch schnell um, ich sehe das die Waffen des Hauses fehlen. In diesem Fall Heris Waffen, denn Tarok hatte in seiner Ecke eher Bücher und Kräuter. Die Kräuterbeutel in seiner Ecke waren auf und die Kräuter lagen verstreut. Vor allem dieses eine sehr begehrte Kraut liegt viel herum. Ich höre drüben ein dumpfes Fallen. Die Kinder.

Ich gehe zurück in die Vorhöhle. Marna und Romi liegen zusammengesunken auf dem Boden. Sie haben den Geruch nicht mehr ausgehalten. Ich fühle mich auch schwummerig. Aber ich muss wissen, was passiert ist. Wenn es wirklich ein Mensch war, dann… dann gibt es jede Menge Ärger. Nicht nur für Arka und Heri, was immer Ihnen passiert ist, sondern für ganz Garotan. Ich musste vielleicht hier aufräumen. Aber weiter unten in der aufziehenden Dämmerung, kann ich runtersehen, dass sich zwei Orks nähern. Als ich das Gesicht von den beiden erblicke, kommt mir eines sehr bekannt vor. Es ist General Kabosch. Sein von Alter gegrämtes Gesicht erkenne ich jedes Mal. Jetzt schlägt mein Herz rasend schnell.

Ich muss etwas tun. Wenn er sieht das ein Mensch das getan hat, gibt es nur die Antwort: Krieg. Aber es stimmt hier etwas nicht. Die Schritte nähern sich. Leises Gemurmel dringt langsam an mein Ohr. Ich schnappe mir die Kinder, jede auf eine Schulter. Ich gehe in den Vorraum, bücke mich nach dem PostMorser, nehme den Block in die Hand und merke, dass er lose dort liegt. Im Vorraum beginnen die Stimmen bis zu mir in die Haupthöhle vorzudringen. Ich gehe rüber in eine der hinteren Ecken, dort geht es in einer kleinen Verzweigung runter in so eine Art Badezimmer, würden Menschen es nennen. Ein Eimer und ein Loch als Ablauf. Es ist vorrangig für die Kinder und dementsprechend sehr eng. Ich lege die halte beiden Kinder auf dem Arm und merke wie Romi sich langsam wieder räkelt. Die beiden Orks sind im Hauptraum, ich presse der älteren Schwester mit der Hand den Mund zu. Sie atmet schnell. Verdammt, sie wird hysterisch. Die beiden Orks sind jetzt in Hörweite. Sie dürfen mich nicht finden. Sie dürfen den Block nicht finden.

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