NaNoWriMo Die lange Orknacht #6: Diplomatie vs. Krieg

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

Farfar’ti’Walla

Aus dem Tagebuch Farfar’ti’Wallas, 534. Umrundung Rot I Falons

  1. Eintrag Fortsetzung

Kurz vor der Abreise gesellt sich noch ein ganz reizender Geselle zu meinen Reisebegleitungen. Bei den Menschen sagt man „wenn man vom Teufel spricht“.

„Farfar’ti’Walla, ich begleite euch ein Stück, denn ich komme zur Zweigesichtigen mit.“

Kabosch stellt keine Fragen, der General kann nur Befehlsform. Wir gehen eine Stunde schweigend nebeneinander her, die Grenze von Daro liegt noch etwas entfernt. An den westlichen Hängen konnte man ein paar der Inseln einsehen, die von den Vairitianern bewohnt werden.  Der General ging mit strengem Blick voran, irgendwann räusperte er sich. „Kennt Ihr Geschichten?“ Kabosch schaut weiter stoisch, was er wohl meinte?

„Ich denke Ihr meint nicht die Geschichten aus Büchern.“

Kaboschs Miene wurde etwas verächtlicher. „Geschichten aus Büchern sind vergangene Geschichten. In der Welt der Menschen soll es sogar Bücher geben, die von Dingen erzählen, die nie stattgefunden haben. Was hat das für ein Sinn?“

Auf meiner dritten Reise hatte ich davon gehört. Sie nannten es Romane. Ein schlaksiger Jüngling hatte ein Buch rund um konkurrierende Königsanwärter, die sich gegenseitig zerfleischten und dafür solche Dinge wie Drachen verwendeten. Eine Art ausgewachsene Reptilien. Wie soll Kabosch aus so etwas reagieren, wo wir Orks Reptilien höchstens an schlechten Tagen aßen. Ich schwieg einfach, jede Argumentation hätte nur zu seinem Standpunkt zurückgeführt.

„Richtig, keinen. Aber für mich gibt es Geschichten, die wichtig sind. Mich würde man nicht als Geschichtenmenschen bezeichnen.“

Da hatte er nicht ganz Unrecht, jegliches Privates war dem General noch mehr zuwider als dem normalen Ork.

„Aber ich habe eine Sorte von Geschichte, die ich mag. Nämlich die Geschichte, die wir selber schreiben mit Axt, Hand und Blut. Diese Geschichten muss man nicht aufschreiben, man weiß sie einfach.“

Jetzt verging eine kurze Zeit. Wir passierten ein paar Hügelformationen, die von Bäumen umsäumt war. Hin und wieder grüßten uns andere Orks, wen von uns beiden mehr, konnte ich nicht ausmachen. Bei Kabosch aus Ehrfurcht, bei mir aus Sympathie.

„Was für eine Geschichte schreiben Sie, Farfar’ti’Walla?“

Ich war ein bisschen überrascht, dass er mir eine Rückfrage stellte, hatte kein Interesse von ihm erwartet.

„Wir schreiben zusammen an derselben Geschichte, General Kabosch. In meiner kommen auch Axt, Hand und Blut vor.“

Ein Anflug von Lächeln erkannte ich auf Kaboschs Gesicht um mit meinen nächsten Sätzen auch wieder schnell zu verschwinden.

„In meiner Geschichte nehmen wir die Axt in die Hand, um Gratoren zu erlegen und deren Blut für die Färbung unserer Felle benutzen zu können.“

Kabosch schnaubte kurz und redet auch nicht weiter. Er ist es wohl nicht gewohnt, dass jemand was gegen ihn sagt. Aber  wenn ich in die Ferne schaue, dann wird mir noch ein weiterer Grund klar, warum er nicht mehr redet. 30 Meter entfernt sah man einen größeren Trupp Orks angeführt von einer bei den kriegerischen Orks berüchtigsten Kämpfern, besser bekannt als Arka‘ ti’Gitar. An ihm zeigt sich der Kriegerkult in Perfektion. Seine Schultern sind beschmückt mit Schulterschützern aus dem elementaren Etai. Ebenfalls ein Helm in blutrotthront auf seinem Kopf. Der Helm ist so angelegt, dass seine großen und breiten Hörner herausschauen. Die Richtung der Hörner bei ihm ähnelt der eines Bullen, der direkt in das Herz eines Feindes zielt, wenn man ihn mit einem roten Tuch reizt. An seinen Seiten wird er von jeweils zwei weiterten bulligen Ork-Nahkämpfern flankiert, die vor allem große Äxte mit sich tragen.

In der der zweiten Reihe dahinter sind die Speerträger, die ihre Speere alle nach vorne richten. Wenn etwas nach Kriegsinszenierung schreit, dann ist es das. Kaboschs Augen beginnen zu glänzen.

Und liebe Nachwelt hier muss ich mal etwas spekulieren. Dies Vernarrtheit in Krieg und Blutrausch liegt natürlich auch mir im Blut und natürlich ist so eine Art Aufmarksch jedes Mal interessant, doch bei manchen Artgenossen bin ich mir nicht sicher, ob sie nicht lieber sich gegenseitig zärtlich an das Hinterteil fassen möchten und das in voller Kriegermontur. Stellt euch das mal vor. Eine mächtige Orkpatrouille, die tagsüber mit großen Kostümen, den Jagdtieren die Köpfe abschneidet und sich dabei mit Blut bekleckern und abends sich gegenseitig den Rücken mit Fallumikraut in einer heißen Quelle einreiben. Diese Vorstellung bringt mich im Inneren immer wieder zum Lachen. Wenn man dann noch bedenkt, dass Orks nie über ihre privaten Amusements mit ihren Frauen sprechen, könnte man fast glatt glauben in Garotan sucht jeder Krieger die Nähe eines anderen Kriegers. Das Schauspiel was sich hier einem bietet, stelle ich mir gerne einfach so vor.

Arka kommt mit seinem großem Kostüm zu uns her. General Kabosch grunzt anerkennd Arka zu. Die Männer präsentieren ihre Waffen, der General klopft der Kriegerlegende auf die Schultern, dieser zeigt ihm explizit seine kriegerische Axt.  Dann klopfen alle uns gegen Kommenden mit den Holzenden auf den Boden, das einen Rhythmus erzeugt. Arka murmelt kurz in seinen Bart, seine Enttäuschung keinen Menschenkopf am metallenen Ende eines Spießes stecken zu sehen, erkennt man an jeder Faser seines Körpers. Der Oberbefehlshaber zeigt ihm den Gruß des Krieges, zwei Fäuste, die aufeinander zurasen und signalisiert ihm, dass es irgendwann wieder etwas zu töten gibt. Aber aus einer entfernten Perspektive betrachtet, könnte es die Einladung zu einem Abendessen gewesen sein. Nur zu zweit. Ich kann mir das Lachen fast nicht verkneifen.

Aber Arka und Kabosch gehören nicht zu der Sorte, die was mit einem feinen Spaß anfangen können.  Letztlich wurde sich hier nur beklagt, dass es nicht genug zu jagen gibt, ich wurde keines Blickes gewürdigt, denn ich versuchte eine verbotene Magie, die sich Diplomatie nannte und damit ein Schwächling war. Richtige Orks reden nicht und Bücher sollte man gar nicht erst erwähnen. Dienen nur als Feuermaterial.

Wir überqueren die Brücken des Lamorrha-Flusses, der im Westen im großen Meer endete. Bald erschien aus der Ferne die Silhouette des Zweigesichtigen. Die ersten Pferde, von Menschen gesattelt schnaubten draussen und wieherten. Kabosch war nach dem Treffen einfach nur noch still und verlangsamte sich immer mehr.

„Farfar’ti’Walla, den Rest des Weges gehört euch. Ich denke in Daro gibt es noch genug, um dass sich gekümmert werden muss.“

Er versucht es immer mit diesen kleinen Spitzen gegen mich, denn ich , der Diplomat tingele nur ein bisschen draußen herum und plaudere mit Leuten. Ich war nicht mehr als ein Schwätzer für ihn.

„General Kabosch, ich bedanke mich für eure Begleitung, ich denke dort draussen können wir den Fährten des Feindes besser lauschen als in einer umschloßenen Höhle. So tut jeder sein Werk.“

Der General schaut rüber zu meinem Troß an Leuten und blickt kurz hinter sich zu seiner kleinen Gefolgschaft. Er räuspert sich und sein gegerbtes Gesicht nimmt ein verschmitztes Grinsen an.

„Ihr habt recht, Farfar’ti’Walla, ihr sollt euch auch beschützen, so gut es geht. Ich aber wandle nun zurück, um die nächsten Handlungen vorzubereiten, ich möchte euch den Komfort einer eigenen Höhle ermöglichen in Form meiner Gefolgschaft. Sie werden euch weiter begleiten. Lebet wohl mit eurer eigenen kleinen Höhle.“

Seine Gefolgschaft mir mitzugeben kann nur als Strafe gedacht sein. Diese kriegslüsternen Jungspunde wirken auf die Kunst der Diplomatie, wie eine Axt als ein Brotmesser, um sich Humus auf einen gebrannten Teigling* zu streichen.

* Bei dem gebrannten Teigling scheint es sich um das sogenannte Mimil zu handeln. Eine Mischung aus dem sogenannten Bolomir-Korn, Wasser und einem Srtraußenei werden zu großen Fladen geklöppelt. Auf diese streichen Orks gerne humus oder Quallibeeren (schmecken wie zimtige Erdbeeren mit einer Minznote zum Schluß). Vore alln ist Ihnen aber immer wichtiog scharf und fettig zu essen, so dass der Mimil-Teigling gerne mit Tierfett und scharfen Pilzen eingerieben wird, zu einer Kugel gerollt wird und dann am Feuer gebacken wird. Diese Speise wird zumeist morgens von der Frau gebacken und mittags zwischendurch verzehrt. Es ist einer der wenigen fleischlosen Speisen.

„Aber ihr benötigt für euren Rückweg einen Schutz, denn..“ Sprich niemals darauf an, dass ein Artgenosse Schutz bedarf. Dann wirst du mit dem Kradell gemaßregelt. Beim Kradell schmeißt ein Krieger sein Fell zu Boden, denn er braucht es nicht. Er schmeißt sein Gürtel nieder, denn den braucht er nicht. Die Waffe wird zu Boden gelegt oder gesteckt, der Angesprochene atmet tief ein und klopft die Fäuste mit den äußeren Handflächen zum Herausforderer, hält dabei die Armen angewinkelt lässt die Fäuste so aufeinanderprallen, dass die beiden sich auf der Seite dein kleinen Finger treffen und brüllt dann sein lautestes Kriegsgeheul.  Der Schrei des Generals ist ohrenbetäubend, ich bin ein Schritt zurückgewichen, kann von meiner Seite aber noch erkennen, dass bei der Taverne des Zweigesichtigen im hinteren schattigen Bereich zwei Personen schnell aufstehen und verschwinden und sich im vorderen sonnigen Teil die Pferde in unsere Richtung starren und auch der Lärm der Taverne kurz verstummt ist.

Ich weiß was ich tun muss, wenn ich keinen Kampf riskieren will. Ich gehe langsam auf den General mit seiner zwar älteren aber immer noch robusteren Haut zu. Ich schaue ihm in sein Gesicht, die Nase bebt und ich spüre eine Atmosphäre des Kampfes aufziehen. Ich stehe ihm gegenüber. Und schließlich kniee ich mich hin und biete ihm mein Speer an. Es gibt nur zwei Möglichkeiten einem Kradell* zu entgehen, entweder man kämpft mit den Fäusten oder man geht den kurzen Weg des Anbietens seiner eigenen Waffe. Der General flüstert mir zu, dass er es gewusst habe. Er zieht mich zu sich, meint ich könne meinen Speer behalten, aber dass ich mir nicht einbilden soll, dass meine Reisen irgendetwas bewirken würden. Die wichtigen Dinge passieren in Garotan in Daro.

*Nächste näherkommende Übersetzung aus dem Orkischen wäre: Die Herausforderung des nackten Kampfes.

Der General zieht seine Habseligkeiten an und zieht ohne sich einmal umzudrehen von dannen. Ich drehe mich zu meinem Troß, in dem die meisten von ihnen blickkontakt mit dem Boden halten. Die Gefolgschaft Kaboschs lacht hämisch miteinander und geht vor. Ich musste sie loswerden, sonst würde es schwierig werden.