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NaNoWriMo Die lange Orknacht #7: Hangover

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

Ich drehe mich zu meinem Troß, in dem die meisten von ihnen Blickkontakt mit dem Boden halten. Die Gefolgschaft Kaboschs lacht hämisch miteinander und geht vor. Ich musste sie loswerden, sonst würde es schwierig werden.

Kapitel 2

Jagd & Aufbruch

Tarok’ti’Kendar

Ein blonder Zopf und ein gütiges Lächeln. Bist du es, Heri? Ich blinzele kurz. Es ist immer noch Nacht oder etwa wieder. Ich schau mich um. Ich liege inmitten einer Wiese voll von roten Gräsern. Rote Gräser? In der Daro-Ebene gibt es sonst eher sattes Grün. Und auch steht das Gras dichter in der Daro-Ebene. Bei diesen roten Gräsern gibt es mehr Abstand zu den einzelnen dickeren Halmen. Ein Grashalm puste ich von mir weg, ich scheine zu liegen, der Grashalm weht zurück. Knick ihn um.

Was war das? Ich habe starke Kopfschmerzen. Ich richte mich leicht auf und merke, dass ich von der natürlichen Grenze der Daro-Ebene etwas entfernt war. Ich lag mitten im Gras und niemand schaute nach mir. Was hatte ich dabei? Hatte ich ein Buch oder Notizblock mitgenommen, wo ich etwas reingeschrieben habe? Tu was.

„Hallo?“ spreche ich und merke ich, dass mir niemand zuhören kann. Trotzdem bekomme ich das Gefühl, als wäre jemand in meiner Nähe. Auch wenn es immer noch Nacht ist, habe ich gelesen, dass im Osten die Ausläufer des großen Gebirges, wie eine Person, die sich in großer Entfernung mit breiten Schultern aufstellt. Man nennt ihn den Wächter der Orks, denn wenn man ihn sieht ist man sicher im Land der Orks. Ich war also immer noch in heimatlichen Gefilden, trotzdem war mir mulmig. Ich musste zurück. Ich will zu Heri und die Kinder waren noch bei Gerak. Hauptsache nach Hause.

Wenn im Osten der große Wächter über mir ruht, dann muss ich links zurück nach Daro. Während ich mich langsam in Bewegung setze, pocht mein Kopf. In ihm fliegen kleine Hummeln, die immer wieder in meinem Kopf rumschwirren. Ich befühle mich selber, was ich an mir habe. Teile meiner Kleidung riecht als wäre es angekokelt worden. Und während ich mich wacklig nach vorne bewege, sprüre ich ein Ziehen in meiner Leistengegend. Mein Trieb war noch ein wenig nach draussen sichtbar unter meiner felligen Hose. Ich erinnere mich an etwas. Eine Scham steigt in mir hoch.

Es war ein paar Rotzustände vor der Weihe. Ich war noch ein junger Goi und trainierte noch mit den andere n für die Prüfung, die einem zu einem ausgewachsenen Ork werden ließ. General Kabosch ließ uns diesmal den Speer ausprobieren, diesmal ohne seine Anwesenheit, denn es war wieder Ratsitzungszeit. Die einzige Waffe, die ich vielleicht noch annähernd gelernt habe, ist der Speer, weil sie mir Feinde vom Hals hielt und ich nicht in den Zweikampf gehen musste.

Vor mir waren drei Kandidaten dran, Kabosch hat bei seinem Trainingsstil es immer wieder auf die Spitze getrieben. Wir trainierten zuerst miteinander und dann stellten wir uns einem erfahreneren Krieger. Während des Kämpfens zwischen uns Lehrlingen, haute einer schon ab, aber das war nicht nur der General schuld, sondern auch die anderen Gois, die ihn gerne piesackten. Das Klima herrschte bei unseren Trainings und in dieser Atmosphäre des Runterdrückens der Schwächeren kämpften wir gegen einen Recken, der sich extra der Ganji*-Jagd verwehrt hat, um gegen uns anzutreten.

* Ganjis sind vor allem in sumpfigen Gebieten zu findende Großvögel. Ganjis werden bis 2,30 Meter groß und besitzen einen breiten Körper. Vom Körperbau kommt der Torso einer Kuh nahe. Der recht kleine Kopf wird von einem sehr starren steinartigen Hals mit dem stark befiederten Laib verbinden. Wenn er aber ein Feind wittert ist der Ganji ein relativ agressiver Vogel, denn sein spitzer voluminöser Schnabel hat die Schärfe einer Axt. Es gibt vom Ganji noch eine ruhiger und trägere Version, den sogenannten Ghanja. Dieser hat im Gegensatz zu seinem offen angreifenden Onkel eine innere Ausgeruhtheit und vor allem einen viel kleineren krummeren Schnabel. Diese Sorte Vogel wehrt sich weniger, darum stellt er für jagende Orks keine Herausforderung dar. Obwohl ein Ghanja als Masttier wahrscheinlich produktiver wäre, gehört für den orkischen Jäger der Nervenkitzel der Jagd dazu. Das mache das  Fleisch köstlicher.

Der dritte Goi war an der Reihe. Es war Varon’ti’Xirtem, der schon relativ behende mit dem Speer umgehen konnte. In einer der letzten Trainingsstunden hatte ich mir einen Block mitgenommen, ich hatte schon früh angefangen durch Bücher, die bei damaligen Überfällen von den Menschen gestohlen worden, die Zeichen der Menschen zu lesen und manchmal auch mit ihren Zeichen zu schreiben. Orks schrieben sehr wenig auf und wenn waren es fast eher Zeichnungen. Deswegen war mein Laden auch eine Mischung aus Büchersammlung und Kräuterverkauf, denn wem sollte ich Bücher verkaufen, wenn es keiner lesen konnte. In dem Block wollte ich mir vor allem die Speerbewegungen, die Varon ausführte, die ich mir notieren wollte, doch da wusste ich noch nicht, wie sehr ich mich damit ich mich zur Zielscheibe machte.

Ein Ork solle nicht notieren, sondern es fühlen. Einer der Kabosch-Weisheiten, die man sehr gut lernt. Varon war es damals, der mir das Niederschreiben durch eine sehr geschickte Speerbewegung verdarb. Mein Notizblock war in zwei Teile zerspalten. Kabosch ließ immer alle gewähren, wenn es um Spott von Stärkeren gegenüber anderen ging, denn das gehörte bei ihm zur Ausbildung. War ich damals noch begeistert von den Bewegungen von Varon, zeigte der Sohn des Bewegungshexers, Tiran’ti’Milor, aus welcher Familie er stammt. Bei Herausforderungen ausserhalb des Trainings begegnet man sich mit dem Kradell als nackte Kampfansage, bei Trainings geht es um Kampf mit allen Waffen und nicht um die nackte Ehre der Familie. Bei solchen Begegnungen drehen beide Kontrahenten mit Zeigefinger und Daumen an ihrem Horn, zeigen auf den jeweils anderen und brüllen den Kampfschrei der Übung „Garo’ti’tan!“.

Als beide das getan haben, braucht es nur ein Blinzeln von mir bis Varon  auf dem Boden liegend die Speerspitze am Auge sitzt. Das Zeichen für Sieg des Speerführers. Nur ein Blinzeln. Und gegen den anderen sollte ich antreten, wo Varon mit einem Blinzeln ausgeschaltet wurde.

Ich zögere kurz und sehe wie Varon an mir vorbeischlurft, für den Rest der Stunde ist sein Speer bei dem Sohn des Bewegungshexers. Bis jetzt liegen bei ihm drei Speere und es könnte sich nun ein weiterer dazugesellen. Ein leiser Atmen, wie ein Seufzer, entfleucht Varon als er meine Schulter streift. Tiran’ti’Milor hat sich breitbeinig wieder aufgestellt und er ist bereit für seinen Schrei „Garo’ti’tan!“. Ich wiederum würde weder gerne Kradell noch den Schrei „Garo’ti’tan!“ machen, sondern einfach gehen. Einfach nach Hause gehen, meine Fähigkeiten im Lesen und Schreiben erweitern. Den Buchstaben R endlich verstehen, das Wesen der Magie erforschen, stattdessen stehe ich einer großen Kampfmaschine gegenüber.

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