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NaNoWriMo Die lange Orknacht #8: Der Monster-Schwanz?!

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

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Gedanklich mache ich mich bereit irgendwelche Kampfsequenzen aus meinem Kopf herbeizuzaubern. Ich werde in links vielleicht täuschen und rechts zustechen. In der Phantasie klang das ganz gut. Ich hatte genug gezögert, die Menge um mich herum war still. Normalerweise waren Gegröhle und Stampfer an der Tagesordnung bei solchen Trainingskämpfen, während man bei Kradell still sein musste. Deswegen war ich einen kurzen Moment irritiert, als die Masse über zwanzig Gois sich in der Stille eines Kradells befand. Ich schritt auf Tiran’ti’Milor zu.

Nach meinen ersten zwei Schritten machte ich einen stechenden Schmerz im unten Rücken aus, der schnell hochzog. Nicht nur das, auch hob sich das hintere Ende meines Lederschurzes hoch. Das Seil, das den Schurz hielt ging rasch hoch. Ich war zu überrascht und meine Reflexe jeglicher Art waren zu langsam als ein leises Ratschen zu hören war und sich meine Hose gen Boden verabschiedete.

Die Menge johlte laut auf, aber zugleich gab es ein unhörbares Schlucken im Raum, weil Nacktheit in den unteren Regionen in der Öffentlichkeit Orks gar nicht liegt. Das Johlen verwandelte sich in Gelächter. Tiran’ti’Milor hatte seinen Speer in den Boden gesteckt und lehnte sich an ihn und in seinem Gesicht stand keine Gefühlsregung.

Varon hatte nach seinen Gang an mir vorbei sich umgedreht und mit seiner Speerspitze und starkem Druck mein Gürtelband zerrissen. Auch wenn meine Reflexe nicht gut waren, war mir schnell klar, dass ich mein Geschlecht verdecken musste. Ich verabschiedete mich erst langsam schleichend rückwärtsgehend vom Feld. Aus den Augenwinkeln erkannte ich nur das Gesicht des einen Tauren, der später mein Freund werden sollte, Tarok, der nachdenklich in der Menge stand. Sein Gesicht war voller Skepsis als er sich umschaute und sich der pöbelnden Masse bewusst wurde. Valor drehte seinen Speer mit der Spitze voran in den Boden, um zu zeigen, dass er diesen Kampf, der keiner war, gewonnen hatte.

Unter dem lautem Gebrüll der Menge begann ich, meinen Gürtel mit der Hose vor meinem Geschlecht hochhaltend den Platz Richtung Zuhause zu verlassen. Meine Erinnerungen verblassten langsam, der Nebel der Vergangenheit wollte sich lüften, als ich plötzlich in meinem Sprint nach Hause  kurz zur Seite schauen musste. Denn am Rand zwischen Bäumen stand eine große imposante Figur. Den Schmuck der Ork-Krieger auf Schultern, feinstes Etai, die zwei Hörner, die aus dem Helm herausragen,….es war Arka. Ich fokussierte Arka. In dem Moment erkannte ich, dass Arka nicht ganz der imposante Kriegsheld und bedrohlicher Vater war, den er zeitlebens darstellte. Ein Bruchteil von einer Sekunde sah ioch nicht sein vernarbtes Gesicht und die großen braunen Augen, mit dem roten Rand um die Iris, sondern nur seinen Schädel ohne Haut, Muskeln. Die Orte, an dem die Augen waren, waren nur noch schwarze Löcher. Die weißen Schneidezähne waren freigelegt, so auch das ganze restliche Gesicht war weiß. Es war nur noch sein leerer Schädel. Trotzdem konnte er seinen Mund kurz bewegen und ich hörte ihn sagen “Folge der Fährte…“.

Ich war aus meiner Erinnerung herausgerissen. Aber ich hatte das Gefühl,  Arkas Schädel hatte nicht zu Ende gesprochen. Es ist wie wenn man mit jemand spricht und denkt er hätte noch keinen Punkt gesetzt. Es fehlte noch der Punkt.

Der Punkt folgte: „..du, Wurm!“ Der Nachsatz hallte in meinem Kopf und die Wut, die ich vor vielen Stunden gefühlt hatte, war zurück. Die Wut, die ich am Stamm von Arka gefühlt hatte, war wieder da. Auch die Erinnerung an den letzten Abend kehrte immer mehr zurück. Die erste verschwommene Erinnerung, die ich daran bekam, konnte nur ein Scherz meines Unterbewusstseins sein. Denn, warum sollte meine Frau Heri’ti’Arka vor meinem steifen Geschlecht weglaufen, als wäre es ein Monster?

Gerak’ti‘Karan

Kaboschs Stimme ist in seinem Alter noch so durchdringend, wie es zu meinen Goi-Zeiten war. Man hat das Gefühl er beendet jeden Satz mit einem Ausrufezeichen. Ich stehe mit zum Zerbersten angespannten Nerven in dem kleinen versteckten Pflegebereich. Der eher für die Kinder gedacht war, denn ich passe hier nur mit Mühe rein. Von hinten habe ich das Gefühl, dass ein Gegenstand gegen meinen Rücken drückt. Romi fängt in meine Hand zu sprechen, sie ist hysterisch. Sie atmet schneller.

General Kabosch betritt mit einem weiteren Ork den Hauptraum mit den lodernden Holzstöcken, den chaotisch verstreuten Kräutern, sowie den durcheinandergewirbelten Lagern der Kinder. Kabosch beginnt mit vor sich hinzumurmeln, in der Art als wäre er ein Kundiger, der Situationen untersucht. „Ich wusste, Varon’ti’Xirtem, dass ich was gehört hatte. Sinne werden mit Alter getrübt, aber der Verstand bleibt scharf.“

Varon, einer der früheren Übungsleiter von Kabosch, war über ein paar Umrundungen zu einer wichtigen Kraft für ihn geworden. Er beschützte Kabosch vor Angreifern mit seiner Schnelligkeit des Speeres. Auch wenn er ein Auge im Kampfgeschehen hatte, hat das Schicksal es mit ihm nicht gut gemeint. Trotz seiner Fähigkeiten war er nie so stark und robust geworden wie es ein Arka seinerseits war, so dass Varon es nie zu Familie brachte. Nur durch seine Dienste beim General hat er überhaupt Ansehen behalten. Bei Ginja-Jagden war er stets einer der letzten, da er besser im Fernkampf gewesen war durch den Speer als in einem Eins zu Eins mit dem Jagdopfer. Wenn der General nicht wäre, wäre Varon ein vereinsamter Ork, der eigenbrötlerisch sich selbst versorgen müsste. Aber wer bin ich dass ich urteile? Mir geht es in gewisser Weise ähnlich.

Varon hatte also nur zustimmend dazu gemurmelt, während sie den Raum durchschritten. Schließlich kamen sie ganz nahe an unsere Höhle heran.

„Riecht ihr das auch, Kabosch’ti’Arwa?“

Kabosch näherte sich unserer Wand. Konnte er durch diesen ganzen Geruch meinen Schweiß erriechen? Wird er uns finden?

Hinter mir merke ich, wie sich der hängende Eimer aus seinem Haken löst und zwischen Rücken und mir festhängt. Romi musste ich fester an mich drücken, das schnelle Atmen fühlt man nur noch von ihr. Geräusche hört man nicht mehr.

„Ja, ich rieche das auch…“ Kabosch und mich trennen nur noch diese eine Wand. Aber das was als er nächstes sagte, war in seiner Tragweite auch nicht besser: „Es riecht hier nach Menschen.“ Der Block in meiner Hand wird mir nochmal schmerzlich bewusst. Der ist definitiv von Menschenhand geschrieben, wenn doch nur Farfar hier wäre, der könnte mir genau sagen was dort draufsteht. Aber meine Intuition sagt mir, das mit diesem Menschen etwas nicht stimmt. Irgendetwas riecht komisch. Etwas, das Orks, die weniger intensivere Riechorgane haben, nicht erreichen können.  Ich konzentriere mich auf den Eimer, der sich leicht bewegt.

Ich weiß nicht, ob ich mich aus der Deckung bewegen soll, um Kaboschs These seines menschlichen Überfalls zu unterstützen. Aber diesmal muss ich die Wahrheit herausfinden.

„Es ist niemand hier. Tarok und Heri’ti’Arka sowohl die Kinder sind nicht hier.“

Varon hat wohl irgendwie von unserem Arrangement mitbekommen, denn er steuert folgendes dazu: „Ich glaube, Kabosch’ti’Arwa, dass die Kinder bei Gerak’ti’Karan abgegeben wurden.“

Als mir Tarok die Kinder am hellichten Tag brachte, waren Sie so außer Rand und Band, das weiß wahrscheinlich das ganze Dorf.

„Kinder sollten nicht abgegeben werden. Und dann auch noch zu Gerak. Wer selber keine Kinder hat, sollte auch keine zum „Aufpassen“ bekommen.“

Als ob es mit seinem Kind besser läuft. Als er meinen Namen ausspricht, merke ich wie jetzt auch Marna sich langsam wieder auf meiner Schulter bewegt.

„Varon, ich denke, es gibt hier nichts mehr zu finden.“

Auch wenn er dabei wohl schnell den Raum durchsucht, denn seine Stimme höre ich immer wieder woanders im Raum. Kabosch ging umher. Der General hatte kurz angemerkt, dass eine kleine unscheinbare schleimige Spur durch den Wohnraum bis draußen ging. Aber er verfolgt diese Spur nicht weiter, es hörte sich kurz so an als wollte er raus, um dieser Spur zu verfolgen, aber das Glück hatten wir nicht.

Varon hat in der Zeit am Anfang des Hauptraumes gestanden und wie ich ihn kenne seinen Speer geschwungen. Während sich beide langsam entfernen, höre ich Gemurmel über den Rat, was augenblicklich die Alarmglocken bei mir klingeln lässt. Wenn Kabosch Rat erwähnt kann es nur um Kriegsberatungen gehen. In dem Augenblick des kleinen Schocks vergaß ich kurz den Eimer, der mit einem kurzen dumpfen Geräusch auf die Seite fällt.

Ich hielt inne. Hatte einer der beiden etwas gehört? Ich hörte leichte Schritte zurück in den Hauptraum. Es war nicht Kabosch, der hatte Schleichen selbst mit einem Ausrufezeichen versehen. Es muss Varon sein. Auch wenn er nicht gerade der Hellste war, hören konnte er. Mein Herz pochte. Die beiden Kinder selbst waren wieder ruhig, denn der runtergefallene Eimer hatte ebenfalls beide abgelenkt.

Drei Herzschläge klopften bis an unsere Hälse und ein Varon schlich nochmal durch den Hauptraum. Er setzte seinen Fuß in Richtung des kleinen Baderaumes, in dem wir in der dunklen Höhle standen. Feuerschein huschte weiterhin über die Wände. „Varon, komm her!“

Varon drehte sofort um, obwohl wenn er nur eine Sekunde weiter in die Dunkelheit geblickt hätte, uns gesehen hätte. Aber Loyalität hatte uns hier rausgeholfen. Varon war durch den Raum gezischt als dürfe er mit auf die Ganji-Jagd. Hauptsache er bekam durch Kabosch eine Aufgabe. Ich nahm die Hand von Romis Mund endlich, sie atmete schnell vor sich hin. „Warum?“ sagte sie mit gebrochener piepsiger Stimme.

Marna räkelte sich auf meinen Schultern. Langsam konnten wir uns aus der Erstarrung lösen. Leise flüstere ich beiden zu: “Kommt mit, wir schauen erstmal, ob beide weg sind.“ Marna folgte mir und Romi schlich langsam hinterher. Im Hauptraum sah es unverändert chaotisch aus. Kabosch und sein treuer Ergebener waren zwar hier durchgeschritten, aber geändert hatten sie nichts.

Wieder im Vorraum angekommen, signalisierte ich beiden wieder dort stehen zu bleiben und das es wichtig ist, das beide sich Hand vor den Mund zu halten.

Ich lugte aus dem Vorraum heraus und erspähte die beiden Orks. Kabosch redete unablässig auf Varon ein, der einfach nur nickte gelegentlich. Der General hatte jetzt schon ein Ziel. Und ich wusste, wo dieses Ziel enden würde, in einer eilig berufenen Ratsitzung. Und in dieser Ratsitzung ging es in solchen Fällen langsam voran, denn erstmal musste ausgemacht werden, was passiert war. Vielleicht denkt Kabosch, das er das schon abhaken könnte, aber Gromk’ti’Suran hatte da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Dieser war der Vorsteher der Daro-orks, der größten orkischen Bevölkerung in Garo’tar. Und mich gab es ebenfalls.

Denn ich bin der Nachkomme meines Vaters, dem ehrwürdigen Karan’tin’Volat, der zu den gemäßigten Mitgliedern gehörte. Und ich denke bei solchen Dingen wie mein Vater, erst einmal genau anschauen und dann handeln. Ein Motto, das in den orkischen Lande sehr selten anzutreffen ist. Wenn er auf dem Weg zum Rat war, dann musste ich mir überlegen, was ich jetzt tue. Romis Frage nach dem „Warum?“ war eine gute Frage. Als ich mitansah, wie der General aus meinem Sichtfeld verschwand, musste ich an das eine Mal denken, an dem er von einer Ratssitzung nachher nur noch stumm verschwand. Es war die Sitzung, die auch meine Haltung für die kommende Ratszeit festlegte.

Damals war ich als eigenständiger Vertreter der Tauren noch nicht häufig bei Ratssitzungen dabei gewesen.

Alle waren sie vollzählig, als ich der Vorfall ereignete. Außer meinem Vater, der war schon länger fort. Als ich von der Nachricht hörte, wer in die tote Zone der Etai-Mine vorgedrungen war und nun selbst tot gefunden worden ist, war ich kurz davor ein paar Tränen zu vergießen, denn er war neben meinem Vater eine wichtige Person in meinem Leben gewesen. Mit ihm hatte ich Dinge über die Orks selbst kennengelernt, die mir sehr weitergeholfen haben. Der Ork, der mit seinem Ableben fast einen Krieg auslöste und eigentlich immer nur das Gegenteil wollte, war Farfar’ti’Walla.

 

Aus dem Tagebuch Farfar’ti’Wallas, 534. Umrundung Rot I Falons

  1. Eintrag Fortsetzung

Nach Kaboschs Auftauchen waren wir nur noch zu siebt. Zu meinem Tross gehörten Holor, Dab und Krel, von Kabosch waren Tibor, Glint und Worto dabei.

Natürlich hatte die Kneipe zum Zweigesichtigen, bei den Orks auch die „Tar’nok“ genannt, nichts von unserem Kampf mitbekommen. Nur draussen war mir kurz aufgefallen, dass hinter der Kneipe sich etwas bewegt hatte. Ich hatte Holor kurz die Anweisung gegeben mit den restlichen Leuten ins Haus zu gehen, ich musste mich aber beeilen, denn wenn ich die sechs zu lange alleine lasse, würden sie alles auf den Kopf stellen. Jedenfalls die Hälfte von Ihnen.

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