NaNoWriMo Die lange Orknacht #9: Dieser Ork, hinter der Kneipe

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

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Da ich im Schleichen ziemlich geübt war, bog ich erst kurz vor dem hölzernen Eingang der zweigeisichtigen Bar nach rechts ab, folgt der steinernen Außenverkleidung bis ich auf eine Regentonne stieß. Doch dahinter versteckt, stand ein junger Goi, der eigentlich beim Training sein sollte. Aber bei General Kaboschs Training kann ich gut nachvollziehen, dass das Ausland eine gute Alternative sein kann. Es war ein schmächtiger Goi, eine Mischung aus Stein-Orks und den Daro-Orks der Zentralebene. Eine gräulich-blaue Hautfarbe machte ihn relativ unauffällig. Ich denke in der Masse der starken braunen Orks geht dieser kleinere Ork wahrscheinlich unter. Natürlich kann auch er über ein Talent verfügen, was ich nicht sehe. Wer konnte das besser beurteilen als ich. Mit ängstlicher Miene taxiert mich der der Grauhäutige und versucht in meinem Blick etwas zu lesen. An seinem Kopf sind Prellungen. Er hat durch seine kleine Nase einen silbrigen Ring uns seine Haare sind hinten zu einem Zopf gebunden.

Ich schaue kurz nach hinten und bemerke wie dort noch das ein Meter hohe Gras raschelt.

„Na,…wie heisst du?“ frage ich den Grauhäuter und schiele dabei kurz in die Richtung des Grases.

„Ich b…bin Karon’ti’Marter und…“

Ich gehe ein wenig um ihn herum, um dann, während ich seinen Satz noch vervollständige, dass er gerne hinter Kneipen rumlungert, ins Gras reinspringe und zu meinem Erstaunen eine menschliche Frau erblickte. Sie hatte lockiges rotes Haar in einer metallenen Etai-Spange etwas strenger nach hinten gekämmt. Sie schreckte so sehr auf, dass sie weglief, hinein in das wilde Gras. Ich ging zu Karon zurück und , ganz ehrlich, ich wusste nicht was ich sagen sollte.

Ich hatte schon geschrieben, dass Orks nicht sehr viele Worte über Liebe untereinander finden. Das Geschlechts des Anderen, das nächtliche Treiben, am frivolsten ist wohl der Ausdruck „Nor ti rektar gol ta ninja.“ Das bedeutete ungefähr, dass der Bulle zum Weiden aufs Gras geführt wird. Wenn Orks das in einer Runde sagten, ging aber nicht das grosse Gegröhle los, sondern die Runde schwieg kurz und der Aussprechende entfernte sich. Über diesen wird dann auch nicht mehr geredet. Wenn es aber über das Reden außerhalb der Rasse geht, herrscht sofort eisiges Schweigen. Es gibt unter den Orks natürlich auch die Radaubrüder, die wenn die einen Artgenossen entdeckten, die sich mit dem Erzfeind der Menschen in anderer Form als Krieg näherten, dann sofort anfingen diesen zu drangsalieren. Und in meinem erweiterten Tross gab es darunter mindestens drei Kandidaten, die nicht weniger als ein Kradell fordern würden.

„Was habt ihr hier gemacht?“ versuchte ihn zu fragen, aber bemerkte, wie sich von hinten ein Schatten näherte. Ich drückte das Menschenmädchen unsanft zurück ins Gras, so dass Sie auf den Po fiel. Ich schmiss Maron, den Speer zu und gab mich in Verteidigungsstellung.

Dab bog um die Ecke und suchte mich. Er schaute sich kurz um, sah wie Maron wacklig mit dem Speer im Arm stand und ihn halbherzig in meine Richtung zeigte. Ich brüllte ihn an „Nach unten richten. Energischer!“

Dab blieb neben uns stehen, ich tue so als wäre ich im Übungsmodus mit ihm. Maron hatte den Speer sowieso kraftlos nach unten zeigend in der Hand, darum passte meinen Befehl einigermaßen zur Situation. Ein wenig zeigte Maron mit dem Speer in Richtung meiner Beine, er hatte endlich begriffen, was ich vorhatte. Trotzdem schaute er weiter in die Richtung des hohen Grases. Dieses rotlockige Mädchen hatte ihm den Kopf verdreht, das konnte man nicht anders sagen.

Mein Begleiter aus dem Tross stand erstmal kurz neben uns, um die mehr schlecht als rechte Vorführung anzusehen und sprach mich dann an: „Farfar’ti’Walla, wir haben drinnen Probleme. Kaboschs Männer…“

„Ich war doch erst eine Minute hier draussen, ich wusste mit denen gibt es Ärger. Was ist denn los?“

Aus den Augenwinkeln erkenne ich, wie das Gras leicht raschelt. Dab soll nichts mitkriegen. Der schaut sich nochmal Maron an. „Maron, ist jetzt nicht Trainingszeit?“

Maron wusste nicht so recht, was er antworten sollte, also musste ich schnell einspringen. Aber wie kann man einer fast heiligen Pflicht nicht nachkommen? Zudem sprach er den kleinen Goi abfällig ohne den Namen des Vaters an, Maron hatte wohl keinen guten Stand bei den anderen Artgenossen. Mit solchen Orks hatte ich immer Mitleid.

„Dab, Karon’ti’Marter soll mir ein paar Erkundigungen einholen. Das ist abgesprochen mit dem Gerfo*. Für unsere Reise brauche ich ein paar Infos über das Etablissement des Zweigesichtigen. Aber wichtiger ist, was ist dort drinnen los?“

Ein kurze Säuerung des Gesichtsausdrucks von Dab konnte ich ausmachen, schließlich hatte auch ich ihn jetzt abschätzig angesprochen. Wie du ihm, so ich dir. Karon machte nicht Anstalten dem zu widersprechen und war sehr nervös. Er nestelte an meinem Speer herum und schaute keinem von uns beiden in die Augen. Dab schaute skeptisch in die Richtung von Karon, ich durchbrach dieses Schweigen und ging an dem schweigsamen Ork vorbei, entriss ihm den Speer, klopfte ihm kurze auf die Schuter und däute ihn dabei leicht in die Richtung des Grases und ging zum Eingang des Zweigesichtigen…

Was Karon auch vorhatte, er sollte es lieber aufhören, denn bei Vermischung von verschiedenen Rasen kennt der Ork keinen Spaß und auch die Menschen scheinen nicht in Begeisterungsstürme auszubrechen.

Im Rückblick will ich die Ereignisse im Zweigesichtigen nicht zu sehr in die Länge atmen, denn was sich mir bot, waren die typischen Auswüchse eines Tages im Zweigesichtigen.

Im häufigsten Fall begann irgendeine Ansammlung von Personen, irgendeine wilde These über die jeweils andere zu behaupten. Die wiederum konterten mit einer mehr oder minder klugen Erwirderung und schließlich gipfelte das Ganze in einem Schlagabtausch, der nach einem ausgeführten Schlag zu Ende gebracht wird. Vom Barbesitzer Randal’ti.

Randals Spezies konnte man nicht eindeutig feststellen, er war ziemlich vernarbt im Gesicht. Legende rankten sich um die Gesichte Randals, aber wenn alle Fakten zusammengetragen werden, ergibt sich folgendes Bild:

Randal’ti hat keinen Nachnamen, denn er hat seinem Vater abgeschworen und dient nur noch einem höhere Gut, nämlich des Friedens und Spaßes durch Geselligkeit. Zudem ist Randal’ti auch kein Ork, sondern eigentlich ein Mensch, aber der Krieg hat ihn so zugerichtet, dass es nicht mehr ganz erkennbar war.

Randal, so wird gesagt, ist der Sohn eines gaunerischen Menschen gewesen, der stahl, egal welcher Rasse derjenige zugehörte. Von Friedenszeiten profitierte er dabei mehr, denn so konnte er mit unbestätigten Gerüchten den unter- oder unterschwelligen Hass des zu Bestehlenden schüren. Meistens funktionierte das auch, bis er es zu weit trieb und die beiden Seiten so reizte, dass dabei sein Haus dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Der diebische Vater liebte es seine Talente einzusetzen und irgendwann log er beiden Seiten, Menschen und Orks, etwas von einem Etai-Lager vor, dass sich an der Grenze zu  beiden Rassenreichen befinden sollte. Beide Seiten lösten aber diesen Betrug auf und verfolgten die Spur des Gauners. Eines Abends als Randal noch schlief wurde in einer Stürmung das ganze Haus Randals zerlegt und Vater und Mutter wurde von beiden Seiten getötet. Ein Feuer brannte alles nieder, die Ruinen dampften noch, als sich beide Seiten wieder verzogen. Das vom Vater angehäufte geklaute Essen wurde ganz vom Feuer sofort zerstört. Randal krabbelte nach zwei Tagen kraftlos aus den Minen und sein ganzes Gesicht wurde mehr oder minder zerkratzt. Dabei verliefen die Kratzer so, als wäre ein Teil seines Gesichtes die typisch-orkisch kriegerische Fratze und die andere Seite eher das tumbe Aussehen eines menschlichen Bauers.

Nicht nur das die beiden Seiten das Haus zerstört hatten, sondern sie hatten auch den Vater gehängt mit leeren Taschen als Beweis für seine Erfolge am Ende seines Lebens. Randal suchte noch die Mutter. Diese röchelte unter einem Stein ihren letzten Lebensatem und fragte ihren Sohn noch was mit den Vorräten des Vaters passiert sei. Randal antwortete, dass diese alle verbrannt seien. Sie meinte nur noch er müsse die Vorräte wieder auffüllen. Zeit seines Lebens hatte der Vater von allen Leuten geklaut und nicht mal viel seiner Familie gegeben, der Geiz hatte ihn zusätzlich zerfressen.

Randal dachte von dem Tag an, dass es sinnvoll ist, dass man Vorräte hat, um zu überleben, aber man statt dem Diebstahl lieber seine Vorräte teilen sollte um nachher mehr zu haben. Sein vater hatte zeit Lebens nur gebunkert und nicht mal für die Familie. Zusätzlich hatte Randal keine Lust mehr zu irgendeiner Seite dazuzugehören und gab sich die Naschsilbe ‚ti ohne den Namen des Vaters um seine wahre Rasse zu verschleiern.

So tingelte er durch die verschiedenen Städte und Dörfer als rassenloser Mann und hörte sich um, was den Menschen so gefällt. Im Gegensatz hörte er aber nur und nutzte das nicht aus. Stattdessen reiste er viele Jahre und merkte wie es ihn immer wieder zur Mitte von Garotan zog. So kam er wieder zurück zu den Ruinen seines Hauses. Dort hatten sich mittlerweile Pflanzen ihren Platz geholt. Randal merkte, dass aus den Ruinen er etwas Neues geschaffen hatte. So legte den Schutt beiseite und fand eine glänzende Oberfläche, den Spiegel der Mutter. Er sah sich das erste Mal selber an, was er vorher nicht getan hatte und empfand als hätte er zwei Gesichter.

Die Name seiner Kneipe war geboren. Und nachdem er alles alleine aufgebaut hatte,  brachte er ein hölzernes Schild an und hörte auf das was die Rassen suchten: einfach nur Spaß (mehr oder minder, für Orks war natürlich der Krieg der Spaß) und Ablenkung. So erfand er ein mit Kräutern versetztes Getränk, dass den Leuten ein wenig Frieden brachte. Das Schild hatte ein vereinfachtes Faksimile seines Gesichts als große Tafel über dem Haus angebracht und seitdem gibt es die zweigesichtige Kneipe.

Anfangs zaghaft besucht, waren die Besucher von dem Getränk so fasziniert, das gleichzeitig Orks und Menschen hier auftauchten. Durch seine Reisen hatte Randal viele Menschen und Orks kennengelernt und zwei herumwandernde Orks gesellten sich als Arbeitskräfte zu ihm. Diese kräftigen Kämpfer dienen Randal als Wachpersonal, denn in Randals Kneipe gilt nur eine Regel: keine Kämpfe.

Innendrin war es schon so weit. Einer aus Kaboschs Tross hatte sich dazu hinreißen lassen einen der anwesenden Gäste als ein Huhn zu bezeichnen und der wiederum stand in einer anderen Ecke mit einer Gruppe von fünf Leuten in der Ecke und starrte die 6er-Gruppe aus Orks an. Meine gesamte Gruppe wurde als feindselig betrachtet, genau das was ich verhindern wollte. Randal stand an seinem dunklen Holzblock, dem ihm als Tresen diente. Er polierte bis vor kurzem wahrscheinlich  noch einen Holzkelch, aber jetzt hatte er die Muskeln ein wenig angespannt.

Dab hatte mehr Gespür als wie ich gedacht hätte, denn passiert war hier noch nichts. Ich glaube ihm also auch nicht, dass er nicht verstanden hatte, dass Maron nicht mit mir trainierte. Aber das hätte wahrscheinlich selbst ein blinder Mularpa verstanden. Ich musste wissen, was Dab dachte. Später. Jetzt musste ich die Konfliktparteien auseinander bringen, denn dafür hatte man mich irgendwie losgesandt. Zeigen wir der Meute mal, was die hohe Kunst der Diplomatie bedarf.