NaNoWriMo – Die lange Orknacht #10: Erinnerungen & Grenzenlose Liebe

Ich muss 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben – das nennt sich Nanowrimo 🙂 Hier präsentiere ich euch die ungeschönte Rohversion von „Die lange Orknacht“ (meiner Geschichte) mit allen Fehlern. Wer von vorne lesen möchte, der klickt hier!

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Ich schau mir die ganze Gegend mal an. Wahrscheinlich hat sich Tibor, der stärkste und kritikempfindlichste Ork, sich mit dem grauhaarigen älteren Menschen angelegt, der aus der Zunft der Schmieden kommt. Breite Schultern und die grauen Haare zu einem Zopf nach hinten gebunden, hat er sich auf seinem Stuhl ein wenig zu Tibor gedreht. Er signalisiert damit, dass er einem Kampf nicht aus dem Weg gehen würde. Tibor drehte in seinen braunen starken Fingern ein kleines Teiglingmesser und schnitt mit der Spitze kleine Striemen in den Tisch, aber ohne dass die Wächter des Ladens etwas mir bekommen. Denn mit denen wollte man sich nicht anlegen.  Seine getreuen Ordnungskräfte waren aus den Anfangsjahren des Trainings von General Kabosch entstanden und perfekte Kriegsmaschinen. Nork’ti und Grall’ti hatten zugunsten der Zweigesichtigen Kneipe ihre Namen abgelegt und waren zwei der versiertesten Krieger Garo´tars. Aber es war nicht bekannt was sie dazu gebracht hat, den Krieg für Garo’tar hinter sich zu lassen, aber bekanntlich hat jeder sein Geheimnis. Aber beide waren interessante Erscheinungen.

Sie waren an die 2,20 groß und wirkten fast wie Zwillinge im Gesicht. Nork hat bedingt durch eine Augenverletzung eine Klappe, viele gehen davon aus, dass seine Augapfel gänzlich zerstört wurde. Sein übriges Auge hat eine feuerrote Pupille, darüber eine große buschige Augenbraue, während die andere Gesichtshälte von haar frei war. Wieder jemand der gut zur zweigesichtigen Kneipe passt. Gralls hervorstechendste Merkmal war ein leichter Überbiss, so dass seine unteren Schneidezähne, die wie Spitze einer Klauen wirkten und seine Augen waren schmale Schlitze. Sein orkisch geflochtener Zopf hing ihm bis zum Po und in diesen Haaren waren zumeist kleinere Messer reingesteckt, die im Notfall ihre Verwendung fanden. Was so widersprüchlich wirkte, ist dass Sie, wenn Sie nicht die Gäste in ihre Grenzen verweisen mussten, bewirteten Sie sie und wuschen die Holzkelche, um wieder nachzuschenken.

Beide standen, wenn die Kneipenmannschaft in voller Besetzung hinter dem Tresen stand links und rechts von der merkwürdigsten Gestalt, die Garo´tar / Garotan* zu bieten hat.

* Orks nennen die Gesamtheit der bekannten Welt Garo’tar und Menschen nennen sie Garotan. In ihrer Grundgesamtheit, neutral, heisst die Welt Garo. Diese wird von Personen genannt, die nicht eindeutig zu einer bestimmten Rasse einordbar sind.

Randal wurde durch den Brand seines Elternhauses und von den Überresten begraben. Sein Gesicht wurde zur Hälfte abgebrannt und die andere Hälfte so veranstaltet, dass man keine Anzeichen von rassentypischen Merkmalen finden kann. Er ist nicht sonderlich groß, aber trotz seiner groben Verunstaltung des Körpers ist er, außer es kommt zu Kämpfen herzensgut und ein vorzüglicher Gastgeber. Und vor allem durch seine Reisen sehr erfahren, das konnte ich bestätigen, die vielen Male, die ich hier war. Und diese Schlauheit nutzte ich aus.

Ich ging auf Randal zu. Ich zwinkerte ihm zu und flüsterte ihm kurz was zu. Ich bemerkte wie seine zwei Orks sich weiter in Richtung Gastraum vor den Tresen bewegten, denn die Konfliktparteien zischelten sich jetzt ihren Hass entgegen in Form von orkischen Plattitüden oder menschlichen Spitzfindigkeiten.

„Liebe Gäste des zweigesichtigen, danke Randal für eine tolle Möglichkeit, denn wir hatten uns gefragt, ob diese Orks“ Dabei zeige ich auf den Tross von Kabosch“ stark genug für einen Kampf mit diesen Getränken“Grall und Nork hatten die Getränke in die Hand gedrückt bekommen und gaben sie jetzt den Orks und den Menschen in die Hand.“ Und ob, die Menschen klug genug bleiben, um ihre Rückkehr noch in Holonia an die Ohren der anderen weiterzutragen.“

Beide Seiten hatte ich mit ihren Schwächen angesprochen. Die Menschen waren zögerlicher, als die Orks Kampf hörten, waren sie kurz in ihre Gruppe zurückgekehrt und hörte wie Tibor mit den anderen absprach, dass er den Kampf annehmen würde. Die anderen beiden aus Kaboschs Tross hatten aber auch Lust und verlangten jetzt noch mehr Getränke.

Der Grauschopf zögerte immer noch und schaute mir skeptisch in die Augen. Ich wusste ganz genau, was einem Menschen durch den Kopf ging. Warum sollte ich mich auf so ein Niveau begeben? Muss man jeden Kampf mitnehmen? Ich ging leisen Schrittes auf ihn zu und flüsterte ihm; dass es natürlich nicht ein Wettbewerb seines Formats ist, aber ein Sieg egal in welcher Disziplin, ein Sieg sei und dementsprechend weiter Früchte trägt. In dem nämlich die Geschichte von diesem Wettbewerb weiter fortgetragen wird.

Die Menschen musste man bei Ruhm und Ehre packen, den Ork bei seinen Händen, die kämpfen wollten. Der Mensch lächelte und sprach etwas lauter in den Gastraum, dass er es alleine mit dem Ork-Trio aufnehmen könnte. Die Bedingung sei, stehenzubleiben. Wer zuerst umfällt, hat verloren.

Um den Wettbewerb zu beginnen zeigte ich natürlich, dass das Getränk nicht vergiftet war. Menschen waren misstrauisch und darum trank ich zum Start einen Holzkelch aus.

Ich hatte zwar nicht andere Stoffe den Wettbewerbsteilnehmern in die Getränke gemischt, aber auch die Menge macht es. Ich hatte eine leichte Variante des Riels getrunken und den anderen wurde eine dreifache Menge der Kräutermischung hinzugefügt. Wohl bekomms!

Während der Trinkwettbewerb weiter von statten, machte ich meinem Gefolge klar, dass wir den Rückzug antreten werden. Zuvor wollte ich aber nochmal etwas nachschauen.

Ein unbestimmtes Gefühl hatte mich nochmal in das Hinterland der Zweigesichtigen gehen lassen. Ich erreichte die Regentonne und natürlich war dahinter niemand. Irgendwie musste ich über diese seltsame Konstellation nachdenken. Ein schwächlicher Ork, eine zierliche Frau hinter der Bar eines Wesens, das weder Ork noch Mensch war. In dem gerade eine neue Art von Kampf tobte, die nicht mit dem Tod endete, sondern wahrscheinlich mit dem typischen Frogi*.

* Eine Art post-trinker-Wachkoma, bei zuviel Konsum von Riel, der am nächsten und bei übermäßigen Konsum sogar den Tag danach beeinflusst. Orks verzogen sich nach übermäßigem Verzehr gerne mal zwei Tage in eine Höhle zurück und wärmten sich gerne am Feuer, denn eine Nachwirkung war das Empfinden von Kälte

Ein Ork und ein Mensch in dieser Welt zusammen, wenn sie sich nicht verletzen. Ich weiß nicht, ob das funktioniert.

Tarok’ti‘Kendar

Die letzte Nacht, woran kann ich mich erinnern? Mein Kopf dröhnte, die Präsenz von Arka in meinen Erinnerungen, der nie wirklich bei meinem Hosenkampf dabei war. Der war unterwegs, das wusste ich, denn Heri war damals gerne auch ohne ihn aufgetaucht. Ich hoffte damals, dass sie diesen Vorfall nicht mitbekommen hatte.

DIE FÄHRTE, schießt es mir scharf durch den Kopf. Ich sah in meiner Nähe Spuren, die aussahen als wären zwei Pflüge nebeneinander dauernd parallel gezogen wurden. Dazwischen fanden sich Hufeisenabdrücke. Pferde. Menschen benutzten Pferde. War ich hinter diesen Spuren hinterher? Menschen? In mir blitzte das Gesicht eines großer Mann mit einer großen Harkennase auf, mit durchdringenden schwarzen Pupillen. Ich sah selten Menschen, aber wenn kamen sie mir immer wie glitschige pinke Aale vor, die sich mit Technik schützen mussten, weil ihre Haut viel zu dünn war. ABER GUT FÜR UNS ZUM SCHNELLEN DURCHSTECHEN.

Irgendetwas stimmte in meinem Kopf nicht. Aber die Schemen dieses Gesichts ließen mich zusammenzucken. Denn dahinter sehe ich eine auf dem Boden liegende Heri, die alleine in unserem Lager schlief. Nein, nicht schlief, sondern bewusstlos war. Der Lärm um sie herum und das Feuer weckte sie nicht auf und sie war normalerweise sehr feinfühlig bei Lärm oder Feuer. Musste man mit Marna als Tochter auch.

Doch in meinem Kopf war meine NI‘JI…ehm…Frau wie ein Stein. Ihre Gesichtszüge waren wie eingefroren als unsere Höhle fast in Brand geriet. In ein seltsam einschläferndes Feuer. Schlafen wollte ich auch, aber dieser Mensch hindert mich. Aber vorher habe ich es selbst verhindert.

Während ich das beklemmende Gefühl nicht los werde, dass ich nicht alleine bin, renne ich zurück, den Blick auf den Wächter um nach Hause zu kommen. Irgendetwas stimmte nicht, ich musste zu Heri zurück. Und dann konnte sie mir sagen, was mit mir nicht stimmt, denn niemand kennt mich besser als sie. Bei ihr fühle ich mich voll, in ihren Armen.

Und gestern wollte ich zusammen mit ihr in ihren Armen einschlafen und noch mehr. Langsam scheint die Erinnerung zurückzukehren, währen ich zurück in die Daro-Ebene renne. Auf beiden Seiten sind hohe Gräser und ich eile über den steinernen Weg.

Während der Weg an mir vorbeizieht, kehrt der Moment zu mir zurück, bei dem ich an Arkas Stamm stehe und mich die Wut und die Scham über ihn und mich selbst ereilt und ich das Fallumikraut einnehme.

Ab dann fühlte sich alles wie ein Rausch an. Ich hatte das Kraut zu mir genommen und war aus der geheimen Höhle getapst. Da ich selber nur aus Büchern wusste wie lange es dauerte bis das Fallumikraut wirken sollte, hatte ich noch bisschen Zeit. Ich wollte für Heri endlich einmal ein Ork sein, den sie brauchte: stark und mächtig. Ich passierte die äußere Hauptkammer von Ti’Falun & Ta`Gelan, um wieder auf den Weg Richtung unserer Familienhöhle einzubiegen, als ich wieder an den beiden Wächtern der Höhle der Entweichten vorbeiging.

„Na, fertig mit dem Sammeln, hast du dein Weidenkörbchen nicht mitgenommen?“

Hier passierte das allererste Mal, dass ich dieses Dröhnen im Kopf bekam. Dieser dumpfe Ton, ein langgezogenes UUUUUU blockierte mein Gedächtnis. In dem Moment als ich reagierte, sprang mein Kopf ein Schritt weiter und ich befand mich weiter auf dem Weg. Ich drehte mich zurück und konnte aus der Ferne sehen, dass beide Wächter einigermaßen verdutzt dort standen. Kril kratzte sich den Kopf und Naval hatte seine Axt mit dem Haltestock voran in den Boden gesteckt. Warum fühlte ich mich bloß so gut und befriedigt? Hatte die Wirkung des Krauts schon begonnen?

Ich bog wieder zurück auf den leicht angelegten Weg, der verschiedene Höhlen und den zentralen Platz der Daro’Ebene, die Kriegsschmieden und ein kleine Lebensmittelallee und dem Aufstieg zum Trainingsplatz. Diesem verhassten Platz meiner Goi-Zeit. Gesäumt wurden diese Wege von doppel-mannshohen Eichen, die tagsüber im herbstlichen Rot erstrahlten. Aufgrund der Dämmerung, die mittlerweile schon die Nacht dringend ankündigte, waren die Eichen stille Beobachter meines geschwinden Gangs nach Hause.

Ich erinnere mich noch, dass es in mir kribbelte, laut der Beschreibung, dauert es bei Fallumikraut eine Stunde bis es seine Wirkung zeigt. Aber ich fühlte Das Kribbeln nicht im unteren Bereich meines Körpers, wo es seine Wirkung am ehesten durchziehen sollte, sondern auch in meiner Schläfe. Es pochte dort und rumorte. Einen kurzen Moment schaute ich mich um und dachte die Eichen wären eine Armee aus den kriegerischsten Orks, die sich zu einer Jagd aufmachten. Sie salutierten mir und standen stramm. Sie zeigten Ehrfurcht vor mir, so ein Gefühl hatte ich noch nie gehabt. Ist das die Wirkung des Liebeskratus? Vielleicht schmeichelte das den kriegsverliebten Orks so sehr, dass sie dadurch sich stärker fühlten.

Ich musste zugeben, dass ich dieses Gefühl noch nie so verspürte und es etwas Inneres in mir ansprach, was mich glücklich stimmte. Aber auch aggressiv.

Auf dem Weg nach Hause sah ich ein paar Männer und Frauen-Orks, die ebenfalls nach einer Jagd oder Übungen nach Hause wollten. Ich grüßte nicht, wie es für sich begegnende Orks gehört, aber ich wollte schnell nach Hause. Ich wollte doch noch eine neue Art von pflanzlichen Eintopf einsetzen und Heri in den Arm nehmen.

Heri hatte bestimmt schon ein Feuer angesetzt und das lager nett vorbereitet. Aus der Ferne sah ich die steinerne Mauer, die es Fremden unmöglich machte, von weitem in den Eingang unserer Höhle zu sehen.

Lichtschein tanzte aus dem Inneren der Höhle herüber. War da was passiert? Ich schlich langsam an die Vorhöhle, da ertönte schon ihre Stimme „Tarok’ti’Kendar, ti nomo Garo ta!“*

*“Tarok, du bist meins in Garo’tar, meine Liebe!“ der Satz „ti nomo Garo ta“ ist die Formel, wenn sich zwei Liebende, die den Familienverbund eingegangen sind und sich liebevoll begrüßen wollen. Wenn beide zusammen sind, ohne Kinder zu haben, begrüßen sich beide mit dem Spruch „Ti folto Garo, ta folte Garo“ was so viel bedeutet wie „Du und ich schaffen Gutes für Garo’tar“. Mit Gutes sind natürlich hier die Kinder gemeint, denn jede Beziehung in Garo’tar dient nur dem Zweck der Fortpflanzung. Jedwede Beziehung ohne Kinder wird im Durchschnitt nach zwei Umrundungen getrennt, da die Gesellschaft es wenig toleriert.

Heri’ti’Arka umarmt mich. Sie ist eine tolle Frau. Sie hat blonde Zöpfe, die hinten gestriegelt anliegen. Sie hat die blauen Augen ihres Vaters mit dem durchdringenden Blick geerbt und die Statur ihrer Mutter mitbekommen. Ihre Mutter ist etwas voluminöser, was Heri versucht nicht ebenso zu erreichen, weswegen sie öfters alleine im Wald trainieren geht, denn Frauen bi den Orks sollen eigentlich nicht kämpfen. Frauen sind für die Fortpflanzung in Garo’tar zuständig, ausser bei den Rot-Orks da sind die Frauen federführend. Aber auch in Daro wollen Frauen langsam auch gleichberechtigt an allen Aufgaben beteiligt werden. Aber in der orkischen Armee  von Daro gibt es noch keine Frau, soweit ist es noch nicht gekommen. Auch wenn Heri gerne etwas daran ändern würde. Insgeheim trainiert sie glaube ich Marna, die großes Interesse an Kämpfen und Rangeln hat.

Heute hat sie einen grünen leichten Mantel an der hinten eine kleine Kapuze hat, der vor Regen schützen soll. Im rechten Ohr hat sie einen Ring aus Etai, bei die Namen unserer Kinder und unserer beiden Namen mit einem kleinen Lagerfeuersymbol, das für Familie steht. Sie hat diesen betörenden Duft aufgelegt, den ich seit unserem ersten nahen Treffen nicht mehr aus der Nase bekomme und der an ihrem Körper an manchen Stellen noch  intensiver vorkommt. Der Duft ist eine Mischung aus Lavendel und Zimthölzern, die eine klitzekleine Note von Rauch mit sich zieht, der das ganz herber macht. Immer wenn ich das rieche erinnere ich mich vor allem an ihren ersten Blick bei den Trainings. Den ersten, den sie mir zuwarf, in der eine Mischung aus Faszination, aber auch leichtem Unglauben dabei war. Die Faszination kann ich bis heute eigentlich nicht genau erklären, aber der leichte Eindruck von Unglaube kam aus dem Grund, dass ich im nächsten Moment ordentlich von einem schwächer aussehenden Ork eins auf die Mütze bekommen habe. Beide Erinnerungen habe ich gut gespeichert. In schweren Zeiten kommt dieses Bild wieder hoch und ich frage mich, was sie an mir findet.

An unserem Röstfeuer liegt ein erlegter Ganji. Ein schwer zu fangender Großvogel. Sein großer Schnabel lächelt mich an, während sein Wanst nackt über dem Feuer gart. Er lächelt so zufrieden als wäre sein unvermeidlicher Tod eine Erfüllung gewesen. NUR EIN TOTER GANJI, IST DER RICHTIGE GANJI. Kurzes Dröhnen in meiner Erinnerung. Gerade fragte ich Heri noch, woher der Vogel kam, da lächelte sie mich an und schmiegte sich an mich. Dabei flüsterte sie mir ins Ohr, dass sie den Vogel mitgebracht hätte. Doch mit ihrem Blick verschwimmt ihr Bild und ein tiefes Seufzen macht sich in mir breit. Wie konnte ich sie zum Jagen losschicken? WIE KONNTEST DU SIE ZUM JAGEN LOSSCHICKEN?

Ruhe. Ich…merke wie in meiner Erinnerung wieder ein Zeitsprung sich vollzieht. Ihr Blick auf mich verblasst und ihr helles Gesicht verwandelt sich in das Feuer, das jetzt ohne Ganji dort steht. Die zwei Stöcke liegen ein wenig kokelnd vor sich hinbrennend im Raum, aber ohne das unsere Höhle in Gefahr wäre. Ich schaue mich um und bemerke, dass ich im Lager der Kinder liege und nicht in unserem gemeinsamen Lager. Heri liegt von mir abgewendet mit Fell bedeckt in unserem Lager und schläft wohl mit Gesicht zur höhlen Wand. Ich fühle unbändige Wut. Hatte ich kurz zuvor nur einen kleinen Stich in meiner Brust gehabt wegen des röstenden Vogels hatte ich das Gefühl mein Herz wäre vor kurzem geplatzt.

Und noch etwas fühlte ich. Meine Nervenenden kribbelten und in meiner Lendengegend reckten sich meine Genitalien in die Höhe. Ich tastete mich ab. Das Fallumikraut hatte angefangen zu wirken und zwar viel stärker als ich dachte. Ich musste zu ihr ins Lager, aber ich hatte das Gefühl ,das wäre keine gute Idee mehr. Ich hatte irgendwie den Abend zerstört. War es wegen des Vogels?

Ich rannte mittlerweile auf dem Weg, weil ich ein immer schlimmer werdendes Gefühl von Verzweiflung in mir aufkam, aber gleichzeitig wollte ich etwas anderem folgen, wie ein Mularpa seiner Beute.  Aber ich rannte nicht in die Richtung, die mein innerer Mularpa folgen wollte. Ich war in die falsche Richtung unterwegs. Ich versuchte etwas zu erreichen, als mich wieder die Erinnerung ergriffen.

Wieder lächelte mich Heri an. Diesmal aber hatte ich aber das Gefühl, dass ich selbst in einem kleinem Raum saß und durch einen Sichtschlitz mich selbst beobachten konnte. Ich war in dem Moment nicht mehr ich selbst. War das die Wirkung des Fallumikrauts? In diesen kleinen Raum gesperrt, war ich selbst nur Zuseher meines eigenen Treibens. Und was sich mir da als ein Schauspiel bot, war in höchstem Maße unangenehm.

Heri schaut mich an und ich entzog mich ihrer Umarmung. „Was soll das denn?“ fragte ich Heri mit einem strengen Blick. Sie selbst verwundert wich etwas zurück und fragte nach, was ich meine.

„Natürlich den Vogel, der auf dem Röststab über unserem Feuer schwebt. Hast du ihn gefangen?“

Heri atmete kurz unsicher ein und antwortete, dass das Ganze nur als Geschenk geholt hatte. Sie war heute, während ich im Geschäft war im Wald und ein Ganji war zufällig in ihrer Gegend. Da dachte sie es wäre ein tolles Geschenk.

Ich sprach in ruhiger Stimme „Aber Heri’ti’Arka, ich hatte vor selbst etwas zu kochen mit einer Mischung aus Kräutern…“

„Das kannst du gerne noch dazu machen, ich dachte ein bisschen Fleisch noch dazu und zwar nur für uns zwei kann…“

Ich war bis dahin ruhig, aber in diesem Moment sah ich zum ersten Mal einen ganz andere version meiner selbst vor Heri stehen. Ich baute mich mehr auf, was aus meinem kleinem Raum mit den Sichtschlitz irgendwie fremdartig wirke, denn ich war nie muskulös. Meine Augen starrten Heri nun unablässig an, als wollte ich ihr mit meinem Blick drohen. Ich erhob die Stimme.

„Eine Frau hat nicht zu jagen, das mache ich, Ni‘‘ji*! Ich hätte den Ganji den Hals umgedreht und vorher den Speer durch sein Hinterteil gejagt.“

* Ni’ji sagt ein Mann in der Daro-Ebene, wenn er seine Frau verniedlichen, aber auch in ihre Schranken verweisen will. Ni’ji heisst dabei herabsetzend, dass die Frau an das Lagerfeuer gehöre und ihr Wirkungskreis nicht größer sein sollte. Der mann habe das Sagen.

Heri beugte sich nach vorne, ich hatte nicht auf sie geachtet. WAS DACHTE SIE SICH? War ich zu harsch? WENN WAR ICH ZU WEICH!

Sie guckte wieder hoch und ihre Mundwinkel waren weit geöffnet, denn sie lachte herzig über meinen Satz. „Oh Tarok, wie lustig. Du klangst fast wie.“

Jedes Lachen, jeder ihrer Gluckser fühlte sich wie ein Stich in mein Herz an. Ich fühlte mich mehr als gekränkt. Besser ich sah wie ich gekränkt war, denn immer noch erstickte mich dieser gedankliche Raum ,in dem ich nur durch einen schmalen Schlitz und wie durch einen nebel die Szenerie mitansehen konnte. Jetzt wurde es grotesk. Es mutete wie ein Theater an, so nannten das Menschen in ihrer Welt, hatte ich gelesen. Dort stellten sich Menschen auf erhöhte Podeste und taten so als wären sie andere. So empfand ich das was ich da sah. Ich machte Theater.

Und jetzt kam das bittere Finale. Ich redete nicht mehr. Durch ihr Lachen brannte ich vor Wut, denn anders konnte ich es mir nicht erklären, dass ich versuchte den heißen Vogel vom Feuer hochzuheben. Dieser plumpste ein Stück  neben das Lagerfeuer. Heri stand an die Höhlenwand gedrückt und hatte schlagartig aufgehört zu lachen. Sie verfolgte mein Handeln.

Ich zog jetzt mit schleifenden Geräuschen den Vogel über den Boden und hinterließ eine Schleimspur vom nackten Fleisch des Ganjis. Am Höhleneingang stieß ich den Vogel wutentbrannt die Böschung neben der Höhle herunter. Der Vogel lachte in meiner Erinnerung nicht mehr, der Hals war nun mehrgebrochen, das Knacksen hatte man mehrmals gehört. Im dunklen Mondschein erkannte man nur den großen Schnabel, wie er aus dem Gestrüpp rausschaute und aussah als würde er gleich „Rettung“ rufen.

Ich stand und sah kurz dem Vogel beim Runterfallen nach und es machte mir großen Spaß wie dieses tote Tier unsere Höhle verließ. Es war ein Zeichen, dass sich meine Frau mit Dingen beschäftigte, die mir zustanden. Das ging durch meinen Kopf als wären es nicht meine Gedanken. Natürlich wollte ich ihr ein guter beschützender Mann sein, aber diese Rohheit meiner Aktionen verstand ich nicht. Der Sichtschlitz meines gedanklichen Gefängnisses wurde nur noch kleiner. Ich hatte in meiner Erinnerung gar keine Kontrolle mehr über mich selbst. Ich erspähte nur noch wie ich zurückstapfte und wie ein Gefühl der Stärke, nenne wir es ganz plump Geilheit übermannte. Unter meinem Lederschurz stieg das Blut in meine Leistengegend, mir wurde warm. Statt der entfachten Wut durch ihre Anmaßung war ich jetzt einfach nur noch eine Ausgeburt des Fortpflanzungstriebes. Ich ging auf Heri zu, mit dem Gedanken ihr den grünen Mantel vom Leib zu reißen.

Ich sah nicht mehr viel, nur noch wie ich an den grünen Mantel griff und versuchte zu zerren und dann spürte ich wie ihre harte Faust in mein Gesicht fuhr. Es war dunkel um mich herum. Nach einem kurzen Sturz ins Schwarze war ich wieder im Lager der beiden Kinder und Heri lag abgewandt von mir.

Das Gefühl, dass ich zuviel Fallumikraut genommen hatte, stieg in mir auf. Als ich aufwachte hatte ich neben des Gefühl einer tanzenden Libido in meinem Körper, ein Gefühl von Schuld. Was hatte ich nur getan? Ich konnte mich in dem Moment nicht daran erinnern, was passiert war, wie ich es jetzt tat. Doch immer noch, während ich den Weg durch die Grassavanne zurücklegte, fühlte es sich nicht so an als wären es meine Erinnerungen.

Ich versuche aufzustehen aus dem Kinderlager, aber ich kann nicht. Ich fühle mich zu schwach. Mein Glied schmerzt so vollgepumpt mit Blei ist es, dass ich nach nur wenigen Augenblicken fast wieder einschlafe. Doch es ist nicht nur das Gefühl in meiner Lende, nein, auch die Atmosphäre in der Höhle lädt zum Einschlafen ein. Erst jetzt fiel mir auf, dass die Höhle grün leuchtet. Das Feuer es ist so grün als brennt Heris Mantel. Hatte ich ihn etwa ins Feuer geschmissen?

Als ich das Feuer erblicke, sehe ich ihn plötzlich. Einen in dunklen Leinen gehüllten Menschen. Nur seine große Nase und seine durchdringenden schwarzen Pupillen sind im Licht des grünen Feuers erkennbar. Er hat seine untere Gesichtshälfte vermummt, ebenfalls in schwarzen Leinen. Er beobachtet mich. Er schleicht zu Heri herüber. Ich muss ihr helfen.

Er geht zu ihr, sie liegt immer noch abgewendet. Ich kann ihren Kopf kurz aufrichten sehen, doch er bläst ihr ein Pulver ins gesicht. Es schimmert kurz grün wie ein Lichtstrahl und Heri sinkt zurück. Diesmal sehe ich ihr Gesicht. Sie sieht aus wie der Ganji vor dem Höhleneingang, den ich weggeschmissen habe.

Ich muss zu ihr. Der Mensch schleicht zu ihr und packt sie an den Armen. Kurz erkenne ich wie eine weitere person reinkommt. Sie wollen sie wegnehmen. Ich kann nicht weiter zusehen, ich richte mich schnell auf. Jedenfalls versuche ich das. Dieser grüne Dunst hat mich so schläfrig gemacht und das Fallumi sowie Heris Schlag haben mir zugesetzt.

Torkelnd stehe ich auf und bin mehr schlecht als recht auf den Beinen. Der Schwarzgehüllte hat Heri immer noch an den Armen, sie ist ihm zu schwer. Als er mich aufrecht stehend sieht, zuckt er keinen Moment. Er kann aber kein Pulver in meine Richtung sprühen, trotzdem scheint er kurz abgelenkt zu sein. Er schaut zu meinem Lederschurz aus dem mein Genital heraussticht. Das scheint ihn für einen kurzen Moment zu verwirren. Sein Helfer kommt zurück, auch der ist in Leinen verhüllt. Er trägt einen Speer und hält mich auf Abstand, indem er ihn in meine Richtung hält.

Nötig ist es nicht, denn mir schwirrt der Kopf und ich kippe seitlich um mit Blick zum Höhlenausgang. Beide schleifen Heri heraus, sie stoppen irgendwie ganz kurz. Bevor ich zu Boden gehe, sehe ich noch wie der kleinere schwarzverhüllte Mensch ein Pulver in Richtung des Größeren. Heri hängt in der Mitte in den Armen und wird an etwas befestigt. Zum Schluß macht es ein lautes Poff in meinen Augen und ich sehe bevor meine Erinnerungen mich verlassen, wie die beiden schwarzen Gestalten einfach immer größer werden.

Die Schwärze verlässt mich relativ schnell. Heri ist weg. HOL SIE ZURÜCK! Ich muss sie zurückholen. Ich erwache. Das Lager ist durcheinander, an dem Lager liegt irgendetwas. Ein Block, den Menschen benutzen. KEINE ZEIT ZUM LESEN, LAUF! Ich sehe nur kurz, was für ein Blödsinn darauf steht, warum sollten die Menschen einen Block hierhin werfen. Egal. Und ich dämmere weg. ich wurde wieder in den kleinen Raum gesperrt, Sehschlitze. Nicht ich erwache, ein anderes ich wie bei meinem Streit mit Heri. Es war kein Streit mit mir.

Er erwacht. Er taxiert die Umgebung. Die Fährte wird aufgenommen. Ich muss los, denn die Erkenntnis trifft mich wie ein Schlag, Heri wurde von Menschen entführt. NIEMAND NIMMT MI TA WEG! Heri ist meine Frau. TA. Ich sprinte, mein Körper sprintet, die Spuren sind noch da. Zwei Pflüge parallel haben den Weg leicht gepfrecht aber nicht auf dem hauptweg. Durch Gräser geht es weiter. Die Dunkelheit zieht an mir vorüber. An ihm. Und schließlich renne ich an zwei Orks an Daros Ortsausgang zu. Ich renne sie fast um, diese WÜRMER! Ich renne immer weiter, ich weiß nicht wieviel Zeit Abstand mittlerweile zwischen mir und den Entführern ist.

Ich kann nicht mehr, aber SIE IST meine Frau, ich muss sie wiederholen. NIEMAND KRÜMMT MEINEM HERZ EIN STÜCK! ICH WERDE SIE ALLE TÖTEN!

Mein Körper kommt nicht mehr mit, diese Art zu rennen, ich bin nie im Training gewesen. Mir flimmert die Umgebung vor den Augen, ich bin da angekommen, wo ich vorhin aufgewacht bin. Und jetzt weiß ich warum ich hier gelandet bin und nicht weitergegangen bin. Ich rannte auf jemanden zu, der im Grasland in der Ferne stand.

Sein blutroter Helm aus dem seine Hörner hervorstechen, seine Etai-Schulterpolster und die prächtig geschmückte Kriegsrüstung erkannte ich sofort wieder. Sein Kopf darunter hatte kein Fleisch, sein Skelettkopf bewegte seinen Unterkiefer und entließ mit dem dröhnen brachialen Ton, den nur er drauf hatte einen Satz: LAUF WEITER, DU WURM! Und in dem Moment brach ich zusammen und mein Kopf dröhnte wie ein Nebelhornkonzert.

Gerak’ti’Karan

Ich stand mit den beiden Kindern im Vorraum der Höhle. In der nahenden Dämmerung des Tages erkannte ich eine ganz dezente Schleimspur, die vom Hauptraum nach draußen führte. Sie roch nach Vogel, vielleicht Ganji. Aber nur sehr schwach. Die Spur führte draußen links zur tieferliegenden Böschung. Ich lugte vorsichtig heraus und fand nichts. Im Gebüsch selber gab es eine Einbuchtung als hätte dort etwas gelegen. Hatte der Eindringling einen Ganji die Böschung runtergeworfen? Warum sollte er das tun?

Aber ich hatte Romis Frage nicht beantwortet. Die Kleine stellte eine wichtige Frage in den Raum, die ich wahrscheinlich am einfachsten mit „Reflex“ beantworten konnte, aber das verstehen die zwei nicht.

Romi starrt mich dabei so fragend an, ich kann mir vorstellen, was ihr durch den Kopf geht. Denselben Gesichtsausdruck hatte ich vor sehr vielen Jahren bestimmt auch in meinem Gesicht.