Archiv der Kategorie: Graphic Novel

In Wellen in den Tod – Meine Tassen im Schrank – Graphic Novel Rezension

Kennst du das auch, dass dir an einem Tag alles gelingt und du bekommst das Gefühl du stehst über allen? An anderen Tagen fühlt es sich an als würde dein Leben von einem verstimmten Klavier begleitet werden, missgestimmt und nichts funktioniert? Diese Tage kennt jeder, aber es gibt Menschen bei denen sind diese Phasen um einiges krasser. Zu diesen Menschen gehört Ellen Forney und vielleicht auch….

Du.

Und ich….

Das Cover von Meine Tassen im Schrank von Ellen Forney
Das Cover von Meine Tassen im Schrank von Ellen Forney

Gedankenspiele rund um psychische Erkrankungen

Die Graphic Novel „Meine Tassen im Schrank“ hat als Thema „Bipolare Störungen“. Ein sehr ernstes Thema, so wie Depressionen und Leidensdruck bei Menschen. dass in unserem Land nur stiefmütterlich behandelt wird. Wie soll man sich das auch vorstellen? Bei einem körperlichen Schaden geht man zum Arzt und der versucht mit entsprechenden Maßnahmen den offensichtlichen Makel zu beheben.

Was aber machen Menschen mit psychischen Problemen? Man sieht es Ihnen ihr Leiden nicht an, wenn man nicht gerade Tourette-Syndrom hat. Symptome von Tourette werden gerne mal auf das Schreien von „Ficken! Arschloch!“ reduziert. (Dazu hier der Link zu einem interessanten Video, in dem ein Torette-Kranker gefragt wird, ob er mit seiner Krankeit provoziert)

Du bist verrückt
Auschnitt aus der Graphic Novel „Meine Tassen im Schrank“ – Ellen Forneys Gedankenwelt bei ihrer Diagnose

Aber eine bipolare Störung sieht man den Leuten nicht an. Viel eher kennt man diesen einen Typen, der so lustig ist oder den anderen Typen, der immer die Stimmung so runterzieht. Was wäre, wen das ein und dasselbe Person ist, nur an zwei verschiedenen Punkten seines bipolaren Verlaufs.

Bipolare Störungen: Von der eigenen Manie in die Depression

Bipolare Störungen sind ein Wechselbad von einer Manie, die sich durch eine übertriebene Euphorie, sozusagen eine Hoch-zeit, in der man aufgrund seines überdrehten Zustandes nur eingeschränkt für den Alltag zu gebrauchen ist

und

einer Depression, die sich bekanntlich durch traurige gelähmte Stimmung, die bis zu Suizidgedanken gehen könen, und das Gegenteil der Manie darstellen. Auch während der Depression ist man aufgrund einer Antriebslosigkeit nur sehr bedingt für den Alltag zu gebrauchen.

Und diese beiden Phasen erleben Betroffene wie in einer Achterbahn. Von einer hohen alles verzehrenden Manie bis zu einer die Person runterdrückende Depression. Und Ellen Forney ist eine Betroffene und hat ihre Erfahrungen mit bipolarer Störung in der Graphic Novel niedergezeichnet.

Zeichnungen einer Gefühlsachterbahn bei einer bipolaren Störung aus Meine Tassen im Schrank
Zeichnungen einer Gefühlsachterbahn bei einer bipolaren Störung aus Meine Tassen im Schrank

Weitere Infos zu dieser Krankheit findet ihr auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen e.V. Dort gibt es ein paar PDFs mit Infos zu dem Thema und auch deren Behandlung, für Interessierte eine gute erste Anlaufstelle.

Der Fall Ellen Forney: Meine Tassen im Schrank

Ellen Forney ist eine Comiczeichnerin (Ausschnitte ihrer Arbeiten auf ellenforney.com (engl.)), die in dem Graphic Novel ihr Leben mit der bipolaren Störung und deren Behandlung schildert. Der Band ist sehr gut aufgemacht, denn selbst die Aufteilung der Geschichte spiegelt diese sozusagen zweiphasige Krankheit gut wieder.

Die Hälfte des Bandes erleben wir Ellen als manische Person und in der anderen Hälfte als depressive Person. Ok, der Band hat 250 Seiten ungefähr und die Aufteilung ist 100 Seiten Manie und 100 Seiten Depression. 50 Seiten drehen sich sozusagen, um ihre endgültige Auseinandersetzung. Zu Anfang der Geschichte ist die Autorin wirklich aufgedreht und macht unglaublich über die Grenze gehende Sachen. Dazu gehört eine Mega-Geburtstagsfeier oder ein Fast-Nackt-Shooting mit anschließenden spontanen Lesbensex. Ellen Forney empfindet diese Phase selbst als ergiebig und sie sei auf dem Höhepunkt.

Ellen Forneys Zeichnung aus einer depressiven Phase, wie sie im Sofa gefangen ist
Ellen Forneys Zeichnung aus einer depressiven Phase, wie sie im Sofa gefangen ist

Gleichzeitig bespricht sie sich mit ihrer Therapeutin und die warnt vor der depressiven Phase. Doch Ellen denkt, dass die manische Phase für die depressive Phase vorsorgt. Im Laufe des Buches holt Sie die Phase ein und natürlich funktioniert ihre Taktik nicht. Und ihre Erkrankung versucht sie dann mit ihrer Therapeuten zu lösen, vor allem auch über die richtigen Medikamente. Im Laufe des Bandes ist es das wichtige Ziel die richtige Medikation zu finden und die Nebenwirkungen zu minimieren.

Ein Künstler muss verrückt sein! Aber auch bipolar verrückt?

Jetzt kommt eine weitere Komponente bei Ellen Forney hinzu, denn sie ist eine Comiczeichnerin, sprich eine Künstlerseele. Darum steht sie den medikamentösen Behandlungsmethoden skeptisch gegenüber, denn die Medikation würde ihre Kreativität einschränken. Und das sind die Dinge, die viele Künstler auch noch hier typischerweise, dass Künstler nur gut unter Schmerzen und Leid sind. Und dieser Kampf mit ihrer Kreativität und ihrer Krankheit ist neben ihrer persönlichen Erfahrung eine weitere interessante Ebene, die sie öfters mal anspricht.

Skizze aus "Meine Tassen im Schrank"
Skizze aus „Meine Tassen im Schrank“

Als Leser haben wir an diesem Dilemma, aber auch vielen anderen eine sehr intime Einsicht. Diese autobiografische Geschichte ist schonungslos offen und dient somit als sehr mitnehmende Geschichte zum Thema psychische Erkrankung.

Wie erzählst du uns deine Geschichte, Ellen Forney?

Die Autorin hat viel zu sagen, natürlich gibt es sehr viele Kleinigkeiten, in die sie sich verliert aber eine Textlastigkeit bei Graphic Novels ist nicht schlimm. Schließlich widmen sich Graphic Novels des Öfteren sehr komplexen Themen, die nicht alleine durch das Bild übermittelt werden können. Neben dem vielen Text gibt es aber auch sehr schöne wortlose Panels, in denen sie zum Beispiel Ellen sich total in ihre Couch zurückzieht, um ihre Haltung bei der Depression darzustellen. Der Hauptcomic wird zwischendrin von gezeichneten (ich denke echten) Skizzen unterbrochen, aus denen sich anhand des Stils und dem Motiv viel herauslesen lassen kann.

Im Gegensatz zu meiner „Wer ist hier die Mutter?“-Rezension bin ich hier von einem sehr eindringlichen Thema begeistert. Ellen schildert es sehr persönlich und bringt immer an den richtigen Stelen Fakten und Theorien, die nie stören. Die Zeichnungen sind sehr schön dynamisch und das Fehlen von Farbe stört kein Stück. Im Strich von Ellen Forney lässt sich sehr viel herauslesen.

Bipolar und du?

Ich muss zugeben beim Lesen habe ich einige Sachen wieder erkannt an mir selber. Auch ich kenne diese Phasen großer Euphorie, aber auch die Kehrseite. Aber bei mir haben sich nie suizidale Tendenzen eingeschlichen, trotzdem hat mich diese Geschichte berührt und in mir etwas bewegt. Vor allem diese nahe Beschreibung dieser Krankheit fand ich sehr interessant und hat so sehr mein Interesse geweckt, dass ich mich zu diesem Thema näher informiert habe. Und was kann es Besseres geben, als wenn eine Erzählung ein Thema in den Mittelpunkt stellt, dass ich sonst nicht so auf dem Schirm gehabt hätte.

Ich bedanke mich bei Ellen Forney für diese tolle ergreifende Geschichte und kann diese nur weiterempfehlen.

Bewertung: 10 / 10

Link zum Produkt:Meine Tassen im Schrank: Depressionen, Michelangelo und ich

Dieser Artikel ist gehackt! Wizzywig Rezension

 

Und hier mein leicht geändertes Coverbild von Wizzywig aus dem Leben eines Hackers
Und hier mein leicht geändertes Coverbild von Wizzywig aus dem Leben eines Hackers

 

Hallo mein Name ist Ed Piskor. Ich bin Autor der Graphic Novel „Wizzywig – Aus dem Leben eines notorischen Hackers“. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten, aber wenn Sie meinen Comic lesen, dann werden Sie die Anfänge des Hackens kennenlernen.

Danke Ed für diese unangebrachte Werbung! Möchten Sie das wirklich wissen? So hat alles angefangen mit Edward Snowden, Julian Assange, Anonymous und Timmy, der Hund, sie sind die besten Freunde Yeaaah! Tschuldigung, kurze Abschweifung zu meinen fünf Freunden.

(Falls die NSA mitliest, es handelt sich lediglich um eine Comicrezension;)

Die Grundlage des Hackens

Das richtige Cover von Wizzyig
Das richtige Cover von Wizzyig

Was ist die Grundlage des Hackens? Nun ja, es ist nichts anderes als alles andere: Jemand schlägt einen Vorteil aus einer Situation, die andere vielleicht nicht gesehen haben, beim Hacken halt mit ungesetzlichen Mitteln. Schön ist das nicht, man sollte sich aber auch nicht erwischen lassen. Kevin Phenicle, auch Boingthump genannt, habe ich mir aus den Rippen geschnitten, wie Adam Eva. Nur habe ich ein gutes Stück Rippe erwischt, haha. Naja, im Endergebnis sieht es dann wieder aus. Boingthump ist von Beginn an ein Nerd. Soziophob und fanatisch darin Mailboxen zu knacken. Denn Anfang der 70er waren die das große Ding.

Kein Ende finden – wie dieser Artikel

Es fängt klein und harmlos an, da mal nen Telefon anzapfen, hier mal ne Nummer klauen und schließlich mal die richtig Großen bescheissen. Die Telefongesellschaften. Und schließlich kämpft Kevin Phenicle um seine Freiheit, auf der Flucht vor einem besessen CIA-Agenten und sich selbst. Hui, wie poetisch.

Boingthump erhält einen PC zum Geburtstag. Jubel Jubel Freu Freu!
Boingthump erhält einen PC zum Geburtstag. Jubel Jubel Freu Freu!

Das Schicksal von Kevin und des Erzählers, der Freund von ihm, ist höchst interessant und zeichnet die Biografie eines manisch Süchtigen, in einer Zeit, in der die Hysterie vor sogenannten Hackern ähnliche Züge angenommen hat die Kommunistenhatz während der McCarthy-Ära.

Der Comic ist in einzelne Kapitel eingeteilt und jede Begebenheit kriegt eine Art Titel im ersten Panel, was den Lesefluss sehr positiv unterstützt. Natürlich ist dieser Comic sehr textlastig, denn es beschreibt technische und soziale Zusammenhänge sehr, ich finde es in diesem Fall aber nicht störend.

Kevin Phonicle auf der Flucht vor dem FBI
Kevin Phonicle auf der Flucht vor dem FBI

Binär gezeichnet: zwei Farben reichen aus

Graphic Novel typisch ist der Band schwarz weiß gehalten. Der Stil ist leicht naturalistisch und passt zur Geschichte. Anfang dachte ich was der Comic doch für ein textlastiger Schinken ist, aber beim Reinlesen vergass man das völlig. Also klarer Plus-Punkt für Wizzywig.

Endspiel

Zum Schluß braucht man eigentlich nur zu sagen…………………………. Diese Rezension ist gehackt, ich bin es nochmal Ed Piskor. Dieser Fatzke hier muss seinen Senf nicht ablassen. Überzeugen Sie sich selbst. Los, kaufen Sie mein Werk oder ich muss wieder Telefone anzapfen gehen. Hier können Sie mein Produkt kaufen:

Wizzywig: Das Porträt eines notorischen Hackers

Ihr Ed Piskor

(Natürlich nicht, ich habe dem guten Ed Sachen in den Mund gelegt, die er so nie gesagt hat)

Bewertung: 8 / 10

Islam = Feind? Nee, Scientology wartet schon auf Sie: „In der Sekte“-Comic-Rezension

In der Sekte Cover
In der Sekte Cover

 

An einigen Stellen in der deutschen Medienlandschaft könnte man das Gefühl bekommen, der Islam will uns allen ans Leder. Dabei sind das immer nur Splittergruppen, also depperte Moslems mit Minderwertigkeitskomplexen. Was aber passiert, wenn eine gesamte Religion nur aus solchen Menschen besteht? Dann nennt sie sich Scientology und zieht Menschen das Geld aus der Tasche. Und das ist vielleicht nicht das Schlimmste.

Auf dem Weg in die Falle

„In der Sekte „ ist ein Graphic Novel aus einem kleinen Schweizer Eigenverlag. Dieser erzählt die Geschichte von Marion, die durch Schicksalsschläge in die Arme von Scientology gelaufen ist. Es fängt an mit den typischen Einsteigerkursen, in denen erst einmal Marion per Persönlichkeitstest attestiert wird, dass sie Probleme hat. Im nächsten Schritt kommt sie zu den wichtigen Kursen, in denen das Elektrometer an Marion ausprobiert wird.

Das Elektrometer schlägt immer dann aus, wenn Marion über ihren Vater redet. Und sie freundet sich gleichzeitig mit der sogenannten Auditorin an. Marion wird  immer wieder ausgefragt. Sie schlägt sich sehr gut und fällt den anderen in der Organisation auf. Sie wird zur Zentrale nach Kopenhagen gerufen. Im Laufe des Bandes werden in aller Kürze Marions Seelenlage beschrieben. Und da liegt das Problem: in aller Kürze.

Ich mag es gern üppig – auch beim Scientology-Bashing

Ich mäkel ungern rum, bei so einem aufklärerischen Werk, aber ich habe mir mehr Ausführungen gewünscht. Für einen Preis von 14,95 sind knapp 100 Seiten mit spärlichem Informaterial etwas wenig im Preis-Leistungsverhältnis. Die Schilderungen der Erfahrungen mit Scientology sind eindringlich und interessant erzählt. Allein mehr Hintergründe hätten mich interessiert, ein bisschen mehr Einblick in eine Organisation, die es – weiß Gott – nicht gerade gut mit Menschen und deren Geldbörse umgeht.

Marion wird von den obersten Scientologen verhört
Marion wird von den obersten Scientologen verhört

Man stelle sich vor Tollkien wäre ein Prophet!

Denn Aufklärung ist wegen Scientology dringend nötig. Hinter dem durchorganisierten Seelenfang steckt eigentlich ein hanebüchener Ansatz von Pseudo-Religion, dass es einem die Nackenhaare sträuben lässt. Begründer der Quasi-Religion ist Ron L. Hubbard, der seine Ansichten und die dazugehörige Organisation fußt auf zwei Reisen von ihm in den Himmel. Beim ersten Mal hätte noch alles schön ausgesehen, Milliarden später danach sei der Himmel dem Chaos verfallen. Scientology möchte den Himmel dabei unterstützen gegen die chaosproduzierenden Xenu vorzugehen und dafür müssen die Anwärter-Scientologen viele Kurse absolvieren. Diese kosten wiederum natürlich Geld, was als das Hauptanliegen von Scientology angesehen werden kann.

Und wenn man sich den oberen Teil durchliest, klingt es wie eine Sci-Fi-Saga par excellence. Man stelle sich das nur mal für Herr der Ringe vor, wenn Gandalf, beeinflusst durch den Ring, seine treugläubigen Anhänger-Hobbits Sauron als Happa-Happa vorbeibringt. Ich finde ein nahezu passender Vergleich und ihr könntet der nächste Hobbit sein!

Sich klarmachen, dass seine Kindheit vor lauter Scientologen wimmelt

Vor allem eins macht mich fertig. Wieviel Stars, die uns sehr bekannt vorkommen, sich in dieser Sekte tummeln. Das bekannteste Beispiel ist ja wohl Tom Cruise und leider auch Will Smith. Oder Kerry aus King of Queens. John Travolta. Die Liste ist beliebig erweiterbar und tut weh. Warum fallen so sympathische Menschen auf so einen Müll rein? Unfassbar und das macht mich so ärgerlich.

„In der Sekte“ ist Stein des Anstoßes

Trotz meiner Kritik an der Kürze des Bandes, dient dieser Comic einem guten Zweck. Er lässt einen Aufhorchen gegenüber einer sich harmlos gebenden Organisation mit obskuren Absichten. Er lässt sich gut lesen, hätte aber wie gesagt, ein wenig mehr Hintergrundinfos vertragen können.

In der Sekte: Marions Verhörer fällt nichts mehr dazu ein
In der Sekte: Marions Verhörer fällt nichts mehr dazu ein

Bewertung: : 7 / 10

Positiv:

–          Interessantes Thema eindringlich geschildert

Negativ:

–          Zu kurz

The Lamb of the Wall Street – Scheitern als Erfolg von David Cantolla – Comicrezension

Cover von Scheitern als Erfolg

Man ist zwar nicht tot, aber es fühlt sich trotzdem an wie einer. Die Insolvenz eines typischen Dotcom-Unternehmens ist der exotische Gegenstand dieser Graphic Novel aus dem Hause Egmont Graphic Novel.

Zurückgespult und Abgewickelt

Zu Anfang wird man in die gegenwärtige Situation des Unternehmers geschmissen, die kurz zusammengefasst mit „am Arsch“ relativ gut beschrieben wäre. Weder Kontakte noch Geld als wichtiges Mittel in einer hoch technologischen Branche besitzend, gibt der Autor David Cantolla sein allerletztes Geld aus.  Was dann in den späteren Seiten sich raus entwickelt ist eine rückwärts erzählte Geschichte vom Niedergang bis zum Erfolg und den Anfangswehen einer Firma, die irgendetwas mit Internet machte. Und das zu Zeiten der sogenannten Dotcom-Blase.

Internet und Geld weg

Rund um die Zeit der 90er bis 2000er als das Internet populärer und Mobiltelefone gängiger wurden, spekulierten ziemliche viele Börsenanleger auf einen Hype, d.h. dass die neuen Startups im neuen Technologiebereich hohe Gewinne abwerfen sollten. Die Anleger waren so verblendet, dass der Absturz nicht weit entfernt war und das wurde als Dotcomblase bezeichnet.

Seite aus Scheitern als Erfolg

The lamb of Wall Street

Natürlich ist auch der Autor dieses Comics kein eindeutiges Lämmchen, aber er ist auch nicht das, was Leonardo DiCaprio im Wolf of Wall Street darstellt. Konfrontiert mit den überbordenden Exzessen seines Unternehmens kommen David Cantolla erste Zweifel. Die Zerrissenheit in dieser Zeit, moralische Zweifel, die Freude über das Geld bestimmen neben Wut und Depression über den Verlust diesen Band. Garniert wird die Geschichte selber durch Lektionen eines Meister Yan, der Hilfe zur Selbsthilfe gibt mit interessanten Metaphern.

Eine runde Sache – graphisch und auch erzählerisch

Neben der Geschichte sind die Zeichnungen etwas individueller. Statt Realismus findet man hier eine Mischung aus vermenschlichten Tieren und einer interessanten Nasenstruktur. Zwischendurch musste ich an zweidimensionale Holzschablonen denken, die miteinander sprechen. Wenn wir bei dem Bild bleiben, dann hätten diese Holzschablonen Moos angesetzt, denn durchgängig sind neben Weiß und Schwarz ein Grünton. Trotzdem lenkt bei dieser durch und durch mit vielen Infos gespickten Geschichte der Stil nicht von den Botschaften ab und lockert die manchmal doch etwas trockene Informationswiedergabe auf.

Ein Schicksal mit guter Botschaft

David Cantolla zeigt uns in seiner Graphic Novel, dass aus einem großen Scheitern trotzdem etwas gutes Neues entstehen kann. Neben der subjektiven Geschichte werden die Parts mit Zusatzinfos schön aufgelockert und die innovative Reihenfolge das Ganze rückwärts zu erzählen ist auch eine sehr gute Idee. Kaufempfehlung im Quadrat, also nicht vor der Kasse scheitern!

Bewertung: 9 / 10

Positiv:
– innovative Erzählweise
– interessante Infos
– Emotionale Geschichte mit schöner Botschaft

Negativ:
– An manchen Stellen zu viel Infos, wirkt dann etwas trocken

Link zum Artikel: Scheitern als Erfolg: Kung-Fu für Unternehmer

Und wenn dein Schweinehund es besser weiß? Rezension von Sascha Hommers "Vier Augen"

Vier Augen – Cover


Du sitzt rum, ziehst dir ein bisschen Gras rein und fährst dein Leben gegen die Wand. So oder so ähnlich könnte man die gesamte Coming-of-Age-Literatur beschreiben. Und mit „Vier Augen“ beschreitet Sascha Hommer diesen Weg. Wir begleiten ihm mal ein Stück.


Wohin mit mir?


Wir bewegen uns im Rahmen des autobiografischen Kosmos des Autors. Eingerahmt wird die Geschichte von Sascha, der mit seinem imaginären Hund spricht und ihm die Geschichte erzählt, wie sie sich kennengelernt haben. So einen imaginären Hund muss man ja erstmal kennenlernen.


Rauchen, Drogen nehmen, Rummachen und von vorn


Den Hauptteil der Geschichte macht Drogennehmen, Rummachen und Drogen nehmen aus. Also Ansätze einer ganz normalen Pubertät. Man erfährt wie die Figur seine erste Freundin bekommt und wie sie auseinandergehen. Tja, ohne zuviel zu verraten, war es das eigentlich auch. Und hier bin ich am Ende meines Lateins oder vielleicht auch meines Verstehens. Was will man mir dann jetzt eigentlich erzählen? Das Zuviel Drogen nehmen schlecht ist Das Pubertät anstrengend ist? Ich komme nicht dahinter. Klar steht der Hund für eine hochgeistige Metapher und zwar des Loslassens. Aber ich meine, mit gebührendem Respekt vor dem Werk, das kennt man doch schon.

Vier Augen- Beispielseite

Zeichnungen passen zu einer Graphic Novel


Ehrlichgesagt passen die Strichzeichnungen klar zu einem autobiografischen Graphic Novel. Man erkennt alles und die Striche geben eine schön unsichere düster geprägte Welt wieder. Nur leider haut mich die Geschichte nicht um. Und mehr fällt mir dazu auch leider nicht ein. Ich habe mich aber mal erkundigt und ich es immer pauschal nicht so optimal finde ein Werk zu verreissen und damit den Geschmack für weitere Sachen von dem Künstler zu verderben, verlinke ich hier mal zu Sascha Hommers Homepage. Dort finden sich einige Projekte, die ich weitaus interessanter finde.

Bewertung: 4 / 10

Positiv: 
– Zeichnungen passen

Negativ:
– Geschichte ist öde und auch nicht ganz verständlich was sie will

Kolumne: Du liest Graphic Novels!



Cover von Scott McClouds „Comics neu erfinden“

Der dicke Superheldenleser, der arrogante Franko-Albenleser, die zahnbespangte BoysLove-Mangaleserin. Da sind sie alle vereint – die heutigen Comicleser. Wer sind aber die Leser von Graphic Novels? Etwa Du?

Hier folgt jetzt ein locker gehaltene Kolumne zum Thema Comics und dem Begriff Graphic Novel, d.h. es wird nicht zu wissenschaftlich fundiert, sondern bildet eher eine Anregung zur Diskussion.

Auslöser ist das Nichtwissen

Der Startpunkt für eine Beschäftigung mit dem Thema Graphic Novel, ergab sich für mich beim Gratis-Comic-Tag. Meine Begleitung für den Tag kam an dem Referenztitel für Graphic Novels schlechthin vorbei, nämlich Maus. Ihre Reaktion auf den Titel war offenkundiges Nichtwissen und ein bisschen Unverständnis, dass es einen Comic über den zweiten Weltkrieg geben kann. Das war mein emotionaler Startpunkt, bei dem ich mich fragte, ob ein Comic über den 2.Weltkrieg so offenkundig übersehen wird von Nicht-Comic-Nerds.  Aber bei meiner Begleiterin lag das vielleicht auch an ihrem Alter, sie war fünf Jahre jünger und ist vielleicht zusätzlich eine Generationenfrage.

Der zweite Punkt ist sachlicher Natur und kam in Form einer Pressemitteilung der Egmont Verlagsgesellschaften. Auch Ehapa verlegt nun unter dem eigenen Label „Egmont Graphic Novel“ die gleichnamige Produktart. Als ich diese Meldung sah, fragte ich mich, wer Graphic Novels liest. Und damit wären wir beim beinahe beim Kern dieser Kolumne. Denn wie bei jedem Erwähnen des Begriffs Graphic Novel entbrennt die Diskussion nach der Frage, was hinter dem Begriff steckt. Ich versuche mich kurz zu halten, die Diskussionen darum, kranken ja des Öfteren an ihrer Länge ihrer Beiträge.

Graphic Novel – Ein Buch mit sieben Panels

Das es lange vor Maus schon Geschichten mit Tiefgang oder historischem Motiv gab, lässt sich nicht bestreiten. Nur hier in Deutschland brauchte die Auferksamkeit der Massen ein passendes Thema. Als Beispiel für die tiefsinnigeren Geschichten vor Maus, sei hier der Artikel über den Autor „Keji Nakazawa“ in der zweiten Ausgabe des Comicmagazins Alfonz erwähnt, in dem auf Seite 39 der Verlagsleiter Humann zitiert wird, der davon berichtet, dass trotz des ersten Mangas mit historischem Schwerpunkt auf den Atombombenabwurf in Hiroshima, die deutsche Öffentlichkeit davon wenig Notiz genommen hat. Salopp gesagt, hat es wohl einer deutschen Tragödie bedurft um die deutsche Leserschaft aufzurütteln, da ist der 2.Weltkrieg natürlich naheliegend. 

Naürlich brach das eine Diskussion vom Zaun über das Medium, wie auch der in Wikipedia referenzierte Artikel „Darf Holocaust im Comic verarbeitet werden?“ in der Gießener Zeitung so zutreffend mit der Überschrift beschreibt. Und hier ist eigentlich das ganze Dilemma. Seit dem Erscheinen des Comicstrips Yellow Kid in den amerikanischen Tagesblättern, ist der Begriff für die umgangssprachlich genannten Bildergeschichten Comics. Leider liegt in dem Sammelbegriff schon das eigentliche Problem, denn der Begriff Comic deutet schon etwas Komisches an. Die Ursprungsgeschichte von Comics zementiert bis zu Maus den Status als Kindermedium oder bestenfalls Medium für junge männliche Erwachsene. Mit dem Begriff Graphic Novel wird versucht dieses Image abzustreifen und hierfür ein neues Publikum zu erschließen.

Missbrauch an der Graphic Novel

Das Problem bei diesem Begriff ist die auftretend missbräuchliche Benutzung. Im Comicreport 2013  wird diese Praxis kurz und gut dargestellt, so sei es Gang und Gäbe Sammelereditionen von Heftserien  im Buchformat mit Zusatzmaterialien unter dem Etikett Graphic Novel herauszugeben. (vgl. Seite 118 im Comic Report 2013) Aber Graphic Novels, egal ob es nun Etikett ist oder nicht, soll an sich komplexere tiefgängigere Geschichten erzählen, am besten in sich abgeschlossen. So wie es Maus auch gewesen ist. Der missbräuchliche Umgang mit der Produktart liegt darin unter einem falschen Mantel altes Material mit hochpreisiger Verpackung zu verkaufen. Erst dadurch entstehen die gesamten Diskussion innerhalb der Leserschaft von Comics. 

Diese Diskussion selbst ist aber letztlich nicht die ausschlaggebende, viel schlimmer ist dass bei Kontakt von Nichtcomiclesern mit missbräuchlich benutztem „Graphic Novel“-Etikett der Eindruck entsteht, dass sich an den Inhalten von Comics sich Nichts geändert hat.

Wer liest also Graphic Novels oder besser: Wer sollte Sie lesen?

Bis zum Auftauchen dieses Begriffs galt der Status Quo von Comics/Manga. Und seit jeher haben Comicleser sich über die festgefahrene Meinung über Comics als Kindermedium geärgert. Man kann verstehen, dass sich innerhalb der Comicleserschaft ein Trotz gegenüber dem Begriff eingebürgert hat, da jahrzehntelang für die Etablierung des „Comic“-Begriffs gekämpft wurde. Nun ein neue Bezeichnung als Lösung anzuführen, wirkt auf den ersten Moment wie eine Ausweichmöglichkeit. Ich denke aber, dass wenn die Verlage dafür sorgen, dass die Graphic Novel nicht nur ein Sammelsurium von altem Material im neuen schönen Gewand ist, dann kann das noch was werden, mit dem Vergrößern der Comicleserschaft.

Schlußsatz

Denn letztlich soll nicht der dicke Superheldenleser, der arrogante Franko-Albenleser, oder die zahnbespangte BoysLove-Mangaleserin eine Graphic Novel lesen. Sondern alle anderen. Nämlich Du.

Freunde, die man sich nicht wünscht – Mein Freund Dahmer

Ausschnitt des „Mein Freund Dahmer“-Covers


Schuhe knirschen über den Asphalt. Sie knirschen immer weiter. Bis sie stoppen.
Wegen einer toten Katze. 


Das Milwaukee Monster schlägt wieder zu. Jedenfalls in unserem Gedächtnis, das mit dieser Graphic Novel aufgefrischt wird. Jeffrey Dahmer, bekannt als das Milwauke Monster tötete zwischen 1978 und 1991 um die 17 Männer. Und das hier ist seine Geschichte.

Diese Graphic Novel wird aus der Sicht eines näheren Bekannten des Massenmörders erzählt, dem Comiczeichner Derf Backderf (gleichzeitig Autor dieses Romans), der in seiner Nähe wohnt und in der High School sogar einen „Jeff Dahmer“ Fanclub gründete.

Aber von Anfang an.

Der ruhige Auftakt und das unausweichliche Ende

Die Schuhe vom Anfang gehören natürlich zu Jeff Dahmer. Er hebt die Katze auf und nimmt sie in seine Hände. Sein Gesicht ist in Schatten gehüllt, aber seine Augen stechen durch seine Brillengläser hervor. Er schleppt die Katze in den Wald und trifft dabei auf Jugendliche, denen er vorführt wie er die Katze in Säure auflöst. Er möchte sehen wie das Innere aussieht. Die Jugendlichen nennen ihn Freak und Jeff Dahmer steht alleine im Wald und symbolhaft zweigen Wege in die Dunkelheit des Waldes hinein.

Diese Prolog-Geschichte gibt die düstere Grundthematik der Graphic Novel perfekt wieder. Mit Jeff Dahmer stimmt etwas nicht und das wird in dieser ersten Szene unumstößlich klar. Jetzt könnte man, wie jedem Autor vorwerfen, die künstlerische Seite zu missbrauchen, um dieser wahren Geschichte etwas hinzuzufügen, jedoch hält sich der Autor sehr zurück. Und wo er es sich erlaubt, wird das im Anhang detailreich erklärt. 

Das Grafische an der Novel

Wie immer folge ich dem strengen Grundsatz, dass die Zeichnungen die Geschichte unterstützen müssen. Das gilt umso mehr bei einem grafischen Roman. Zu Anfang dachte ich bei dem Zeichenstil Backderfs an die alten MAD-Hefte, aber trotz dieses cartoonhaften Zeichenstils wird die Ernsthaftigkeit des Themas klar transportiert.

Natürlich fällt auf, dass sich die Figuren wie Schachfiguren in diesem Comic bewegen, deutlich erkennbar an der Szene mit der Bibliothekarin, die wütend nach dem Störer in der Bücherei sucht. Sie bewegt sich so schablonenhaft wie die Figuren aus South Park. Trotz der ewigen selben Perspektive und schablonenhaften Gestik und Mimik, ist die Geschichte so denkwürdig, dass der minimalistische Zeichenstil nicht stört. 

Der Weg in die Hölle

Jedoch wirkt der Zeichenstil an einer wichtigen Stelle sehr unterstützend: Bei Jeff Dahmers Mimik. Der wird als emotionsloser Typ beschrieben und das ist einer der Details, die sich durch die Graphic Novel zieht. Wir werden nicht in die Gedankenwelt von Jeff Dahmer hineingezogen, sondern in seine äußeren Umstände. Durch die Abwesenheit von Emotionen bei ihm, wird er uns fremd und wir können für diesen späteren Serienmörder keine Sympathie empfinden. Das ist auch ein erklärtes Ziel der Geschichte, Jeff Dahmers Weg anschauen, aber nicht in seine Gedankenwelt reingezogen werden.

Zweifel und Nachfragen

Negativ könnte man höchstens die des Öfteren verstreuten rhetorischen Fragen aus der Gedankenwelt des Autors nennen, die in Frage stellen, ob man den Abstieg des Jeff Dahmer hätte verhindern können. Letztendlich muss man die Fragen respektieren, da wahrscheinlich jeder als Bekannter eines Serienmörders sich diese Frage stellen könnte, letztlich hätte Backderf diese aber für meinen Geschmack weniger einstreuen 
können.

Ich gebe eine definitive Kaufempfehlung, da diese Graphic Novel von einer hohen Intensität lebt und die Geschichte gleichzeitig grausam und schonungslos den Abstieg eines Menschen zeigt.

Bewertung: 9/10

Positiv:
– wahre Geschichte
– intensive Schilderung mit reichlich Quellenangaben

Negativ:
– Hölzerne Mimik und Gestik der Figuren

Beschreibung zum Comic
Titel: Mein Freund Dahmer
Autor: Derf Backderf
Verlag: Metrolit
Link zur Beschreibung: http://metrolit.de/programm/walde-und-graf/mein-freund-dahmer

P.S.: Da mich Thema Graphic Novel schon seit meiner Diplomarbeit interessiert hat, werde ich nächste Woche wahrscheinlich einen Aufsatz über den Begriff Graphic Novel verfassen. Ich gebe aber noch innerhalb meines Blogs bekannt, ob ich es wirklich bis Sonntag schaffe.