Archiv der Kategorie: Graphic Novels

In Wellen in den Tod – Meine Tassen im Schrank – Graphic Novel Rezension

Kennst du das auch, dass dir an einem Tag alles gelingt und du bekommst das Gefühl du stehst über allen? An anderen Tagen fühlt es sich an als würde dein Leben von einem verstimmten Klavier begleitet werden, missgestimmt und nichts funktioniert? Diese Tage kennt jeder, aber es gibt Menschen bei denen sind diese Phasen um einiges krasser. Zu diesen Menschen gehört Ellen Forney und vielleicht auch….

Du.

Und ich….

Das Cover von Meine Tassen im Schrank von Ellen Forney
Das Cover von Meine Tassen im Schrank von Ellen Forney

Gedankenspiele rund um psychische Erkrankungen

Die Graphic Novel „Meine Tassen im Schrank“ hat als Thema „Bipolare Störungen“. Ein sehr ernstes Thema, so wie Depressionen und Leidensdruck bei Menschen. dass in unserem Land nur stiefmütterlich behandelt wird. Wie soll man sich das auch vorstellen? Bei einem körperlichen Schaden geht man zum Arzt und der versucht mit entsprechenden Maßnahmen den offensichtlichen Makel zu beheben.

Was aber machen Menschen mit psychischen Problemen? Man sieht es Ihnen ihr Leiden nicht an, wenn man nicht gerade Tourette-Syndrom hat. Symptome von Tourette werden gerne mal auf das Schreien von „Ficken! Arschloch!“ reduziert. (Dazu hier der Link zu einem interessanten Video, in dem ein Torette-Kranker gefragt wird, ob er mit seiner Krankeit provoziert)

Du bist verrückt
Auschnitt aus der Graphic Novel „Meine Tassen im Schrank“ – Ellen Forneys Gedankenwelt bei ihrer Diagnose

Aber eine bipolare Störung sieht man den Leuten nicht an. Viel eher kennt man diesen einen Typen, der so lustig ist oder den anderen Typen, der immer die Stimmung so runterzieht. Was wäre, wen das ein und dasselbe Person ist, nur an zwei verschiedenen Punkten seines bipolaren Verlaufs.

Bipolare Störungen: Von der eigenen Manie in die Depression

Bipolare Störungen sind ein Wechselbad von einer Manie, die sich durch eine übertriebene Euphorie, sozusagen eine Hoch-zeit, in der man aufgrund seines überdrehten Zustandes nur eingeschränkt für den Alltag zu gebrauchen ist

und

einer Depression, die sich bekanntlich durch traurige gelähmte Stimmung, die bis zu Suizidgedanken gehen könen, und das Gegenteil der Manie darstellen. Auch während der Depression ist man aufgrund einer Antriebslosigkeit nur sehr bedingt für den Alltag zu gebrauchen.

Und diese beiden Phasen erleben Betroffene wie in einer Achterbahn. Von einer hohen alles verzehrenden Manie bis zu einer die Person runterdrückende Depression. Und Ellen Forney ist eine Betroffene und hat ihre Erfahrungen mit bipolarer Störung in der Graphic Novel niedergezeichnet.

Zeichnungen einer Gefühlsachterbahn bei einer bipolaren Störung aus Meine Tassen im Schrank
Zeichnungen einer Gefühlsachterbahn bei einer bipolaren Störung aus Meine Tassen im Schrank

Weitere Infos zu dieser Krankheit findet ihr auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für bipolare Störungen e.V. Dort gibt es ein paar PDFs mit Infos zu dem Thema und auch deren Behandlung, für Interessierte eine gute erste Anlaufstelle.

Der Fall Ellen Forney: Meine Tassen im Schrank

Ellen Forney ist eine Comiczeichnerin (Ausschnitte ihrer Arbeiten auf ellenforney.com (engl.)), die in dem Graphic Novel ihr Leben mit der bipolaren Störung und deren Behandlung schildert. Der Band ist sehr gut aufgemacht, denn selbst die Aufteilung der Geschichte spiegelt diese sozusagen zweiphasige Krankheit gut wieder.

Die Hälfte des Bandes erleben wir Ellen als manische Person und in der anderen Hälfte als depressive Person. Ok, der Band hat 250 Seiten ungefähr und die Aufteilung ist 100 Seiten Manie und 100 Seiten Depression. 50 Seiten drehen sich sozusagen, um ihre endgültige Auseinandersetzung. Zu Anfang der Geschichte ist die Autorin wirklich aufgedreht und macht unglaublich über die Grenze gehende Sachen. Dazu gehört eine Mega-Geburtstagsfeier oder ein Fast-Nackt-Shooting mit anschließenden spontanen Lesbensex. Ellen Forney empfindet diese Phase selbst als ergiebig und sie sei auf dem Höhepunkt.

Ellen Forneys Zeichnung aus einer depressiven Phase, wie sie im Sofa gefangen ist
Ellen Forneys Zeichnung aus einer depressiven Phase, wie sie im Sofa gefangen ist

Gleichzeitig bespricht sie sich mit ihrer Therapeutin und die warnt vor der depressiven Phase. Doch Ellen denkt, dass die manische Phase für die depressive Phase vorsorgt. Im Laufe des Buches holt Sie die Phase ein und natürlich funktioniert ihre Taktik nicht. Und ihre Erkrankung versucht sie dann mit ihrer Therapeuten zu lösen, vor allem auch über die richtigen Medikamente. Im Laufe des Bandes ist es das wichtige Ziel die richtige Medikation zu finden und die Nebenwirkungen zu minimieren.

Ein Künstler muss verrückt sein! Aber auch bipolar verrückt?

Jetzt kommt eine weitere Komponente bei Ellen Forney hinzu, denn sie ist eine Comiczeichnerin, sprich eine Künstlerseele. Darum steht sie den medikamentösen Behandlungsmethoden skeptisch gegenüber, denn die Medikation würde ihre Kreativität einschränken. Und das sind die Dinge, die viele Künstler auch noch hier typischerweise, dass Künstler nur gut unter Schmerzen und Leid sind. Und dieser Kampf mit ihrer Kreativität und ihrer Krankheit ist neben ihrer persönlichen Erfahrung eine weitere interessante Ebene, die sie öfters mal anspricht.

Skizze aus "Meine Tassen im Schrank"
Skizze aus „Meine Tassen im Schrank“

Als Leser haben wir an diesem Dilemma, aber auch vielen anderen eine sehr intime Einsicht. Diese autobiografische Geschichte ist schonungslos offen und dient somit als sehr mitnehmende Geschichte zum Thema psychische Erkrankung.

Wie erzählst du uns deine Geschichte, Ellen Forney?

Die Autorin hat viel zu sagen, natürlich gibt es sehr viele Kleinigkeiten, in die sie sich verliert aber eine Textlastigkeit bei Graphic Novels ist nicht schlimm. Schließlich widmen sich Graphic Novels des Öfteren sehr komplexen Themen, die nicht alleine durch das Bild übermittelt werden können. Neben dem vielen Text gibt es aber auch sehr schöne wortlose Panels, in denen sie zum Beispiel Ellen sich total in ihre Couch zurückzieht, um ihre Haltung bei der Depression darzustellen. Der Hauptcomic wird zwischendrin von gezeichneten (ich denke echten) Skizzen unterbrochen, aus denen sich anhand des Stils und dem Motiv viel herauslesen lassen kann.

Im Gegensatz zu meiner „Wer ist hier die Mutter?“-Rezension bin ich hier von einem sehr eindringlichen Thema begeistert. Ellen schildert es sehr persönlich und bringt immer an den richtigen Stelen Fakten und Theorien, die nie stören. Die Zeichnungen sind sehr schön dynamisch und das Fehlen von Farbe stört kein Stück. Im Strich von Ellen Forney lässt sich sehr viel herauslesen.

Bipolar und du?

Ich muss zugeben beim Lesen habe ich einige Sachen wieder erkannt an mir selber. Auch ich kenne diese Phasen großer Euphorie, aber auch die Kehrseite. Aber bei mir haben sich nie suizidale Tendenzen eingeschlichen, trotzdem hat mich diese Geschichte berührt und in mir etwas bewegt. Vor allem diese nahe Beschreibung dieser Krankheit fand ich sehr interessant und hat so sehr mein Interesse geweckt, dass ich mich zu diesem Thema näher informiert habe. Und was kann es Besseres geben, als wenn eine Erzählung ein Thema in den Mittelpunkt stellt, dass ich sonst nicht so auf dem Schirm gehabt hätte.

Ich bedanke mich bei Ellen Forney für diese tolle ergreifende Geschichte und kann diese nur weiterempfehlen.

Bewertung: 10 / 10

Link zum Produkt:Meine Tassen im Schrank: Depressionen, Michelangelo und ich

Blogparade: Ach du neunte Kunst – Oder wie ich lernte Comics zu lieben

„… und als die Ente sich eine Maske überstreifte, seinen Onkel Dagobert vergaß und auch die Neffen fortschickte, da wurde ich leider erwachsen…“

Jetzt wage ich mich mal an ein neues Experiment. Das Experiment lautet Blogparade. Was ist eine Blogparade? Bei Blogparaden startet ein Artikel zu einem Thema und der Artikelschreiber kann weitere Leute animieren, ebenfalls zu dem Thema etwas zu schreiben.

In dem Start-Artikel werden dann die weiteren Artikel anderer Blogs aufgeführt. Worum soll es in meiner Blog-Parade gehen? Natürlich mein Thema sind Comics und wie man selbst den Weg zu der Leidenschaft Comics gefunden hat. Ihr könnt also bei der Blogparade mitmachen, wenn

  • ihr Lust habt einen Artikel zum Thema „Mein Weg zur Leidenschaft Comics / Graphic Novel / Manga und was mich an Comics fasziniert“
  • ihr auf diesen Artikel zurückverlinkt und ich auf euren Artikel mit einer kleinen Beschreibung verlinken darf.

Natürlich freue ich mich auch über Comicfans, die die Blogparade weiter teilen, so können Comicblogger sich viel besser vernetzen und lernen und gegenseitig auch besser kennen. Und hier folgt die Liste an Bogs, die über ihren Weg zu den Comics berichten:

1. Der Eckendenker-Artikel
Den ersten Artikel, der sich um die Geschichte seiner Comic-Leidenschaft meldet, schreibt der Eckendenker. In seinem Beitrag dreht es sich um eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen bezüglich des Comic-und Mangabereiches. Dabei spielen seine Ex-Freundin und Ebay eine kleine Rolle. Zusätzlich erzählt er auch noch über sein Interesse an Animes. Von mir bekommt er den Preis für den schnellsten Artikel, denn nur eine Stunde nach meiner Anfrage, war der Artikel da. 20-Finger-System?! Viel Spaß!

2. Der Comic-Community-Artikel von Steffen Liebschner
Steffen bringt uns den zweiten Artikel. Er erzählt uns den Weg, wie er Steinchen für Steinchen von den DDR-Digedags seinen Comic-Weg zu Green Lantern machte und wie daraus sogar ein Fan-Drehbuch für den Grünen Strahlemann dabei rum kam. Auch dir ein herzliches Dankeschön 🙂

Und hier folgt mein Beitrag zu „Mein Weg zu den Comics und warum  sie mich so faszinieren“:

Ach du neunte Kunst – oder wie ich lernte Comics zu lieben

Basti liest Comics in den Neunzigern
Ich lese Comics. Eine typische Pose meiner Jugend, versunken in einen Comic. In dem Fall Silver Surfer von Marvel.

Wie alle Geschichten fing auch diese ganz früh an. Als Kind mochte ich vor allem Geräusche. Immer wenn ich irgendetwas gemacht habe, habe ich das virtuos mit einem Geräusch unterlegt: ZAWASCHH! PSCHIUUUUUU! Und am liebsten habe ich mir immer vorgestellt, wie radioaktive Strahlen aus meinen Händen kommen. Lange vor dem Erkennen was Radioaktivität eigentlich für ein negativer Mist ist.

Aber jetzt direkt auf Superhelden zu kommen, wäre zu einfach. Denn dann hätte ich euch den klassischen Weg nicht genug geschildert, den andere auch durchgemacht haben. Und warum ich bei diesem Weg geblieben bin. Die ersten Comics, die mir unter die Nase kamen, waren natürlich nur Beilagen zu großartigen Gimmicks. Urzeitkrebse! (Bei denen das Futter eine Woche später kam) Um die Ecke-Gucker! Kaleidoskope! Wahnsinn, all das ganze Zeug, wofür die Kinder von heute Apps haben. Aber wir mussten damals mit Leim und Pappe klarkommen. (Jetzt klinge ich das erste Mal wie meine Eltern :0) Und dabei geholfen hat immer ein bisschen die Fantasie. ZOINK! WADUSCH!

Aber irgendwann wurden die kleinen Geschichten in dem Heft immer interessanter Erst das Känguru mit dem ewig gleichen Muster und dann die Ente im Matrosenanzug. Micky Maus war für mich von den Geschichten immer eher wie Superman, einfach zu perfekt und für alles immer eine Lösung.

Donald in einer typischen schnatternden Pose mit seinem Onkel Dagobert
Donald in einer typischen schnatternden Pose mit seinem Onkel Dagobert

Donald Duck ist jähzornig und hat dauernd Pech. Also eine Ente wie du und ich. Und noch interessanter war dessen Onkel, (weil es gibt ja nur Onkel und Tanten in Entenhausen) der in seiner grenzenlosen Gier Donald immer ausnutzt. Schließlich gab es im Micky Maus Heft neben den eher lockeren lustigen Geschichten, auch immer ernstere Abenteuergeschichten, zumeist mit Dagobert, die einen scönen Reflex in mir ausgelöst haben: Der Frage, wie es nächste Woche weitergeht. Die beste Geschichte für mich, kam auch von meinem Lieblings-Entenzeichner, nämlich Don Rosa. Dagobert duelliert sich in einem Wettlauf um einen Inkaschatz, der gehoben werden möchte. Soviele Details in den Zeichnungen und diese Abenteuer. Wenn nicht Donald irgendwann seinen Fetisch für Spandexunterwäsche gefunden hätte, wäre ich wahrscheinlich weiter an den Abenteuern hängen geblieben.

Spirou und Fantasio auf dem Weg durch Australien. Natürlich auf der Suche nach Graf Rummelsdorf.
Spirou und Fantasio auf dem Weg durch Australien. Natürlich auf der Suche nach Graf Rummelsdorf.

Diese Abenteuerlust habe ich kurzzeitig ausgelebt. Tjaha, wilde Zeiten mit Action und Trara, das konnte es nur in einer katholischen Bücherei geben. Die alten Damen kamen mir gleichzeitig schrecklich vor, die hinter dem Tresen auf die Rückgabe der Comic-Alben gewartet haben, und doch hatte ich auch Mitleid. Der dicke Nerd fast jeden Tag aufs Neue vor der Tür um noch mehr Alben zu lesen. Ich entdeckte Spirou und Fantasio, das Marsupilami und Pip, das Einhörnchen gab es hier. Und auch Gaston, sowie Asterix und Obelix. Es gab 5 Reihen mit Büchern und ich habe sie alle gelesen, ich hatte die Zeit, während die ??? mich mit ihren noch einfachen Fällen damals begleiteten. Da war ich der Abenteuerer. Und interessanterweise lag die Offenbarung nicht weit weg, denn in den Regalen schlummerte einer der Werke, die meine Sicht über Comics vollständig  verwandelt hat. Bei dem ich gemerkt habe, was ich eigentlich die ganze Zeit da gemacht habe.

Phantomias kehrt zurück in diesem Premiumband, der endlich mal mehr Futter für mich Phantomiasfreund bedeutet.
Phantomias kehrt zurück in diesem Premiumband, der endlich mal mehr Futter für mich Phantomiasfreund bedeutet.

Aber zuvor kam mir diese Ente dazwischen. Und ihr Freizeitanzug, den es nachts anzieht. Man muss sich das mal vorstellen. Die gleiche Ente, die sonst immer auf den Bürzel fällt, einen lustigen blauen Matrosenanzug trägt, war auf einmal anders. Ernster. Und vor allem hatte diese Ente einen Hightech-Tower mit zahlreichen Sperenzchen und einer künstlichen Intelligenz hinter sich. Ja, Donald war jetzt ein Superheld! Er wurde zu Phantomias. Er kämpfte gegen Außerirdische und einen eifrigen neugierigen Reporter. Wie kann man das den heutigen Kindern / jugendlichen beibringen? Das ist ungefähr wie Hannah Montana, auch bekannt als Miley Cirus, die in ihren Kindertagen höchstens mal an einem Lolli geleckt hat und heute lieber an Werkzeugen sich verausgabt. Nackt. Donald als ernstgemeinter Superheld. Und wie gut, das funktionierte. Es waren Bedrohungen im Spiel und Technik und viel KLAWUSCH! So muss das krachen. Und von einer Ente als dunkler Enterich bis zu einem Millionärswaisen mit Fledermausphobie ist der Weg  auch nicht soweit.

Scott McCloud erklärt in "Comics richtig lesen" die Welt der Neunten Kunst.
Scott McCloud erklärt in „Comics richtig lesen“ die Welt der Neunten Kunst.

Aber vorher pochte immer noch dieses Buch/Comic  in der Bibliothek und griff mit seiner Offenheit meine Sehnerven und mein Gehirn an. Und es war weder ein fiktionaler Comic, noch ein Manga, noch eine Graphic Novel, sondern ein Sachcomic. Ein Comic über COmics. Und ganz ehrlich hatte ich gar keine Ahnung, was ich da Wertvolles gelesen habe. Was es war? „Comics richtig lesen“ von Scott McCloud war ein einfach gezeichneter Comic, der erst im Nachgang seine Magie entfalten hat. Er erklärt warum Comics so einzigartig sind und das in einem Comic – was gibt es Nerdigeres. Ich kann diesen Comic nur jeden ans Herz legen, der immer noch glaubt, dass das alles Kinderkram.  Aber ein Comic, der behauptete Comics seien kein Kinderkram, der hat es erstmal schwierig. Da war es, vor allem in Deutschland einfacher mit einem Themenklopper zu kommen, der jeden erstmal verstummen lässt: der Holocaust.

Die beiden sehr bewegenden Maus-Bände erzählen die Geschichte eines jüdischen Schicksals zur Zeiten des zweiten Weltkriegs.
Die beiden sehr bewegenden Maus-Bände erzählen die Geschichte eines jüdischen Schicksals zur Zeiten des zweiten Weltkriegs.

In der Bibliothek entdeckte ich Maus und ich weiß noch wie ergriffen, ich von dieser Lektüre war. Die Darstellung der nationalsozialistischen Verbrechen verbunden mit einem cartoonhaften Zeichenstil hat mich wochenlang beschäftigt. Ich stand in einem inneren Zwiespalt. Ich kannte die Ansicht der Leute um mich herum, dass Comics Kinderkram sind und gleichzeitig lag der Gegenbeweis in meiner Hand. Anstatt zu kämpfen oder Leute nerdig mit meinen Comics zu missionieren, habe ich es bevorzugt alles für mich zu behalten. Irgendwann hat auch die Maus- Erleuchtung nachgelassen und ich habe mich Männern mit Strumpfhosen zugewidmet.

Eine Batman-Ausgabe aus der Niemandsland-Zeit als Gotham CIty in Schutt und Asche lag.
Eine Batman-Ausgabe aus der Niemandsland-Zeit als Gotham CIty in Schutt und Asche lag.

Und das zu einer Zeit mit einer Sorte von Comics, die auf jedenfall pubertärer Jungskram sind. Und zu dem Zeitpunkt kam auch einer meiner prägendsten Erlebnisse für meine Comic-Laufbahn zustande. Ich ging in die fünfte Klasse und meine ersten Deutschklausuren ließen Fünfen auf mich herabregnen wie saurer Regen. Und schließlich, weil es so brisant war, kam es zur Begegnung meiner Deutschlehrerin mit meinem Vater. Auf diesem Elternsprechtag meinte meine Deutschlehrerin zu den verhauenen Klausuren: „Ich denke ihr Sohn ist so schlecht, weil er Comics liest. Vielleicht gehört er deswegen auch in Behandlung!“ Damals dachte ich: „Oh nein, diese Comics gefährden meinen Platz in der neuen Schule. Heute denke ich: Deutschlehrerin: FUCK OFF! Ich hab noch lange Comics gelesen und das Erlebnis hinter mir gelassen.

Statt diesem Ratschlag meiner Lehrerin hat irgendwann meine Leidenschaft abgenommen. Zentral gebe ich sogar den Superheldencomics ein bisschen die Schuld. Irgendwann sind alle Helden mal wiederauferstanden und schon wieder gestorben. Es gab keine Fallhöhe mehr. Ich wendete mich an sogenannte höhere Literatur. Obwohl das Quatsch war, wie die Graphic Novels es heutzutage immer wieder beweisen. Schließlich wurde meine Leidenschaft wieder erweckt, durch eine Geburt!

Meine Comicsammlung in den 90er. Ein Teil davon. In verpixelter Grafik ;)
Meine Comicsammlung in den 90er. Ein Teil davon. In verpixelter Grafik 😉

 

Ja, denn ich wurde wieder geboren. Das Internet bringt soviele Persönlichkeiten, die Comics lesen zusammen und die miteinander in Kontakt treten. Eine Idee wurde geboren, Comics zu lesen und meine Meinung preiszugeben. Das gibt es zwar schon zu Hauf (denke ich) aber für mich war das etwas völlig Neues. In meiner Schulzeit habe ich verschämt Comics gelesen und keinen damit belästigt. Doch mit der Geburt des COMICers habe ich mir einen kleinen Traum erfüllt. Ich zeige mich als Comicleser/nerd/fanat und bin stolz drauf. Das war etwas, was ich bis jetzt nie gezeigt hatte.

Ich lese Comics und ich bin einen weiten Weg bis zum DerCOMICer-Blog gegangen. Und ich liebe Comics, denn sie schaffen es als einziges Zeit in räumlichen Dimensionen darzustellen und haben eine Magie, die keine anderes Medium hat. Es ist persönlich und gleichzeitig für alle, es ist Kunst und gleichzeitig Literatur. Es verbindet den Tanz der Bilder mit dem Klang von Worten und das ist der Grund, warum ich Comics liebe und lieben gelernt habe.

„Klingonisch wie in Star Wars“ – Aufgezeichnet.tv mit Hella von Sinnen am 6. Februar – Erfahrungsbericht

Aufgezeichnet.tv Set in der 1.Etage der Ludwig Buchhandlung
Dasselbe mit Beschriftung (entschuldigt die Bildqualität)

 

Es ist richtig schön, was für einen Ideenreichtum der Autor von SAGA hat, er benutzt sogar eine von Esperanto inspirierte Sprache. Er hat genauso eine Sprache eingebracht wie Klingonisch in Star Wars, so ungefähr könnte man Hella von Sinnen bei einer Aufzeichnung eines Aufgezeichnet.tv-Comic-Talks zitieren. Und sofort kam der nerdische Buh-Reflex. Hella schaut irritiert in die Menge und macht ein sehr fragendes Gesicht. Natürlich rettete sie sich wie immer raus, aber ansonsten gab es auch keine großen Fauxpas bei diesem Comic-Talk mit Ralf König, Daniela Winkler und Kai Meyer.

 

(Achtung: Das ist alles nur ein Gedächtnisprotokoll, sollten grobe Schnitzer auftauchen, bitte sofort melden)

 

Die Ludwig Buchhandlung lädt ein – die Nerdmeute folgt

 

Natürlich fing man nicht pünktlich an. Und klar gab es ein paar wichtige Anforderungen gegenüber dem Setting. Wichtiges Detail war zum Beispiel der Strohhalm in einem der vier Trinkgläser. Es durfte nur dieser eine Strohhalm sein, das war eine Bedingung der Gäste, so eine Insiderin. (Diesen Satz wollte ich schon immer mal schreiben, weil er bei der InTouch 60 % aller Quellenangaben ausmacht) 

 

Aber selbst solcherlei Skurrilitäten konnten den Abend nicht toppen. Schliesslich ploppten hier und da mal die Beteiligten schon vorher auf und verschwanden kurz darauf wieder. Bis schliesslich der Regisseur, Carsten Meissner, auftrat und obligatorische Aufnahmen vom Publikum forderte. Da ich das schon von TV-Aufzeichnungen kannte, klatschte ich routiniert mit runter. Natürlich musste ich ein paar „Arriba“-Rufe einstreuen. Und dann kam Hella, die mit einer liebevollen Begrüßung die Zuschauer begrüßte. Ihre Formulierung „liebe Netzstecker“ anstatt „liebe Nation“ erwärmte das Publikum sofort. Und dann ging der Talk auch schon los.

 

Bunt schillernde Gäste von blauen Haaren bis zum Wolkenvolk

 

Nochmal zu den Gästen: Ich fange mal mit der Dame an. Daniela Winkler, war mir bis zu dem Zeitpunkt leider nicht bekannt, ein hilfsbereiter Nachbar klärte mich aber zu ihren Comicveröffentlichungen auf. Ihr Manga (ich bin mir nicht sicher, ob man in Europa Euromanga sagt, da nicht aus Japan) „Grablicht – Band 1“ gewann den hochdotierten Max-und-Moritzpreis. Ihre frischen jungen Einsichten waren des Öfteren hilfreich, wenn die anderen Gäste nicht mal einer Meinung waren. Schönstes Erlebnis war, als Hella zu sich selber meinte „Die Dicke hat sich vorbereitet“ das Daniela sich angesprochen fühlte und auch direkt mal anführte, dass sie sich natürlich vorbereitet hatte.

 

Kai Meyer war mir vom Namen und den Fantasy-Publikationen schon her bekannter, darunter „Das Wolkenvolk“, ich selber, und Hella ebenso, hatte noch nie was von ihm gelesen. Schönster Moment war, dass Hella meinte, er hätte 50 Millionen Bestseller verkauft hätte, Kai sie aber verbessert und meinte er hätte nie soviele verkauft. Da meinte Frau von Sinnen dass er 50 Bücher geschrieben hätte.

 

Und schlussendlich Ralf König, der Knollennasenspezialist und einer der bekanntesten schwulen Comiczeichner, der selbst gerne über homosexuelle Themen zeichnet. Man bemerkte, dass Hella und Ralf sich freundschaftlich zugetan waren.

 

Die fantastischen Vier: Saga, Calvin und Hobbes, Blau ist eine warme Farbe, Daytrippers

 

Zuerst begann die Runde mit Daytrippers einem Comic, den ich ein Tag zuvor extra gekauft hatte um beim drei Viertel der Comics mitreden zu können. In Daytrippers geht es um einen Autor von Nachrufen in der Zeitung, der immer wieder mit Tod konfrontiert wird. Was mir beim Lesen aufgefallen war und was interessanterweise sofort von Ralf König angesprochen wurde, war die Lobhudelei am Anfang des Bandes, die eine riesige Erwartungshaltung im Leser aufgebaut hat. Während Ralf König und Kai Meyer viel zu kritisieren hatte, blieb Hella vollauf begeistert von dieser Lyrischen Comicreise.

 

Im Anschluss wurde mein persönlicher Lieblingscomic beschrieben: Calvin und Hobbes. Bei allen vier Sprechenden kam hellauf Begeisterung auf. Interessant wurde es bei dem Thema Merchandising. Während zwei der Gäste + Hella die Einstellung des Autors Watterson gegenüber Verbot jeglichen C.-u.-H.-Merchandisings positiv gegenüberstanden, argumentierte Daniela Winkler damit, dass nur Menschen mit genügend anderen Einnahmequellen sich das leisten könnten. Grundsätzlich könne sie seine Einstellung aber nachvollziehen.

 

Als Drittes lief „Blau ist eine warme Farbe“ auf. Den kenne ich jetzt nicht, aber auch hier kam eine ausführliche Diskussion zum Thema Homosexualität auf. Jedoch fanden die meisten den Comic als zu vorhersehbar. In dem Comic geht es klassisch um ein Coming Out, in dem Fall im lesbischen Milieu.

 

Zuletzt nach einer kleinen Erfrischungspause, mit Hella schön barsch mit den Worten „Hier kriegt man ja keine Luft“ unterlegt, ging es um Saga. Hier waren sich fast alle einig über die Schönheit des Werkes, bis auf Ralf König. Der hielt gar nichts davon und es sei alles nur eine Vermischung von Versatzstücken. 

 

Ende Gelände mit großem Dank auf beiden Seiten

 

Hella verabschiedete sich mit großem Dank und in ihrer bekannt liebenswürdigen Art vom Publikum und alles im allem hörte man von Teilnehmern auch nur positives Feedback. Hella hat versucht sich auf einem Minenfeld (siehe Star Wars und Star Trek) so vorsichtig wie möglich für eine „dicke Tante“ (Selbstzitat Hella). Und sie hat es sehr sympathisch gemacht und auch die Gäste haben interessante Einsichten zu den Themen beigesteuert. Also Hut ab, liebes Aufgezeichnet.tv. Bitte mehr davon!

 

Sobald das Webvideo da ist, poste ich hier den Link.

 

Und wenn dein Schweinehund es besser weiß? Rezension von Sascha Hommers "Vier Augen"

Vier Augen – Cover


Du sitzt rum, ziehst dir ein bisschen Gras rein und fährst dein Leben gegen die Wand. So oder so ähnlich könnte man die gesamte Coming-of-Age-Literatur beschreiben. Und mit „Vier Augen“ beschreitet Sascha Hommer diesen Weg. Wir begleiten ihm mal ein Stück.


Wohin mit mir?


Wir bewegen uns im Rahmen des autobiografischen Kosmos des Autors. Eingerahmt wird die Geschichte von Sascha, der mit seinem imaginären Hund spricht und ihm die Geschichte erzählt, wie sie sich kennengelernt haben. So einen imaginären Hund muss man ja erstmal kennenlernen.


Rauchen, Drogen nehmen, Rummachen und von vorn


Den Hauptteil der Geschichte macht Drogennehmen, Rummachen und Drogen nehmen aus. Also Ansätze einer ganz normalen Pubertät. Man erfährt wie die Figur seine erste Freundin bekommt und wie sie auseinandergehen. Tja, ohne zuviel zu verraten, war es das eigentlich auch. Und hier bin ich am Ende meines Lateins oder vielleicht auch meines Verstehens. Was will man mir dann jetzt eigentlich erzählen? Das Zuviel Drogen nehmen schlecht ist Das Pubertät anstrengend ist? Ich komme nicht dahinter. Klar steht der Hund für eine hochgeistige Metapher und zwar des Loslassens. Aber ich meine, mit gebührendem Respekt vor dem Werk, das kennt man doch schon.

Vier Augen- Beispielseite

Zeichnungen passen zu einer Graphic Novel


Ehrlichgesagt passen die Strichzeichnungen klar zu einem autobiografischen Graphic Novel. Man erkennt alles und die Striche geben eine schön unsichere düster geprägte Welt wieder. Nur leider haut mich die Geschichte nicht um. Und mehr fällt mir dazu auch leider nicht ein. Ich habe mich aber mal erkundigt und ich es immer pauschal nicht so optimal finde ein Werk zu verreissen und damit den Geschmack für weitere Sachen von dem Künstler zu verderben, verlinke ich hier mal zu Sascha Hommers Homepage. Dort finden sich einige Projekte, die ich weitaus interessanter finde.

Bewertung: 4 / 10

Positiv: 
– Zeichnungen passen

Negativ:
– Geschichte ist öde und auch nicht ganz verständlich was sie will