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Da ist Dampf dahinter – Steam Noir Band 1 Rezension

Roboter aus Steam Noir
Roboter aus Steam Noir

Stechender Schmerz in der Brust. Ich ziehe die Armatur näher und überprüfe auf meinem Bildschirm die Werte meines Herzens. Es schlägt nicht mehr. Das ist gut, denn es ist kupfern. Willkommen in der Steam Noir-Welt!

Verpackung hui, innen ?

Also ich habe mir letztlich diesen Band gekauft, weil ich das Cover richtig gut finde. Ein stählerner Roboter mit großen Händen greift nach mir und will mich in den Bann ziehen. Was habe ich mir also vorgestellt? Große mechanische Gebilde, voller Technisierungsgrad in jedem Bild, eine andere Art von Science Fiction mit dampfgetriebenen Mechanismen, das was Steam Noir ausmacht. Aber leider fehlte es mir da etwas an genau dem.

Dampf-Welt, die deutsche Bahn würde es freuen

Steam Noir gehört vom Stil her in das Steampunk-Genre. Schnell recherchiert (http://de.wikipedia.org/wiki/Steampunk), erkennt man das Steampunk eine eigene Stilrichtung bestehend aus viktorianischen Reminisenzen und dampfgetriebener Sci-Fi-Mechanik. Diese Richtung gab es schon 1980, aber in der letzten Zeit hat sich das Genre wieder mehr in die Unterhaltungsmedien eingeschmuggelt. An Filmen fällt mir zum Beispiel Hugo Cabrese ein, bei weiteren Beispielen verlässt mich mein Gedächtnis.

Doppelseite von Steam Noir 1: Kupfernes Herz
Doppelseite aus Steam Noir Band 1: Kupfernes Herz

Jetzt aber mal Tacho-les zur Geschichte

Erstmal schön die Hauptcharaktere aufdröseln: Da wäre zu allererst mal Heinrich Lerchenwald, ein dandyhafter Bizarromant, Richard Hirschmann, ein dicker Roboter mit Seele und Frau D, Tatortermittlerin. Eigentlich muss man sagen, dass alle drei Tatortermittler für den Leonardsbund sind. Schauplatz ist eine Welt in den Wolken, nur nicht so schön poppig bunt wie in Star Wars. Die drei unterschiedlichen Ermittler suchen im ersten band von Steam Noir nach den Mördern eines kleines Waisenkindes mit Kupferherz. Das Kupferherz scheint ein wichtigerer Bestandteil zu sein als gedacht, denn auch verschiedene Gruppierungen drängen immer wieder auf den Fund des Kupferherzens.

Zuviel Schall und Dampf?!

Im ersten Band ist es größtenteils ein Abklappern verschiedener Informanten und zum Ende des ersten Bandes eine kleine Feier.Zwischen durch werden wir immer wieder mit Information bepflastert, die uns die Welt in Bruchstücken näherbringt.  Mein Problem ist, dass es mir immer noch zuwenig Informationen sind und mich die einzelnen Charaktere auch nicht sonderlich packen. Am herausstechendsten finde ich noch den Roboter Richard Hirschmann, der übermächtig aussieht, aber doch im Herzen wahrscheinlich ein sensibler Roboter ist. Die anderen beiden Ermittler halte ich für relativ farblos und ich kann mich weder mit dem „lässigen“ Bizarromant noch mit der kalten Frau D. anfreunden.

Und wo sind eigentlich die Maschinen? Vielleicht habe ich einfach zuviel Steam erwartet, ist es letztlich auch nur ein Stil-Kleid für eine der ewig gleichen Geschichten. Wobei ich dem Band zu Gute halten muss, dass ich mich natürlich trotzdem frage, was mit dem Kupferherz los ist. Soviel falsch haben die Autoren also doch nicht gemacht. Bei den Zeichnungen ist es viel braun-grüner Quark, in dem zwischendurch die Zeichnungen ein wenig zu klobig wirken.

Komm, hab ein (Kupfer-)herz

Positiv ist das Format des Bandes. Das Hardcover-Alben-Format wirkt schön stabil und liegt gut in der Hand, trotz der DIN A4 Größe. Ansonsten hat mich Steam Noir nicht so sehr überzeugt, das liegt daran, dass meine persönlichen Erwartungen nicht getroffen. Mit Erwartungen ist es aber wie mit Meinungen, die sind sehr individuell und schließlich hat diese Reihe den Sondermann im Jahre 2012 gewonnen. Ein paar Leuten muss er also gefallen haben 😉

Auschnitt aus dem Cover von Steam Noir 1
Ausschnitt aus dem Cover von Steam Noir 1: Kupfernes Herz

Bewertung: 5 / 10

Positiv: 
– schönes Format
– interessante Charaktere wie den Roboter mit Seele

Negativ:
– grün-brauner Farbquark auf den Seiten
– schwere Identifikaton mit den Figuren
– zuwenig dampfgetriebene Science-Fiction-Action